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Amtliches.
Hersfeld, den 5. März 1896.
Die Herren Ortsvorstände und Gutsvorsteher des hiesigen Kreises fordere ich hierdurch auf, mir bis zum 1 2. d. M t s. zu berichten, ob aus ihrer Gemeinde rc. bei dem diesjährigen Ersatz-Geschäft mehrere Söhne einer Familie gestellungspflichtig sind, sowie ob sich
Verzeichnis der im Monat Februar 1896 ertheilten Jagdscheine.
Lsde.
Nr.
Tag der Ausstellung
Gültigkeitsdauer.
Der Jagdscheins-Jnhaber
Namen.
Wohnort.
145
1/2.
1 Jahr
Wagner, Conrad, Ackermann Reydt, Michael, Zimmermeister,
Allendorf
146
M
ff
147
10/2.
ff
Klotzbach, Wilhelm, Bürgermeister a. D. und Landwirth
Malkomes
148
Suntheim, L., RechtSanwalt
Hersfeld
Hersfeld, den 5. März 1896.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtliches.
Aus dem Reichstag.
Berlin, 4. März. Der Reichstag setzte heute die erste Lesung des Zuckersteuergesetze« fort. Abg. Götz v. Ohlenhusen (Weife) spricht sich für die Vorlage aus, die den Konsumenten nicht belasten und die Zuckerindustrie exportfähig erhalten werde. Abg. P a a s ch e (natlib.) hebt hervor, daß erst durch da» Prämiensystem unsere Zuckerindustrie groß geworden sei und nicht nur den ganzen JnlandSkonsum decken, sondern auck auf den Weltmarkt hinaustreten konnte. Würden wir die Prämien ausheben, so würden wir nur die blühende Industrie ruinirt, aber weiter nicht» erreicht haben. Abg. Meyer, Danzig iReichsp.) erklärt sich Namens seiner Partei für die Vorlage, wünscht eine schließlich- Abschaffung der Prämien im Verein mit anderen Staaten, hält aber für jetzt die im Entwurf vorgeschlagene Prämie von 4 Mark für nothwendig. Der preußische LandwirthschaftSminister Frhr. von Hammerstein hält für unerläßlich, daß die Rüben- industrie eine landwirthschastliche Industrie bleibe; die Interessen deS Osten- seien hier dieselben wie diejenigen von Mittel- und Westdeutschland. Abg. Barth (frf. Ver.) führt au«, daß da« Gesetz dem deutschen Volke mindesten« 50 Millionen Mark kosten würde, seine Erfolge seien aber ungewiß, und deshalb lehne er da« Gesetz ab. Abg. von Staudy (kons.) weist darauf hin, daß eine Anzahl seiner politischen Freunde den Standpunkt der Mehrheit seiner Fraktion nickt lheile. Nicht den Rübenbau, sondern den Getreidebau halte er für da« Rückgrat der Landwirthschaft. Der preußische Landwirthschaft«- minister Frhr. v. Hammerstein bemerkt, er habe au-geführt, daß der Rübenbau aus allen Gebieten der Landwirthschast bahnbrechend sei. und in diesem Sinne habe er den Rübenbau wohl mit Recht al» da« Rückgrat der Landwirthschaft bezeichnet.
Berlin, 5. März. Heute beendigte der Reich-tag die erste Lesung des Zuckersteuergesetze«. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte da« Haus da« Andenken de« in der vergangenen Nacht verstorbenen früheren ersten Vizepräsidenten des Reich«tagS Abg. Buhl (natlib.) in üblicher Weise. Staatssekretär Graf Posadowsky wendet sich gegen die gestrigen Ausführungen der Abgg. Barth und v. Staudy und betont dabei, daß er für das Jahr 1894/95 Mit- lheilungen über die ErtragSverhältnisse von 282 Zuckerfabriken einge- Wn habe; von diesen Fabriken hätten 97 gar keine Dividende gezahlt, 148 hätten mit einer Unterbilanz von 400 000 und 500 000 Mark
Brüder der beim 'Ersatz-Geschäft vorzustellenden Militair- pflichtigen bereits im aktiven Dienst befinden, unter genauer Bezeichnung der in Betracht kommenden Personen nach Namen und Geburts-Datum rc. Gleichzeitig ist in dem Berichte anzugeben, daß, wo zwei arbeitsfähige Söhne einer Haushaltung nicht gleichzeitig entbehrt werden können, die Eltern derselben auf Ein- reichung einer Reklamation an die Ersatz - Kommission um Zurückstellung des Jüngeren aufmerksam gemacht worden sind.
Ferner ist anzugeben, ob seitens derselben auf Reklamation verzichtet wird.
II. 618. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 5. März 1896.
Die Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises werden hierdurch veranlaßt, von denjenigen Militairpflich- tigen ihrer Gemeinden, welche sich im laufenden Jahre zur Stammrolle gemeldet, bezwse. sich dahier zur Musterung zu stellen haben, die Loosungsscheine, soweit solches nicht bereits geschehen sein sollte, alsbald einzuziehen und mir dieselben b i L z u m 1 2. d. M t S. einzu- reichen.
II. 618. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
gearbeitet. Es handle sich um ungeheure Vermögen, die bei der Zuckerindustrie investirt seien. Bei 163 Fabriken, bei denen Aktionäre zugleich Rübenlieferanten seien, sei festgestellt worden, daß unter den 22 781 Aktionären dieser Fabriken sich 19 642 Rübenlieferanten befinden, — ein deutlicher Beweis, wie eng die Landwirthschaft mit der Zuckerindustrie verknüpft sei. Der vorliegende Gesetzentwurf sei genau nach dem Antrag Paasche gearbeitet, und dieser sei von 144 Abgeordneten gestellt worden; eS sei daher unrichtig, waS der Abg. von Staudy behauptet habe, daß sich für den Entwurf in seiner jetzigen Gestalt kaum eine Stimme finden werde. Abg. R ö s i ck e (b. k. Fr.) spricht sich gegen den Entwurf auS; das ganze Gesetz und insbesondere die darin vorgeschlagene Kontingentirung fei ein Stück SozialiSmuS. DaS Gesetz sei nicht gereckt und nicht im Stande, seine Nachtheile gegen die Vortheile aufzuwiegen. Abg. v. Ploetz (kons.) begrüßt den Entwurf al« geeignete Grundlage für die Berathungen der Kommission; in der vorliegenden Gestalt könne er freilich nicht bleiben, aber hoffentlich werde sich eine Verständigung darüber erzielen lassen. Nachdem die Abg. Barth (frs. Ver.) und v Staudy (kons.) in polemisirenden Ausführungen gegen frühere Redner nochmals ihren ablehnenden Standpunkt gegenüber der Vorlage dargelegt hatten, wurde die Debatte geschloffen und der Gesetzentwurf einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 5. März.
Gestern Nachmittag unternahmen Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin einen gemeinsamen Spazierritt durch den Thiergarten. Abends 7'/, Uhr fand dann bei den Majestäten eine größere Tafel und daran anschließend eine musikalische Abendunterbaltung statt, nach deren Beendigung der Kaiser noch einige Zeit mit den Staatsministern Dr. Miguel und Thielen im Rauchzimmer verblieb. — Heut.e früh machte der Kaiser einen Spaziergang durch den Thiergarten, nahm nach der Rückkehr im Schlosse den Vortrag der Kriegsministers entgegen und arbeitete darauf längere Zeit mit dem Chef
des Militärkabinets. Mittags konferierte der Kaiser mit dem Oberstkämmerer, Erbprinzen zu Hohenlohe-Oehringen, und mit dem Minister des Königlichen Hauses, v. Wedel. Zur Frühstückstafel waren keine Einladungen ergangen. Nachmittags gedachte der Kaiser spazieren zu reiten und Abends das geistliche Konzert in der Kaiser Wilhelm- Gedächtnißkirche zu besuchen.
Unser Kaiser, der schon wiederholt sein warmes Interesse für Italien und sein Könighaus bekundet hat, besuchte am Dienstag den italienischen Botschafter, Grafen Lanza, und beauftragte ihn, dem König Umberto sein aufrichtiges Beileid zu dem nationalen Schmerze über die Vorgänge in Erythräa auszu- drücken. Des Abends hatte sich der Kaiser zum Thee bei dem englischen Botschafter Sir Lascelles angesagt.
In der Budgetkommission des Reichstages wurden am Donnerstage die im M a r i n e e t a t neugeforderten drei Kreuzer, zwei Kreuzer zweiter und ein Kreuzer vierter Klasse, mit 24 gegen 4 Stimmen bewilligt, nachdem der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Freiherr Marschall v. Bieberstein, die Nothwendigkeit der Vermehrung unserer Kreuzer vom politischen Standpunkte aus eingehend dargelegt hatte. In der vorhergehenden Sitzung hatt-- sich di- Kommission bereits für die Bewilligung der geforderten Panzerschiffe ausgesprochen. Gegen die Vermehrung unserer Flotte stimmten nur die Sozialdemokraten und die freisinnige Volkspartei, während die andern Parteien geschlossen dafür eintraten. Es ist somit begründete Hoffnung vorhanden, daß der Reichstag sich dem Beschlusse der Kommission anschließen wird. Die Haltung der Kommission in der Flottenfrage wird nicht verfehlen, die lebhafteste Genugthuung in allen national gesinnten Kreisen hervorzurufen. Denn es handelt sich bei der Vermehrung der Flotte nicht nur um die Sicherung unserer Kolonien, um die Erhaltung und Befestigung der deutschen Autorität daselbst, sondern vor allem darum, die Deutschen im Auslande und unsere immer mehr wachsenden überseeischen Interessen, unsern Handel und unsere Schifffahrt wirksam schützen zu können.
Im Jahre 1893 sind 125 deutsche registrirte Seeschiffe mit einem Nettoraumgehalt von 51117 Register-Tons verloren gegangen, und zwar sind 44 Schiffe gestrandet, 21 gesunken, 5 gekentert, 3 verbrannt, 20 in Folge schwerer Beschädigungen und 8 durch Kollision verunglückt, 24 verschollen. Dabei büßten 278 Personen (sämmtlich der Besatzung angehörend) von 1200 an Bord gewesenen Menschen (1169 Besatzung und 31 Passagiere) ihr Leben ein.
Ausland.
Das italienische Mißgeschick in Abessynien ist auf einen unglücklichen, militairisch unverständlichen Vorstoß des Generals Baratieri gegen die vierfach überlegenen und in unangreifbarer Position befindlichen Abesiynier zurückzuführen. Das ganze italienische Heer wurde durch den unterschätzten, aber vorzüglich geführten Gegner überflügelt und schließlich zersprengt. Ueber 5000 italienische Soldaten sollen getödtet resp, verwundet sein. Der größte Theil der Geschütze ist verloren. Fast das gesammte Gebiet der Italiener bis zur Küste ist verloren, und der neuernannte und soeben in Massauah gelandete italienische General Baldissera wird den Schaden nur mit schweren Opfern wieder gut machen können. Die Entrüstung über diese Niederlage hat in Italien selbst bereits zur Einreichung eines Entlaffungsgesuchs des Ministeriums CriSpi, geführt und dürfte, falls dieses angenommen wird, das Land in außerordentliche Wirren stürzen, da Crispi allein den zahlreichen Schwierigkeiten der inneren Lage gewachsen war. In Frankreich reibt man sich schadenfroh die Hände über diese Verlegenheiten des verhaßten Gegners und träumt man bereits von dem Zusammenbruch des Dreibundes. — Das Kabinet Crispi ist z u r ü ck g e t r e t e n. General Baratieri ist von seinem Posten als Gouverneur von Erythräa entbunden. Statt seiner ist General Baldiffera zum Befehlshaber der italienischen Streitkräfte in Afrika ernannt worden.
Die Verhältnisse in dem Ostrau-Karwiner