Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

K. 31

^merstm itn 12. März

Grattsbetlagen:Illustrtrtes Sonntassblatt" «SUufirirU landwirthschaftliche Verlage

Abonneinentspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Psg. exel. Postaufschlag.

Amtliches.

Zugelaufen: 2 Hunde, mittlerer Größe, schäckig, von denen einer lang- der andere kurzhaarig ist. Meldung der Eigenthümer bei dem Ortsvorstand zu Unterhaun.

Nichtamtliches.

Aus dem Reichstage.

Berlin, 9. März. In der heutigen Sitzung setzte der Reichs­tag die zweite Lesung der Novelle zur Gewerbeordnung bei Artikel 4 fort, und zwar bei der Bestimmung über den Kleinhandel mit Bier. Die Regierungsvorlage will den Kleinhandel mit Bier untersagen, wenn Thatsachen vorliegen, welche die Unzuverlässigkeit der Gewerbe­treibenden in Bezug auf diesen Gewerbebetrieb darthun. Hierzu bean­tragen die Abgg. v. H o l l e u f e r <kons.) und JacobSkötter (fonf.) daß der Kleinhandel nrt Bier nur dann untersagt werden kann, wenn der Gewerbetreibende wiederholt wegen unbefugten Betrieb- der Schankwirthschaft bestraft ist. Abg. Rösike (b. k. beantragte, den Antrag Holleuser dahin zu amendiren, daß er sich nur auf den Bierhandel mit Faß erstrecke. Ein Antrag de« Abg. Dr. S ch 8 d l e r (@trj endlich, wollte e« den einzelstaatlichen Regierungen anheimgeben, den Kleinbierhandel konzessionSpflichtig zu machen. Freisinnige und Sozialdemokraten sprachen sich überhaupt gegen jede Beschränkung au«. Die Abstimmung erstreckte sich sowohl über Art. 3 wie 4. Art. 3. wurde in der Fassung de« Antrag« Gröber.Hollcufer mit dem Amen- dement angenommen, wonach die Bestimmungen de« § 33 der Ge­werbeordnung auf die dem GenossenschaftSgesetz unterstehenden Konsum­vereine Anwendung finden, auf Anordnung der Landesregierungen aber auch auf andere Vereine angewendet werden können. Zum Ar­tikel 4 wurde ebenfalls der Antrag Gröber-Holleufer, sowie (bezüglich des Bierhandel«) der Antrag Holleufer angenommen. Danach wird dem 8 35 der Gewerbeordnung auch der Looschandel unterstellt, sowie der Drogenhandel, falls bei dessen Handhabung Leben und Gesundheit gefährdet werden. Der Bier-Kleinhandel kann untersagt weide», wenn der Händler wiederholt wegen unbefugten AuSschank« bestraft ist. Die Annahme deS so gestellten Art. 4 erfolgte mit 137 gegen 78 Stimmen.

Berlin, 10. März. Der Reichstag fegte heute die zweite Lesung der Novelle zur Gewerbeordnung fort. Artikel 6, welcher von der Anwendung der Bestimmungen über die Sonntagsruhe auf den Geschäftsbetrieb von Konsum« und anderen Vereinen handelt, wird unverändert angenommen. Bei Artikel 7, nach welchem für einz-lne Gemeinden bestimmt werden kann, daß die einheimischen Hausirer zur Ausübung ihre« Gewerbe« der Erlaubniß bedürfen, bemängelt Abg. Richter (frf. VolkSp.), daß die höhere Verwaltungsbehörde eventuell ohne Rücksicht auf die Gemeindebehörde diese Bestimmung solle treffen können, da eS in der Vorlage heiße, daß die Verwaltungsbehörde blos nach Anhörung der Gemeindebehörde, also unter Umständen auch gegen deren Willen, diese Bestimmungen treffen könne. Der Direktor im RcichSamt des Innern v. Woedtke erwidert, daß der Zwischenhandel durch die Vorlage keine Einschränkung erfahren werde. Von der bi«-

Der Bettler von Englmar.

Lebensbild aus dem Bayerischen Walde.

Von Maximilian Schmidt.

(Fortsetzung.)

Daß diese Nachricht dem Soldaten wie ein Dolchstich ins Herz fuhr, ahnte selbst seine alte Großmutter nicht, die ihn, Freudenthränen weinend, umarmte. Sidoniens Hand aber zitterte, als sie die des glücklich Heimgekehrten in der ihrigen hielt. Ihre Wangen waren blaß und ihre Augen feucht, als sie fächelnd sagte:Gott sei's dankt, daß d' wiedr glückli z'ruck bist. I han so viel Angst g'habt um bi!"

I hon's völli g'spürt, denn allewell hon i her­denken Massen an d' Hoamat, selm mitten im G'fecht," erklärte Englmar.Da hon i mir oft denkt, wenn i bleibet im Feld, 'S waar a schöner Tod, und dahoamt woant um mi mei' Ahnl und"

Und i!" vollendete Sidonie.DöS hast wohl er­rathen. Und siehgst, iatz bist glückli z'ruckkömma und i muß dennast woana. O mei', Englmari, für mi iS heunt koa Glückstag. I wollt, i dürft sterbn, so trauri is mir z' Muath!"

Heunt, an dein Verlobungstag?" fragte der Bursche, obwohl ihm die Erinnerung daran selbst das Herz be­schwerte.

Der Vater wills habn der Vater"

Was is's mit'n Vater?" fragte der soeben ein­tretende Pfahler, der Englmar schon vorher begrüßt hatte. Er wartete die Antwort seiner Tochter nicht ab,

herigen Bestimmung, daß nur auf Grund eines Gemeindebeschlusse« eine d rarlige Maßregel getroffen werden könne, sei von den Gemeinden nur ein sehr geringer Gebrauch gemacht worden, und solche Bestim­mungen dürften nicht auf dem Papier stehen bleiben. Abg. Richter (frf. VolkSp.) bemerkt, wenn von jener Bestimmung kein Gebrauch gemacht woiden sei, so beweise die«, daß in dieser Hinsicht keine Miß­verhältnisse bestünden. Darauf wird der Artikel 7 mit einer Aenderung angenommen. Abg. Lenzmann (fr. Vp.) schlägt eine Bestimmung vor, nach welcher Kindern unter 14 Jahren daS Feilbieten von Waaren verboten wird. Ausnahmen darf die Polizei zulassen. Nachdem sich mehrere Redner und auch Staatrsckretair v Bötticher mit dem Grund­gedanken deS Anträge« einverstanden erklärt haben, wird der Antrag mit großer Mehrheit angenommen. Der folgende Artikel 8 bezieht sich auf die Detailreisenden: da« Aufkaufen darf nur bei Kaufleuten oder solchen Personen, welche die Waaren produziren oder in offenen Verkaufsstellen erfolgen; ingleichen darf da« Aufsuchen von Bestellungen auf Waaren, soweit nicht der BundeSrath für bestimmte Waaren Aus­nahmen zuläßt, nur bei Kaufleuten oder solchen Personen geschehen, in deren Gewerbebetriebe Waaren der angebotenen Art Verwendung finden. Hierzu beantragt der Abg. Frhr. v. Stumm (ReichSp.) die Wortesoweit nicht der BundeSrath für bestimmte Waaren Ausnahmen zuläßt" zu streichen und dafür zu setzen:soweit dazu (zum Aufsuchen von Bestellungen) nicht eine ausdrückliche öffentliche oder schriftliche Aufforderung ergangen ist." Ein Antrag Gröber - Holleuffer will Druckschriften, andere Schriften und Bildwerke von der Bestimmung deS Artikel« 8 ausnehmen und dem BundeSrath die Vollmacht geben, nicht nur für and re Waaren, sondern auch für ande-e Gegenden oder Gruppen von G> werbe treib-nden Ausnahmen zuzulaffen; im Uebrigen aber der Fassung der Vorlage zustimmen. Abg. v Cuny (natlib.) be­antragt, bin Wein, die Abgg Fritzen und Human,i (Ctr.) beantragen, auch Gegenstände der Leinen- und Wäschefabrikation unter die Aus­nahmen aufzunehmen. Der Antrag Fritzen-Humaun wird in nament­licher Abstimmung mit 130 gegen 109 Stimmen angenommen. Der Antrag Gröber-Holleuffer wird in einfacher Abstimmung ebenfalls an­genommen; damit ist der A'tikel 8 der Regierungsvorlage forme alle übrigen AbänderungS-Anträge erledigt.

Aus dem Abgeordnetenhaus.

B e r l i n, 10. März. In der gestrigen Nachmittag« Sitzung de« Abgeord­netenhäuser beklagte der Abg Dauzenberg (C.) bei dem KapitelSchul« aufsicht", daß das SchulaufsichtSgesetz von 1872 die Schulaufsicht gänz­lich in die Hände des Staate« statt in die der Geistlichen gelegt habe, worunter namentlich die katholische Kirche zu leiden habe. Die Schule müsse eine Unterricht«- und Erziehungsanstalt in christlichem Sinne sein. Ministerialdirektor Kuegler bemerkte, Gott sei Dank sei die Schule auch eine solche Anstalt; übrigen« hätten die Geistlichen die Lokalschulaufsilbt in 7139 Schulen, und unter den Kreisschulinspektoren befänden sich 95 katholische Geistliche. Abg. Knörcke (stets.) bedauerte, daß der Abg. Dauzenberg seit 20 Jahren stets dieselbe Rede bei der Schulaufsicht halte. Geistliche könne man nicht eo ipso al« Fachmän­ner auf dem Gebiete der Schule ansehen. Nach Annahme eine« Schlußantrag« wurden die Positionen bewilligt Bei den Besoldungen der Kreisschulinspektoren wünschte Abg. Gerlich (frk), daß mehr seminaristisch gebildete Kreisschulinspektoren ernannt würden; diesen solle aber nicht die Lokalschulaufsicht übertragen werden. Ministerial­direktor Kuegler erwiderte, daß immer mehr Seminarlehrer zu KreiS-

fondern sagte:Englmar, du muaßt heunt aushelfen und glei d' Arbet wieder anfanga. Der Knecht, der 's Bretterfuhrwerk hat, is krank worn, aber von der Sag (Säge) obn muaß no' a Fuhr übri kömma zum Regen, weiss no Platz hat am Floß. Aufg'laden is scho' und d' Roß san ang'schirrt es pressiert!"

I ziag nur schnell mei Uniformsrock aus," sagte Englmar eifri;i verhalt nöd. Adis!"

Eiligst hatte er die Stube des Bauers verlassen. Dieser sah dem hübschen, flotten Burschen durch das Fenster wohlgefällig nach.

's is dennast a Prachtbursch, der Englmar," sagte er.Trutz sein weiten Marsch heunt macht er aa nöd den kloansten Anstand, springt ei' in Deanst, als waar der ganz' Krieg grad so a Rekration g'wen, von der er z'ruck kömma is. Es g'fallt ma recht, daß er die gulda Medaille kriegt hat; für an' Häuslerbuam will dös was hoaßen!"

Ja no', brav und fchneidi kann der Häuslerbua so guat sei', wie der reichst' Bauernbua," sagte Sidonie nicht ohne Bitterkeit.I moan schier, er is's viel ehnder, denn aus Schneid drucken sie die meisten nöd weg vom Militari, b'sunders wenn Krieg in Aussicht steht!"

Du spielst wohl auf dein Hochzeiter an?" lachte der Bauer.Der Simmet tauget freili nöd dazua, der lasset si' nöd lang kommandieren"

Der kommandiert scho' selber, da hast recht," ent- gegnete die Tochter.Wenn der amal Herr is am

schulinspektoren ernannt würden. Bei dem Fond« behus« Erleichterung der Volksschullasten wurden seitens der Abgg. v. Detten (C.) und Kircher (C.) lokale Wünsche geäußert, auf welche Ministerialdirektor Kuegler mit einigen Darlegungen einging. Um 4 Uhr wurde die weitere Berathung auf Abend« 71/, Uhr vertagt.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 10. März.

Se. Majestät der Kaiser begab Sich heute Vor­mittag mit dem fahrplanmäßigen Zuge um 9 Uhr 5 Min. nach Potsdam, traf um 9 Uhr 34 Min. dort ein und fuhr in einem offenen Wagen nach der Kaserne des Leib Garde-Husarenregiments, von dort nach der Kaserne des Regiments der Gardes du Corps und dann nach der Kaserne des 1. und 3. Garde-UlanenregimentS, um den Ofsizier-Reitstunden bei den genannten Regimentern beizuwohnen. Um 12 Uhr nahm Seine Majestät das Frühstück bei dem Offiziercorps des 3. Garde-Ulanen- Regiments ein. Nach Besichtigung der Regimenter ge­dachte Seine Majestät sich nach Berlin zurückzubegeben, um 6 Uhr 30 Minuten Abends den k. k. österreichisch - ungarischen Minister des Aeußern Grafen v. Goluchowski in Audienz zu empfangen und um 7 Uhr mit Ihrer Majestät der Kaiserin einer Einladung des k. k. österreichisch-ungarischen Botschafters am hiesigen Hofe, v. Szögysny, zu entsprechen. Morgen Abend wird Se. Majestät das Diner beim königlich italienischen Bot­schafter, Grafen Lanza, einnehmen.

Wie dasDesdner Journal" meldet, verlieh Seine Majestät der Kaiser Wilhelm dem Prinzen Georg v o n S a ch s e n das Eichenlaub zu dem Orden Pour le merite, den der Prinz im deutsch-französischen Kriege sich erworben hat.

In der Kommission des Abgeordnetenhauses für das Lehrerbesoldungsgesetz wurde am Sonnabend Abend die erste Berathung der Vorlage beendet. Abs. 2 des vielumstrittenen § 25 (Leistungen des Staates zum Diensteinkommen der Lehrer) erhielt nach dem Anträge Winckler (kons.) folgende Fassung:Der Staatsbeitrag wird bis zur Zahl von 25 Schulstellen für jede politi­sche Gemeinde gewährt. In denjenigen Gemeinden, deren Aufwendungen für die Unterhaltung der öffentlichen Volksschule nachgewiesenermaßen mehr als 50 Prozent des Veranlagungsfolls der Staatseinkommensteuer, der

Pfahlhof, wern ma's scho' inne, daß neb'n eam koa' Willn existiert!"

Mit Ausnahm des mein," verbesserte der Bauer die Rede seiner Tochter.

Der Simmet wird si so weni um di kümmern, wie er si iatz um sei' Muatta kümmert," meinte Sidonie.

I übergieb eam vorderhand scho' nöd alles; i b'halt mir dös best' Vieh und die schönst Waldung vür, daß i'n no' am Bandl hon," versetzte der Alte pfifsig lächelnd.

Aber mi übergiebst eam!" rief Sidonie vorwurfsvoll und mit strengem Blicke. Dann eilte sie, ohne eine Er­widerung abzuwarten, in ihre Kammer, um den hervor- brechenden Thränen freien Lauf zu lassen. Der Bauer sah ihr voll Erstaunen und mit offenem Munde nach, dann entfernte er sich kopfschüttelnd und murmelte:Hell- sarendi! Mi kommandieren! Dös wer eam scho' ab- gwinna aufs erst Mal."

Ueber die Schlußrede seiner Tochter dachte er nicht näher nach.

Is dös a dumms G'schwatz," sagte er mit Bezug daraus.Natürli muaß eam's übergehn, wenn'S zam- heirathen"

Englmar hatte inzwischen die Uniform mit einem Janker vertauscht; die Militärmütze behielt er auf dem Kopfe. Er nahm die Pferde, die er freundlich grüßend streichelte, aus dem Stalle und führte sie zur Bretter- säge, um von dort den bereits beladenen Wagen nach Viechtach zu bringen.

Soeben fuhr er langsam den schmalen, steilen Weg über den Pfahlrücken hinauf, als der Kühberger Simmet