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von russischem Hafer mit 4 636 000 auf ein Gramm; die niedrigste Zahl (11000) wies amerikanischer Weizen aus La Plata auf. Deutscher Weizen zeigte im Gramm 14 000 bis 230 000, russischer 256 000 bis 309 000 Bakterien; beim Roggen waren die Zahlen für Deutsch­land 128 000 bis 670 000, für Rußland 756 000 bis 1018 000. Türkischer Roggen, der von allen untersuch­ten Proben am meisten mit fremden Bestandtheilen (Un­krautsamen, Erdpartikelchen, Steinchen, Halmresten rc.) verunreinigt war, enthielt im Gramm nur 30000 Bakterien. Die von anderer Seite und mit anderen Getreide­proben ausgeführten Untersuchungen haben zum Theil höhere, zum Theil niedrigere Zahlen ergeben. Ja, es hat sich herausgestellt, daß ein und dieselbe Getreideprobe, nach Ablauf weniger Wochen zum zweiten Mal unter­sucht, eine beträchtliche Abnahme des Bakteriengehaltes erkennen ließ. So war z. B- die für eine Probe russi­schen Roggens gefundene Bakterienzahl von 895 000 auf ein Gramm bei der späteren Untersuchung auf 190000 zurückgegangen. Obschon nach diesen Unter­suchungen an den Proben ausländischen Getreides mehr Bakterien hafteten, als an den deutfchen Proben, so be­rechtigt dieser Befund doch nicht zu dein Schlüsse, daß der gesundheitliche Werth des Getreides vom Bakterien- gehalt abhängt. Wir genießen mit manchen Nahrungs­mitteln (z. B. im Käse, in der Milch, in der Butter) regelmäßig noch weit mehr Bakterien, als deren am rohen Getreide haften. Selbst für das Trinkwasser darf der Bakteriengehalt nach der neuesten Auffassung nur noch die Bedeutung beanspruchen, daß die Leistung seiner natürlichen oder künstlichen Filtration danach beurtheilt werden kann. Gleich dem Wasser hat auch das Getreide besonders reichliche Gelegenheit, sich mit den vorerwähn­ten harmlosen, in den oberen Bodenschichten in größter Menge verbreiteten Bakterien zu beladen. Vielleicht rührt der hohe Bakteriengehalt ausländischen Getreides von der weniger reinlichen Einsammlung und Aufbe­wahrung her. Verunreinigungen des Getreides mit ge­fährlichen Bakterien, z. B. aus den Abgängen kranker Menschen oder Thiere, sind bisher noch nicht nachge­wiesen und dürften, selbst wenn sie vereinzelt einmal vorkommen sollten, sich nie auf eine größere Getreide­menge erstrecken. Aber noch aus einem anderen Grunde läßt der Bakteriengehalt des Getreides einen Schluß auf dessen Gesundheitsgefährlichkeit nicht zu. Wir ge­nießen das Getreide nur in einem durch die Hitze beim Kochen oder Backen veränderten Zustande. Wenn nun auch einzelne, besonders widerstandsfähige Dauerformeu der Bakterien (sogenannteSpore n") zuweilen trotz dieser hohen Temperatur am Leben bleiben, so gehen doch alle die bekannten, für den Menschen in Betracht kommenden Krankheitser­reger dabei zu Grunde. Die meisten dieser schädlichen Bakterienarten werden sogar schon durch die Einflüsse der Witterung, durch Austrocknen und Belich­tung vernichtet, unter Verhältnissen also, welche beim Lagern des Getreides in reichlichem Maße vorkommen. Schließlich ist daran zu erinnern, daß zwar Krankheiten nach dem Genusse von Zubereitungen aus Getreide, welches mit Unkrautsamen (Taumellolch) oder Mutter­korn verunreinigt war, in Deutschland wie im Auslande wohl beobachtet sind; noch niemals aber sind Ueber- tragungen ansteckender Krankheiten durch Getreide oder dessen Zubereitungen bekannt geworden, trotzdem das Getreide seit Urzeiten für die Ernährung von Menschen und Thieren die bekannte, wichtige Rolle spielt.

* Hersfeld, 19. Februar. Wegen Beleidigung und Bedrohung eines Lehrers auf offener Straße hatte sich ein Fortbildungsschüler vor Großh. Schöffengericht zu Alfeld zu verantworten. Derselbe wurde in eine Ge- sängnißstrafe von 4 Monaten und in die Kosten des Verfahrens verurtheilt. Möge dieser Fall Manchen zur Warnung dienen.

Rotenburg, 17. Febr. Der landwirthschastliche Centralverein des Regierungsbezirks Casiel hält jedes Jahr eine größere Ausstellung verbunden mit General­versammlung ab und ist für dieses Jahr Rotenburg als Ausstellungsort gewählt. Nach Beschluß des Comitees soll am 10., 11. und 12. Juli die Ausstellung Hierstatt- finden und zwar Ausstellung von Pferden, Rindvieh, Ziegen und Geflügel verbunden mit Prämierung, Ver- loosung von angekauften Thieren und Volksfest. (Kr.)

Wetter, 17. Febr. In der Junk'schen Gastwirth­schaft (Hessischer Hof) fand gestern Abend ein Tanzver­gnügen statt. Gegen 8 Uhr war der Besitzer, Herr Reinhard Junk II., mit der Erhebung des Tanzgeldes beschäftigt. Er stand am Eingang des Saales, als auch der 27jährige Anstreicher Johannes Scherer um Einlaß bat. Da Scherer angetrunken war, wurde er von Junk wiederholt zurückgewiesen. Ersterer bestand darauf, in den Saal gelassen zu werden, so daß Junk sich anschickte, chn mit Gewalt zu entfernen. Hierbei wurde er von Scherer am Halse gefaßt, der ihm so lange die Kehle zudrückte, bis der Polizeidiener Hilberg den Angreifer wegriß. Scherer, der sich dann anscheinend ruhig ver­alt, sprang plötzlich wieder auf Junk zu und würgte A abermals so lange, bis er mit Gewalt von seinem ^pfer entfernt wurde. Junk sank zu Boden und gab ^in Lebenszeichen mehr von sich. Der schnell berbei- gerufene Arzt, Herr Dr. Jüngerich, konnte nur den ein­getretenen Tod durch Erdrosselung feststellen. Der Ritter, der verheirathet ist und fünf Kinder besitzt, ist wsort verhaftet worden. (C. T.)

~ Fürstenthum Waldeck, 15. Februar. In der ^ebelaer Eisengießerei hatte ein Hüttner einen mit blühender Eisenmasse gefüllten Schmelztiegel sich auf den

Fuß gegossen und so verbrannt, daß das Fleisch sich buchstäblich bis auf den Knochen loslöste. Einer von den zwei im Volkmarser Amtsgerichtsgefängniß wegen der in Niederelsungen vorgekommenen Schlägerei einge­lieferten Mitschuldigen hat das Weite gesucht. Derselbe lief im Sturm barfuß, die Schuhe in den Händen tragend, durch die Stadt und war weil die Abenddämmerung ihn deckte, entkommen.

Vermischtes.

Berlin, 18. Februar. Zum Lutherdenk - mal auf dem Neuen Markte wurden heute, dem 350. Todestage des Reformators, die Schüler zahlreicher Klassen von hiesigen Gemeindeschulen geführt. Zuerst kamen sechs Klassen der 75. Gemeindeschule in der Barutherstraße. Sie legten sechs Kränze aus Lorbeer und Hyacinthen nieder, darunter einen großen mit der Widmung:Martin Luther 18/2 1546. 18/2 1896. Gewidmet von der 75. Gemeindeschule I. O." Die Lehrer erklärten den Kindern das Denkmal. Der 75. folgten andere Schulen. Auch Erwachsene besuchten das Denkmal zu vielen Hunderten.

In der Chirurgischen Klinik zu Mün­chen hat, wie die MAllg. Ztg." berichtet, die Ent­deckung Roentgens dieser Tage bereits zum dritten Mal eine praktische Anwendung gefunden. Der Klinik ging ein Kranker zu, der im Oktober vorigen Jahres einen Revolverschuß in das Kniegelenk erhalten hatte. Da eine Austrittsöffnung fehlte, so war die Annahme naheliegend, daß die Kugel im Bein stecken geblieben sei. Die Aerzte suchten die Kugel, die nach den bestimmten Angaben des Kranken im Kniegelenk selbst sitzen sollte, vergebens. Das Gelenk war stark entzündet und geschwollen; es bestand Fisteleiterung. Die nach dem Roentgen'schen Verfahren aufgenommene Photographie zeigte deutlich die Kugel, die außerhalb des Gelenks an der Innenseite des Oberschenkelknochens lag. Hier schnitt denn auch Professor Angerer ein und extrahirte die sofort gefundene Kugel.

Von der badifchen Grenze berichtet die Neckar-Zeitung" :. Selten mag es einem von einer Hoch­zeit Heimkehrenden schlechter gegangen sein, als dem dicken Müller B. in F. Der über 2/? Centner schwere Mann hatte sich in seine geschlossene Chaise gesetzt und war sanft eingeschlafen, während der Knecht, der gleich­falls des Guten zu viel gethan hatte, auf dem Bock eingenickt war. Auf einmal brach der Boden der Chaise durch, der dicke Müller kam auf seine Beine zu stehen und mußte jetzt wohl oder übel heimlaufen, da es ihm nicht möglich war, sich aus der Chaise zu befreien und der Knecht nicht zu erwecken war. Zum Glück fanden die Pferde den Heimweg allein, und man kam Nachts zwei Uhr gut an. Der Müller soll aber jetzt ganz nüchtern gewesen sein.

Dortmund, 18. Febr. Die hiesige Straf­kammer verurtheilte den Redakteur der sozialdemokra­tischen Arbeiterzeitung Block wegen Majestätsbeleidigung zu vier Monaten Gefängniß.

Wie dieLothringer Zeitung" meldet, wurden in Niederrentgen (Kreis Diedenhofen) 15000 bis 16000 römische Münzen aus dem 3. und 4. Jahr­hundert im Gewicht von nahezu einem Centner gefunden. Die Münzen wurden der Gesellschaft für Lothringische Geschichte überwiesen.

Ueber eine Augenoperation, die in Stutt­gart an einem jungenTiger vollzogen wurde, wird derM. Z." von dort geschrieben: Einer der jungen Tiger im hiesigen zoologischen Garten litt an Augen­wassersucht. Um das Thier von seinen heftigen Schmerzen zu befreien, nahm ein hiesiger Augenarzt, nachdem medikamentöse Mittel ohne Erfolg geblieben waren, die Entiernung des kranken (rechten) Auges vor. Die Ope­ration wurde, da Chloroformanivendung wegen der geringen Widerstandsfähigkeit des KatzengefchlechtS gegen die todt- bringenden Eigenschaften des Chloroforms sich von selbst verbot, unter Anwendung von Cocain ausgeführt, während mehrere kräftige Männer das junge Thier hielten. Auf die zur nothwendigen Erweiterung der Lidspalte und zur Loslösung der Bindehaut nöthigen Eingriffe reagirte der Patient wenig, dahingegen gab er bei der Durch- schneidung der Muskelansätze und der Sehnerven lebhafte Zeichen des Schmerzes von sich. Sofort nach der Ope­ration beruhigte er sich aber vollkommen, und schon kurze Zeit nachher schien er sich viel wohler zu fühlen, als vor der Operation. In 14 Tagen wird die Einsetzung eines Glasauges vorgenommen werden.

Aus dem Samland berichtet dieKönigsb. Allg. Ztg." von folgenderW u n d e r k u r" : Der Arbeiter C. in H. erkrankte nach einer starken Erkältung an Rheumatismus, es schwollen ihm auf dem Rücken strang- artige Stellen an. Dem guten Rath von Nachbarn ge­horchend, suchte die treue Gattin einekluge" Frau auf. Auf ihren Rath nahm sie ein heißes Bügeleisen und bügelte über dem wollenen Hemde des Patienten den Rücken auf und ab, daß dem Aermsten Hören und Sehen verging. Jetzt hat er zu seinem Rheumatismus auch noch Brandwunden auf dem Rücken.

Der theuerste T okayer, den es je gegeben, ' dürfte gegenwärtig in Frankfurt getrunken werden. Dem Chef des Hauses Rothschild, Baron Willy v. Roth­schild, der sich von einem schweren Influenza-Anfall er­holte, war alter Ungarwein verordnet worden. Man wandte sich an einen Frankfurter Privatier, dessen Be- ; sitz an altem Tokayer bekannt ist, nnd dieser übersandte

dem Rekonvaleszenten fünf Flaschen davon, indem er gleichzeitig eine Bezahlung ablehnte. Daraufhin ließ Baron Rothschild den Armen 5000 Mark, für jede Flasche tausend Mark, auszahlen.

München, 15. Februar. Der mysteriöse L e i ch e n f u n d in der Karlstraße scheint nicht die Folge eines Unglücksfalles durch Vergiftung zu sein. Man fand, nachdem das Verschwinden der drei sehr zurückgezogen lebenden Personen aufgefallen war, und ein Polizist die Wohnung gewaltsam geöffnet hatte, Frau Ministerialrath v. RooS, eine alte Dame, und die Magd über einander im Aborte liegen. Letztere hatte Blut vor dem Mund. Die Tochter der Frau v. RooS lag todt im Bette. Die Sektion der Leichen soll ergeben haben, daß der Tod durch Erdrosselung erfolgt sei. Da zugleich Werthpapiere im Werthe von 2500 Mk. vermißt werden, ist anzunehmen, daß hier ein Raubmord vorliegt.

Walde nburg, 16. Februar. Mit einer Flasche Korn, in dem Arsenik aufgelöst war, versuchte der Guts­besitzer Breiter in Seitendorf den Dachdeckermeister W u t t i g zu v e r g i f t e n. Er schickte ihm den Korn zum Geschenk. Nach dem Genusse stellte sich bei mehre­ren Personen Erbrechen ein. B. hat bereits kurz nach seiner Verhaftung den Giftmordversuch eingestanden. Er sollte dem W. für einen rückgängig gemachten Kauf 1000 Mark Abstandsgeld zahlen.

Mehrere Schüler der Stadtschule zu Lauen- b u r g trugen sich angeblich seit längerer Zeit mit dem Gedanken, den Rektor Gerlach todtzuschießen. Einer der Burschen stahl Geld zu einem Revolver, und ein solcher wurde auch beschafft, worauf man Schieß­übungen vornahm. Die Sache kam heraus, und die Burschen erhielten, wie diePos. Ztg." berichtet, durch den Schuldienervor versammeltem Volk" eine verdiente Züchtigung, so daß ihnen dasTodtschießen" wohl ver­gehen dürfte.

Aus Dortmund wird gemeldet, daß am 18. b. Vormittag 9 Uhr 22 Minuten bei dichtem Nebel ein gemischter Zug bei der Einfahrt in die Station Eving mit einem Uebergabezug zusammengestoßen ist. Dabei wurde der Zugführer Wiemak getödtet, der Loko­motivführer Becker schwer verletzt, ein Passagier erlitt einen Beinbruch, ein anderer eine Quetschung der Brust, eine Frau Brandwunden an den Beinen; mehrere andere Passagiere wurden leicht verletzt.

In der Nacht zum 12. Februar überfielen, wie man demHann. Cour." berichtet, in Dortmund zwei Raufbolde die beiden ruhig ihres Weges gehenden Brüder Johann und Wilhelm Rückenhäuser; Ersterer wurde durch einen Dolchstich sofort getödtet, Letzterer schwer verwundet. Als Thäter ist der Bergmann Peter Scherz ermittelt und in Haft genommen. Der Erstochene war verheirathet und Vater eines Kindes; der Bruder wollte am nächsten Tage heirathen. In der Nacht zuvor haben Zuhälter einen Arbeiter Hölters durch Stiche mit dem Messer so zugerichtet, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird.

Der Kommerzienrath Otto A n d r a e hat der Stadt Köln die Summe von 400 000 Mk. zum Bau eines Kunstgewerbe-Museums zur Verfügung gestellt.

Am 13. Februar starb, derOstd. Presse" zufolge, der älteste Bürger M r o t s ch e n S , der frühere Handels­mann Salomon, im Alter von über 112 Jahren; er feierte feinen Geburtstag im vergangenen Herbst.

London, 16. Februar. Bei einem um zwei Uhr Morgens in einem bewohnten Hause im Sohn-Viertel stattgehabten Brande kamen 11 Personen umS Leben, von denen 6 durch Verbrennen oder Ersticken, die andern durch einen Sprung aus dem Fenster auf die Spitzen eines Gitters ihren Tod fanden.

In einer Wäschefabrik in T r o y bei New-Aork entstand am Dienstag Feuer. Unter den 300 dort beschäftigten Frauen und Mädchen brach eine furchtbare Panik aus. Viele sprangen aus dem fünften Stockwerk herab, einige wurden getödtet, 20 bis 30 werden vermißt.

Wesselburen (Holstein), 17. Februar. Die hier wohnende Wittwe W o l l st e i n wurde heute Morgen ermordet im Bette aufgefunden. Von dem Thäter fehlt jede Spur.

Wirth: Nun, wie schmeckt Ihnen mein Wein? Gast: 'n Glück ist's, daß er nach dem Pfropfen schmeckt, sonst wäre er gänzlich geschmacklos.

(Ertappt.) Junge Frau: Womit hast du denn den Hasen geschossen? Mann: Na, mit der Flinte! Frau: Aber hier steckt ja noch der bunte Lappen im Lauf, den ich heute Morgen hinein gestopft habe; ich wollte mich vergewissern, ob es bei deiner Jägerei auch recht zugeht.

(Aus dem Examen.) Professor: Wir sind jetzt zu den Würmern gekommen. Herr Kandidat, können Sie mir sagen, wohin der Regenwurm gehört? Kandidat: In die Erde gehört dieses Thierchen.

(P a s s i o n i r t.)Ihr Gatte geht wohl gern zur Jagd?"O, der leidet schon mehr an Hasen- verfolgungSwahn!"

Fruchtpreise.

Weizen 15 Mk. 95 Pfg. bis 16 Mk. Pfg. (Durch­schnittspreis 15 Mk. 86 Pfg.) Roggen 13 Mk. 65 Pfg. bis 14 Mk. 20 Pgf. (Durchschnittspreis 13 Mk. 43 Pfg.) Hafer 12 Mk. 50 Pfg. bis 13 Mk. Pfg. (Durch­schnittspreis 12 Mk. 75 P g).