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K. 11.
Ssmlibeilii
25. Januar
1888.
Erstes Statt.
Amtliches.
Hersfeld, den 23. Januar 1896.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit Erledigung der diesseitigen Verfügungen:
1 vom 3. Oktober 1895 J. I. Nr. 5777 (Kreisblatt Nr. 118) die Zahlung des Viehbestandes betreffend, 2. vom 5. Juli 1882 Nr. 8773 (Kreisblatt Nr. 53) die Führung des Verzeichniffes der Pflichtfeuerwehr betreffend,
3. vom 18. Dezember 1878 Nr. 12674 (Kreisblatt Nr. 102) die Unterbringung verwahrloster Kinder
■ betreffend,
4. vom 9. Februar 1884 Nr. 1721 (Kreisblatt Nr. 29) die Revision der FeuerungSanlagen betreffend,
5. vom 23. März 1880 Nr. 3135 (Kreisblatt Nr. 24) die Ausräumung der Fluthgräben sowie Ent- und BewäfferungSanlagen betreffend, erinnert mit Frist bis zu in 5. Februar 1896 bei Meidung von 3 Mark Strafe.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 22. Januar 1896.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung der diesseitigen Verfügung vom 19. September 1895 I. A. Nr. 76 und A. Nr. 1066 (Kreisblatt Nr. 113 Extrabeilage) die Einreichung der Beschlüffe über Gehalt und Kautionen der Rechnungsführer sowie Beschaffung eines Geldkastens 2C. betreffend, im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 3 0. Januar 1896 bei Meidung von 3 Mark Strafe erinnert.
Der Dorrende des Kreisausschusses:
Freiherr von Schleinitz,
Königlicher Landrath, Geheimer RegierungS-Rath.
Nichtamtliches.
Die Ruhmestage des deutsch-französischen Rrieges.
XXXI.
Paris kapituliert!
28. Januar 1871.
Die Franzosen sorgten dafür, daß auch vor Paris dem neugegründeten deutschen Kaiserreiche die Blutstaufe nicht fehlte. Die Beschießung der Hauptstadt durch die Deutschen hatte ihren Fortgang genommen, von Ost, Süd und West flogen Granaten auf Granaten gegen die feindlichen Stellungen, das Mauerwerk der Forts zertrümmernd, Geschütze und Mannschaften zerreißend, die Wälle durchfurchend; bis in das Herz von Paris brachten die deutschen Geschoffe die Mahnung, abzulaffen vom trotzigen Widerstände. Die französischen Geschütze verstummten schon theilweise vor der deutschen Ueberlegen- Heit, und dennoch gelangte man zu dem thörichten Entschluß, am 19. Januar noch einen großen Ausfall ins Werk zu setzen, um die unüberwindlichen Stellungen, welche des deutschen Kaisers Hauptquartier Versailles deckten, mit Gewalt zu nehmen.
Der Stoß traf das V. Corps. Noch einmal maßen sich die Stürmer des Gaisbergs, die Sieger von Wörth in der Schlacht am Mont Galerien mit dem hier vierfach ftärtern Feinde in blutigster Weise. Aber die hohe Aufgabe, des Kaisers geheiligtes Haupt gegen den Ansturm zu schützen, entflammten die deutschen Krieger zu äußerster Entschloffenheit und Tapferkeit; am Abend war der Sieg errungen, freilich mit Verlust von 40 Offizieren und 570 Mann; allein der Feind ließ 189 Offiziere
und 3881 Mann auf dem Kampfplätze. Endlich war der Widerstand des Feindes gebrochen, und das stolze Paris, in dem durch Hungersnoth, Zügellosigkeit, Krankheit, Verzweiflung und Tod eine immer reichere Ernte zu halten begonnen hatten, bequemte sich zu Unterhandlungen, die von dem am 23. Januar abends bei Bis- marck in Versailles erschienenen französischen Bevollmächtigten Jules Favre eingeleitet wurden. Noch schwebte tiefes Geheimniß über dem Ergebniß derselben, aber als der Kanzler, vom Vortrag bei Kaiser Wilhelm kommend, die Jägermelodie: „Hallali" pfiff, da wußte man, was die Glocke geschlagen hatte.
Am 26. Januar war eine Einigung über die Bedingungen eines Waffenstillstandes zu stande gekommen; um Mitternacht sollten die Feindseligkeiten eingestellt werden, am 28. Januar der Abschluß eines dreiwöchigen Waffenstillstandes mit der Hauptbedingung erfolgen, daß am 29. Januar die Besetzung der Forts durch die deutschen Truppen statt hätte. Noch donnerten am Abend des 26. Januar die Geschütze hüben und drüben, noch beschrieben die Granaten ihren feurigen Flug durch die dunkle winterliche Luft; da um Mitternacht krachte der letzte Schuß mit fernhin verhallendem Echo, dann tiefes Schweigen — Paris hat kapituliert! die Kunde eilte wie ein Lauffeuer durch die beuti^en Truppen, die die Stadt umlagerten, und nun am Morgen heller Jubel, Händeschütteln, Umarmungen, Freudenthränen im Auge bärtiger Krieger, Hurra- und Hochrufe auf den Kaiser und das deutsche Vaterland und dann zuletzt wie eine donnernde Meeresbranvung aus taufenden von Kehlen: „Die Wacht am Rhein."
Am 29. Januar wurden die Forts ohne Störung von den deutschen Truppen besetzt; welch ein Moment, als an dem Flaggenmaste des Mont Valerien die deutsche Fahne emporstieg. Am 28. Januar war in Versailles ein dreiwöchiger Waffenstillstand, mit dem 31. Januar beginnend, durch Bismarck und Jules Favre abgeschloffen worden. Während desselben blieb die französische Besatzung der Forts in der Stadt und mußte nach Ablauf in Kriegsgefangenschaft treten. An Kriegsbeute fielen allein 1962 Feld- und Festungsgeschütze in die Hände der Sieger.
Der größere Theil der vor den Mauern von Paris sestgehaltenen deutschen Streitkräfte war nunmehr frei, um im offenen Felde das Ende des Krieges zu erkämpfen. Aber besten bedurfte es nicht mehr, denn auch aus dem südlichen Kriegsschauplatze, wo allein noch gesümpft wurde, sollten sehr bald die Feindseligkeiten ein Ende haben und es nun wieder Friede werden zwischen Deutschland und Frankreich nach heißem männermordenden Streit. Wir aber erinnern uns noch daran, daß das Ereigniß der Uebergabe der stolzen französischen Hauptstadt mit dem Namen des Kaisers Wilhelm dadurch besonders verknüpft ist, daß der Kalender für diesen Tag den uns so theuren Namen „Wilhelm" trägt, zugleich auch hinweisend auf den für ganz Deutschland so bedeutungsvollen vorhergehenden Tag, den Geburtstag des jetzigen Trägers der deutschen Kaiserkrone, Wilhelms II., des jungen, thatkräftigen Enkels des ersten glorreichen Kaisers.
Aus dem Reichstag.
Berlin, 22. Januar. Der Reichstag berieth heute die Anträge B a s s e r m a n n (natlib.) und L i c b e r m a n n v. S o n n e n - b erg (dtschsoz. Resp.) wegen Schutze« der Bauhandwerker (Sicheiung eines hypothekarischen Vorrechts für Sautieferungen und Sauarbeiten). Abg. Bassermann (natlib.) sührt aus, es sei sowohl von Fach- vereinen als auch von Behörden anerkannt worden, daß eine Sichcr- stellung der Bauhandwerker ein dringendes Erford.rniß sei. Der Bauschwindel habe eine solche Ausdehnung genommen, daß ihm entgegengetreten werden müsse. Abg. Lohe (deutschsop Resp., empfiehlt den Antrag Liebermann, welcher den Bauhandweikern und Arbeiten! ein Vorrecht vor sämmtlichen anderen Forderungen geben will. Staatssekretär N i e b e r d i n g betont, daß die verbündeten Regierungen in der Sache nicht unthätig gewesen seien, indessen fei es eine offene Frage, ob der Weg der Reichsgesetzgebung zu beschreiten sei, und die Landesregierungen erkennten nicht alle ein Bidürsniß für eine allgemeine Regelung der Angelegenheit an. Wenn die Kommission, welcher dieser Antrag überwiesen werden solle, den verbündeten Regierungen brauchbare Vorschläge machte, so würden diese dankbar fein. Abg.
v. Stumm (ReichSp.) befürwortet den Antrag Baffermann und erklärt sich gegen den weitergehenden Antrag Liebermann. Abg. R i n t e l c n (Ctr.) tritt für die Anträge ein, die eine alte Centrum-forderung dar- stellten. Abg. Pa ch nicke (frf. Ser.) spricht sich gegen die Anträge auS, weil sie die kleinen Bauhandwerker gefährdeten. Die Mißsiände würden übertrieben. Abg. v. Bennigfen (natlib.) beantragt die Annahme des Antrages Baffermann ohne KommifsionSberathung. Staatssekretär N i e b e r d i n g wendet sich gegen den letzten Antrag und befürwortet die KommifsionSberathung. Abg. v. B u ch k a (Ions.) ist für KommissionSberathung, ebenso Abg. Stadthagen (sozd.), Abg. Beckh (südd. VolkSp.) ist mit der Tendenz des Antrags Baffer- mann einverstanden, hält aber den vorgeschlagenen Weg nicht für gangbar, da er sich gegen die Handwerker selbst richten könnte. Abg. Lieber (Ctr.) tritt für sofortige Annahme deS AntragS Baffermann ohne KommifsionSberathung ein. Die Regierung möge auf dies durch den Antrag an sie gerichtete Ersuchen hin einen Gesetzentwurf vorlegen, und über diesen müsse dann in einer Kommission berathen werden. Darauf wird der Antrag Liebermann abgelehnt und der Antrag Bafser- mann angenommen; eine KommifsionSberathung deS AntragS wird abgelehnt.
Berlin, 23. Januar. In der heutigen Sitzung beendigte der Reichstag die Berathung deS Etats der P o st - und Telegraphenverwaltung und ging hierauf zum Etat der R c i ch S d r u ck c r e i über. Auf Anregung des Abg. Haffe (natlib-) bemerkt der Unter« staatSstkretär im Reichspostamt Fischer. eS sei unrichtig, daß Arbeiten, die von der Privatindustrie geliefert werden könnten, von der ReichSdruckerei hergestellt würden. Der Etat des Reichstags wird ohne Debatte erledigt. Sei dem Ctar des Reichskanzlers und der Reichskanzlei frägt der Abg. B a r t h (frf. Ser.), wie es mit der Einberufung ein^r internationalen WährungSkonferenz stehe. Der Nnchrkanzler F u r st zu Hohenlohe erfiäit, er bebaute, noch nicht in der Lage zu sein, -eine Auskunft zu geben, wie sie gewünscht werde; aber er hoffe in nächster Zeit eine Erklärung über die Stellung der Regierung in diestr Frage geben zu können. Abg. v. Kardorff (Reich-p.) betont, die demnächst zu erwartende Auskunft bei Reichskanzlers möge lauten, wie sie wolle, feine, des Redners, Freunde würden ihre bimetallistischen Bestrebungen nicht fallen lassen; sie würden diese Bestrebungen um so mehr jetzt in den Vordergrund stellen, all der Antrag Kanitz abgelehnt worden sei. Abg. Graf v.Limburg- Stimm (fonf.) bringt daS Telegramm Sr. Majestät des Kaisers in der Transvaalangelegenheit zur Sprache und spricht seine Genugthuung über eine so entschiedene Wahrung der Interessen Deutschland« auS Abg. Barth (frf. Ser.) hofft, daß eS durch den Zwischenfall zu keiner dauernden Entfremdung zwischen Deutschland und England kommen werde. Die Bimetallisten in Nordamerika seien Silberminen- besitzer und man könne daher zu der Vermutbung kommen, daß eS auch in Deutschland bezahlte Agenten deS BimetalliSmuS gebe. Abg. v. Kardorff (ReichSp.) erwidert, daß, wenn Herr Barth für diese Behauptung keinen Beweis erbringe, er ihn für einen infamen Lügner erklären müßte. Abg. Barth (frf Ser.) bezeichnet die letztere Bemerkung des Vorredners als eine Grobheit und Unverschämtheit. Der Präsident v. S u o I bemerkt, daß dieser Vorwurf gegen die Ordnung deS Hauses verstoße. Abg. Barth (frf. Ver.) erwidert, der Präsident habe den Abg. v Kardoisf nicht zur Ordnung gerufen, daher habe er sich direkt diese Genugthuung verschafft. Der Präsident antwortet, daß der Abg. v. Kardorff unr in bedingter Form gesprochen habe, sonst hätte er ihn auch gerügt.
2lus dem Abgeordnetenhaus.
Berlin, 22. Januar. In seiner heutigen Sitzung beendete da« Abgeordnetenhaus die erste Lesung des Etat«. Für das Centrum sprach der Abg. B a ch e m, er bedauerte, daß kein allgemeines Schulgesetz vorgelegt sei, und über diSparitätische Behandlung der Katholiken klagte Finanzminister Miguel weist diese Beschwerden als ungerechtfertigt zurück; Justizminister S ch ö n st e d t stellt eine Behauptung des Abg Bachem dahin richtig, daß bei der Beerdigung des Kardinals Melchers wohl den Behörden als solchen die Beiheiligung untersagt worden sei, nicht aber den Beamten die private Betheiligung. Abg. R i ck e r t (frf Ser.) verlangt, daß die Regierung, um den Agitationen des Bundes der Landwirthe zu begegnen, eine unparteiische Enquete über die Lage der Landwirthschaft anstellen solle. Abg. v. K r ö ch c r (fonf.) legt dar, daß weder der Verleger der .Kreuz-Zeitung' noch die konservative Parteileitung sich -ine Verschleppung in der Angelegenheit des Frhrn. v Hammerstein hätten zu Schulden kommen lassen. Abg. G o th ein (ftf. Ser.) spricht für Tarifverbilligung und über die günstige Wirkung der HandelSocit Sge; Abg. v. Eynern (natlib.) bezeichnet eS als eine Forderung der Gerechtigkeit, daß jedem Einzel- staat Gelegenheit gegeben werde, richtig zu etatifiren, und spricht sich für die ReichSfinanzieform und für die Konversion auS Eine Reihe von einzelnen Theilen des Etats wud der Budgetkommission überwiesen. — Nächste Sitzung Freitag 2 Uhr: Rechnung-sachen, Bebauungsplan von Brotterode
Politische Nachrichten.
Inland.
. Berlin, 23. Januar.
Heute Vormittag machten Ihre M a j e st ä l e n d e r K a i s e r und d i e K a i s e r i n den gewohnten gemeinsamen Spaziergang im Thiergarten. Nach Rückkehr von demselben hörte S e. M a j e st ä t die Vorträge