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hersskliiek Kreisbliltt.

Gratisbeilagen:Illustrirter Sonntagsblatt^^ n.Allnstrirte landwirthschastliche Beilage".

Rr. 54. Innilerstlis Seil 7. Mai 1896.

Bestellungen auf das Hersselder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt" ^^ Jllnstrirte landwirthschaftl. Beilage" für die Monate Mai und Juni werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 4. Mai 1896.

Am 1. Juli d. Js. wird in Braubach am Rhein Kreis St. Goarshausen eine Haushaltungsschule ge­nanntCharlottenstift" für junge Mädchen aus ländlichen und bürgerlichen Kreisen ins Leben treten. Der Unter­richt wird sich auf praktische Unterweisung in Zuberei­tung kräftiger Hausmannskost, Konserviren re. von Ge­müsen und Obst, Beerenweinbereitung, Behandlung des Fleisches, Backen, Milchbehandlung, Butter- und Käse­bereitung, Waschen, weiblichen Handarbeiten, hauswirth- schaftlicher Gärtnerei, Geflügel-, Vieh- und Schweinezucht, sowie auf wissenschaftlichen Unterricht im Schön- und Rechtschreiben, Buchführung, Rechnen, Gesang und in der ersten Hülseleistung bei Krankheiten und Unfällen erstrecken. Aufnahmefähig sind Mädchen, die in der Regel das 16. Lebensjahr vollendet haben müssen, gut beleumundet und körperlich und geistig genügend beanlagt sind. Der Unterricht dauert 10 Monate, und zwar vom 3. Januar bis 31. Mai und vom 1. Juli bis 30 No­vember. Das Lehrgeld beträgt monatlich 3 Mark, das Kostgeld täglich 1 Mark.

Anmeldungen von Schülerinnen sind rechtzeitig für die beiden Aufnahmetermine vom 3. Januar und 1. Juli an den Vorstand der Haushaltungsschule in Braubach, z. H. des Herrn Dekan Wilhelmi zu richten.

I 2534. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

-Nack^-nck Deibottn.) Iit zehtiiililißvölle Schlotzfra«.

Novelle von J. N i k o l a. (Schluß.)

Seit der Erzieher ihr Haus verlaffen, kann sie das einsame Leben nicht mehr ertragen, sie will wieder in und mit der Welt leben. Sie hat sich Pferde, Wagen und eine glänzende Dienerschaft angeschafft. Nachdem sie durch-Besuche bei der vornehmen Welt in der Nach­barschaft den ersten Schritt gethan, ist das Eis gebrochen, und mit Freuden ist die schöne, liebenswürdige Frau mit offenen Armen in der Gesellschaft ausgenommen.

Die stolze Gräfin von Hohenfels ist ihr besonders zugethan, keine Woche verstreicht, in der sie nicht in ihrer eleganten Equipage mit der reichbetreßten Dienerschaft bei Frau von Eigen vorfährt und dieselbe zum Korso, zur Besichtigung einer Blumenausstellung oder ähnlichem abholt. Auch heute zählt Frau von Elgen zu dem kleinen auserwählten Kreis Gäste, den die alte Gräfin um sich versammelt hat.

Man hat sich von einem langen opulenten Diner erhoben und promenirt meist zu Zweien in dem herrlichen Parke umher.

Was für ein seltsamer alterthümlicher Bau ist das da drüben?" wendete Frau von Elgen sich zu ihrem Begleiter, dem Sohne der Gräfin, einer ihrer eifrigsten Verehrer.

Jenes Haus," erwidert der junge Graf,gehörte bis vor Kurzem einem kuriosen alten Junggesellen; nach

Hersfeld, den 28. April 1896.

Den Herren Ortsvorständen des Kreises werden in Kürze je zwei Exemplare derG e s ch ä f t s - A n - Weisung für die Vollziehungsbeamten im Bereiche der Verwaltungen der direk­ten und indirekten Steuern" zugehen. Die- selben sind auf Staatskosten geliefert und sollen den Gemeindevorständen sowie den von diesen bestellten Voll­ziehungsbeamten zum amtlichen Gebrauche dienen.

Beide Exemplare sind zu inventarisiren und ist so­dann eins davon den betreffenden Vollziehungsbeamten einzuhändigen.

Mit den einschlägigen Bestimmungen in der gedachten Geschäftsauweisung ist sich, soweit solches etwa noch nicht geschehen sein sollte, auf das Eingehendste ver­traut zu machen.

I. A. Nr. 1070. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Zu der Frühjahrs-Konferenz, welche am Montag den 18. Mai, Vormittags 10 Uhr, in Weidenhain abgehalten werden wird, lade ich die Herren OrtSschulinspektoren und die Herren Lehrer des Bezirks Hersfeld II. ergebenst ein.

SchenklengSfeld, am 4. Mai 1896.

Barchfeld, Kreisschulinspektor.

Nichtamtliches.

Zum Geburtstage des Kronprinzen.

6. Mai.

In einem Siegesliede auf die Schlacht bei Prag, die am 6. Mai 1757 geschlagen wurde, sang der Dichter Gleim im Hinblick auf den Heldentod Schwerins, den der Feldmarschall, mit der Fahne in der Hand hoch zu Roß seinen Truppen voranstürmend, fand:

Ach, aber unser Vater fiel,

Die Fahne sank auf ihn,

Ha, welch glorreiches Lebensziel, Glückseliger Schwerin!

Damals Preußen und Oesterreich in erbittertem Kampfe gegeneinander, heute in festem Bündniß, in treuer Waffenbrüderschaft zueinander stehend. Die Kaiser

dessen Tode stand es längere Zeit leer, bis sich, wie ich dieser Tage hörte, jetzt endlich ein Käufer dafür gefunden hat. Das Haus ist eigenthümlich gebaut und ganz ent­schieden des Ansehens werth. Vor wenigen Tagen waren Arbeiter in dem Hause beschäftigt, die einen ungehindert einließen. Wie wäre es, wenn wir den Versuch machten, noch einmal hineinzukommen? Vielleicht können wir von dem Garten aus eintreten, wenn ich nicht irre, steht die Balkonthür auf.

Inzwischen ist auch die übrige Gesellschaft herange­kommen und allgemein wird ein Besuch in dieses eigen­thümliche Haus als eine köstliche Idee begrüßt.

Man durchschreitet das Parkthor, geht den schmalen Feldweg hinab und tritt durch den Gemüsegarten in die benachbarte Besitzung.

An den Gartenanlagen giebt es wenig zu bewundern, einen um so interessanteren Anblick aber bietet der alte Bau in echt gothischem Stile. Frau von Elgen in Be­gleitung des jungen Grafen, nähert sich der Terraffe und als sie die in das Zimmer führende Thür offen sieht, steigt sie die wenigen Stufen hinauf; doch schon auf der Schwelle bleibt sie erschrocken stehen. Ihr Auge fällt auf einen Herrn, der mit einem Buche in der Hand in einem bequemen Armstuhl zurücklehnt.

Bei dem Klang nahender Stimmen hat er den Kopf erhoben und jetzt, wie Frau von Elgen bei ihm eintritt, springt er mit einem leisen Ausruf der Ueberraschung auf. Wieder stehen Frau von Elgen und ihr einstiger Erzieher Aug' in Auge einander gegenüber.

Aber noch bevor eins von ihnen ein Wort hervor-

Wilhelm und Franz Joseph haben es durch ihre jüngste Zusammenkunft in Wien vor ganz Europa aufs neue dargethan, wie treu sie miteinander verbunden sind, nicht nur in persönlicher Freundschaft, sondern auch zum Heil und Glück ihrer Völker, zur Erhaltung und Wahrung des allgemeinen Friedens. Auch der junge Erbe von Deutschlands Kaiser-, von Preußens Königsthron war Zeuge dieses Vorgangs und ist samt seinem Bruder Eitel Fritz bei dieser Gelegenheit in das österreichische Heer eingereiht worden.

Beide Hohenzollernsöhne sind dann gleich darauf hingezogen nach dem idyllischen Schlöffe Ploen mit seinen waldumkränzten Seen, sorglich geleitet von ihrer kaiser­lichen Mutter. Dort soll, wie bekannt, ihre weitere Erziehung erfolgen. Das brausende Dampfroß hat sie auf ihrem Weg auch dicht vorübergeführt an dem stillen Sitze des Altreichskanzlers im Sachsenwalde, der mit seiner politischen Meisterhand 1879 das Schutz- und Trutzbündniß zwischen Deutschland und Oesterreich zu­stande brächte, das kurz vor dem Tode Kaiser Wilhelms I. so mächtig und einflußreich in die volle Erscheinung trat, nachdem es inzwischen durch den Beitritt Italiens zum Dreibünde erweitert worden war. Im Grauen des Morgens eilten die Pr^.zey. an Friedrichsruh vorüber, vielleicht waren sie eben vom Schlummer erwacht und gedachten des großen Mannes.

Von Hellem Jubel umwogt ist die Kaiserin mit ihren Söhnen in Ploen eingezogen und dann zurückgekehrt. Gewiß ist die Trennung nicht leicht gewesen. Nun ent­behren die Söhne des Blicks in das liebe Mutterauge, das von ihrer frühesten Jugend an so treu auf ihnen geruht hat. Aber her See dort mit seiner klaren, blauen Fluth, hat er nicht die Farbe der zarten, blauen, sinnenden Augen der kaiserlichen Mutter? O, so spie­gele er ihr Bild den theuren Hohenzollernsproffen wieder, und das tröste und stärke die jungen Herzen, wenn Bangigkeit sie beschleicht, das sporne sie auch an, der Mutter und des Kaiserlichen Vaters Herz zu erfreuen durch wackeres Streben und Thun.

Vor kurzem erschien jenes hübsche Bild, die sechs Söhne des Kaiserpaares, auf dem sie in einer Pyramide vor uns treten, deren Spitze der Kronprinz bildet, seine rechte Hand stützt sich auf die Schulter seines Bruders Eitel Fritz. Liegt nicht beim Anblick dieser lieblichen Gruppe die Ausmalung eines erhebenden Zukunftsbildes nahe? Der Kronprinz als Kaiser und König an der

bringen kann, wird die gegenüberliegende Thür geöffnet' ein Diener tritt ein und meldet, einige Herren und Damen bäten um Erlaubniß, sich das Innere des Hauses ansehen zu dürfen.

Wie! Herr von Willmer! Sie sind es!" ruft im nächsten Augenblick die Gräfin, indem sie schnell hinter dem Diener hervor in das Zimmer tritt und lebhaft auf Willmer zueilt.

Hierauf folgt ein lebhaftes Begrüßen, Fragen und Vorstellen zwischen Willmer und der Gesellschaft, von denen ihm mehrere von früherher bekannt sind; und es vergehen mehrere Minuten, bevor man Frau von Elgen überhaupt vermißt.

Diese, tiefer gekränkt, als sie je zugeben würde, daß der Besitzer des Hauses ihre frühere Bekanntschaft gänz­lich ignorirt, hat sich durch die offene Thür zurückgezogen, wie sie glaubt, unbemerkt, darin aber irrt sie. Der junge Graf verläßt in der nächsten Minute das Zimmer, und mit eifersüchtigem Blicke folgt diesem Willmers Auge. Doch als galanter Wirth widmet er sich ganz seinen Gästen, führt dieselben durch das ganze Haus und hat für Jeden ein freundliches Wort, ein liebenswürdiges Lächeln, während feine Gedanken doch der heimlich Ent­schwundenen folgen.

Fünftes Kapitel.

Bei der Gräfin von Hohenfels findet nächster Zeit ein großes Ballfest statt. Alle Welt spricht von den großartigen Vorbereitungen und gleich einem Wildfeuer verbreitet sich das Gerücht, am Ballabend soll die Ver-