wie die des Jupiter, noch in gasförmigem Zustande. Auf der Oberfläche des Saturn sind nicht viele Einzelheiten wahrzunehmen. Der Planet bleibt selbst im günstigsten Falle noch immer 1200 Millionen Kilometer von uns entfernt, und da er bei seinem großen Abstande von der Sonne auch verhältnißmäßig wenig Licht erhält, so ist es schwierig, Einzelheiten auf ihm zu beobachten. Ein paar Streifen, die vielleicht wolkenartiger Natur sind, konnten mitunter gesehen werden, das war aber auch alles. Aus diesem Grunde konnte auch die Umdrehungszeit des Planeten nur annähernd bestimmt werden — nur 10 Stunden 16 Minuten braucht dieser gewaltige Ball, nach der Beobachtung Sir William Herr- schels, um sich einmal um seine Achse zu drehen. Uns erscheint der Planet durchschnittlich in der Helligkeit eines Sternes erster Größe und schimmert in grünlichem Lichte. Seine Helligkeit ist natürlich je nach der Entfernung, in der er sich von uns befindet, verschieden. Saturn ist von acht Monden umgeben, der ihm nächste ist etwa halb soweit von ihm entfernt, wie unser Mond von der Erde, während der letzte zwanzigmal soweit entfernt ist, als der erste. Fünf von diefen Trabanten, der 3., 4., 5., 6. und 8, sind schon in kleineren Fernrohren sichtbar und wurden schon im 17. Jahrhundert entdeckt. Der erste und zweite erfordern schon ein stärkeres Teleskop. Sie fand Herrschet wenige Wochen hinter einander im Jahre 1789. Der 7. Mond endlich, der auch erst in der Mitte dieses Jahrhunderts entdeckt wurde, kann nur in großen Fernrohren erblickt werden. Außer diesen Monden ist der Saturn noch von einem Ringsystem umgeben. Dieser eigenartigen Erscheinung, soll indessen ein besonderer Artikel gewidmet werden.
Hersfeld, 6. Mai. Der Oberkirchenrath hat die Konsistorien beauftragt, folgenden Erlaß zur Kenntniß der Geistlichen zu bringen: Unser Volk begeht am 10. Mai, Sonntag Rogate, den 25jährigen Gedenktag des Frankfurter Friedens, des Schlußsteines jenes gewaltigen Kampfes, der dem deutschen Vaterlande einen Kaiser und den getrennten deutschen Stämmen die langersehnte Einigung wiedergab, des Schlußsteines auch der festlichen Erinnerung an jene große Zeit, die in der vaterländischen Gedenkfeier der Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches am 18. Januar ihren Höhepunkt gefunden hat. Wir dürfen vertrauen, daß die Gemeinden unserer Landeskirche auch an heiliger Stätte gern des 10. Mai als des Schluß- und Denksteins göttlicher Barmherzigkeit, die unserem Volke wiederfahren ist, gedenken, und die Herren Geistlichen den rechten Festton als am Sonntag Rogate in Danken und Loben, aber auch in Bitten und Beten anzuschlagen wissen werden, daß unserem Volke in allen seinen Ständen und Schichten zum Friedensfeste auch der Friedensgeist aus der Höhe geschenkt und gemehrt werde, „für solche Barmherzigkeit dem Herrn zu danken und das neu geschenkte Gut des Friedens in aufrichtigem und demüthigem Geiste zu seines Namens Ehre zu pflegen," wie unser in Gott ruhender Heldenkaiser sein Volk damals gemahnt hat.
Hersfeld, 6. Mai. (I a g d k a l e n d e r.) Im Monat Mai ist Jagdzeit für Schwarzwild, männliches Edel- und Damwild, Rehböcke, alles Raubzeug, wilde Tauben, alles Wild, welches nicht setzt oder nistet, ferner für Auer-, Birk- und Fasanen-Hähne. — Hegezeit ist für weibliches Rehwild, Dachs bis zum 15. Mai, Enten, Trappen, Schnepfen-Arten, Brachvögel und Kiebitze, Rebhühner und alles übrige Wild.
t Willingshaitt, 5. Mai. Von einem bedauerlichen Unfall wurde am Freitag Nachmittag die Ehefrau des Peter Jckler von hier betroffen. Dieselbe hatte sich in die Küche begeben, um ihrem von der Arbeit heimgekehrten Manne das Essen zu holen. In die Wobnstube zurückgekehrt, glitt sie aus und brach den linken Oberschenkel.
Rotenburg, 4. Mai. In der vorgestern hier statt- gefundenen Sitzung des Comitös für die hier stattfindende landwirthschaftliche Ausstellung für den Regierungsbezirk Hefsen-Cassel wurde beschloffen, daß am Freitag den 10. Juli cr. die Ausstellung im hiesigen Mauerngarten mit Maschinen und Geflügel eröffnet werden soll. Am selben Tage findet auch eine Generalversammlung und später ein Festesten im „Engel" statt. Sonnabend den 11. Juli werden Pferde, Rindvieh und Ziegen ausgestellt. Nachmittags ist die Prämiirung und Abends eine Verloofung. Für den Sonntag ist eine Partie nach dem Alheimer geplant und wird allgemeines Volksfest im Mauerngarten stattsinden. Man sieht einer recht regen Betheiligung entgegen und wird jedem Besucher manches Interessante und Angenehme geboten werden. (Kr.)
Cassel, 5. Mai. Eine hiesige Familie wurde am gestrigen Tage schwer heimgesucht und in tiefe Trauer versetzt. Die junge Frau wurde plötzlich irrsinnig und mußte nach Marburg überführt werden. Die Mutter der Unglücklichen nahm sich den traurigen Fall so zu Herzen, daß sie alsbald verstarb. (T.)
Cassel, 5. Mai. In verflossener Nacht wurde ein Einbruchsdiebstahl in der katholischen Kirche ausgeführt. Die Diebe hatten sich in den Hof der Kriegsschule eingeschlichen, vor dem großen dorthin führenden Fenster der Kirche die Eisenstangen verbogen, die Scheiben eingedrückt und waren so ins Innere gelangt. Sie erbrachen zwei Opferstöcke und beraubten dieselben ihres Inhalts, doch dürften sie von dem Ergebniß nicht so sehr befriedigt gewesen sein, da vor wenigen Tagen eine Entleerung der Büchsen bewirkt worden war. Die Diebe sind dann auf dem Wege, der sie hineingeführt, wieder unbemerkt entkommen.
Marburg, 2. Mai. Eine interessante Operation glückte, wie die „H. L." zu melden weiß, vor einigen Tagen dem Direktor der hiesigen Poliklinik für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten, Herrn Professor Dr. Ostmann. Er entfernte einem 32 Jahre alten Manne eine Messerspitze von 1 cm Länge aus dem Ohre. Letzterer erhielt vor 13 Jahren bei einer Schlägerei einen Stich neben dem Ohr. Vor einem Jahr nun entstand in diesem eine Eiterung. Als das Leiden sich verschlimmerte, wurde der Mann in die hiesige obgedachte Klinik gebracht. Professor Ostmann vermuthete einen Fremdkörper im Ohr, und die Diagnose bestätigte sich. Es gelang mittelst einer zweistündigen Operation, die Messerspitze, die damals abgebrochen war, herauszuholen.
Grebenstein, 5. Mai. Vor einigen Tagen wurde der bei seinem Bruder in der Schmiede beschäftigte jüngere Smied Lehnebach beim Hufbeschlag eines sehr unruhigen Pferdes von diesem so unglücklich vor den Leib geschlagen, daß er nach einigen Stunden unter großen Schmerzen verstarb. Der Fall wird allgemein bedauert.
Langenstein, 4. Mai. In der Nacht vom 2. zum 3. Mai machte der Forstausseher Metz von hier mittelst eines Revolverschusses in die Stirn seinem Leben ein Ende.
Vacha, 3. Mai. In dem auf dem rechtsseitigen Ufer der Werra unterhalb Dorndorf stehenden Bohrwerk herrschte am Freilag großer Jubel. Auf der Spitze des Thurmes erschien plötzlich die Fahne und weithin erklang das vom Bohrpersonal gesungene Lied: „Nun danket Alle Gott!" Schon seit Wochen hatte man ununterbrochen gebohrt und obgleich man eine Tiefe von ca. 400 Meter erreicht hatte, fchien sich die Hoffnung, auf Salz zu stoßen, nicht erfüllen zu wollen. Da, endlich — es war am Freitag — wies der Bohrkern in einer Tiefe von 420 Meter das lange erhoffte Mineral auf.
Wiesbaden, 4. Mai. Der Rendant Großmann von der Korrigenden-Anstalt zu Hadamar ist wegen bedeutender Unterschlagungen verhaftet.
Vermischtes.
— Aachen, 4. Mai. Auf der Waldstrecke der Aachener Kleinbahn fuhr ein führerloser Motorwagen einen Berg hinab gegen einen anderen Motorwagen. Vier Personen wurden schwer, sieben Personen leicht verletzt. Der Materialschaden ist nicht unbedeutend.
— Seit Jahren ist es den Behörden nicht gelungen, eines Haberfeldtreibers habhaft zu werden, obwohl alle Jahre im Hochland und im Gebirgsvorland nach Beendigung der Ernte große Treibe vorkommen. Jetzt ist, wie man der Frkf. Ztg." aus München schreibt, die Behörde einer großen Zahl von Haberern auf die Spur gekommen. Ganze Familien sind gefänglich eingezogen ivorden. Die Haberer beschränkten sich in einem Falle nicht auf die Ausübung ihrer althergebrachten Volksjustiz, sondern verübten auf ihrem Weg aus Roheit allerlei Unfug, der viel Schaden anrichtete. Ein Bauer, dem sie ohne Anlaß Vieh tödteten, zeigte die ihm bekannten Personen an.
— Eine seltene Verwegenheit bewies eine fremde Dame in einem Konstanzer Hotel, welche wegen verschiedener Vergehen verhaftet werden sollte. Da dieselbe ihre Toilette noch nicht beendet hatte, wartete der Schutzmann vor der Thür ihres im dritten Stocke gelegenen Zimmers. Als dies zu lange dauerte, schaute er nach und fand das Zimmer leer. Die Dame hatte sich an der Rouleauxschnur auf die Veranda im zweiten Stock herabgelassen, war von dort aus in den Hof gesprungen und hatte sich unversehrt aus dem Staube gemacht.
— Aus Pillka llen wird über den Ortssinn eines Pferdes berichtet: Der Besitzer R. zu S. war kürzlich nach Wladislawowa zum Jahrmarkt gefahren. Auf der Heimfahrt verfiel er in einen festen Schlaf. Als er aus demselben erwachte, befand er sich zu seinem nicht geringen Schrecken auf einem ihm gänzlich unbekannten russischen Gehöft. Das Thier, welches von diesem polnischen Besitzer vor mehreren Jahren nach Preußen verkauft worden war, hatte also seine alte Heimath nach so langer Zeit wieder aufgefunden.
— Aus Prag wird berichtet: Sämmtliche Ortschaften an der Moldau melden ein fortwährendes Steigen des Hochwassers in Folge des fortdauernden Regens. Aus Budweis wird gemeldet, daß weite Gebiete in der Nähe der Stadt sowie das Bahnhofsgeleise unter Wasser stehen. Aus dem Böhmerwald werden Schneefälle gemeldet.
— Aus Sosnowice (Russisch Polen, in der Nähe von Kattowitz) wird vom Montag gemeldet: In einer einer Aktiengesellschaft gehörigen Grube in Niemce ist ein allgemeiner Streik ausgebrochen. Bergarbeiter versuchten, die Grube durch Abstellung der Wasserhal- tungsmaschine zu ersäufen, und drangen auf den Steiger ein, welcher das verhinderte und zwei Angreifer erschoß. Die hierdurch wüthend gemachte Menge erschlug darauf den Steiger mit Keilhauen.
— Daß der Aberglauben in Rußland noch immer stark verbreitet ist, beweist nachstehender Vorfall, der sich dieser Tage zugetragen hat. In dem drei Werft von der Grenze gelegenen Dorfe L o d c z i war die Tochter eines Bauern, ein 17 jähriges Mädchen, an Masern erkrankt. Die ihr öfters Besuche abstattende sogenannte „Heilkünstlerin" des Dorfes erklärte, daß die Krankheit des Mädchens auf die Sündhaftigkeit der Eltern zurückzuführen fei. Sie rieth denselben deshalb,
mit der schwerkranken Tochter eine Reise nach dem nahen Kloster zu unternehmen, um dort Absolution für dieselbe zu erbitten. Auf der Fahrt nach dem Orte verstarb aber das Mädchen. Obwohl sich die russischen Gerichte in dergleichen Sachen nicht mischen, hielt der Friedensrichter es doch für angezeigt, die Eltern und die berühmte Doktorin zu vernehmen. Das Gericht verurtheilte die Eltern zu einer hohen Geldstrafe und die wohlmeinende Doktorin zu mehreren Tagen Haft.
— Wie die römischen Blätter melden, begaben sich am Montag der Herzog von Meiningen und Gemahlin, welche inkognito reisen, mit mehreren Personen ihres Gefolges zu Wagen zu einem Besuch des Dichters Voß und dessen Gattin nach einer Villa bei Fraskati. Auf dem Rückwege wurde der Wagen des Herzogs von zwei Individuen, welche mit Taschentüchern vermummt und mit Gewehren bewaffnet waren, bei Fraskati angehalten. Der Herzog mußte den Angreifern fein Portemonnaie, welches ungefähr 55 Lire enthielt, übergeben, worauf diese sich zurückzogen und die Wagen weiterfahren ließen. Die Behörden sandten Polizei an den Ort der That, um die Schuldigen zu ergreifen. — Nach späterer Meldung sind die beiden Individuen ermittelt und verhaftet worden.
— (Eine vielbeschäftigte Schlange.) Am Schluß eines Vortrages, den Mark Twain in Neu- Seeland hielt, und worin er die Temperenzbewegung berührte, erzählte er folgende Schnurre: In meinem Vaterlande kam vor einigen Jahren ein Mann in eine Stadt, und man sagte ihm: „Sie können nirgends, außer in der Apotheke, etwas zu trinken bekommen." Er ging also zum Apotheker, der ihm sagte: „Ich kann Ihnen ohne ärztliches Rezept nichts zu trinken geben!" Aber der Mann, der dem Verschmachten nahe war, erwiderte: „Dazu habe ich keine Zeit; gehts nicht anders?" Der Apotheker belehrte ihn: „Ja, ich könnte Ihnen wohl etwas zu trinken geben, wenn eine Schlange Sie gebissen hätte." Der Mann bat daraus um die Adresse der Schlange, der Apotheker gab sie ihm, und der Fremdling ging fort. Er kam aber sehr bald zurück und bat: „Um Gotteswillen, geben Sie mir etwas: Die Schlange ist für 6 Monate vorauf engagiert!"
— Ein Ball der Mißgeburten hat neulich in der „New Jrving Hall" in N e w - A o r k stattgefunden, ein Ball nämlich, bei dem alle Mißgeburten, die gegenwärtig in den verschiedenen Tingel-Tangels der Riesenstadt sich sehen lassen, tanzten. Es war ein Ball, wie man ihn vordem nicht gesehen hat. Da war das lebende Skelett, ein langer, hagerer Geselle, der kein Loth Fleisch auf den Knochen hat und der mit einer Zwergdame tanzte; daneben der Schlangenmensch und die Albino-Dame mit rothen Augen und weißen Haaren, die mit dem „Tätowirten" tanzte, einem jungen Mann, der von den Indianern so furchtbar zugerichtet worden ist. Auch die bärtige Dame fehlte nicht, und auch das „Riesenweib" war zugegen, sowie ein winziger Zwerg, ein dickleibiger Artist und ein Riese. Besonderes Interesse erregte der Oelmensch, ein besonders abnormer Mensch, der die Fähigkeit hat, zu schwitzen so oft er will. Der Ball soll sehr lustig gewesen sein. Alle Artisten waren anwesend, die Lebewelt von New-Aork drängte sich zu dem Ulk, der bis zum hellen Morgen dauerte.
— Cincinnati, 5. Mai. Im Zentrum der Stadt wurde ein Haus durch eine Gasexplosion zerstört;
6 Personen wurden getödtet, 18 verwundet. Man befürchtet, daß unter den Trümmern des Hauses noch viele Personen verschüttet sind.
— (I m höchsten Schmerz.) Kranker Bauer: Alte, was kochst Du da? Frau (schluchzend): Knödel mit Speck! Bauer: Ach, gieb mir was herüber, dann kann ich ruhig sterben! Frau: Nee Alter, 'S ist ja für den Leichenschmaus!
— (Aufklärung.) Mutter: Meine Tochter leidet jetzt wieder öfter an Herzkrämpfen. Hausarzt: Haben Sie sonst eine Begleiterscheinung wahrgenommen? Mutter: Dann und wann einen Premier-Lieutenant.
— (V o m Kasernenhof.) Unteroffizier zum Einjährigen: Was sind Sie? Einjähriger: Doktor der Philosophie. Unteroffizier: Gott! giebt es denn solche Krankheit auch?
Standesamtsbezirk Niederaula.
Monat April 1896.
Eheschlißungen.
Am 18. Georg Adam Weppler, Förster zu Hoeressen, mit Elise Margaretha Mühleiireich zu Niederaula.
Geburtsanzeigen.
Am 1. Frieda, T. des Wagners Adam Lieber zu Niederaula. —
22. Konrad, S. des Ackermanns Adam August Brauer zu Kleba. — 23. Sebastian, S. des Ackermann« Jakob Dipp zu Hattenbach.
S 1 e r b e f 2 l I e.
Am 2. Anna Elisabeth, Ehefrau des Briefträgers Johannes Weiffenbach zu Niederaula, 32 Jahre alt. — 6. Johannes Schrön zu Mengshaufen, 1 Monat alt. — 21. Anna Margretha Ncuber zu Mengshaufen, 6 Jahre alt.
Muster franco in’s Haus.
Modebilder gratis.
Damenkleiderstoffe
Waschstoff, garantirt waschächt, ä ÄS Pfg. per Mtr.
Mousseline laine, reine Wolle, ä 65 Pfg. per Mtr. versenden in einzelnen Metern franco
Oettinger & Co., Frankfurt a. M.,
Separat-Abtheilung in Herrenkleiderstoffen Buxkin a Mk. 1.35 per Meter