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Hersscktt Kreisblatt.
Gratisbeilagen: „)llnstrirtes Konntagsblatt^^ u. „Illnstrirte landwirthschaftliche Beilage".
Nr. 18. ÄWerstilz den 6. Februar 1896.
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" und „Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für die Monate Februar und März werden von allen KaiferiiAen Poftanftalten, £anbbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Die Kurse zur Ausbildung der Baumwärter im pomo-- logischen Institut zu Cassel beginnen in diesem Jahre:
Montag den 16. März
und empfehlen wir deren Besuch allen Interessenten nachdrücklichst.
Nähere Auskunft, Abgabe von Statuten und An- * Meldung bei dem Leiter der Kurse, OMbautechniker und | JustitutSgärlner Karl Huber - Cassel.
Das Direktorium I. V : gez. Ger land.
Nichtamtliches.
SiePerulhung desÄrzerlichtN EWuches hat im Reichstage begonnen. Der Staatssekretair Nie- berding leitete sie mit einem Rückblick, auf die volle 20 Jahre währenden Arbeiten der mit Ausarbeitung des großen nationalen Werkes betrauten Männer ein und gedachte auch der schon vor der Errichtung des deutschen ; Nationalstaates angestrengten Versuche hervorragender Juristen, die deutsche RechtSeinheit zu begründen. Die s Nothwendigkeit derselben folgerte der Vertreter der 1 Neichsregierung geschickt aus der bisherigen Vielgestal- | tigkeit der vorhandenen Landes- und Partikularrechte. ; Damit kennzeichnete er aber auch die Schwierigkeiten und das VerantwortungSreiche der Aufgabe, auf dem ; Trümmerfelde deutscher Rechtseinrichtungen einen neuen
(Nachdruck verboten.)
Geopfert.
Novelle von P. O l l i v e r i o.
(Fortsetzung.)
„Ich denke nicht daran, Herrn von Geuben zu Hei- rathen," warf Käthe kühl ein. „Ich galoppire für mein Leben gern aus feurigem Pferde durch Waid und Feld — Geuben findet aber, daß das Reiten überhaupt ein unweibliches Vergnügen ist. Ich liebe Gesellschaften, Bälle, Festlichkeiten aller Art, schöne Toiletten, kostbaren Schmuck — Geuben sagt mir, er ziehe seinen eigenen Herd jedem anderen Fleck auf der Welt vor, und findet eine Frau nie reizender, als in einem einfachen Hauskleid«. Und wenn mein müdes Pferd im Stalle steht — denn ich würde trotz Geubens Abneigung reiten — und ■ ich mein Hauskleid angezogen hätte, würde ich mich an den Flügel setzen und nach zehn Minuten meinen Herrn und Gebieter im süßesten Schlummer sehen. Oder begeisterte ich mich für dieses oder jenes Bild, eine Wölfische Dichtung, ein Wildenbruch'sches Trauerspiel — so würde er sicher sagen: „Ein gutes Stück Rindfleisch ist mir lieber."
„Eine junge Dame, die hoch zu Roß durch Wald und Feld galoppirt und dennoch Compositionen Beethoven und Schumann zu spielen versteht — eine eitele Modedame, die ihr halbes Einkommen in nichtigen Dingen vergeudet und dennoch über Wolff'schen und Wilden- bruch'schen Dichtungen weinen kann, ist ein schwer zu lösendes Räthsel," sagte Wernhagen, während er sich
Rechtsbau zu errichten, welcher sich nothwendig an das vorhandene, auf dem römischen Recht fußende Rechtsmaterial anlehnen mußte, um einen jähen Bruch Mit der Vergangenheit zu vermeiden, und welcher doch auch den im Volke lebenden deutschen Rechtsanschauungen gerecht werden sollte.
Eine weitere Schwierigkeit lag nach den Auslassungen des Staatssekretairs in der Begrenzung der Materie, da gewisse partikularistische Sonderwünsche, welche einzelne Gebiete des Privatrechts der Landesgesetzgebung vorbehalten wissen wollten, 'ich als zu mächtig erwiesen. Auch die Gemeinverständlichkeiten der Sprache zeigte sich als ein schwer lösbares Räth-sl. Aber alle diese Mängel treten doch, wie Herr Nieberding mit hoher Genugthuung äußerte, weit zurück hinter den Vorzügen des Gesetzes, welches ein Fünszigmillionen-Recht schafft und nicht bloß einen großen nationalen und politischen Fortschritt, sondern auch ein internationales, das Ansehen Deutschlands im Rathe der Völker stärkendes Kulturmittel bedeutet.
Die Redner der staatserhaltenden Parteien stimmten ausnahmslos mit dem Vertreter der Regierung in der Würdigung des hohen Werthes des Gesetzbuchs für den Nationalstaat und für die Befestigung der Autorität des Rechts überein. Es gab fiw auch üverall Die Neigung zu erkennen, das große Werk noch in dieser Session zum Abschluß zu bringen. Aber gegen die Zumuthung einer Ludloo-Annahme eines Gegenstandes von so kolossaler Tragweite sprach sich das Centrum schon wegen der Beibehaltung der Civilehe mit Entschiedenheit aus, und so wurde das Gesetz zunächst einer Kommission zur Begutachtung überwiesen. —r.
Aus dem Abgeordnetenhaus.
Berlin, 3. Februar. Das Abgeordnetenhaus fetzte heute die zweite Lesung des Etats der Landwirthfckaillicken Verwaltung fort. Abg. DaSbach (Ctr.) führt aus, warum die Mehrheit des Centrums gegen den Antrag Kauitz sei, und bekämpft den Bund der Landwirthe. Abg, Frhr. v. P u t t k a m e r - P l a u t h (fonf ) legt dar, daß feine Partei te n Antrag Kanitz nicht für immer, sondern nur für jetzt habe fallen lassen, und daß sie überzeugt sei, der LandwntbschastSmimster werde Alle« für die Landwirthschaft thun, waS zur Z it auszusühren möglich sei. Der g'iinge Antheil der ostelbifcken Landbcvö k.rung an den sozialdemokratischen Stimme» spreche für ihre KönigStreue. Abg. v. W a I d o w (fonf.) wendet sich gegen die gestrigen Ausführungen der freisinnigen Redner. Abg. Ring (fonf.) bespricht die Seuchen- gefahr, die in der Einführung geschlachteten Biehe« über die Grenzen bestehe, bittet, eie Sperrung der Bichhöfe nicht zu streng zu hand
achselzuckend erhob. „Leben Sie wohl, meine Damen, ich will dem armen Geuben seine Antwort bringen."
„Noch einen Augenblick," versetzte Käthe mit einem Gemisch von Zorn und Würde. „Bevor Sie gehen, erklären Sie mir noch, weshalb Sie stets in einem so beleidigenden, höhnischen Tone zu mir reden. Meinen Sie das gehöre zu Ihren Vormundpflichten? Oder wollen Sie mich demüthigen, indem Sie mir zureden, einen Mann wie Geuben zu heirathen?"
Wernhagen machte bei dieser unerwarteten Frage ein betretenes Gesicht.
„Ich bitte um Verzeihung, Käthe; es lag mir fern, Ihre Gefühle verletzen zu wollen," entgegnete er. „Hätte ich ernster zu Ihnen gesprochen, so hätte ich einen eindringlichen, vorwurfsvollen Ton wählen müssen, der Ihnen noch weniger gefallen haben würde. Und was Herrn von Geuben betrifft, so dürfen Sie nicht vergessen, daß ich ihn in einem anderen Lichte sehe, als Sie es thun. Ich kenne ihn nur als den vorzüglichsten Charakter und habe ihn geistig nie hinter Anderen zurückstehen sehen. Außerdem habe ich für mein Zureden noch eine andere Entschuldigung. Es liegt mir sehr am Herzen, Sie glücklich verheirathet zu sehen."
Käthe wandte ihm scharf den SHiden und begann langsam im Zimmer auf und ab zu gehen. Wernhagen, der bereits den Hut in der Hand hielt, zögerte zu gehen und seine Blicke folgten ihr mit dem Ausdrucks strenger Mißbilligung.
Während sie so von einem Ende des Zimmers zum anderen schritt, zeigte sich Käthes schlanke, anmutige
haben, und bespricht die an der Börse vorige« Jahr in Szene gesetzte G-treideschwänze. Minister Frhr. v. H a m m c r st e i n legt dar, daß damal« die StaatSregierung jenen Machenschaften nach Thunlichkeit entgegengetreten sei, und spreche die Erwartung au«, daß da« dem Reichstage vorliegende Börsengesetz eine Wiederholung solcher Prei«drückereiea verhindern werde. Ferner werde erwogen, ob nicht unter Zuhilfenahme von Staatsmitteln große Speicher und Umschlag-einrichtungen in Berlin geschaffen werden könnten. Der Minister erläutert sodann die vetcrinärpoliz-ilichen Maßregeln für die Schweineausfuhr in Ober- schlesien, die Gans einfuhr au« Rußland und die Milcheinfuhr au« Holland. Auf eine Anregung des Abz, D a m i k (fonf.) erwidert der Landwirthschaft«minister, daß nach den angestellten Er- Mittelungen an der holländischen Grenze ein ausgedehnter Vieh- schmuggel nicht bestehe. Abg. Knebel (natlib.) tritt für die land, wl-ihschaftlichen Winterschulen und die Wande-lehrer ein. Abgg. Schnaubert (fonf.) und v. Glebocki (Pole) beleuchten die landwirthschaftliche Nothlage im Ö8m. Abg. Gras Strachwitz (Ctr.) wendet sich gegeF t:e Ausführungen de« Abg. Da«bach, fragt, ob die argentinische Butter, die für 60 Pfennig da« Pfund in Deutschland und Oesterreich angeboten werde, auch auf ihre Keimfreiheit untersucht sei, und wünscht, daß der Minister sein Ziel, durch Herabsetzung der Produktionskosten den Getreidebau lohnend zu machen, tr« reifen möge. Nachdem noch die Abgg Herold (Ctr.), Gothcin (frf. Ver.) und Gerlich (freikons.) auf« Neue ihre Stellung zu den landwirthschaftlichen Fragen dargelegt haben, wird der Titel »Gehalt de« Minister«" bewilligt. Bei Kap. 101, Generalkommissionen, fordert der Abg Dünkelberg snatlib.) hinsichtlich der Geschäftsführung derselben Reformen und Vereinfachungen und beschwertsich, daß den nothleidenden Kleinwirthen recht« de« Rhein« geringere Unter« ssüvungen zu Theil ->""rd->< al« den linksrheinisch'». Der Landwirth, fwafisininist-r W<tst letztere Behauptung al« unbegründet zurück; über die Geschäfisiührung der Generalkommisfion werde zu sprechen sein, wenn der Gesetzentwurf, betreffend die Errichtung der Generalkommisfion für Ostpreußen, auS dem Herrenhause hierher gelangt sei. DaS Kap.tel wird bewilligt.
Berlin, 4 Februar. Heute förderte da« Abgeordnetenhau« die zweite L-sung der Etat« der landwirthschaftlichen Verwaltung bi8 zur Erledigung der dauernden Ausgaben. Bei den Lehranstalten tritt Abg. Dünkelberg (natlib.) für die landwirthschaftlichen Winter- fckulen ein, Abg. v. Mendel-SteinfelS ifonf.) für Berücksichtigung der HandelSwissenschaften auf den höheren Lehranstalten. Minister Frhr. v. H a m m e r st e i n verspricht, die Angelegenheit in Erwägung ziehen zu wollen. Geh. OberregierungSrath Thiel weist Angriffe, welche der Abg. Barthold (freifonf.) gegen den Werth der laiiow'rihschaftlichen Fortbildungsschulen gerichtet hat, zurück. Abg. Gras HoenSbroech (Ctr.) e'.flätt die obligatorische Trichinenschau für überflüssig; der Minister erwidert, daß diese Angelegenheit da« Ressort deS Kultusminister« angehe. Abg. Ring (fonf.) und Abg. v. Pappenheim (fonf.) machen Forderungen zu Gunsten deS MeliorationSwefen« geltend; der Letztere dringt namentlich auf Vermehrung de« technischen Personals. Der Landwirthschaft«- minister erläutert, daß diese nur in dem Maße erfolgen könne, al« Techniker herangebildet würden, und daß man auf die Heranziehung solcher thunlichst Bedacht nehme. Hinsichtlich der Ausbildung der Technik, r bestehe übrigens ein gewisser Antagonismus der Anschauungen zwischen dem Ministerium der öffentlichen Arbeiten und dem LanswirthschaftSministcrium, der erst bei der Neuorganisation der
Gestalt in vortheilhaftem Lichte. Die Linien in ihrem ovalen Gesicht waren weich und fein gezeichnet, ihre Augen grau und lebhaft, ihr Mund verrieth Charakter und Gefühl. Was der ganzen reizenden Erscheinung aber die Krone aufsetzte, war das herrliche, kastanienbraune Haar, das ihr in glänzenden Wellen über die Schultern herabwallte.
„Käthe," nahm ihr Vormund plötzlich wieder das Wort, „ich wünschte, ich hätte Ihnen gegenüber das Recht eines Bruders, um Sie in so manchem wichtigen Punkte bestimmen zu können, sich zu ändern. So sagt mir meine Schwester zum Beispiel, Sie hätten die Absicht, Weihnachten in Paris zu verleben. Ich wünschte, Sie thäten das nicht und blieben zu Hause."
„Weil Ihre Schwester Ihnen die argwöhnischsten Ideen beibringt. Sie glauben, ich sei nicht im Stande, mich selbst zu schützen und könnte etwas thun, das Ihnen und mir keine Ehre macht? Eine derartige Besorgniß mein Herr Doktor ist eine Beleidigung. Ich reise unter dem Schutze einer Dame, die Sie selbst mir zur Gesellschafterin gegeben haben" — dabei deutete sie mit einer bochmüthigen Handbewegung nach mir hin - „und gehe in das Haus einer anderen Dame, wo unsere Gesandtin verkehrt im Uebrigen werde ich mich amüsiren, wie es mir gefällt. Daß ich mein Benehmen nicht in die engen Grenzen einzwängen werde, welche Charlotte WernhagenS Neid und Bigotterie zieht, noch auf die charakterlose Prüderie beschränke, die Herr Doktor Wern- Hagen so bemunbert, das versteht sich von selbst."
„öcigeii feie gegen mich, Käthe, was Sie wollen,