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K. 19.
IomrstW Den 11 ^etaor
1896.
Amtliches.
Hersfeld, den 10. Februar 1896.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben alsbald auf ortsübliche Weise öffentlich bekannt machen zu lassen und namentlich zur Kenntniß der betreffenden Stutenbesitzer zn bringen, daß die Königlichen Beschäler
auf Station Hersfeld am 25. Februar d. Js. und auf Station Philippsthal am 26. Februar d. Js. eintreffen werden.
I. 740. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Ralh.
Die Kurse zur Ausbildung der Vaumwärter im pomo- k logischen Institut zu Cassel beginnen in diesem Jahre: Montag den 16. März | und empfehlen wir deren Besuch allen Interessenten | nachdrücklichst.
Nähere Auskunft, Abgabe von Statuten und An- K Meldung bei dem Leiter der Kurse, Obstbautechniker und I JnstilutSgärtner Karl Huber - Cassel.
Das Direktorium. J. V.: gez. Ger land.
Nichtamtliches.
2lus dem Reichstag.
Berlin, 10. Februar. Der Reichstag berieth heute die Novelle v zur Gewerbeordnung in erster Lesung. Abg. M e tz n e r (Ctr.) erklärt, das Centrum wünsche, daß die Vorlage diesmal nicht einer Kommission überwiesen werde. Er werde ja hoffentlich auch im Plenum gelingen, bei der zweiten Lesung einige Verbesserungen vor- zunehmen. Redner tritt namentlich für die Unterstellung der Consum- vereine unter die für Schankwirthschaften geltenden Vorschriften über den Vertrieb geistiger Getränke ein. Abg. Schneider (freif. Volksp.) findet, daß durch die Vorlage der Verkehr zu sehr beschränkt werde, und widerspricht dem Vorschläge auf Verzicht einer KommissionSbe- L rathung, weil dazu der Entwurf viel zu wichtig sei. Abg. V. Hol- leufer (kons.) betont, daß eine KommissionSberathung keinen Zweck I habe, da die Vorlage im vorigen Jahre in der Kommission sehr sorgfältig berathen worden sei und ein ausführlicher Bericht hierüber vor. liege. Die Ueberweisung an eine Kommission bringe die Gefahr mit, || daß die Vorlage in dieser Session wieder nicht sertiggestellt würde, und H kS liege doch ein großes Bedürfniß vor, daß hier endlich etwas Posi- D tiveS zu Stande komme. Abg. Hasse (natlib.) hält eine Kommission«- I berathung für nöthig, obwohl er im Ganzen und Großen auf dem s Boden der Vorlage stehe. Abg. Galler (südd. Volksp.) giebt zu,
(Nachdruck verboten.)
Geopfert
Novelle von P, Olliverio.
(Fortsetzung.)
„Ich glaube, sie fürchtet, daß sich eine Bestimmung ' in dem Testamente auf ihre Verheiratung bezieht. Es wird uns allen wohler sein," fügte ich mit dem Versuch | zu lächeln hinzu, „wenn wir erst alles wissen und alle | Zweifel und Vermuthungen von uns genommen sind."
„Das ist noch die Frage," entgegnete Wernhagen mit bitterem Lächeln, und nach kurzer Pause fuhr er fort: „Können wir eine halbe Stunde ungestört bleiben, und werden Sie mir verzeihen, wenn ich einige sehr dringende Fragen an Sie richte?"
I Jch stand vor der Feuerprobe. Er wollte bei mir erfahren, wie es in dem Herzen seines Mündel aussah, um sich für seine Handlungsweise morgen vorbereiten zu können. Nun wenn ich zu dem Glück der Beiden etwas beitragen könnte, sollte es nach Kräften geschehen.
Ich versicherte ihm, daß wir völlig ungestört seien und ich ihm nach bestem Misten und Gewissen Auskunft geben würde über Alles, was er zu erfahren wünschte.
„Was Käthe anbetrifft," fügte ich hinzu, „so soll es k mir ein Vergnügen sein, Zeugniß über ihre edlen, mäd- f chenhaften, liebenswürdigen Eigenschaften abzulegen, die ; sie vor Fremden unter der Maske eigensinniger Launenhaftigkeit zu verbergen sucht."
... »Ich bin hier wohl kaum unter die Fremden zu [ zahlen," gab Doktor Wernhagen zurück, „und sicherlich
daß auf dem Gebiete beS Hausirhandels Mißstände vorhanden feien, aber zu so scharfen Bestimmungen, wie sie die Vorlage enthalte, liege keine Veranlassung vor. Abg. Quentin (natlib.) hat gegen die Vorlage mehrfache Bedenken, insbesondere halte er ebenfalls die Beschränkungen im Hansirhandel für zu weitgehend
Berlin, 11. Februar. In der heutigen Sitzung trat derReichS- taa in die Besprechung der Erklärung des Reichskanzler« über die WährungSfrage cin. Abg. Graf M ir b a ch (kons.) theilt mit, eS sei ihm von dem Präsidenten der englischen Bimetallisten-Liga ein Schreiben zugegang^n, nach welchem die deutsche Regierung an das englische Kabinet nicht die Anfrage gerichtet habe, ob eS zum Zweck einer internationalen Vereinbarung zur Hebung des SilberpreiseS die indischen Münzstätten wieder zu eröffnen gedenke. Es müsse daher irgendwie ein Mißverständniß vorgekommen sein. Seine Freunde würden nie aufhören, auf diesem Gebiete auch in Verbindung mit Gleichgesinnten in England und Frankreich vorzugehen, bi« der Erfolg erreicht sei. Was die Londwirtbschaft schädige, das sei die erdrückende Konkurrenz der untenverthigen Valuta. Der von den verbündeten Regierungen vorgeschlagene Weg sei falsch, er lege daher große« Gewicht auf die Worte ,zur Zeit" in der Erklärung deS Reichskanzlers Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe führt aus, die englische Regierung habe die Betbeiligung an einer Münzkonferenz nicht grundsätzlich abgelebnt, wohl aber unzweifelhaft zu ersinnen gegeben, daß eine Wiedereröffnung der Münzstätten in Indien von ihr nicht in Aussicht genommen sei, und daß sie auch für die Zukunft in dieser Beziehung keine Verpflichtungen ein^ehen könne. Bei dieser Sachlage wäre für eine Hebung und Befestigung deS SilberwertheS ein praktischer Erfolg nicht zu erwarten. Deshalb habe er, Redner, die hierauf gerichteten Bestrebungen nicht weiter verfolgen zu sollen geglaubt. Uebri- genS habe ber Botschafter Graf Hatz/.id mit aller Sorgfaii die Instruktionen auSgkführt; er müsse daher die gegen den Botschafter in der Presse erhobenen Vorwürfe auf das Entschiedenste als grundlos zurückweisen. Abg. B a r t b (freif. Ber.) begrüßt die Erklärung de« Reichskanzlers mit großer Befriedigung. Wenn den Grafen Mirbach die Worte „jur Zeit" trösteten, so könne er nur sagen, in der Politik geschehe Alles „zur Zeit." Landwirthschastliche Interessen kämen hier gar nicht in Frage, denn eS gebe kein Silberland, aus dem auch nur 1000 Tonnen Getreide nach Europa kämen. Abg. Fuchs (Ctr.) bemerkt, der Abg. Barth habe keine Veranlassung, einen solchen Triumphgesang zu erheben, denn die Erklärung deS Reichskanzlers zeige dock, daß man die im Hause vorgebrachten Gründe der Bimetallisten nicht unbeachtet gelassen habe. Redner erklärt, sich im Namen eines Theiles seiner Partei für den BimetallismuS. Abg. Ham m acher (natlib.) widerspricht dem Verlangen dc« Vorredners, auf die alte Währung zurückzugreifen. Wir müßten in diesem Falle zur Silberwährung zurückkehren, da wir die Doppelwährung nie gehabt hätten. Abg. Molkenb ubr (sozd.) bemerkt, eS s-i nicht richtig, daß in England die Mehrheit ter Arbeiter für die Doppelwährung sei.
2lus dem Abgeordnetenhaus.
Berlin, 10. Februar. In der heutigen Sitzung setzte daS Abgeordnetenhaus die zweite Lesung deS Etats bei demjenigen des Justizministeriums fort. Auf eine Anregung des Abg. MizerSki (Pole) erklärt Justizminister Schönstedt, die StaatSregierung sei unausgesetzt bemüht, der Konkurrenz der Strafanstallöarbeit mit dem freien Handwerk und Gewerbe die Schärfe zu nehmen. Abg. Bran-
wurde eine Maske nie mit größerer Täuschung und Beharrlichkeit getragen. Darf ich fragen — in meiner Eigenschaft als Vormund natürlich — ob Fräulein von Helmuth während ihres Pariser Aufenthaltes die Liste ihrer Eroberungen verlängert hat? Oder um jene Redensart fallen zu lassen, will ich fragen, hat sie wieder einem Anbeter Hoffnungen gemacht?"
Er bemühte sich sichtlich, gleichgiltig zu erscheinen, aber sein Blick und Ton verrieth die Angst, die er im Innern empfand.
„Nein," antwortete ich. „Natürlich ist sie viel bewundert und umschwärmt worden, aber sie hat Keinem Hoffnung auf ihr tieferes Interesse gemacht."
„Und können Sie mir das Räthsel lösen: Ein eitles, lebhaftes Mädchen, das sich ihr Herz frei hält, trotzdem sie schon so lange die Gesellschaft besucht, daß sie bald mit Recht wird fürchten müssen, jene müssen ihrer Reize und Launen überdrüssig werden?"
„Vorläufig hat die Gesellschaft noch keine Neigung dafür gezeigt," entgegnete ich trocken, denn es lag etwas in seinem Tone, das mich um meiner Freundin willen kränkte und Zweifel in mir erweckte, ob die arme Käthe Grund für ihre Hoffnungen hatte. Da die Sache so stand, mußte ich mich wohl hüten, damit ich an ihrem Stolze und ihrer Würde nicht zur Verrätherin wurde. „Darf ich eine ähnliche Bitte wagen, Doktor Wernhagen," fügte ich hinzu; „erklären Sie mir doch das eine Räthsel: Ein scharfsinniger, geistvoller Mann, der Käthe von Helmuth seit einer langen Reihe von Jahren kennt
b e n b u r g (Ctr.) klagt über Disparität bei ber Anstellung im Justizdienste und bei der Beurtheilung der Religion-vergehen zu Ungunsten ber Katholiken und weist auf den Fall Thümmel hin. Abg. von Eynern (natlib.) beftreitet, daß die Katholiken bei der Anstellung disparitätisch behandelt würden, und weist die Ausführungen bei Abg. Brandenburg über den Thümmelschen Prozeß als ungerechtfertigte Beschuldigungen deS preußischen Richterstandes zurück. Am Besten fei eS, wenn der § 166 des Strafgesetzbuches ganz aufgehoben würde. Der I u st i z in i n i st e r erklärt, er werde eS stets ablehnen, ein richterliches Urtheil zu kritisiren, und so auch deS im Thümmelschen Prozeß. Von einer Bevorzugung irgend einer Konfession bei der Anstellung der Richter könne nicht die Rede sein. Auf eine Anfrage des Abg. I e r u s al e m (Ctr.) legt Geh. Justizrath Vierhau« die An- stellungSverhältniffe der Gericht-aflefforen dar. Im Durchschnitt lägen zwischen der Vereidigung al« Referendar und dem Aflefforexamen 5 Jahre, zwischen letzterem und der etatSmäßigen Anstellung 5 Jahre und 5 Monate. Abg. Busch (kons.) spricht sich gegen die Nothwendigkeit einer Strasprozeßnovelle, gegen Einführung der Berufung bei Strafkammerurtheilen und für Neuregelung beS Wiederaufnahmeverfahrens aus. Der Justizmini st er giebt zu, daß letzteres verbesserungsbedürftig sei, lehnt aber ein Eingehen auf die Strafprozeß, Novelle ab, da diese jetzt dem Reich«tage vorliege. Nachdem noch eine Auseinandersetzung über die vom Centrum behauptete Disparität der Katholiken und über die Weigerung der Centrum-fraktion im Reich«, tagt, den Fürsten BiSmarck zu dessen 80. Geburt-tag zu beglückwünschen, zwischen den nationalliberalen Abgg. v. Eynern und Sattler einerseits und den Centrum-abgeordneten P o r s ch und Frhrn. von Heereman anderersett« stattgefunden, wird die Weiterberathung auf Dienstag vertagt.
Berlin, 11. F-br:.-r. Da« Abgeordnetenhaus setzte heute die zweite Lesung des Etats bei dem des Justizministerium« fort. Den mehrfach geäußerten Wünschen um Aufbesserung verschiedener Klassen von Subalternbeamten tritt der Geh. Oberjustizrath Vierhau« mit dem Hinweis auf die Finanzlage entgegen, Abg. v. D a! l w i tz (kons.) 1 regt an, daß ein Theil des Arbeitsverdienste« der Gefangenen deren Familien bezw. den Ortsarmenverbänden, denen die Unterstützung dieser Familien obliegt, zugewendet werden möge. Geh. Oberjustizrath Starke erwidert, daß dem ohne Zustimmung des Finanzministerium» nicht Folge gegeben werden könne. Nachdem die Abgg. Im Walle (Ctr.) und Heydebrandt von der Lass (kons) sich ebenfalls im Sinne beS Abg. v. Dallwitz ausgesprochen, legt der Justizminister bar, daß für den Staat keine Verpflichtung bestände, die Familien von Strafgefangenen zu unterstützen, verspricht indeß, daß die Angelegenheit erwogen werden solle.
Politische Rachrichleu.
Inland.
Berlin, 11. Februar.
Heute Vormittag unternahm Seine Majestät der Kaiser den üblichen Spaziergang im Thiergarten, hörte, nach dem königlichen Schlöffe zurückgekehrt, den Vortrag des Chefs des Militärkabinets, empfing um 12 Uhr Mittags den bisherigen königlich rumänischen Gtz-
und unter der trügerischen Maske von Reizen und Launen nichts entdeckt?"
„Ich habe sie nie für herzlos gehalten," gab er zurück; „habe im Gegentheil gefürchtet, daß sich hinter der hochmüthigen Gleichgültigkeit, die sie einem Jeden ent- gegenbringt, ein tiefes Gefühl verbirgt."
„Gefürchtet?" stammelte ich beinahe erschrocken.
»Ja, gefürchtet," wiederholte er noch einmal, sich sichtlich nur mit Mühe beherrschend. „Ich betrachtete ihre Zukunft gewissermaßen unter meine Controls gestellt und mich selbst als verantwortlich dafür — der Himmel weiß, daß es nicht mit meinem Willen geschah! 'Die Verblendung eines Sterbenden ist mir zur Bürde — zum Fluche meines Lebens geworden. Margarethe, ich kenne den Inhalt des Testamentes — habe ihn von Anfang an gekannt — und eben deshalb lag mir so viel daran, daß Käthe sich vor ihrem dreiundzwanzigsten Jahre verheirathen sollte, deshalb stritt in mir der Wunsch, meine Pflichten gegen sie getreulich zu erfüllen, so hart mit der Furcht, ihre Neigung könnte sich mir zuwenden. Es mag sein, daß diese Furcht mich ungerecht gegen sie gemacht hat; sagen Sie mir wenigstens, Margarethe, daß sie mich dieser Ungerechtigkeit wegen haßt."
Er glaubte das selbst nicht; ich sah es an dem Ausdruck seiner Züge, dem Beben seiner Lippen, dem er- regten Blick seiner sonst so ruhigen Augen. Ich sah daß er furchtbar litt, und fühlte lebhaft mit ihm.
Was sollte ich sagen? Wie sollte ich mich in dieser peinlichen Lage verhalten? Ich 'hatte dort zum Hoffen