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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

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Weih Aeisblatt.

Gratisbeilagen:Illustrirtes Konntagsblatt" u.Illustrirte landwirthschaftliche Veilage^^.

Nr. A. AtO- Sei A. Mrz

1896

Mit dem 1. April beginnt ein neues Abonne­ment auf das wöchentlich 5 Mal erscheinende Hersselder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt" und Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage".

DasKreisblatt" bringt außer den amtlichen Bekanntmachungen zuverlässige Mittheilungen über Er­eignisse in der Politik, Berichte aus dem Kreise und der Provinz. Reichhaltige Nachrichten vermischten In­halts bringen alle sonstigen mittheilenswerthen Ereig­nisse des täglichen Lebens zur Kenntniß der Leser. Daneben werden sorgfältig ausgewählte Erzählungen einen weiteren Theil des Lesestoffes bilden.

3»ar Die wichtigsten Ereignisse gehen uns durch Telegramme zu und werden wir dieselben nöthigenfalls durch Extrablätter verbreiten.

Der vierteljährliche Abonnementspreis für das Kreisblatt" beträgt l Mark 40 pfg

finden durch das »Kreisblatt" zweckentsprechende Berbrei- tung und kostet die fünfgespaltene Garmondzeile oder deren Raum so Pfg

Die Expedition.

Amtliches.

Cassel, den 16. März 1896.

Während der § 2 der Schiedsmannsordnung vom 29. März 1879 (G. S. S. 321 ff.) bestimmt, daß zu dem Amte des Schiedsmannes nicht zu berufen sei, wer nicht in dem Schiedsmannsbezirke wohne, für welchen die Berufung erfolgt, fehlt es in dem Gesetze an einer Bestimmung, welche vorschreibt, daß das Amt als er­loschen zu betrachten sei, wenn der Schiedsmann vor Ablauf seiner Amtsperiode seinen Wohnsitz außerhalb des Schiedsmannsbezirkes verlegt. Daß in diesem Falle sofort eine Neuwahl zu veranlassen sei, wie es häufig geschieht, kann in Ermangelung einer gesetzlichen Be­

« Nachdruck verboten.)

Auf falschem Wege.

Von T. v Rot schütz.

(Fortsetzung.)

Aber der Augenblick trat sobald nicht ein. Der junge Mann kam sich selbst gar zu wichtig vor seine Eitelkeit war geschmeichelt, sich als den Mittelpunkt be­trachten zu können, auf den aller Blicke sich richteten, wie er hoffte. Im Anfang war auch Ursula wenigstens ganz Ohr und Aufmerksamkeit gewesen. Mit der Zeit jedoch fand sie immer weniger Geschmack an dem Vor- trag. Sie konnte ihm nicht folgen es war so vieles darin, was sie nicht verstand sie hatten doch wohl nicht das richtige gewählt, und mühsam unterdrückte sie das Gähnen, als es immer später und später wurde, und die eintönige Stimme Herrn Nöltings eine Seite nach der andern ablas, ohne seinen Zuhörern das ge­ringste Verständniß des Gelesenen beizubringen.

'Da übertönte plötzlich ein kräftiges Schnarchen aus der Ofenecke den Vortrag. Beleidigt blickte Herr Nölting, erschrocken Ursula auf, und jetzt öffnete sich auch eben die Thür, und die Mutter, die seit einer halben Stunde schon unbemerkt das Zimmer verlassen hatte, suchte ihren Platz wieder auf.Es fiel mir ein, daß der Werkführer unten am Mühlbach noch einen frischen Umschlag auf seine schlimme Hand haben mußte," flüsterte sie ent­schuldigend Ursula zu,und da bin ich schnell zu ihm gelaufen und habe auch gleich mit ihm gesprochen wegen des Schulgeldes seiner Kinder!"

stimmung, auf welche die Erledigung des Amtes zurück­geführt werden könnte, nicht für richtig gehalten werden. Die Neuwahl kann vielmehr erst dann vorgenommen werden, wenn auf erfolgte Anzeige von dem Wohnungs­wechsel gemäß § 8 Nr. 6 der SchiedSmannS - Ordnung über die Befugniß zur Niederlegung des Amtes von dem Präsidium des betreffenden Landgerichts entschieden wor­den ist und diese Niederlegung thatsächlich stattgefunden hat. Da aber nach § 11 der Schiedsmannsordnung für jeden Schiedsmann ein Stellvertreter bestellt sein muß, i auch im Falle gleichzeitiger Erledigung des Amtes des Schiedsmanns und des Stellvertreters die Aufsichtsbe­hörde ermächtigt ist, die einstweilige Wahrnehmung der Geschäfte einem benachbarten Schiedsmanns oder Stell­vertreter zu übertragen, so wird die Neuwahl, wenn der Schiedsmann seinen Wohnsitz verlegt, in den meisten Fällen bis zum Ablauf der Wahlperiode desselben ver­schoben werden können. Empfiehlt sich ausnahmsweise eine sofortige Neuwahl während der Wahlperiode, so muß zunächst das gesetzliche Verfahren wegen Nieder­legung des Amtes des bisherigen Schiedsmannes herbei­geführt werden.

Ew. Hochwohlgeboren ersuche ich ergebenst gefälligst zu veranlaffen, daß hiernach indem dortigen Kreise vor- kommenden Falles verfahren wird.

Der PegierungS-Präsident. Wirkl. Geh. Ober-Regierungsrath. Haussonville. An sämmtliche Herren Landräthe des Bezirks, sowie an die Herren Oberbürgermeister hier, zu Hanau, Mar­burg und Fulda. J. A. I. Nr. 1961.

* *

Hersfeld, den 27. März 1896.

Wird den Herren Ortsvorständen des Kreises zur Nachachtung mitgetheilt.

I. 1823. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schlei n i tz, Geheimer Negierungs-Rath.

Hersfeld, den 21. März 1896.

Der Bürgermeister Christian R ü g e r zu Schenk- lengsfeld ist als Bürgermeister für die dasige Gemeinde für weitere 8 Jahre heute eidlich verpflichtet worden. I. A. Nr. 701. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz , __Geheimer Regierungs-Rath.

Der am 4. November 1826 zu Bruchköbel gebo­

Herr Nölting warf einen Blick zu Ursula hinüber und schloß das Buch.Es hat wohl keinen großen Nutzen, wenn ich weiter lese," sagte er etwas empfind­lich, und Ursula stieg dunkle Nöthe in die Wangen.

Also das war alles, was sie erreichte mit ihren Ver­suchen, ihre Umgebung geistig heben zu wollen? Der Vater schlief ein und schnarchte, daß die Wände dröhn­ten, die Mutter dachte an ihre Salbentöpfe und an das Schulgeld der Kinder und lief mitten während des Vor- lesens stundenlang weg, und Anton? Anton war auch nirgends zu finden, und die Mutter berichtete, daß sie ihm beim Zurückkommen begegnet sei. Er habe gemeint, da er am andern Morgen um 5 Uhr wieder aufstehen müßte, könnte er nicht so spät wach bleiben!

Ursula fühlte sich tief beschämt, um so mehr, als sie selbst nicht einmal die gehoffte Unterhaltung davon ge­habt hatte und sich eingestehen mußte, daß sie die letzte Zeit krampfhaft gegen das Zufällen der Augenlider an- gekämpft hatte.

Der Vater war durch die eintretende Stille erwacht. Hört ihr schon auf?" fragte er, sich behaglich dehnend, schade, es schläft sich so schön beim Vorlesen!"

Seitdem machte Ursula nie wieder einen Versuch, Leseabende in der Familie einrichten zu wollen.

Sie fühlte aber immer mehr das langweilige, drückende eines solch leeren, unbeschäftigten Lebens wie das, was sie jetzt führte.

Sollte es doch vielleicht von mir Thorheit gewesen sein," daß ich das Kind klüger und gelehrter haben^wollte, als ihre Eltern sind?" fragte Herr Weinholt im Stillen,

rene Taglöhner Heinrich Baumann II. hat am 10. d. Mts. seine Wohnung zu Bruchköbel verlassen und ist bis jetzt dahin nicht zurückgekehrt. Die angestellten Nach­forschungen sind bisher ohne Erfolg gewesen und ist nach den vorliegenden Umständen die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß sich derselbe ein Leid angethan hat.

Der Vermißte ist ca. 1,65 m groß, war bekeidet mit grauem Arbeitsanzug, ebensolcher Mütze, einem^wolle- nen und darüber gezogenen leinenem Hemd mit dem Zeichen H. B.

Um Anstellung von Nachforschungen nach dem rc. Baumann, Anhaltung im Betretungsfalle und Nachricht hierher wird ergebenst ersucht.

*

Das Ausschreiben vom 28. November v. J. Nr. P. 11771 pro 1895 betr. Auftreten eines unbekannten Logisschwindlers, angeblicher Maschinentechniker Schröder auf Pulverfabrik bei Hanau, ist erledigt. Der Thäter ist in der Person des am 2. Februar 1860 zu Allendorf in Meiningen geborenen Kellners und Bergmanns Carl Hoffmann in Gotha ermittelt und zur Haft gebracht worden. Hanau, am 18. März 1896.

J. P. Nr. 2654/96. Königliche Polizei-Direktion.

NichramtUchrs.

Am Geburtstage -es Wen Mimik.

1. April.

Wenn unsere Urenkel nach Jahrhunderten des Fürsten Bismarck gedenken, wenn vor ihrem Auge das Bild des wunderbaren Mannes und seiner Thaten aufsteigt, dann werden sie ungläubig sich fragen, ob es Sage ist, ob Geschichte, was von ihm berichtet wird, ob in der That e i n Mann das vollbrachte, was er vollbracht hat, oder ob, wie auf den großen Karolinger, wie auf Dietrich von Bexn und den rothbärtigen Hohenstaufen so auch auf ihn die Legende freigebig ihre Blumen gestreut hat. Staunend wird man sich fragen:Hat wirklich einmal solch gewaltiger Mann gelebt, der im heißen Kampfe gegen die Volksgenossen die Rüstung schmiedete zu drei siegreichen Kriegen, der die meerumschlungenen Lande mit Deutschland verband, der auf Böhmens Gefilden den alten Bund zerschlug, um ihn im Königsschlosse zu Versailles zu neuem, herrlichem Leben zu erwecken? War

wenn er das unzufriedene Gesicht seines Töchterchens sah und beobachtete, wie sie eins der mitgebrachten Bücher nach dem andern öffnete und dann unter Gähnen wieder weg legte,habe ich ihr den Geschmack an den Beschäftigungen, die ihrem Stande und ihrem Alter zukamen, am Ende wirklich dadurch verdorben, daß ich sie in die vornehme Pension schickte?"

Als das Frühjahr kam, und der Winter, der Ursula noch nie so lang erschienen, endlich vergangen war, athmete sie wie befreit auf. Nun konnte sie doch wenig­stens sich eine Abwechselung bereiten durch das Umher­streifen im Garten und angrenzenden Walde. Der Schnee war weggeschmolzen, und die Arbeiten im Freien begannen wieder.

Von dem Zaun aus, an dem sie im Spätsommer am ersten Tage ihrer Heimkehr Anton begrüßt hatte, beob­achtete sie, wie die durchgesägten Marmorblöcke zu ihren verschiedenen Bestimmungen ausgewählt und bezeichnet wurden. Es war Anton, der die Arbeiter anstellte und zuletzt sich selbst wieder die Werkstatt im Freien ein- richtete.

Ursula öffnete das Pförtchen, das aus dem Garten auf den Platz hinausführte, und trat zu dem jungen Manne. Wenn sie es auch nicht lassen konnte, ihn durch ihre Bemerkungen zu reizen, die stets wie Geringschätzung klangen, so sagte ihr doch eine innere Stimme, daß eine Unterhaltung mit ihm mehr Werth hatte, als die schön klingenden Redensarten Nöltings, und sie fühlte auch, daß er es gut mit ihr meinte.

Schweigend hatte sie eine Weile in dem kleinen