Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer betragen, wird er auch für weitere Schulstellen mit der Maßgabe gewährt, daß die Summe des Staatsbeitrags die Hälfte der Mehraufwendungen für die Unterhaltung der öffentlichen Volksschule über den bezeichneten Prozentsatz der Staatsund staatlich veranlagten Steuern hinaus nicht übersteigen darf." Abs. 3 von § 25 erhielt nach dem Anträge v. Heydebrand (kons.) folgende Faffung: „Für diejenigen Lehrerstellen, für welche der Staat den Besoldungsbeitrag an den Schulverband leistet, wird, soweit dieselben in einer politischen Gemeinde die Zahl 25 nicht übersteigen, aus der Staatskasse ein jährlicher Zuschuß, ; welcher den Bedarf nach Maßgabe des Mindestsatzes der Alterszulagen deckt, an die Alterszulagekasse des be- ! treffenden Bezirks gezahlt und dem Schulverbaude auf seinen Beitrag zur Kasse angerechnet." Im klebrigen wurde § 25 sowie § 26 (Uebergangs- und Schlußbestimmungen) -ach der Vorlage unverändert angenommen. Der Zeitpunkt des Inkrafttretens wurde auf den 1. April 1897 festgesetzt.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Für Deutschland und Oesterreich können die Zwischensälle des afrikanischen Colonialkrieges keinen Einfluß auf die Stellung Italiens im Dreibünde ausüben. In dem Gedankenaustausche Golucbowski's mit den leitenden deutschen Staatsmännern könne an eine Lockerung der Beziehungen zu Italien nicht gedacht werden. Sie, gehässigen Auslastungen einzelner englischer Blätter seien lediglich ein neuer Ausfluß der Liebhaberei eines Theils der englischen Preste für Brandstiftungen auf dem europäischen Continent, ein Verhalten, welches dem Urtheile der besonnenen englischen Politiker überlasten bleiben kann.
Betreffs der vierten Bataillone ist, wie die „N. A. Z." erfährt, die von einem anderen Blatte gebrachte Nachricht zutreffend, nach welcher die Aenderungen in deren Organisation erst am 1. April 1897 zur Durchführung gelangen sollen, so daß die durch diese Aenderungen entstehenden Mehrkosten in den nächstfolgenden Etat 1897/98 eingestellt werden würden. Daß ein diese Angelegenheit betreffender Nachtragsetat mit Forderungen für Unterbringung der neu zu bildenden Formationen u. s. w. noch in dieser Session an __ben Reichstag gelange, wäre jedoch keineswegs ausgeschlossen.
Das Reichsgericht verurtheilte gestern in dem Prozeß wider Schoren und Genossen wegen Verraths militairischer Geheimnisse auf Grund des Gesetzes vom 3. Juli 1893 den Ingenieur Schoren zu 7 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und Zulässigkeit der Stellung unter Polizeiaufsicht, den Jng-nreur und Lieutenant a. D- Pfeiffer zu 2 Jahren Gefängniß und den Buchhalter Ringbauer zu einem Jahr Gefängniß.
Die Reichstagskommission für das bürgerliche Gesetzbuch hat die Berathung der Paragraphen über die Miethe beendet. Eine von sozialdemokratischer Seite beantragte Resolution, worin die Erwartung ausgesprochen wird, daß in dem Gesetz, betreffend Abänderung der Civilprozeßordnung, eine Bestimmung Aufnahme finde, nach welcher in dem Erkenntniß auf Räumung einer Wohnung eine angemessene Räumungsfrist festgesetzt sein muß, wurde angenommen.
Vom Centralkomitee der Deutschen Vereine vom Rothen Kreuz ist, dem Vernehmen nach, am 6. d. bei dem italienischen Centralkomitee angefragt worden, ob ihm eine Unterstützung bei der Verwundeten- und Krankenpflege in der erythräischen Kolonie erwünscht sei. Von Rom ist darauf eine dankende Erwiderung unter Vorbehalt weiterer Mittheilung über die etwaige Annahme des Anerbietens eingegangen.
Im Monat Februar d. I. haben 472 Schiffe mit einem Netto-Raumgehalt von 58 900 Register-Tonnen den Kaiser Wilhelm-Kanal benutzt und an Gebühren zusammen 40 412 Mark entrichtet.
auf seinem Schweizerwägelchen von oben herab in rascher Gangart ihm entgegengefahren kam. Sobald er Simmet erblickte, rief er ihm ein lautes „Halt" zu, weil ein Ausweichen an der Stelle, an welcher sich der Bretterwagen gerade befand, unmöglich war, aber Simmet kehrte sich nicht daran, und als er, ganz nahe herangekommen, in dem Knechte Englmar erkannte, beliebte es ihm schon gar nicht mehr, nach dessen Willen zu thun.
„Du armseliger Kommißbrotfreffer!" rief er ihm zu, „glaubst leicht, der Kühberger Simmet laßt si' von dir kummandieren? Weich aus oder —"
„I kann mit'n schwären Wagen nöd in Straßen- grabn awi," entgegnete Englmar. „Hältst g'halten durt ohn; iatz schaug nur, wie's d' vorbei kimmst!"
Er ließ das Fuhrwerk so weit zur Seite rücken, als es möglich war, aber es genügte nicht, daß SimmetS Wägelchen vorbeikommen konnte. Unter Fluchen und Schimpfen verlangte er von Englmar ein noch weiteres Ausweichen, doch würde dieser dadurch ein Umstürzen des Wagens riskiert haben.
■ „No' wart nur, du G'scherter — bin i nur bei’ Bauer — i lern dir's Ausweicha!" drohte der Kühberger.
„Wenn's di freut, wenn i bei’ Fuhrwerk in Straßen- grabn wirf und d' Roß in G'fahr bring, so is dös nach« bei’ Sach," meinte Englmar gelassen, „aber so lang i der Kned von Pfahlbauern bin, g'schieht von mir nixi zu sein Schaden, und Gnad dem, der mi drum schändt. Wenn d' nöd schaugst, daß b’ wieder rücklings fahren kannst bis zu der Ausweich durt obn, so stehnga ma in etli Stund no' da. J weich nöd weiter aus."
Simmet blieb unter diesen Umständen nichts übrig,
Auf den dentschen Münzstätten sind im Monat Februar d. Js. geprägt worden: 17 426 340 Mark in Doppelkronen, 229 625 Mark in silbernen Fünfmarkstücken, 1 181934 Mark in Zweimarkstücken, 31 249,50 Mark in Zehnpfennigstücken und 30 262,98 Mark in Einpfennigstücken. Die Gesammtausprägung an ReichS- münzen, nach Abzug der wieder eingezogenen Stücke, bezifferte sich Ende Februar d. I. auf 3 032 253 490 Mk. in Goldmünzen, 485 261 628,40 Mark in Silbermünzen, 52 641503,65 Mark in Nickel- und 13 038 029,43 Mark in Kupfermünzen.
Der Norddeutsche Lloyd verlangt von der verurtheilten Rhederei des Dampfers „Crathie" als Schadenersatz für die untergegangene „E l b e" 565 500 Gulden.
Professor Dr. Koch wird, wie in Berlin verlautet, binnen kurzem mit einer neuen Veröffentlichung über die Anwendung des Tuberkulins hervortreten.
Ausland.
Die Bildung eines neuen italienischen Ministeriums ist endlich am Dienstage gelungen. Den Blättern zufolge sollten u. a. übernehmen: Rudini Präsidium und Inneres, Gaetani Sermoneta Aeußeres, Ricotti Krieg und Brin Marine. Die Franzosen, die schon über den Zerfall des Dreibundes jubelten, beginnen bereits einzusehen, daß der Dreibund durch den Ministerwechsel eher gekräftigt als geschwächt werden könnte. Die Pariser Zeitung „Temps" beispielsweise sagt: Mit Ausnahme einiger Phantasten könne Niemand sich einbilden, daß das Ministerium Rudini eine Auflösung des Dreibundes bedeute. Alles deute an das Gegentheil hin.
Wie römische Blätter melden, haben sich die italienischen Truppen in der S ch l a ch t b e i A d u a ausgezeichnet geschlagen. Der Mißerfolg habe lediglich an der schlechten Disposition gelegen. In Asmara kommen fortgesetzt Haufen Versprengter und Verwundeter an. Kundschafter berichten, daß die Verluste der Schoaner sehr beträchtlich seien. Der Gesundheitszustand der italienischen Truppen ist gut. Die Verproviantirung geht ordnungsmäßig vor sich.
Wie aus Maffauah gemeldet wird, hat Major Prestinari, der Kommandant des Forts Adigrat, telegraphirt, er sei entschlossen, das Fort bis zur letzten Möglichkeit zu halten. Er habe Lebensmittel für einen Monat und reichliche Munition. In dem Fort befinden sich über 300 Kranke. Die Rebellen sind einige Kilometer entfernt. Die italienische Nation dürfe unbesorgt sein, er werde seine Pflicht bis zum Tode thun.
Aus Prrliillz unil Nchbirzeilitt.
Hersfeld, den 11. März.
* Für die am nächsten Montag beginnende erste diesjährige S ch w u r g e r i ch t s p e r i o d e beim Landgericht zu Caffel, werden unter dem Vorsitz des Herrn Landgerichts-Direktor Wippermann folgende Fälle zur Verhandlung und Aburtheilung kommen: 1) Am Montag, den 16. März gegen den Bahnarbeiter Georg Wilhelm T ö n g e S , früher Landbriefträger in Wolfhagen, Vergehen und Verbrechen nach den §§ 350, 351 und 354 des Strafgesetzbuchs. 2) Am Dienstag, den 17. März, gegen den Dienstknecht Heinrich Kann aus Höringshausen wegen Körperverletzung mit nachfolgendem Tod. 3) Am Mittwoch den 18. März gegen den Buchdrucker Gustav Dorländer und den Buchdrucker Gustav S t e i n b a ch , beide aus Caffel, wegen Münz- verbrechen. 4) Am Donnerstag den 19. März gegen Steinträger Joseph Weychert von Caffel wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg. Außerdem dürften bei rechtzeitigem Abschluß der Voruntersuchung noch zwei weitere Fälle zur Verhandlung kommen.
* Oculi, d a kommen sie, die Schnepfen nämlich, und jedes Nimrods Herz schlägt höher, daß er in
als abzusteigen und sein Wägelchen rückwärts bergan fahren zu lassen, was ziemlich viel Zeit und Mühe in Anspruch nahm. Als er unter vielem Fluchen endlich an die Ausweichstelle gekommen, schwang er sich wieder auf feinen Sitz und nahm seine Peitsche zur Hand.
Englmar fuhr nun bergan. Beim Wagen des Küh- bergers angetommen, wollte er, ohne diesen eines Blickes zu würdigen, vorüber, als er plötzlich von diesem einen Schlag mit der Geißel über Kopf und Gesicht erhielt, so daß ihm die Mütze herabflog.
„Wart, i will dir's lerna, bei’ Kommißhaubn vor dein künftigen Herrn z'lupfen," rief der Kühberger. Dann hieb er auf sein Pferd ein und fuhr in gestrecktem Trabe bergab.
Englmar taumelte und wäre beinahe zwischen die Räder seines Fuhrwerks gekommen. Doch erholte er sich sogleich wieder. Mit erhobener Faust drohte er seinem Gegner nach.
„Den Schimpf sollst mir büaßen und zwar no' heunt!" rief er.
Dann nahm er seine Mütze vom Boden, setzte sie wieder auf, wischte von den Wangen die Blutspuren, welche der quer darüber gehende Striemen verursachte, und setzte seine Fahrt fort. Aber sein ganzes Herz war erfüllt von Nachegedanken; der Soldat war in ihm erwacht. Simmet kam ihm unendlich verächtlich vor. Er, dem der Vertreter des Königs die Ehrenmedaille an die Brust geheftet hatte, der von diesem als tapferer Mann geehrt worden war, und dem er die Hand gedrückt hatte, er duldete nimmer solchen Schimpf, durfte ihn nicht auf sich sitzen lassen. Nicht Bauer und Häusler standen sich
jetziger Zeit der allgemeinen Schonung den beliebten Langschnabel schießen darf.
* D i e A s p h a l t - D a ch p a p p e n a n f e r t i - g u n g ist, wie der „Köln. Ztg." aus betheiligten Kreisen geschrieben wird, durch den überhandnehmenden Wettbewerb so unlohnend geworden, daß einzelne Fabrikanten sie freiwillig eingestellt haben. Es haben sich daher die leistungsfähigsten westdeutschen Fabrikanten nothgedrungen veranlaßt gesehen, ihre Preise um 20°/o zu erhöhen, um ihren Betrieb in Ehren aufrecht zu erhalten, um für ihre Mühe und Kosten einigermaßen entschädigt zu werden."
* Der frühere Herausgeber der Täglichen Rundschau, Herr Dr. Friedrich Lange, begründet, wie wir erfahren, zum 1. April b. I. ein neues Tageblatt unter dem Titel „Deutsche Zeitung", Unabhängiges Tageblatt für nationale Politik mit täglicher Unterhaltungsbeilage „R u n d s ch a u".
§ Hersfeld, 11. März. Heute fand am hiesigen Gymnasium unter dem Vorsitze des Herrn Direktor Dr. Duden die mündliche Reifeprüfung statt. Von den 12 Abiturienten, welche sich derselben unterzogen, bestanden 11. 5 davon waren auf Grund ihrer guten schriftlichen Leistungen von der mündlichen Prüfung befreit.
Rotenburg, 9. März. Am 10., 11. und 12. Juli b. I. wird in unserer Stadt eine größere landwirth- schaftliche Ausstellung für den Regierungsbezirk Hessen- Caffel stattfinden, auf welcher Rindvieh, Ziegen, Geflügel und landwirthschaftliche Geräthe ausgestellt werden. Mit der Ausstellung, welche im Mauerngarten abgehalten wird, soll eine Prämurung, Verloosung und größeres Volksfest verbunden werden. Das hier gewählte Komitee trifft unter dem Vorsitz des Domänenpächters Herrn Schäfer schon eifrig die erforderlichen Vorbereitungen, und sollen bestimmte Beschlüsse rechtzeitig veröffentlicht werden. (C. T.)
Caffel, 10. März. Als Antwort auf das Begrüßungstelegramm an Se. Majestät den Kaiser ist dem Vorsitzenden der Landwirthschaftskammer für den Regierungsbezirk Caffel folgendes Telegramm zugegangen: Seine Majestät der Kaiser und König sind durch die Begrüßung der neu constituirten Landwirthschaftskammer für den Regierungsbezirk Caffel auf'S Angenehmste berührt worden und haben mich zu beauftragen geruht, der Landwirthschaftskammer Allerhöchst Ihren Dank sowie die wärmsten Wünsche für eine ersprießliche Arbeit zu übermitteln, gez. v. Lucanus, Geh. Cabinetsrath.
Caffel, 10. März. Ein schwerer Einbruchs- d i e b st a h l wurde in der Nacht vom Sonntag zum Montag in Rothenditmold in der in der Nähe der Wolfhager Straße gelegenen, im Vellmarer Weg befindlichen Uhren- und Goldwarenhandlung von W. Hause verübt. Die Diebe hatten die Rollschalter des Schaufensters hinaufgeschoben und ohne größeres Geräusch zu verursachen die Spiegelscheibe eingedrückt. Unbemerkt räumten sie die sämmtlichen im Schaufenster ausgestellten Uhren und sonstigen Schmucksachen aus. Erst am gestrigen Morgen gegen i/.28 Uhr, als der Besitzer den Laden öffnete, wurde der Diebstahl entdeckt. Nach genauer Feststellung sind Goldwaren im Werthe von ea. 6000 Mk. den Gaunern in die Hände gefallen, darunter
7 goldene Herren-Nemoutoir-Uhren, 14 goldene Damen- Uhren, 7 silberne Damen-Uhren, 6 silberne Remontoir- Uhren, 18 bis 20 goldene Herren- und Damenringe, 30 bis 40 goldene Ohrringe, 1 Collier mit Türkisen, 4 Colliers mit Granaten, 1 Gold-Colliers, 8 Colliers von Corallen, 4 silberne Colliers, 15 goldene Broschen, 4 Granate, 6 Corallen, 4 Armbänder, 20 bis 30 Gold- Doublo-Broschen, Schließnadeln und Manschettenknöpfe. Die Etuis der Goldsachen hatten die Einbrecher über die an das Haus grenzende Mauer in den Garten ge-
gegenüber, Mann gegen Mann sollte die Rechnung ausgeglichen werden.
Nachdem er an der Abladestelle seine Fracht übergeben hatte, kehrte er mit dem leeren Wagen ohne Aufenthalt heim. Es fing bereits zu dunkeln an, als er den Hof erreicht und die Pferde versorgt hatte. Niemand achtete besonders auf ihn, man war im Hause zu beschäftigt.
Auch den Blicken der ©einigen suchte er sich möglichst zu entziehen. Er steckte, für alle Falle, sein langes Messer zu sich und bewaffnete sich mit einer Peitsche. Dann eilte er nach dem Wege, der zum Kühbergerhofe führte. Simmet mußte jeden Augenblick von dort Herkommen.
„Er hat mi zeichnet," sagte er, an seine brennende Wange greifend. „Sei G'sicht soll heunt nöd schöner sei', wie 's mei'. Er soll an den Kommißbrotfresser denken!"(Forts, folgt.)
— Ein Kampf zwischen Wilderern und Forstschutzbeamten hat im B r e d e l a r e r Revier (Kreis Brilon) stattgefunden. Man fand den Forstgehülfen der Oberförsterei in seinem Blute, ein Schuß war ihm von hinten in den Kopf gedrungen. Der Schwerverletzte ist »och am Leben, liegt aber hoffnungslos darnieder. Mehrere junge Leute von 18 bis 20 Jahren, die im Verdachte stehen, den Meuchelmord begangen zu haben, sind verhaftet.
— (U n b e d a ch t.) „Was giebt's heute zu Mittag?" „Schweinszunge". „Die wächst mir ja schon zum Halse heraus."