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amten mit den Delegirten der übrigen zum Oberpostdirektionsbezirk Cassel gehörenden Abtheilungen, an ihrer Spitze Herr Oberpostdirektor Frank, eine patri­otische Gedenkfeier an die ruhmreiche Thätigkeit der Post und Telegraphie im Kriege 1870/71. Dieselbe fand im Saale desHotel Prinz Friedrich Wilhelm" statt und nahm den erhebendsten Verlauf.

Cassel, 11. Februar. Die Bewohner des Hauses Hohenzollernstraße Nr. 53 wurden am gestrigen Abend gegen 7 Uhr durch einen Schuß, im Hausflur abgegeben, plötzlich erschreckt. Man fand darauf den Drechsler H. von hier mit durchschossener Schläfe, blutüberströmt und mit dem Tode ringend, auf. Bei der Ankunft eines herbeigerufenen Arztes war H. bereits verschieden. Neben der Leiche lag ein Revolver mit noch vier Schüssen. Wie man erfährt, soll H. seine Ehefrau, welche im frag­lichen Hause Aufwartungen hat, Vormittags haben sprechen wollen, aber nicht zugelassen worden sein. (A. Z.)

Bolkmarsen, 10. Februar. Eine folgenschwere Schlägerei hat sich gestern Abend in dem zum hiesigen Amtsbezirke gehörigen Dorfe Niederelsungen zugetragen, bei der man dem dortigen Einwohner Gaule mit einer Wagenrunge hart mitgespielt haben soll, sodaß an dessen Wiederaufkommen gezweifelt wurde. Zwei bei der Affaire betheiligte Personen wurden heute früh von dem geringer Gendarmen in das hiesige Amtsgerichtsgefäng­niß geschlossen eingeliefert. Die Hold'sche Mühle zu Dieberei jungen ist heute früh 7 Uhr ein Raub der Flammen geworden. Ueber die Entstehungsursache des Feuers ist bislang noch nichts ermittelt worden.

Rengershaufen, 11. Febr. Ein hiesiger verhei- ratheter Einwohner hat in voriger Nacht seinem Leben durch Ertränken in dem nahen Teiche ein Ende gemacht. Ueber den Beweggrund ist nichts bekannt; der Mann war Abends, seine Pfeife rauchend, im Hauskleids fort­gegangen. (C. T.)

Netra, 10. Februar. Vor einiger Zeit berichteten verschiedene Blätter, daß man etwa eine Stunde von Eschwege an der Werra herauf, bei O.-Niederdünzebach, ein mächtiges Kalilager entdeckt habe. Ueber die Boh­rungen, die mit aller Energie betrieben wurden, hieß es, daß die Resultate vorzügliche seien und zu den schönsten Hoffnungen berechtigten. Jetzt sind sämmtliche Maschinen sortgeschafft und man macht neue Bohrversuche in einem Seitenthal der Werra, in der Gemarkung Weißenborn unter der Graburg, wie verlautet, auch auf Kali, doch ist nicht ausgeschlossen, daß hier in dieser Gebirgsgegend, die ganz bestimmt schon verschiedene Umwälzungen er­fahren hat, sich noch andere Minerale, wahrscheinlich Kühlen, finden werden.

Waldkappel b. Eschwege, 9. Febr. In der Nacht vom Freitag, 7., auf Sonnabend haben schurkische Hände versucht, die Scheune des Gastwirths F. Knierim dahier in Brand zu setzen, was jedoch glücklicher Weise miß­lungen ist. Der oder die Brandstifter haben zum Hin­teren Scheunenloch hinein, vor welchem sich ein Brett befand, das sie nicht abbringen konnten, sonst wäre höchst­wahrscheinlich der oder dieselben eingestiegen, brennendes Stroh geworfen. Vor dem Loch stand ein abgerüsteter Erntewagen, von welchem das eine Hinterrad und der Rungenschemel angebrannt sind, auch sind etliche Bund Stroh 23 Hand tief eingebrannt gewesen, das Feuer ist aber nicht weiter gedrungen. Entdeckt wurde der Versuch der Brandstiftung Sonnabend Morgen, als Knierim Futter in der Scheuer holen wollte. Wäre das Feuer zum Ausbruch gekommen, hätte es ein großes Schadenfeuer gegeben. Wie Einsender dieses vernommen hat, soll an Ort und Stelle ein Stück Zündschnur ge­funden sein. Die hiesige Nachtwache ist seit gestern um vier Mann verstärkt, sodaß jetzt mit dem Blaswächter neun Mann gehen.

Vermischtes.

Berlin, 11. Februar. Am Sonntag Morgen fand hier die erste chirurgische Operation statt, die auf Grund der durch bie X. - S t r a h l e n gemachten Be­obachtungen vollzogen wurde. Bei einem praktischen Arzt im Westen meldete sich, wie dasB. T." erzählt, eine Milchfrau, die über unerträgliche Schmerzen im Arme klagte. Bei der Untersuchung der Hand fand sich ein kleiner schwarzer Punkt. Darüber befragt, erklärte die Frau, sie habe sich vor zwei Monaten an dieser Stelle eine Nadel in die Hand gestoßen, die beim Her­ausziehen vielleicht abgebrochen sei. Als der Arzt er­klärte, das sei schwer festzustellen, erwiderte die Milcd- frau:Ja, wozu haben wir denn die X-Strahlen?" Daran habe er auch schon gedacht, meinte der Arzt und verfügte sich «ach geschehener Anmeldung mit seinem Assistenten und der Milchfrau nach derUrania", wo es Dr. Spieß gelang, nach dreiviertel Stunden eine Photographie der Hand herzustellen, in der sich das Nadelstückchen so genau hervorhob, daß das dickere und das spitze Ende zu erkennen war. Das Herausziehen des Fragments konnte darauf mit Leichtigkeit erfolgen. Die Nadel konnte genau von dem Paukte aus zu Tage gefördert werden, an dem sie auf der Trockenplatte zur Erscheinung getreten war. Als die Milchfrau sich dann bedankte, fügte sie die Worte bei:Bitte geben Sie mir auch eine Photographie, ich will sie in meiner Budike änfhängen, darauf bekomme ich neue Kunde n."

Berlin, 11. Februar. Freiherr von Hammerstein ist heute früh mit dem um 6 Uhr 5 Minuten aus München einlaufenden D^ng hier ein -

getroffen und alsbald in das Untersuchungsgefängniß in Moabit übergeführt worden.

Berlin, 12. Februar. Der beschloffene G e n e r a l a u s st a n d in der Konfektionsindustrie hat bisher keinen Einfluß ausgeübt. Bei den Zwischen- meistern sind heute, wie gewöhnlich, die Arbeiter und Arbeiterinnen erschienen, die außer dem Hause beschäftigten Arbeiterinnen holten sich, wie derKonfekt." meldet, ihre Arbeit wie immer ab. Man wußte schon vorher, daß der Strike, weil die Arbeiter zum größten Theil Heimarbeiter sind, irgend welchen Einfluß auf das Geschäft in der Konfektionsbranche nicht ausüben kann. In Stettin, wo die Herrenkonfektions-Jndustrie in großer Blüthe steht, ist der Strike seit 8 Tagen proklamirt. Die Folgen des Strikes haben sich aber bisher in keiner Weise fühlbar gemacht, denn der bei Weitem größte Theil der Schneider arbeitet ruhig weiter, ohne sich um die Bewegung viel zu kümmern.

In Wetzlar zerstörte heute ein Feuer die Gerberei von Ferdinand Ruebsamen mit allen Maschinen; mehr als 1000 Felle sind verbrannt. Der Schaden ist bedeutend, aber durch Versicherung gedeckt.

Ueber den Vortrag, den Generallieutenant Graf Zeppelin dieser Tage in Stuttgart über ein von ihm erfundenes lenkbares Luftschiff hielt, berichten dortige Blätter. Graf Zeppelin ist derselbe, der durch sein kühnes Reiterstück im Anfang des Krieges von 1870 bekannt wurde und später einige Jahre württem- bergischer Gesandter in Berlin war. Ein Zögling der Stuttgarter polytechnischen Schule, hat Zeppelin sich seit Jahren mit Versuchen, bisher theoretischer Art, auf aeronautischem Gebiet beschäftigt, und er glaubt, nunmehr zu Ergebnissen gekommen zu sein, die einen praktischen in größerin Maßstab rechtfertigen. Der Graf hatte seine Entwürfe, um die uach seiner Meinung hochwichtige Sache dem Deutschen Reich zu sichern, dem preußischen Kriegsministerium vorgelegt, das aber zweimal den Bau eines Versuchsfahrzeuges ablehnte. Die Anstände, die von der vom preußischen Kriegsministerium niedergesetzten Kommission erhoben wurden, und die nicht die Aus­führbarkeit, sondern die Fahrgeschwindigkeit betrafen, glaubt der Erfinder nunmehr gehoben, und er berief sich dabei auf Berechnungen, an denen eine Reihe von Maschinenfabriken sich betheiligt haben, insbesondere aber auf das Gutachten des Direktors Groß, langjährigen Mitglieds der Leitung der Kruppschen Fabrik in Essen, der auf Grund seiner Untersuchungen den Bau eines solchen Fahrzeuges in theoretischer und praktischer Hin­sicht für wünschenswerth erklärt. Trotz dieses Gutachtens hat aber das preußische Kriegsministerium eine erneute Prüfung der Entwürfe abgelehnt und am 29. September v. J. entschieden,daß es weder jetzt noch in absehbarer Zeit möglich sein werde, die Mittel flüssig zu machen, die zur Erbauung des von Euer Excellenz erfundenen Luftfahrzeuges erforderlich sind". Der Erfinder wendet sich nun an die Oeffentlichkeit, an die Unterstützung durch patriotische Männer, die ihm den Bau eines Versuchsfahrzeuges ermöglichen soll. Die Zeichnungen sollen auf die Höhe von 800 000 Mk. gebracht werden. Der Vortrag hatte den Zweck, die Theilnahme weiterer Kreise für sein Unternehmen zu gewinnen, von beffen Ausführbarkeit der Erfinder felsenfest überzeugt ist.

Würzburg, 10. Febr. Am Sonnabend fand im Guttenberger Wald ein Pistolenduell zwischen einem früheren Korpsstudenten und einem Burschenschafter statt. Der letztere erhielt einen Prellschuß in den linken Fuß. Die Ursache zum Duell war ein Streit zwischen Beiden auf dem Reichssechtschulball.

Nachdem in letzter Zeit verschiedenen Knaben der Volksschule zuJüterbog Revolver abgenommen sind, erläßt die Polizeiverwaltung folgende Bekanntmachung: Diejenigen Kaufleute, welche mit Schußwaffen Handel treiben, werden darauf aufmerksam gemacht, daß ein Verkauf derselben an Schulkinder nicht stattfinden darf und überhaupt beim Verkauf hinsichtlich der Käufer stets die größte Vorsicht zu üben ist.

In der r u s s i s ch e n Mi l i t a i r l i t e r a t u r wird gegenwärtig die Frage erörtert, wie Untermilitairs anzureden seien, mitS i e" o d e rDu". General M. I. D r a g o m i r o w hat sich unlängst für absolute Beibehaltung desDu" allen Soldaten gegenüber, so- ' wohl den einfachen, als den Freiwilligen, ausgesprochen. General S k u g a r e w s k i j, der ehemalige Stabschef j des Gardekorps, widerspricht ihm, indem er auf ver- j schieden« Unzuträglichkeiten desDu" und u. a. auch darauf hinweist, daß selbst ein solcher Höflichkeitsakt, wie ein Händedruck höchster Personen, wie er z. B. in der deutschen Armee geübt wird, die Disziplin keineswegs lockere. General Skugarewskij erzählt u. a., daß er selbst Zeuge war,.wie der K a i s e r Wilhelm II. als Prinz einem russischen Soldaten die Hand reichte. Es war im Mai 1884, auf dem Marsfelde in St. Peters- bürg nach einer Uebung des Leibgarde - Preobrashenskij- regiments in Gegenwart des Prinzen Wilhelm. Der; Prinz rief den Feldwebel Stepanow heraus und reichte ihm vor Aller Augen die Hand, die Stepanow drückte, ohne außer Fassung zu gerathen. Ferner erzählt der General einen Vorfall mit dem Feldwebel Chrapow der 1. Batterie der Leibgarde 1. Artilleriebrigade. Im Jahre 1885 brächte er in Berlin dem Kaiser Wil­helm I. Gratulationen dar anläßlich des 70. Jahres- | tageü der Verleihung des russischen St. Georgs Ordens - an den Kaiser. Der Kaiser reichte beim Empfang der Deputation, auch dem Chrapow, die Hand; dieser ge- : rieth dabei durchaus nicht außer Fassung.Ich fühlte es" so erzählte er späterdaß ich mich nicht auf

einen bloßen Händedruck beschränken durfte; Sr. Majestät die Hand zu küssen, schien mir auch nicht zukömmlich; war er doch nicht unser Kaiser. Ich drückte ihm die Hand und küßte die Schulter des Kaisers." Wie soll man nun so fragt General Skugarewskij zu einem solchen Feldwebel, dessen Brust mit Medaillen und drei, wenn nicht vier Georgs - Kreuzen geziert ist, Du" sagen?"

Aus S o s n o w i c e berichtet dieBresl. Ztg." unterm 7. Februar: Trotz der vielfachen Verhaftungen, welche die russische Polizei im Grenzgebiet vorgenommen, nehmen die R ä u b e r st ü ck l e i n kein Ende. Am vorigen Sonntag versuchten mehrere Spitzbuben in die Wohnung eines Fleischermeisters zu Gaiduffka, einem Oertchen zwischen Nifka und Zargoze, einzudringen. Sie thaten dies, indem sie in die Mauer ein Loch schlugen. Der Fleischer hatte jedoch die Raubgesellen und ihr Vor­haben bemerkt und mit einer Axt an der Mauer, an der sich die Diebe zu schaffen machten, Posto gefaßt. Nach­dem Letztere das Loch genügend erweitert hatten, so daß ein Mann bequem durch die Mauer schlüpfen konnte, steckte einer der Räuber seinen Kopf durch die Oeffnung. Der bereitstehende Fleischermeister schlug nun mit seiner Axt so kräftig zu, daß der Mann sofort eine Leiche war. Die von Entsetzen gepackten übrigen Raubgesellen er­griffen darauf schleunigst die Flucht. Leider ist es bis jeßt nicht gelungen, einen von ihnen zu ermitteln.

Am Montag früh 9*/^ Uhr platzte über der Stadt Madrid ein Meteor. Die Explosion erfolgte, wie eine Mittheilung des Observatoriums besagt, in der Höhe von 32 000 Metern unter glänzender Lichterscheinung und war von einem gewaltigen Knall begleitet, welcher eine allgemeine Panik hervorrief. Alle Gebäude der Stadt erzitterten, und zahlreiche Fensterscheiben sind zer­brochen.

4 0 0,000 Mark für ein gebrochenes Eheversprechen. Vor dem Lord Oberrichter und einer sogenanntenSpezial-Jury" (das heißt zwölf Geschwo­renen, die speziell für diesen Prozeß aus der ganzen Liste ausgesucht waren) begann gestern, wie aus London telegraphirt wird, einer der sensationellsten Pro­zesse wegen Bruch des Eheversprechens, den es dort seit langer Zeit gegeben hat. Die Klägerin ist Miß Birdie Sutherland, Choristin am Gaiety-Theater, der Beklagte der ehrenwerthe Dudley Churchill Marjoribanks, einziger Sohn eines PairS von England. Die Schauspielerin beansprucht einen Schadenersatz von 400,000 Mark, ihr Rechtsanwalt ist Sir Edward Clark, der Vertheidiger Oscar Wildes.

Von dem Vater eines Schülers hat ein Lehrer in Dt. Krone folgenden Entschuldigungszettel erhalten:Herr Lehrer! mein Fritz konnte gestrigen tag nich in der Schule gehen, weil seine Mutter krank ge­worden und Tochter ankommen is. Daran hat Fritz keine Schuld und bitte sehr ihm nich dafor zu hauen. Es wird sobald nich mehr vorkommen."

(I n den Alpen.) Kutscher (an einer ab­schüssigen Stelle sich an die Passagiere seines Wagens wendend):Von hier aus ist der Weg nur für Esel passirbar, ich bitte daher die Herrschaften, auszusteigen und allein weiter zu gehen."

(Schlagfertig.) Richter:Sie haben bei der Ergreifung des Einbrechers sich ja recht tapfer gezeigt, Frau Wuchtig, aber daß Sie ihn gleich so schwer verletzt haben, war doch nicht recht." Zeugin:Ich wußte ja garnicht, daß es ein Einbrecher war! Ich wartete seit drei Stunden auf meinen Mann und da glaubte ich, er wäre es!"

(Mißtraue n.) Frau Professor (zu ihrem Mann, der ins Dampfbad geht):Erkälte Dich nicht auf dem Rückwege, verlier' die Wäsche nicht und vergiß mir nicht zu schwitzen!"

(Erinnerungszeichen.) Sie (im Garten) : Weißt du noch, Arthur, an dieser Stelle überraschte uns Papa, wie du mir den ersten Kuß gabst!" Er: Ach ja . . . hat er noch den Spazierstock mit dem sil­bernen Knopf?"

(Zer.streu t.) Professor:Bevor ich zu spre­chen beginne, meine verehrten Zuhörer, will ich erst einige Worte voraussenden!"

(S t i l b l ü t h e.) (Aus dem Briefe einer jungen Frau an ihren auf Reisen befindlichen Gatten.) . . . Schließlich theile ich dir mit, daß wir recht vergnügt sind Häuschen kann schon die Treppe hinaufklettern. Dasselbe von dir hoffend, küßt und grüßt dich

Deine Ella.

(Intelligent gedacht.) Elschen:Nicht wahr, Papa, die Schwalben sind die Frauen der Sper­linge?" Papa:Warum denn?" Elschen:Nun, weil sie alle Jahre verreisen."

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