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Hersstliier Aeisblatt.
Gratisbeilagen: „Zllnftrirtes Ssnntagrblatt^^ n. „Illnstrirte lanbwirthsehaftliche Beilage".
«r. 34. Soimtrfa Kn 19. März 1888.
Amtliches.
Hersfeld, den 13. März 1896.
Auf Dienstag den 31. März 1896, Vormittags 10 Uhr, ist eine Kreistagssitzung in dem Saale des hiesigen Rathhauses auberaumt worden.
Tagesordnung.
1. Feststellung des Kreishauöhalts-Etats für 1896/97 (§ 84 der Kreisordnung).
2. Beschlußfassung über die Bewilligung von Beihülfen zu den Kosten für die wieder zu eröffnende Verpflegungsstation dabier.
3. Beschlußfassung über zu bewilligende Kosten für Abhaltung von Wandervorträgen durch die Direktoren der im hiesigen Regierungsbezirke bestehenden land- wirthschaftlichen Winterschulen.
4. Nochmalige Berathung einer Petition an den Kom- munal-Landtag wegen Uebernahme der Kosten der Unterhaltung der Landwege des Regierungsbezirks Caffel auf den Bezirksverband.
5. Wahl von 2 Mitgliedern des Kreisausschusses an Stelle der mit dem 1. Juli d. Js. ausscheidenden Herren Bürgermeister Braun hier und Gutsbesitzer Georg Gliemeroth zu Wölfershausen.
6. Beauftragung einer Kommission aus den Mitgliedern des Kreistags mit Prüfung der demnächst auf- zustellenden Kreis-Kommunalkassen-Rechnung für 1895/96 (§ 87 der Kreisordnung).
7. Wahl von je 7 Vertrauensmänner für den Ausschuß bei den Amtsgerichten Friedewald, Hersfeld, Nieder- aula und Schenklengsfeld zur Mitwirkung bei der in 1896 stattfindenden Auswahl der Schöffen und Geschworenen für das Jahr 1897 (§ 40 des Ge- richtsverfafsungs-Gesetzes vom 27. Januar 1877, Reichsgesetz-Sammlung Seite 49 von 1877 und § 35 des Ausführungsgesetzes zum deutschen Gerichtsver- faffungsgesetz vom 24. April 1878, Gesetz-Sammlung Seite 237 von 1878).
8. Neuwahl eines Schiedsgerichts-Beisitzers und eines ersten und eines zweiten Stellvertreters deffelben aus dem Arbeiterstande an Stelle der mit dem 1. April d. J. ausscheidenden Persönlichkeiten (§ 51 des Gesetzes vom 5. Mai 1886, Reichsgesetzblatt
Der Bettler von Lnglmar.
Lebensbild aus dem Bayerischen Walde.
Bon Maximilian Schmidt.
(Schluß.)
Der Pfahlbauer erbot sich nun, Simmet vor der Schande zu retten, jedoch nur unter der Bedingung, daß er sich seinen Anordnungen füge und vor allem Engl- mar und den Bettler wegen der Rohheit, die er ihnen zugefügt, um Verzeihung bitte.
Simmet weigerte sich dessen entschieden, und es kam zwischen beiden zu einem erregten Auftritte.
Der Pfahlbauer hatte aber damit die Sühne, die er dem liederlichen Burschen zugedacht, noch nicht erschöpft, und er sagte: „Du hast mit Verachtung auf'n Soldatenstand g'schaut, weil's d' di hast wegdrucken kinna mit etli hundert Gulden. Jatz aber sollst den Stand kenn« lerna, sollst die an G'horsam und Ordnung g'wöhna und derenthalben will i, daß d'n Englmar sei' übrige Deanst- zeit übernimmst. Nur unter dem Beding richt' i bei’ Sach mit die Wucherer, den's d' in d' Händ g'falln bist, und erhalt' dir dein Hof. Bist z'ruckkimmst, wirst gscheita sei' und selm auf bei Sach acht gebn könna. Willst oder willst nöd?"
„Aber Vetter — i wer dennast nöd für'n Englmar, für an' Häuslersbuam, einstehn?"
„Dös sollst, döS muaßt; andernfalls überlaß i di dein G'schick und dös kennst!"
„So will i liaba vergantn als mein Stolz a so weg- werfa, a g'moana Soldat z'wern!"
Seite 132 und ff. von 1886) für die Zeit vom 1. April 1896 bis dahin 1900.
A. 532. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtliches.
Aus dem Reichstag.
Berlin, 16. März. Der Reichstag fetzte heute die Berathung des Kolonialetat« fort. Abg. Frhr. v. Manteuffel ikons.) er« klärt die Angriffe auf die Kolonialverwaltung für Übertritten. Ueber PeterS den Stab zu brechen, ohne die Beschuldigungen zu beweisen, gehe nicht an. Freilich, wenn der Brief an den Bischof Tucker so lauten sollte, wie behauptet worden sei, dann gebe er PeterS preis; aber gerade über den Brief müsse man die Untersuchung abwarten, die nunmehr auch PeterS selbst beantragt habe. Der Direktor der Kolonialabtheilung K a y s e r betont, solange er auf seinem Posten stehe, werde er derartigen unerwiesenen Behauptungen, wie sie der Abg. Bebel aufgestellt habe, daß die von ihm erwähnten Vorgänge für die Kolonialverwaltung typisch seien, mit aller Schärfe entgegentreten. Er verweise nochmals auf den Erlaß bezüglich des Verhaltens der Kolo- nialbeamten. Trotz aller vorgebrachten Bemängelungen könnten wir auf die in den Kolonien erzielten Ergebnisse, insbesondere auf die erhebliche Steigerung der wirlhschaitlichen VerkehrSverhältnisse stolz sein. Abg. v. Kardorss (Reichsp.^finoel es bedenklich, daß im Reichstage persönliche Angelegenheiten in dieser Art behandelt würden, wo doch auch Politische Partrileidenschaften eine Rolle spielten. Sollte sich der Brief an den Bischof bestätigen, dann müßte er allerdings auch den Dr. PeterS fallen lassen. Abg. Bebel (sozd.) meint, man sollte ihm dankbar sein, daß er seine Beschwerden vorgebracht habe, denn nur dadurch könne man es erreichen, daß in unsere Kolonien die gewünschte Ordnung gebracht werde. Er habe Niemandes Ehre angegriffen, sondern nur Anschuldigungen vorgebracht, wozu er sich verpflichtet halte. Seine Beschwerden halte er in vollem Umfange aufrecht. Abg. Dr. Lieber tEtr.) bestritt in der Presse aufgetauchten Behauptungen gegenüber, daß die Stellung des Centrums zu Dr. Peter« durch die Verdrängung des Prinzen Arenberg au« dem Vorsitz der Kolonialgesellschaft durch PeterS beeinflußt sei und schloß: es würde unwürdig sein, dem deutschen Reiche zuzumuthen, so trüber Erfahrungen, solcher Kinderkrankheiten halber au« dem civilisaiorischcn internationalen Wettbewerb in Afrika auSzuscheiden. Die Kolonialpolitik werde auch ferner ihre Wege gehen. Abg. Richter (ftf. PolkSp.) bekämpfte die Kolonialpolitik im Allgemeinen. Eine erst in diesem Jahrhundert begonnene Kolonialpolitik habe überhaupt keine Zukunft. Abg. Graf Limburg (kons.) wie« nochmals daraus hin, daß sich das Haus zu Unrecht in einer Angelegenheit als Richter aufwerfe, Über welche noch die Untersuchung schwebe. Darauf wurden die Ausgaben für die Kolonialabtheilung genehmigt und die Resolution, betr. die Vorlegung eines Gesetzentwurfs gegen den Mißbrauch der Amtsgewalt, betr. die Ableistung der Wehrpflicht in den Schutzgebieten angenommen, ebenso die Forderungen für Ostafrika, Kamerun und Togo.
Berlin, 17. März. In seiner heutigen Sitzung setzte der
„Umkehrt is aa g'fahrn. Du muaßt stolz wern drauf, daß d' den Ehrenrock trägst; nur a niederträchtig« Kerl kann so verächtli drüber rebn!"
„Thua's, Simmet!" bat jetzt die Mutter; „alles thua, was der Vetter habn will; er verlangt nur bei Bests!"
„Mei' Bauernwort drauf! Entweder a so, oder a so. Da hoaßt'S: Vogel friß oder stirb!"
Das laute Weinen seiner Mutter, die Aussicht auf eine sichere Vergantung machten Simmet endlich fügsamer, und mit großer Ueberwindung mußte er sich bequemen, den bittern Kelch auszutrinken. Und so sagte er kleinmüthig zu.
Wieder in die Stube zurückkehrend, trat er zu Englmar und den Bettler und sagte: „Oes müaßt'S ma' nöd nachtragn — i hon heut aufg'habt (zu viel getrunken), und Englmar, daß d' es woaßt, i steh für di freiwilli ein und dean dei' Zeit aus beim Militär!"
„Na', na'," rief Englmar, überrascht aufspringend, „döS giebt'S nöd; i halt mei' Zeit scho' selm aus. Gelt'S Gott für dein guaten Willn — da hast mei' Hand — alles is zwischen uns vergessen — aber —"
„Aber Patschi!" unterbrach ihn der Pfahler, „wie willst d' denn d' Sidonie heirathen, wenn'S d' wieder in d' Käsern muaßt? I will, daß d' Hozet bald is, i möcht ausrasten. Oder aber pressiert's dir nöd? Heunt kummandier i! Der Simmet soll auf etli Jahr eini, auf daß er'S dakennt, daß der Soldatenstand an' Ehren- stand is!"
Simmet sah ein, daß der arme Bursche tn jeder Weise hoch über ihm stehe, und er sagte beinahe gerührt
Reichstag 'die Berathung des Kolonialetat« beim Etat für Südwestafrika fort. Auf eine Anfrage des Abg. Hasse (natlib.l erklärt der Direktor der Kolonialabtheilung K a y s e r, daß voraussichtlich noch im Lauf dieser Session dem Reichstage eine Vorlage über die Regelung der Militärdienstpflicht in den Schutzgebieten zugehen werde. Abg. Graf Arnim (ReichSP.l bedauert, daß ein großer Theil des füdwest« afrikanischen Gebiets einem englischen Syndikat abgetreten sei. Der englischen KharaSkhoma-Gesellschaft seien für eine geringe Summe 6 Millionen Morgen überlassen worden. Dazu habe noch unsere Kolonial- vcrwaltung die Verpachtung von Guanolagern genehmigt, wodurch daS Jnteresse der Kolonialfreunde für dieses naturgemäß sehr abgeschwächt worden sei. Direktor K a y s e r betont, daß die Vorwürfe de« Vorredners sowohl bezüglich der Genehmigung der Verträge mit der englischen Gesellschaft als auch bezüglich der Verpachtung der Guanolager ungerechtfertigt seien. Die KharaSkhoma-Gesellschaft habe bereits 1887 weite Länderstrecken erworben und bereit« 1889, als wir unsere Schutzherrschaft auf den Seiten auSdehnten, von uns entsprechende Zu- sicherungen erhalten. Wenn wir englischen Gesellschaften in unseren Kolonien keine Bewegungsfreiheit gestatteten, so würden die Engländer in dieser Hinsicht Gegenseitigkeit üben Abg. Hammacher (natlib.) kann die Regierung wegen der Landverträge mit der englischen Gesellschaft durchaus nicht tadeln, er müsse vielmehr anerkennen, daß unsere Regierung den Engländern mit mehr RechtSsinn entgegenkomme, als die Engländer uns. Ein Nachtheil für unsere Interessen könne daraus nicht entstehen. Die Kolonialgesellschaft habe die Brauchbarkeit der Guanolager nicht genügend gekannt, und als die Engländer die Ausbeutung des Guano pachten wollten, habe darauf die Gesellschaft sehr wohl eingehen können, weil sie damals damit ein guter Geschäft ge- mackt habe. Heute würde sie sich hierbei wohl einen größeren Vortheil ausbebingen. Er i^^ die MÄ Ueberzeugung, daß wir an Südwest- airjka noch große Freude erleben werden. Nach fernerer kurzer Debatte wird dieser Spezialetat sowie der Rest deS KolonialetatS nach den Beschlüssen der Kommission erledigt.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 17. März.
S e. Majestät der Kaiser unternahm gestern Nachmittag einen Spazierritt und besuchte Abends mit der Kaiserin den Gesellschaftsabend im Opernhause. — Heute Vormittag machte das K a i s e r p a a r den gewohnten gemeinsamen Spaziergang durch den Thiergarten. Auf dem Rückwege fuhr der Kaiser bei dem Staatsminister Marschall von Bieberstein vor, arbeitete später mit dem Chef des Militairkabinets, von Hahnke, und konferierte im Anschlüsse daran mit dem Korrespondenzsekretair, Geh. Reg.-Rath Mießner. Zur Frühstückstafel war der Statthalter von Elsaß-Lothringen, Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, mit einer Einladung beehrt worden. Abends um 7 Uhr gedenkt das Kaiserpaar
zu ihm: „I hon dir mei' Lebta schwer unrecht tho', Englmari, aber i werd' bei’ Stell als Soldat so guat versehgn, als i's vermag!"
Da eilte er davon; er konnte sich der Thränen nicht mehr erwehren. Die Mutter folgte ihm. Ihr versicherte der Bauer noch einmal, daß er sie nicht verlassen werde.
«I verzeih eam von Herzen gern," sagte der Bettler, „und der Englmari kann eam nur dankbarli sein, denn ohne döS blaue Auge hätt' er schwerli d' Sidonie als Hochzeiterin kriegt. 'S hat alles sei' GuatS auf der Welt, selm a blaus Aug!"
Die Anwesenden lachten über die Worte des Alten. Das Mahl begann, und die fröhliche Stimmung, die dabei herrschte, hielt den ganzen Abend an.
Englmars Großmutter saß lange in sich versunken da. Da fragte sie die glückliche Braut, was sie denn so nachdenkend mache.
„B'sinna thua i mi," erwiderte die Alte, „ob dös heunt aa r a Mandl (Märchen) is, oder d' Wirklichkeit?"
„Ahnl, es is scho' b’ Wirklichkeit!" versetzte Englmar. „Sie is schöna, als alle deine Mandln zamg'num- ma; aba dennast ham deine Mandln mitg'holfen, dös Glück herbeiz'führen!"
Er gedachte jenes Ganges nach dem Gossenstein und reichte schweigend, aber dankbaren Blickes, dem Bettler die Hand.
Die alte Ahnl aber meinte: „'s is dennast gar wunderbar, wie si' oft a Sach schickt!"