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exilier Kreisblatt.

Gratisbeilagen:Alluftrirtes Sonntagsblatt" n.Illnstrirte landwirthschaftliche Beilage".

Nr. 37.

Sonnt* Ion 26. März

1896.

Mit dem 1. April beginnt ein neues Abonne­ment auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt" und Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage".

DasKreisblatt" bringt außer den amtlichen Bekanntmachungen zuverlässige Mittheilungen über Er­eignisse in der Politif, Berichte aus dem Kreise und der Provinz. Reichhaltige Nachrichten vermischten In­halts bringen alle sonstigen mittheilenswerthen Ereig­nisse des täglichen Lebens zur Kenntniß der Leser. Daneben werden sorgfältig ausgewählte Erzählungen einen weiteren Theil des Lesestoffes bilden.

W Die wichtigsten Ereignisse gehen uns durch Telegramme zu und werden wir dieselben nöthigenfalls durch Extrablätter verbreiten.

Der vierteljährliche Abonnementspreis für das Kreisblatt" beträgt t Mark 40 pfg

finden durch das »Kreisblatt^ zweckentsprechende Berbrei- tung und kostet die fünfgespaltene Garmondzeile oder deren Raum jo pfg.

Die Expedition.

Amtliches.

Cassel, den 11. März 1896.

Mit Bezug auf meine Verfügung vom 1. April 1890 A. II. 2639 theile ich Ew. Hochwohlgeboren ergebenst mit, daß die bisher von dem Schutzmann Voigt- länder versehene Stelle eines Kriminal-Schutzmanns zur Ermittelung von Brandstiftungsfällen im hiesigen Re- gierungs-Bezirk vom 1. April d. Js. ab dem Kriminal- Schutzmann Weber bei der hiesigen Königlichen Polizei- Direktion übertragen worden ist.

Ich ersuche hiervon auch die unterstellten Polizei­behörden und Gendarmen in Kenntniß zu setzen.

Der Regierungs-Präsident.

Wirkt. Geh. Ober-Reg.-Rath. Haussonville. An die sämmtlichen Herren Landräthe des Bezirks.

A. II. 2196.

* * *

Hersfeld, den 23. März 1896.

Wird den Ortspolizeibehörden und der Königlichen Gendarmerie des hiesigen Kreises im Anschlüsse an meine

Verfügung vom 14. April 1890, Nr. 3277, im Kreis­blatt Nr. 44, zur Nachricht und Beachtung in vor­kommenden Fällen mitgetheilt.

I. 1667. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Nath.

Berlin, den 12. Februar 1896.

Die unter Aufsicht der Lehrer mit oder ohne Musik­begleitung in Ortschaften oder auf öffentlichen Straßen stattfindenden Schüleraufzüge sind dann als öffentliche Auszüge im Sinne des § 10 der Verordnung über die Verhütung eines die gesetzliche Freiheit und Ordnung gefährdenden Mißbrauchs des Versammlungs- und Ver­einigungsrechtes vom 11. März 1850 (G. S. S. 277) anzusehen, wenn sie aus außerordentlicher, nicht lediglich in Erfüllung der Schulpsticht und innerhalb der geord­neten Einrichtungen der Schulanstalt liegender Veran­lassung und nicht auf Anordnung der Schulaufsichts- behörden erfolgen.

Von öffentlichen Schüleraufzügen, welche hiernach der vorgängigen polizeilichen Genehmigung nicht bedürfen, ist in solchen Fällen, wo es sich um größere Veran­staltungen handelt, der Ortspolizei vorher Kenntniß zu geben, damit zur Vermeidung etwaiger Verkehrsstörungen rechtzeitig die erforderlich»» polizeiliche» Maßregeln ge­troffen werden können.

' Indem wir noch auf das Erkenntniß des Königlichen Kammergerichts vom 5. Mai 1881 (Jahrbuch für die

* Entscheidungen des Kammergerichts Bd. 2 S. 248) auf­merksam machen, ersuchen wir Ew. Excellenz die in Be­tracht kommenden Behörden gefälligst mit entsprechender Weisung zu versehen.

Der Minister Der Justiz-Minister,

der geistlichen, Unterrichts- und In dessen Vertretung: Medizinal-Angelegenheiten. gez. Nebe-Pflugstaedt.

J. V.: gez. v. W e y r a u ch.

Der Minister des Innern.

In Vertretung: gez. H a a s e.

An den Königlichen Ober-Präsidenten, Wirklichen Ge­heimen Rath, Herrn Magdeburg, Excellenz zu Caffel. M. d. g. A. U. III. 281 U. III. A. I. M. I. 980. M. d. I. II. 338.

* * *

Caffel, den 29. Februar 1896.

Abschrift lasse ich Ew. Hochgeboren zur gefälligen Kenntnißnahme und entsprechenden Anweisung der Polizei­behörden mit dem Bemerken ergebenst zugehen, daß ich wegen Bescheidung der Schulen das Erforderliche an das Königliche Provinzial-Schulkollegium und die König­liche Regierung verfügt habe.

Der Ober-Präsident, gez. Magdeburg.

An den Königlichen Regierungs-Präsidenten, Wirklichen

1 Geheimen Ober-Reaierungsrath, Herrn Grafen Clairon d'Hauffonville, Hochgeboren hier. Nr. 1252.

* * *

Caffel, den 10. März 1896.

Abschrift lasse ich Euer Hochwohlgeboren zur gefälligen Kenntnißnahme mit dem Ersuchen ergebenst zugehen, die Ihnen unterstellten Polizeibehörden hiernach mit An­weisung zu versehen.

Der Regierungs-Präsident. Wirklicher Geheimer Ober-RegierungSrath. Haussonville.

An die Herrn Landräthe des Bezirks und den Herrn Polizei-Präsidenten hier. A. II. 2083.

* * * Hersfeld, den 24. März 1896.

Wird den Ortspolizeibehörden des hiesigen Kreises zur Beachtung milgetheilt.

I. 1692. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtliches.

Aus dem Reichstag.

Berlin, 24. März. Der Reichstag genehmigle heute zunächst den Gesetzentwurf wegen Verwendung von Üeberschüssen der ReichS- cinnahmen zur Schuldentilaung in zweiter Lesung. DaS Wort nahm lediglich der Abg. Hug (Ctr.), der der Besorgniß Ausdruck gab, daß die Einzelstaaten durch eine Schmälerung der Ueberweisungen ge­schädigt würden. Zum Etat der Post- und Telegraphenverwaltung beantragen die Abgg. Zimmermann (dtschsoz. Resp.) und Ge­nossen eine Resolution, nach welcher die Postschalterdienststunden an Sonn- und Festtagen auf die Zeit von 7 bezw. 8 bis 9 Uhr Vor­mittags und von 12 bis 2 Uhr Nachmittags festgesetzt werden sollen. Der Direktor im Reich-postamt F r i t s ch bittet, e« bei dem bisherigen Zustand zu belassen. Die Resolution wird abgelehnt. Bei dem Etat für das Bankwesen kommt der ReichSbankpräfident Koch auf die von dem Abg. H o l tz (ReichSp.) bei der zweiten Lesung verlangte Gleich­stellung des Lombardzinsfußes für landschaftliche Pfandbriefe mit dem Lombardzinsfuß für Staatspapiere zurück und betont, daß das Ver­halten der Reichsbank an dem Kursrückgang der landschaftlichen Kredit- Papiere nicht schuld sei; vielmehr seien dabei die Gerüchte über bevor­stehende Konvertirungen thätig gewesen. Wenn man den landschast- lichen Pfandbriefen die Gleichstellung mit den Staatsanleihen zugestehen wollte, so müßte man die« auch vielen anderen ähnlichen Kreditpapieren einräumen, und die Lombardirungen würden dann so zunchmen, daß die Reich-bank dadurch schließlich gefährdet werden könnte. Die Abg. H o l tz (ReichSp.) und Graf A r n i m (ReichSp.) bezeichnen eS all unbillig, daß den Landwirthen ungünstigere Bedingungen gestellt würden, als anderen Erwerbszweigen. Reichsbankpräsident Koch erwidert, er wolle die Sicherheit der landschaftlichen Kreditpapiere durchaus nicht bezweifeln, er warne nur vor den Konsequenzen, die aus der ge­wünschten Gleichstellung der in Rede stehenden Papiere hervorgehen könnten. Abg. v. Kardorff (ReichSp.) meint, er wisse, daß von dem RcichSbankpräsidenten keine Hülfe für die Landwirthschaft zu er­warten sei; auch die Regierung habe für die Landwirthschast kein Herz. Abg. Meyer (frei). Ver.) bemerkt, man möge nicht Maßnahmen

(Nachdruck verboten )

Anf falschem Wege

Von T. v. R o t s ch ü tz.

(Fortsetzung.)

Würde Ursula sein ganzes Leben in solchem Nichts­thun, nur dengeistigen Beschäftigungen sich wid­mend," wie Ursula in ihren Briefen mit hochtrabenden Worten verkündet hatte, verbringen können? Wenn einmal alles anders wurde für sie, was sollte dann aus dem verwöhnten Töchterchen werden? Sie klagte nch heimlich der Schwäche an und bedauerte es, nicht den Muth zu haben, energischer ihrem Manne und ihrem Kinde entgegen zu treten.

III.

Am andern Morgen stand die Sonne schon ziemlich hoch am Himmel und warf ihre Strahlen in das Zim- merchen, das der liebevolle Vater feinem heimgekehrten Kinde neu eingerichtet hatte, aber noch immer rührte sich nichts darin. Trotzdem die andern Hausbewohner schon lange aufgestanden waren, ließ Ursula sich noch beim Frühstückstisch erwarten. Ungeduldig hatte der Hausherr zu verschiedenen Malen wieder in das Zimmer

Das wird sie auch künftig," erwiderte jene indem sie schmeichelnd den Arm um den Hals des Vaters legte. Laß mich nur erst wieder eingewöhnt sein, dann sollst du sehen, wie herrlich wir zusammen leben werden, und auch Mütterchen soll wieder frisch und jung werden! Laßt mich nur sorgen!" lachte sie zuversichtlich und drückte stürmisch den Kopf der Angeredeten an sich, so daß diese Mühe hatte, die saubere Morgenhaube zu schützen.

Hast du noch immer Strümpfe zu stopfen?" fuhr sie fort, neckend den über die Hand gezogenen Socken ihr abstreifeno.Gieb acht! Jetzt kommen andere Zeiten, und ich ruhe nicht, bis ich Goethe und Schiller als deine treuen Gefährten im Arbeitskorbe sehe, an Stelle des ewigen Strickstrumpfes und der zerrissenen Wäsche!"

Die Mutter blickte kopfschüttelnd in das übermüthige Gesichtchen, das sich zu ihr herabbeugte, und der Vater lachte gutmüthig zu den Plänen der gelehrten Tochter.

Na Ursel man sachte!" warnte er.Ich fürchte, da wirst du wenig Glück haben, und im ganzen ist's wohl auch gut, wenn wir jemand im Hause haben, 1 der unsere Sachen in Ordnung hält! Laß du nur die

geblickt, wo er schon vor Stunden den Morgenkaffee mit seiner Frau getrunken hatte, aber noch immer saß diese allein am gedeckten Tische.

Ich hoffe, die Ursel hat sich nicht ganz und gar die feinen Stadtmanieren angewöhnt und gedenkt nicht auch bis zum Mittag zu schlafen," rief er mißmuthig, als er, abermals von einem Rundgang bei feinen Ar­beitern zurückkehrend, noch dieselbe Einsamkeit vorfand.

Seine Frau machte einen schüchternen Versuch, die Tochter zu entschuldigen:Jung Blut will Schlaf haben, Vater," wagte sie einzureden,die Ursel ist's jetzt wohl anders gewohnt worden, ich fürchte, sie wird manches hier wieder verlernen müssen, was sie in der Stadt gelernt hat!"

Unsinn!" brummte Weinholt und stieß kräftige Rauchwolken aus der langen Pfeife,sie hat französisch und Klavier und all den gelehrten Krimskrams lernen sollen, den heutzutage die andern Leute auch lernen, aber ihren Vater braucht sie darum nicht zu vernachläs­sigen sondern muß hübsch zeitig Morgens da sein, um ihm seinen Kaffee einzuschenken, wie vordem, ehe sie in die Stadt ging," fügte er mit verändertem, liebevollem Ton hinzu, als während seiner Rede sich die Thür ihm gegenüber geöffnet hatte und Ursula eingetreten war.