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Wirf ab des Winters letzte Sorgen, Befreie dich von Gram und Leid Es grüßt dich ja zum Ostermorgen Jetzt eine hoffnungsfrohe Zeit!

Durch Nacht zum Licht" mag's d'rum heut' klingen,

Als echter Auferstehungsfang

Dies Wort, es soll sich jubelnd schwingen Vom tiefsten Thal zum höchsten Hang Thut Alle auf des Herzens Pforten, Und hoffet froh nun allzumal Denn Ostern, Ostern ist's geworden: Gegrüßt, du Ostersonnenstrahl!

O st e rn.

Seit dem Morgen des großen Tages, da die Frauen, die zum Grabe der Heilandes kamen, den Stein vom Grabe abgewälzt, den Leib des Herrn Jesu aber nicht darinnen fanden und das Wort vernahmen:Was suchet ihr den Lebendigen bei den Todten? Er ist nicht hier; er ist auferstanden!" seit diesem Morgen ist für die gesammte Menschheit auf Erden der Bann des Todes gebrochen und der Zugang zu einem himmlischen, einem ewigen Leben eröffnet. Nicht auf einen Schlag hat sich die Botschaft der Auferstehung über die Erde verbreitet. In fortschreitender geschichtlicher Entwickelung, die der Ungeduld und dem Kleinglauben bisweilen gar zu lang­sam ihren Weg geht, ist in den bald zwei Jahrtausenden Volk auf Volk der Gemeinde des Herrn hinzugethan worden; aber viel fehlt noch immer daran, daß der Glaube an den gekreuzigten und auferstandenen Gottes­sohn auch nur der Glaube der Mehrzahl der Menschen geworden wäre. Etwa zwei Drittel der Menschheit lebt noch im Todesfchatten des Heidenthums, in abergläubi­scher Furcht oder in hoffnungsloser Sehnsucht nach der Vernichtung, erfüllt höchstens von sinnlichen Bildern eines Fortlebens im Jenseits ohne geistige Erhebung. Die Auferstehung der gesammten Menschheit zu einer lebendigen Hoffnung des Lebens mit Gott ist noch immer eine ferne Aussicht.

Wer nicht der Botschaft der Auferstehung mit freu­digem Glauben sein Herz öffnet, für den bleibt auch die Natur draußen eine Stätte des Todes, der Verwesung und des Unterganges. Wer aber dem Worte des Apostels gläubig lauscht:Wir werden alle verwandelt werden," für den haben die Sternenheere droben am Himmels­gewölbe und die unscheinbaren Blüthen unter seinem Fuß, haben Felsgesteine und Meereswogen eine neue Bedeutung erlangt. Sind sie selber vergänglich, so kommt doch ein Ewiges in ihnen zur Erscheinung, und durch die verwesliche Hülle scheint ein Unverwesliches hindurch, das wir dereinst ererben werden. In dem Brote, das uns das Feld, in dem Weine, den uns die Berghalde trägt, haben wir, sobald sich das Wort mit ihnen vermählt, Träger der ewigen Herrlichkeit des auf­erstandenen Gottessohnes zur Rechten der Majestät, der sich mit uns schon hier in diesem irdischen Dasein ver­mählen will.

Der Glaube ist nicht bloß die Macht, die Welt zu überwinden, er ist auch die Macht, die Welt zu verklären. Durch Tod und Grab und Verwesung hindurch erschaut das Glaubensauge das Licht eines ewigen Lebens und einer seligen Auferstehung, für die die Wanderung des Erdenpilgers auf dieser dem Tode und der Vergäng­lichkeit verfallenen Erdenflur der Durchgang zu werden bestimmt ist.

Dem Christen ist nichts so selbstverständlich, als daß die Welt mit ihrer Lust vergeht, und daß wir hier keine bleibende Stätte haben. Aber er weiß auch, daß, wenn er für ein ewiges Reich und ein himmlisches Leben, für eine Auferstehung in Herrlichkeit UHd Kraft bestimmt ist, er zuvor in diesem Leben die gottgeftedte Aufgabe nach Gottes Willen zu lösen hat. Ihm gilt das Wort: Alles ist euer, aber ihr seit Christi; alles, was ihr thut, das thut zu Gottes Ehre im Namen des Herrn Jesu; alle Kreatur Gottes ist gut und nicht verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet. Damit ist dem Christen auch der irdische Beruf und die Arbeit an den Dingen dieser Welt verklärt. Denn er trachtet darin nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist; er arbeitet aber nach Gottes Geheiß, auf daß das Reich Gottes komme zu allen Menschen auf Erden.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 3. April.

Ihre Majestäten der Kaiser und die K a i s e r i n besuchten mit den Prinzen und dem Gefolge am Mitt­woch Nachmittag in Palermo den Dom mit den Gräbern Friedrichs II. und Heinrichs VI, nachher das National- museum unter Führung des Direktors Salinas. Eine große Menschenmenge erwartete und begrüßte überall die Majestäten und folgte den kaiserlichen Wagen. Gestern Vormittag nahmen die Majestäten das heilige Abend­mahl, das Generalsuperintendent D. Dryander spendete, und gedachten den Tag über an Bord zu bleiben. Das Wetter ist kühl und regnerisch.

Der Geburtstag des Fürsten Bismarck ist diesmal etwas stiller verlaufen, als im vorigen Jahre, wo Tausende und Abertausende im Sachsenwalde sich sammelten, um dem Einiger Deutschlands ihre stürmischen Huldigungen darzubringen; aber jede Post brächte un­zählige Briefe, Depeschen, sinnige Gaben, und Blumen.

Außer den Familiengliedern, die sich am 1. April fast vollzählig in Friedrichsruh eingefunden hatten, waren zur Feier nur wenige intime Freunde geladen. Graf Wilhelm Bismarck blieb wegen Unpäßlichkeit fern. An­wesend waren u. a. der Vertreter des Hamburger Se­nats, der ein Glückwunschschreiben überbrachte, mehrere Hamburger Freunde des Fürsten, Professor Lenbach, der Präsident der Eisenbahn-Direktion Altona und Graf Henckel-Donnersmarck. Am Nachmittage traf der Berg­werksbesitzer Graf Douglas mit 50 Bergleuten, die ihre Galatracht angelegt hatten, ein. Der Kaiser hat dem Fürsten Bismarck eine hübsche, in einem Goldbronze­rahmen liegende Photographie übersandt, auf der seine ganze Familie zu sehen, und unter der mit Bleistift vom Kaiser geschrieben ist:Zum 1. April 1896. Wilhelm J. R." Unter den Glückwunschtelegrammen nebst herr­lichen Blumenspenden, die in großer Menge eintrafen, befindet sich auch eines vom Prinzen Heinrich von Preußen. Trotz seiner Gesichtsschmerzen ließ der Fürst sich nicht abhalten, nach dem Festdiner, woran dreißig Personen theilnahmen, auf den Altan zu treten, als der Fackelzug im Park Aufstellung genommen hatte. Die Zahl der von den Theilnehmern getragenen Fackeln be- lief sich auf 3000. Auf die Ansprache des Hamburger Mitgliedes, des Reichstagswahlvorstandes Stälin, er­widerte Fürst Bismarck, nachdem er in den Park herab­geschritten war, mit lauter, kräftiger Stimme. Er be­tonte die Nothwendigkeit eines großen wohlhabenden Hinterlandes für die Handelsstadt und wies auf die Wechselbeziehungen zwischen der Handelsstadt und den Landbewohnern hin. Der Fürst schloß mit einem Hoch auf die Stadt Hamburg und deren Regierung. Den Vorbeimarsch des Fackelzuges sah der Fürst sich im Freien, leicht an einen Tisch gelehnt, an. Der Vorbei­marsch dauerte drei Viertelstunden.

Wie es heißt, hat Herr v. L e v e tz o w , der lang­jährige frühere Präsident des Reichstages, die Absicht, sein Reichstagsmandat niederzulegen.

Die Verhandlungen über den deutsch-japani­schen Handelsvertrag sind abgeschloffen. Der Vertrag ist in diesen Tagen vom Staatssekretär Frhrn. v. Marschall und dem japanischen Gesandten, Grafen Aoki, unterzeichnet worden.

In Mainz hat in diesen Tagen eine Versammlung von Delegirten der nationalliberalen Vereine des ganzen Mittelrheins getagt. Es wurde über eine große gemein­same Friedensfeier am Niederwalddenk- m a l berathen. Die Feier ist für den Himmelfahrtstag in Aussicht genommen.

Das Hauptverfahren gegen den frühern Chefredakteur derKreuzzeitung", Freiherr» von Hammerstein, ist nunmehr eröffnet worden. Die Anklage wird erhoben 1. wegen Fälschung zweier Urkunden über je 100000 Mark auf den Namen des Grafen Finckenstein, 2. wegen Unterschlagung, und zwar durch Verwendung einer Summe von ca. 12 000 Mark zu Privatzwecken des An­geklagten und 3. wegen fortgesetzten Betrugs bei Papier­lieferungen.

Ausland.

Die Lage auf Kreta hat sich nach Berichten aus Konstantinopel verschlechtert. Es werden strenge Maß­regeln ergriffen, um die Ordnung wieder herzustellen. 100 Personen sind verhaftet, darunter 10 Mohamedaner; 4 Christen sind verbannt worden. In Kreisen, welche mit den Verhältniffen in Kreta vertraut sind, gilt dessen- ungeachtet und trotz der fortdauernden beiderseitigen Ge­waltthätigkeiten der Ausbruch ernster Unruhen als sehr unwahrscheinlich.

Auf dem Kriegsschauplatze in Abessy - n i e n ist es merkwürdig still geworden. Man darf da­raus jedoch nicht auf einen Stillstand der Operationen schließen. Wie über London aus Maffaua gemeldet wird, wird dem General Baldiffera die Befreiung Avig- rats in der Regenzeit nicht mehr gelingen. Die Garnison Adigrats soll nur für fünf Tage noch mit Lebensmitteln versehen sein. Aus Petersburg wird die in auswärtigen Blättern verbreitete Meldung, eine außerordentliche abessynische Gesandtschaft werde zu den KrönungSfeierlichkeiten nach Moskau kommen, für durch­aus unbegründet erklärt.

Hersfeld, den 4. April.

* Der Getreidemarkt. (Berichtswoche vom 28. März bis 3. April.) Obwohl im Allgemeinen kaltes und nasses Frühjahrswetter als günstig für die Entwicke­lung gilt, so hat der starke Wetterrückschlag, zumal auch in Hinblick auf das kalte Wetter in Nordamerika doch auch die Befürchtung wieder wach gerufen, daß Nacht­fröste eintreten und die kommende Ernte schädigen können. Es trat daher im Angebot von Getreide in dieser Woche eine große Zurückhaltung ein und die Preisforderungen wurden etwas erhöht. Zu den erhöhten Preisen fanden sich aber nur sehr wenig Käufer, sodaß sich die geringen Preisaufschläge nicht lange halten konnten. Nur Roggen blieb etwas höher im Preise. In Berlin und Leipzig wurde gekauft per 20 Ctr. je nach Güte: Weizen für 148 bis 162 Mark, Roggen für 118 bis 123 Mark, Gerste für 113 bis 170 Mark, Hafer für 115 bis 145 Mark, Mais für 88 bis 94 Mark.

* Wie verlautet, haben die zuständigen Minister die nach dem Kommunalabgabengesetze erforderliche Zustim­mung zu der Genehmigung, welche der Bezirksausschuß der von einem Kreise beschlossenen Hundesteuer- Ordnung ertheilt hat, auf die Oberpräsidenten über­tragen.

* (Bauernregeln für April.) Grasmücken, die fleißig singen, Wollen den Lenz uns bringen. Maikäfer die im April schwirren, Müssen im Mai er­frieren. 'S ist kein April so gut, er graupelt auf den Hut. Wenn der April bläst in sein Horn, so steht es gut um Heu und Korn. Gedeiht die Schnecke und Nessel Füllt sich Speicher und Fässel. April dürre, Macht die Hoffnung irre.

* (Personal-Veränderungen.) Ernannt: die Referendare Schiffler und Eissengarthen zu Gerichts-Assessoren, der Regierungs-Hauptkassen-Buch- halter D i e d e r i ch zum Rentmeister der Kreiskasse Hünfeld, der Stellenanwärter Wagner zum Gefangen­aufseher bei dem Gerichtsgefängniß in Hanau, die Militairanwärter Kummer zum Königlichen Wehr­und Schleusenmeister auf der Stauanlage Spiekershausen, Hopp auf der Stauanlage Kragenhof, E g g e r t auf der Stauanlage Wolfsanger und N i e m a n n auf der Stauanlage Bonafort. Versetzt: der Königliche Rentmeister Litzenbauer von Hünfeld nach Witzen- hausen, der Bauschreiber P r i t s ch von Marburg nach Stade. Entlassen: der Gerichts-Assessor Gustav Heinemann aus dem Justizdienst in Folge seiner Zulassung zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht in Corbach. Erworben: von dem Apotheker H ei s er käuflich die Apotheke in Felsberg.

Hn Hersfeld, 4. April. Feierlicher Glockenklang läutet das frohe Fest des Frühlings und der Auferstehung ein. Was Lieder und Gedichte in ergreifenden Tönen und Worten vom Frühling preisen, was des Menschen Herz beim Wiedererwachen der Natur sehnsuchtsvoll schwellt, drückt das WortOstern" aus, welches das älteste Fest der Menschheit bezeichnet. Viele Jahrhun­derte, vielleicht Jahrtausende, ehe das Christenthum seinen Flug über die Erde genommen, erfreute sich die Menschheit an der Auferstehung der Vegetation. Sie feierte das Wiederaufleben der erstorbenen Natur, die Wiederkehr der langen, sonnendurchwärmten Tage und der linden Nächte, das Erblühen der duftigen Blumen und das Keimen der Früchte. Auf Höhen und in Thälern wurde die Gottheit gepriesen, welche den Menschen ihre Güte und Allmacht bei der Wiederkehr des Frühlings beweist. Alle christlichen Völker haben das Osterfest nach dem jüdischen Passah benannt, aus welchem ersteres hervorgegangen war. Nur die Deutschen behielten den altheidnischen Namen bei. Ostara war die Göttin des Frühlings, die von den alten Sachsen verehrt wurde. Mit dem Kultus, der ihr vor Einführung des Christen­thums geweiht wurde, hängen die Namen der Oster- wälder, Osterberge, ferner die Gebräuche des Osterfeuers, Osterwassers und der Ostereier zusammen. Letztere wurden der Frühlingsgöttin als Opfer dargebracht, da die Eier das erste Geschenk des Frühlings sind. Die­selben waren ein Opfer, wie ja auch das Osterlamm ein Opfer an die Gottheit war. Die ersten Christen legten aber den Symbolen eine neue Bedeutung bei, indem das Osterlamm das Sinnbild Christi und das Ei ein Symbol der Auferstehung wurde. Im alten Stamm­sitz der Sachsen, in Thüringen, werden auch heute noch die alten Gebräuche geübt. Da reitet man noch ins Osterwaffer, da werden noch Osterfeuer angezündet, aber unsere raschlebige Zeit läßt solche Gebräuche leider immer mehr in Vergessenheit gerathen, und nicht lange wird es mehr dauern, bis sich das Osterfest seines eigenthüm­lichen Volkscharakters entkleidet haben wird. Der Neu­zeit ist das Osterfest wieder zum Frühlingsfest geworden. Wir Modernen feiern dasselbe wieder als ein Aufer- stehungsfest, als den Anfang eines neuen, schönen Zeit­abschnitts, der auch uns verjüngt. Auch wir stimmen ein in den Dankesjubel an den Schöpfer, daß er die Welt so schön gestaltet hat, und wissen es zu würdigen, daß die Kirche das Fest der Liebe und der Aufopferung in den Frühling gelegt hat, denn nur im Frühling kann man solch ein Fest feiern, nur in der Zeit, wo die Herzen der Menschen sich aufthun, wo jeder Blick ins Freie das Weben und Walten einer allmächtigen Gott­heit offenbart.

[ :] Hersfeld, 31. März. Unter dem Vorsitz des Herrn Bürgermeisters Reinhard von Landershausen fand heute Nachmittag die Generalversamm- lung des landwirthschaftlichen KreiS- vereins Hersfeld im Hotel Stern dahier statt. Ehe man an die Erledigung der Tagesordnung ging, wurde der Herr Bürgermeister Braun zu Hersfeld zum Ehrenmitglied des Vereins einstimmig ernannt. Als ein Freund der Landwirthschaft, nahm derselbe mit Dank die Wahl an. Nach Erledigung der geschäftlichen Mittheilungen wurden die Herrn Gutsbesitzer Braun zu Oberrode und Peter H eil zu Hersfeld mit der Revision der vorjährigen Rechnung betraut. Nach eingehender Prüfung erklärten sie dieselbe für richtig, und von der Versammlung wurde dem Rechner Herrn Lehrer Seng zu Mecklar Decharge ertheilt. Da der Verein noch ein Vermögen von 339,52 Mk. besaß, so wurde be­schlossen, daß auch im Jahre 1896 keine Jahresbeiträge erhoben werden. Es wurde nun der vielseitige An­trag gestellt, doch den diesjährigen Fohlenmarkt früher als im Vorjahr abzuhalten. Da derselbe jedoch schon für den August angesetzt war, so wurde der Vorsitzende beauftragt, sich mit einem Gesuch an den Stadtrath zu wenden, damit der Fohlenmarkt den 15. Juli mit dem Viehmarkt zusammen falle. Bekanntlich hatte der landwirthschaftliche Kreisverein schon früher eine Petition an den Stadtrath gerichtet, in welcher um Einrichtung einer Schlacht-Großvieh-Versicherung gebeten wurde. Da dieselbe jedoch ohne Erfolg war, so wurde der Vorsitzende ersucht, einen neuen Antrag bei dem Stadtrath zu stellen,