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«r. 15.

Dienstag den 4 Februar

1896.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt" und Jllnstrirte landwirthschaftl. Beilage" für die Monate Februar und März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, tandbriesträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, am 3. Februar 1896.

Die Herren Ortsvorstände und (Hutsvorsteher des hiesigen Kreises mache ich unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 2. Januar d. Js. I. II. Nr. 21, im Kreisblatt Nr. 3, wonach die Rekrutipungs-Stammrollen nebst Geburtslistenrc. der Jahrgänge 1874, 1875 und 1876 bis spätestens zum 5. d. MtS. anher ringereicht werden sollen, daraus aufmerksam, daß die genannten Stamm­rollen, wenn solche nicht bis s p ä t e st e n S zum 7. d. M t s. Vormittags 1 0 Uhr in meinen Händen sind, alsdann sofort durch Strafboten abgeholt werden müsse«, da die Umstände eine Erinnerung mit nochmaliger Fristbemil- ligung nicht gestatten.

ad I. II. Nr. 21. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheimer RegierungS-Rath.

Lauterbach, den 28. Januar 1896.

Wir benachrichtigen Sie ergebenst, daß in je einem Gehöst zu Schlitz, Sandlofs und Rimbach die Maul- und Klauenseuche auSgebrochen ist und daß wir dieser- halb Gehöftsperre angeordnet haben.

Gr. Kreisamt I. V.: Heinrichs. * * *

Hersfeld, den 30. Januar 1896. Wird veröffentlicht.

^^ 551. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer NegierungS-Rath.

(Nachdruck verboten.)

Heimlich vermählt.

Criminalroman von Hella Limpurg. (Schluß.)

Bei den letzten Worten hatte sich des Fürsten Stimme erhoben und einen drohenden Klang angenommen. Der Haushofmeister trat jetzt, sich demüthig verneigend vor den Gebieter und sprach:Wir haben Euer Durchlaucht Worte mit lebhafter Freude vernommen und wollen der gnädigen Prinzessin ebenso treu dienen, wie Ew. Durch­laucht selbst. Sie lebe hoch!"

Beinah schauerlich klang dieses Hochrufen durch die Halle, auch der Fürst zuckle zusammen.Und nun geht," sagte er dumpf mit der Hand winkend,und lebt wohl!"

Erschrocken schauten die Leute sich an, doch sie wagten nicht zu reden, sondern schlichen still davon; es lag wie ein schwerer Druck kommenden Unheils über allen Per­sonen, sie wußten, nun mußte etwas Schreckliches ein­treten.

Eine halbe Stunde darauf schallte ein Schuß durchs Haus und jeder wußte, was nun geschehen war. Der Fürst hat sich erschossen," rief der alte Haushof­meister und stürzte nach dem Zimmer seines Gebieters, um noch zu helfen, wenn es möglich war. Aber er kam zu spät. Fürst Orenski hatte gut getroffen, die Kugel war durch die Schläfen gegangen; still und reglos lag

Uilhtamttiches.

Aus dem Abgeordnetenhaus.

Berlin, 31. Januar. DaS Abgeordnetenhaus führte heute die erste Lesung des Volksschullehrerbesoldungsgesitze» zu Ende. Abg. Lata cz (@tr.) bemängelt, daß der Grundgehalt zu niedrig bemessen fei und die AlierSzuIagen von der Führung abhängig gemacht würden, erkennt aber die erheblichen Verbesserungen gegen den bestehenden Zu­stand an. Abg. K n ö r ck e (frf. VolkSp.) spricht gegen ein allgemeines Schulgesetz, hält eS für verfassungsmäßig zulässig, einzelne Materien de« Schulwesens, wie die vorliegende, gesetzlich zu regeln, und erkennt in der Vorlage im Großen und Ganzen einen erheblichen Fortschritt, wenn auch die großen Städte zu sehr belastet würden. Abg. Frhr. v. Heereman (Ctr.) will den Lehrern, bereit Beruf er für hoch und heilig halte, gern helfen, hat aber gegen den Entwurf die schwersten Bedenken. Die Rechte der Familie, der Gemeinde und der Kirche auf die Schule blieben verkürzt, und dem Staate könne kein schlechterer Dienst erwiesen werden, als wenn die Schule zu einer AbrichtungS- anstalt gemacht würde Ein allgemeines Schulgesetz auf christlicher Grundlage wäre jetzt sehr wohl möglich gewesen und würde das beste Mittel geg-n die Sozialdemokratie sin Kultusminister B o s s e be­dauert, daß der Sonebrer sich tue Kultu-oerwaltung so schroff stelle trotz der versöhnlichen Politik, die er, der Minister, von seinem Amts­antritte an befolgt habe. Es sei Einbildung, von einer Staatsschule zu reden, unsere Schule sei in d r Hauptsache Gem indeschule. Er würde sich freuen, an einem Schulgesetz auf guter christlicher Grund­lage Mitarbeiten zu können; aber es würde unrichtig sein, damit im gegenwärtigen Augenblick Kampfe h rauszubeschwören, denen die Sozial- deuiokratie händereibend zusehn würde. Er halte eine Verständigung auf Grund der Vorlage sehr wohl möglich. Abg. Friedberg (natlib.) tritt dem Abg. v. Heereman entgegen, dessen Ausführungen nicht auf den vorliegenden Entwurf, sondern auf ein allgemeine» Schul­gesetz paßten. Die Regierung würde mit zu großem Entgegenkommen gegen­über dem Centrum und der evangelischen Orthodoxie schlechte Er­fahrungen machen. Ein Schutzes tz im Zevlitzschen Sinne werde f iue Fraktion mit allen Ät ästen bekämpfen. Abg. BarteI « (fonf.) hält die Furcht vor einem allgemeinen Schulgesetz für w it übertrieben; r» sei übrigens ganz gut, daß man sich wieder einmal über die das Schul­wesen betreffenden großen Fragen ausgesprochen habe. Die konservative Partei halte darin an ihrem alten Standpunkt fest, den sie schon bei dem Zedlitzschen Entwurf dargelegt habe, werde aber gern an dem Zustandekommen der Vorlage mitarbeiten Abg. E h l e r » (frf. Der.): Seine Fraktion halte es für ein Glück, daß die Staatsregierung von einem Schulgesetz Abstand genommen habe, das von der Mehrheit wohl mit Freude angenommen, aber die schwierigsten Verwicklungen im Ge­folge haben würde. Hoffentlich werde die Kommission dem Entwurf eine solche Fassung geben, daß er dann einstimmig angenommen würde. Der Entwurf wird alsdann einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. ES folgt die erste Lesung deS Gesetzentwurf«, betreffend die Abänderung deS PensionSgesetze» vom 27. März 1872, wonach die Anrechnung und Berechnung - der pensionSfähigen Dienstzeit für die Lehrer an höheren Lehranstalten staatlichen und kommunalen Charakters einheitlich geregelt werden soll. Nachdem sich die Abgg. von V o ß (freifonf.), Lohmann (natüb.), BartelS (kons) und Frhr. von heereman (Ctr.) im Wesentlichen für den @i tmurf erklärt und der Geh. Oberfinanzrath Germar empfehlende Erläuterungen dazu gegeben, wird der Entwurf der UnternchtSkommisston überwiesen.

er da, um die bleichen Lippen prägte sich ein Ausdruck tiefer Wehmuth.

Eine grenzenlose Verwirrung bemächtigte sich der Leute; man stürzte zur Fürstin, doch sie wandle sich kalt ab.

Was geht das mich an?" wehrte sie,schickt nach dem Grasen Adlerstein, ich reise heute Abend ab."

Die Adlerstein'sche Familie saß traulich beim Thee zusammen, als ein Diener die Unglücksbotschaft meldete. Elisabeth sprang schluchzend auf.O, mein armer Va­ter," rief sie die Hände ringend,und er mußte allein, einsam sterben, ohne daß ich ihm die Augen zudrücken durfte. Ach und ich Hütte ihm vergeben."

Da trat Georg zu der Geliebte» und legte feinen Arm liebevoll um ihre Taille.Sei ruhig, meine Eli­sabeth, Du bist nun ganz mein und ich will Dich hüten und hegen, daß Dich kein Ungemach trifft. An meinem Herzen sollst Du wieder getröstet werden und Dein ganzes Glück finden. Ueber Deinem Vater lastete ein furcht­bares Verhängniß und er hat es tragen und sühnen müssen. Gott sei seiner Seele gnädig."

Sie sah zu ihm auf mit einem innigen Blick.Ja, Du bist jetzt mein einziger Trost, Georg, ich bin ja reich in Deiner Liebe, so reich, wie ich es nie verdient habe; ich will demüthig und dankbar sein, damit mein Glück mir erhalten bleibt. Habe Nachsicht mit mir."

Am folgenden Tage wurden Georg und Elisabeth am Sarge des Fürsten Orenski getraut. Es war eine

Berlin, 1. Februar. In der heutigen Sitzung setzte das Ab- geordmtenhau» die zweiteEiatSberathung blim Etat der landwirth- schaftlichen Verwaltung fort. Abg. GrafHoentbroech (Ctr.) führt auS, daß die Gesetzgebung der letzten Jahrzehnte ben gegenwärtigen Notbstand der Landwirthschast verschuldet bezw. ver­schärft habe. Abg. Herold (Ctr.) spricht in agrarfreundlichem Sinne, behauptet aber, daß der Bund der Landwirthe keine Einigung, sondern eine Trennung der Landwirthe herbeiführe. Abg. Frhr. v.Eynatten (Ctr.) hält den Bund der Landwirthe mit dem Standpunkte deS Centrum« für unvereinbar. Abg. Knebel (natlib.): Nachdem sich der Antrag Kanitz als unausführbar ergeben habe, müsse die Nothlage der Land- wirthschaft auf den vom LandwirihschastSminister vorgeschlagenen Wegen unter energischem Vorgehen gesteuert werden. Am Wesentlichsten sei eine bessere Vorbildung der kleinen Besitzer. Geh. Ober-Regierung«- rath Thiel bemerkt, daß eine Erhöhung der StaatSzuschüsse für da» Wanderlehrerwesen nicht in AuSsicht sei, Abg. Gothein sfrs. Ver.) führt aus, daß die Handelsverträge der Industrie einen außerordent­lichen Aufschwung und auch der Landwirthschast Nutzen gebracht hätten. Die Bemerkung deS Redner», daß die veterinärpolizeilichen Grenz- kontrolen überhaupt nur die Vieheinfuhr verhindern sollten, wird vom Landw irthschaftS-Minister als unberechtigt zurückgewiefen, Abg. Frhr. v. Zedlitz (freifonf.): Eine lebensfähige Landwirth­schaft fei die LebenSbedingung de» preußischen Staat«. Die zur Hebung des Wohlstandes vorgeschlagenen direkten Mittel seien zur Zeit nicht anwendbar; um so entschiedener müßten die indirekten Mittel in An­griff genommen werden, und erfreulicher Weise wehe in dieser Beziehung jetzt bei der Regierung ein frischerer Wind. Der Redner geht auf die Ginz lheiten der vorgeschlagenen Gesetze«-, Steuer- und Tarrsreformen ein und schlägt u. A. Au«nahmetarise zu Gunsten landwirthschaftlicher Produkte für solche Jndustriecentren vor, die an der Grenze liegen. Der preußische Staat müsse zu seinem eignen wohlerstaudenen Interesse Alle« thun, um die Lage der Landwirtschaft zu heben. Minister Frhr. v. Hammerstein legt dar, daß es bei der Uebernahme feine« Amte« f<in Erste» gewesen sei, im Interesse de» Platten Lande» beim KnliuSmwisterium zu befürworten, daß ein gelindere« Tempo mit den Anforderungen fir Schule und Kirche cingeschlagen werde, und beim Reichsamt des Innern, daß bei der Durchführung unb Handhabung der socialpolitischen Gesetze keine Kostenvergeudung flattfinde. Ein Ge- sltzentwurf über Wasserrecht fei vor 2 Jahren der öffentlichen Beur­theilung unterbreitet und da» gewonnene Material nunmehr verarbeitet worden, so daß wahrscheinlich in diesem Jahre eine Vorlage darüber hergestellt werden würde, unter Umständen auch eine besondere über die Organisation der wafferwi'.thschastlichen Verwaltung. Die Ver­besserung der VerkehrSverhältnisse habe der Landwirthschaft nicht, wie her erste Redner angenommen, geschadet, sondern vielmehr den vor­handenen Nothstand besser tragen helfen. ES werde erwogen, in Preußen oder auch von ReichSwegen eine Kontrole über da» an bet Grenze eingehende Fleisch einzuführen. Abg Frhr. v. Pleiten« berg (kons.) führt auS, daß der Bund der Landwirthe nur zu einer Einigung der Interessen geführt habe, und daß der Bund in seiner KönigStrene unantastbar dastehe. Abg. Sieg (natlib.) widerspricht den Ausführungen des Abg. Gothein.

Politische Nachrichlcu.

Berlin, 2. Februar.

Ihre Kaiserlichen Majestäten unter­

düstere Feier. Auf hohen Säulen standen silberne Kan­delaber und dicke Wachskerzen warfen gespenstisches Licht auf den schwarzverhüllten Sarg, der zwischen Palmen und Lorbeerbäumen sich erhob. Die Stimme des Geist­lichen tönte ergriffen durch den hohen Ahnensaal, den die gesammte Dienerschaft füllte; er sprach Worte des Friedens für die Verlobten und zugleich auch für den Heimgegangenen, er betete zum Allmächtigen um ein Wiedersehen dort droben und um Vergebung der Sünden. Unter heißen Thränen wechselten die Ver­lobten die Ringe und knieten dann nieder am Sarge zu tiefernstem Gebet.

Und in derselben Stunde rollte der Reisewagen der Fürstin dem Bahnhöfe zu. Sie hatte nach nichts mehr gefragt, sich um nichts mehr gekümmert, auch nicht um das eigene Kind. Sie hatte erklärt, daß sie reisen, weit fort reisen, daß sie sich amüsiren und zerstreuen müsse. Dabei war die Fürstin Ada so sehr erregt und ein selt­samer Glanz stand in ihren Augen. Da plötzlich am Bahnhöfe zeigte sie sich ganz verwirrt. Der Wahnsinn hatte ihren Geist umnachtet und sie mußte in eine Heil­anstalt gebracht werden, wo sie an Tobsucht starb.

* *

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Als das Frühjahr wieder kehrte und milde Lüfte über die Erde wehten, da war der Hügel, welcher die sterb­lichen Ueberreste des Fürsten Orenski barg, mit grünem Epheu^besponnen und oft, sehr oft kam eine bildschöne junge Frau am Arme ihres Gemahls, um frische Blumen