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HersWer Aeisblatt.
Gratisbeilagen: „Illustrirtes Sonntagsblatt^^ u. „Illnstrirte landwirthschaftliche Beilage".
$r. 11 Donnerstag Den 36. Januar 1888.
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" und „Jllnstrirte landwirthschaftl. Beilage" für die Monate Februar und März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, itandbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 24. Januar 1896.
Zufolge Anordnung des Genossenschaftsvorstandes ist : seitens der Ortspolizeibehörden auf den Anzeigen über die im landwirthschaftlichen Betriebe vorkom- K menden Unfälle künftig unter dem Vordruck „Genossenschaftskataster Nr. . ." stets außer der Nr. des Unternehmer-Verzeichnisses, unter welcher der Betriebsunter- k nehmer sich eingetragen findet, auch die Größe desjenigen - Betriebes kurz in Hektar und Are anzugeben, in welchem der Unfall geschehen ist.
Die neuen Unternehmer Verzeichnisse (gültig für die - Zeit 1895 bis einschl. 1899) werden in Kürze über- sandt werden. z
a. 172. Der Sektionsvorstand:
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 28. Januar 1896.
Die am 8. Januar 1872 zu Tann geborene Elisabeth Eichenauer hat um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.
K^ J. I. Nr. 530. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, ■ Geheimer RegierungS-Rath.
Bekanntmachung.
Am 1. Februar wird in dem zum Landbestellbezirke ß der Kaiserlichen Postagentur in Kirchheim (Kr. Hersfeld) k gehörigen Orte Gersdorf eine Posthülfstelle eröffnet,
Heimlich vermählt.
Criminalroman von Hella Limpurg.
(Fortsetzung.)
Das junge Mädchen erbrach mit zitternden Händen das Schriftstück und las laut dessen Inhalt dem Grafen Adlerstein und dessen Mutter vor. Das Schreiben Iwan Waniloff'S lautete: „Ich bezeuge vor Gott und den Menschen, daß Du mein liebes Mündel Elisabeth Waniloff eine rechtmäßige Prinzessin von Orenski, entsprossen aus der zwar heimlich gehaltenen, aber rechtmäßig geschlossenen ersten Ehe des Fürsten Alexander Orenski mit meiner | Base Kathinka Waniloff bist. Den urkundlichen Beweis, Z versehen mit dem Amtssiegel wirst Du in der Ahnen- I gallerie des Schlosses Deines Vaters hinter dem von mir am Ende des Schriftstückes näher bezeichneten Bilde finden. Auch kannst Du unter Vorlegung dieses Schriftstückes die russische Behörde mit der Feststellung Deiner E legitimen Herkunft als Prinzessin Orenski betrauen. —"
Verlegen hielt Elisabeth bei dem Lesen inne, und ■ sprachlos vor Staunen standen Graf Adlerstein und dessen Mutter.
„Welche Fügung des Schicksals!" rief dann der junge Graf und schloß Elisabeth in seine Arme. „Du bist eine Prinzessin Orenski, eine legitime Tochter unseres - stolzen Vetters. O, jetzt verstehe ich auch die geheimniß- volle Andeutung, welche er mir bei unserer letzten Be- " gegnung machte, und kann mir die seltsame Verlegenheit erklären, die er zeigte, als ich erklärte, Dich wieder holen zu wollen, und was wird die stolze Frau Fürstin sagen,
deren Verwaltung dem Bauern Jacob Schwalm übertragen ist.
Cassel, 23. Januar 1896.
Der Kaiserliche Ober-Postdirektor Frank.
Die Kaisersgeburtstagsfeier.
Kaisers Geburtstag ist im ganzen Deutschen Reiche und außerhalb desselben, wo irgend Deutsche wohnen, in erhebender Weise gefeiert worden. Der Kranz von regierenden deutschen Fürsten, der den Kaiser bei seinem diesmaligen Geburtstage umgeben hat, war größer als in früheren Jahren. Erschienen waren der König und die Königin von Sachsen, der König und die Königin von Württemberg und deren Prinzessin Tochter, die Großherzoge und Großherzoginnen von Baden, Hessen und Sachsen-Weimar, sowie der Herzog von Sachsen- Koburg und Gotha. Vom bayerischen Königshofe war Prinz Leopold erschienen, welcher dem Kaiser die Ernennung zum Chef des 6. Bayerischen Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm, König von Preußen, überbrachte. Dem König von Sachsen brächte der Kaiser ein besonderes Zeichen seiner Freundschaft entgegen, indem er ihn in dem Telegramm an das 2. Garde-Ulanen-Regiment als den „hochberühmten Her^ührer und noch einzigen Ritter des Großkreuzes des Eisernen Kreuzes" bezeichnete, und der König von Sachsen feierte den Kaiser beim Festmahl in warmen und freundschaftlichen Worten.
Der Kaiser selbst hat an seinem Geburtstage abermals ein Zeichen seines demüthigen Sinnes abgelegt. Durch die Auswahl des Bibelverses, welcher der Festpredigt zu Grunde gelegt wurde: „Sei getrost und sei ein Mann. Und warte auf die Hut des Herrn, deines Gottes, daß du wandelst in seinen Wegen und haltest seine Sitten, Gebote und Rechte und Zeugnisse, wie geschrieben steht im Gesetz Mosis, auf daß du klug seiest in allem, daß du thust und wo du dich hinwendest."
Die Weihe der Fahne bezw. Standarte für das Lehr- Jnf.-Bataillon und das Leibkürassier-Regiment Großer Kurfürst (Schlesisches Nr. 1) ließ der Kaiser im Sterbezimmer Kaiser Friedrich III. vornehmen, und des in der Ferne weilenden Prinzen Heinrich gedachte er dadurch, daß er ihn zum Chef des Füsilier-Regiments (Branden- burgisches Nr. 35) ernannte.
Wie im Inlands, so ist auch im Auslande Kaisers Geburtstag mit entsprechenden Ehrenbezeugungen seitens
wenn sie die ehemalige Erzieherin als Stieftochter mieder- sieht. Aber bitte, Elisabeth, lies das Schriftstück zu Ende."
„Und nun, meine theure Elisabeth," schloß das Schriftstück, will ich hoffen, daß Du die Liebe eines edeln Mannes finden wirst, der Dich glücklich macht, Dich beschützt und hegt und pflegt wie sein köstlichstes Kleinod. Dann aber zaudere nicht, die seine zu werden, sieh, es kommen ja nur zu bald Wolken vor das strahlende Sonnenlicht und Du wirst des Lebens Prüfungen besser ertragen Hand in Hand mit dem Geliebten Deiner Seele. Wenn ich nicht mehr bin, dann reise nach Rußland, in Deine Heimath und löse den Schleier von dem Geheimniß, was Dich umgiebt, denn erst dann werde ich im Grabe Ruhe finden."
„Wir reisen noch heute," rief Graf Georg erregt; „wer hätte gedacht, daß ich solch hochgeborenes Bräutchen gewonnen habe! Die Fürstenkrone wird sich gar stattlich ausnehmen auf diesem blonden Haar. Uebrigenö halte ich es für gut, den Fürsten vor unserer Reise nach Rußland in Paris zu sprechen.
Und noch einmal legte das junge Mädchen die Strecke von London nach Paris zurück, diesmal aber nicht allein, sondern umgeben von der Liebe und Sorgfalt des geliebten Mannes, der sie im Triumphe heimholte und begleitet von dessen edler Mutter. „Was wird Dein — Vater sagen," meinte der Graf nachdenklich, „wenn er jenes Schriftstück liest und erkennt, daß eö keine Schein-,
der befreundeten Höfe begangen worden. Der Kaiser von Oesterreich hatte zur Feier des Tages ein Festmahl veranstaltet, woran die Mitglieder der deutschen Botschaft und viele hohe österreichische Würdenträger theilnahmen. Kaiser Franz Josef brächte auf Kaiser Wilhelm einen Trinkspruch aus. Als ein erfreuliches Zeichen für die guten Beziehungen, die die Höfe von Petersburg und Berlin unterhalten, darf wohl der Umstand angesehen werden, daß der Czar unserm Kaiser durch einen russischen Botschafter ein Handschreiben und als Geschenk ein prächtiges Oelgemälde hat überreichen lassen, welches den Kieler Hafen bei der Eröffnungsfeier des Kaiser Wilhelm-Kanals in dem Augenblicke darstellt, als S. M. Jacht „Hohenzollern" das russische Admiralsschiff „Alexander II." passiert; gewiß eine sinnige Art, den Kaiser zu erfreuen, denn der Moment, der hier im Bilde geschildert ist, gehört zu dem erhebendsten, die der Kaiser im verflossenen Jahre erlebt hat.
In Wien feierten die Reichsdeutschen Kaisers Geburtstag in alter Begeisterung, wobei der deutsche Botschafter, Graf zu Eulenburg, eine Ansprache hielt. Er erzählte einen Zug aus dem Leben des Kaisers, den er auf der Nordlandsreise selbst mit erlebt hatte, wie der Kaiser trotz eigner Lebensgefahr doch darauf bedacht blieb, das Geschick eines Steuermannes nicht zu verderben und seine Stellung zu gefährden. Dieser eine Zug schildert ganz die Herzensgüte des hohen Herrn. Möge er dem deutschen Reiche und Volke noch lange erhalten bleiben, und möge die Loosung bei allen Freunden des Vaterlandes dieselbe sein, wie sie in der glänzenden militärischen Versammlung im Lichthofe der Ruhmeshalle zu Kaisers Geburtstag ausgegeben wurde: „Es lebe Seine Majestät der Kaiser und König!"
Aus dem Reichstag.
Berlin, 28. Januar. Der Reichstag setzte heute die Berathung des Etats des ReichSaints des Innern ^ort. Bor Beginn der Verhandlung theilte der Präsident mit, daß Se. Maj. der Kaiser die ihm gestern im Namen des Reichstags dargebrachten Glückwünsche huld- reichst entgegengenommen habe. Zu den Anträgen ö i $ e und Auer , betreffend die Revision des JnvalidilätS- und AlterSversichcruiigsgesetzcS, bemerkt Abg. v. Staudy (Tons.), seine Partei werde für den Antrag Hitze stimmen, und betont dabei, daß die Unzufriedenheit mit dem JnvalidilälSgrsetz nicht abgenommen habe. Seine Freunde seien übrigens für die vom Abg. Gamp vorgeschlagenen Zuschläge zur Salz- steuer zur Bestreitung der Beilräge der Arbeiter für die JnvalidilätS- versichernng nicht zu haben, empfehlen aber eine Abschaffung be8 Markensystem«. StaatSminister v. Bo etlicher führt aus, daher
. sondern eine richtige Trauung gewesen ist, welche ihn ! an Deine arme Mutter band."
„Wo mag sie liegen," seufzte das schöne Mädchen, „mich zieht es zu ihrem Grabe, daß ich mir auch ihren Segen hole."
„Wir werden es finden, mein Liebling," tröstete sie der Graf, „und dann gehen wir gemeinsam hin, um ihr Grab zu schmücken."
Fürst Orenski hatte seit der Abreise der Adlersteins böse Tage verlebt; als Graf und Gräfin Adlerstein ihn damals verlassen, war die Fürstin Ada hereingestürmt.
„Was ist denn das für eine Komödie mit der Russin?" hatte sie scharf gefragt. „Georg Adlerstein will sie hei- ralhen?"
„Wenn Du so gut gehorcht hast, brauche ich Dir nichts noch zu erläutern," hatte der Fürst scharf ent- gegnet.
„Gut, daß ich sie aus dem Hause wies," frohlockte die Fürstin, „denn sie hat mit Dir ebenso schön gethan wie mit Georg."
„Sie war aber trotzdem am kleinen Finger besser als Du," gab er finster zurück, „und wenn ich sie wieder holen könnte, gäbe ich Jahre meines Lebens darum."
„Und das sagst Du mir — Deiner Frau ins Gesicht," schrie sie mit sprühenden Augen und dicht an ihn herantretend, daß ihr heißer Athem sein Gesicht berührte. „Hast Du kein Gefühl, daß dies ein Verbrechen gegen mich i|t? All die langen Jahre habe ich so schon unglücklich an Deiner Seite gelebt und muß nun hören, daß Du mir eine Abenteuerin vorziehst. Aber hüte Dich,