Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

.:^v^^^^..... g

Die Jnsertionsgebühren betrag-n für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg.

Reklamen die Zeile 20 Pfg.

Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

Hesscker deisblatt.

Gratisbeilagen: „Illustrirtes Sonntagsblatt" n. „)llustrirte landwirthschaftliche Beilage".

$r. 10.LsnilerftW Kli Kmar 1896.

Bestellungen

auf das Hersselder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" und „Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für die Monate Februar und März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, kandbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Das Gelübde des Kaisers.

Die Jubelfeier des Reichs ist beendet. Noch steht die deutsche Ration unter dem packenden Eindruck der­selben Alles, was äußerer Glanz zur Hebung eines Festes vermag, war ihr eigen. Mit der Pracht höfischer Veranstaltungen vereinte sich der Schmuck der Bürger­häuser, der feierliche Glockenklang der Kirchen.

Eine besondere Weihe erhielt der Jubeltag indessen durch' den Kaiser Wilhelm selbst. Erst die großartigen Kundgebungen, denen er vom Throne herab und an der Prunktafel Worte lieh, erheben die Feier zu der ihr eigenthümlichen Höhe; denn an erhabener Würde haben sie nicht ihresgleichen.

Der Schwerpunkt derselben liegt in der Thronrede mit ihrem Hinweis auf die hohe Friedensmission des Reiches und ihren ernsten Mahnungen zur Eintracht aller deutschen Stämme und Mannen. In noch höherm Maße aber fesselte doch der Moment, wo Kaiser Wilhelm vor der gesenkten Fahne des ersten Garde-Regiments das Gelöbniß ablegte, für des Volkes und des Reiches Ehre allezeit einzustehen, nach innen und nach außen.

Ein Reich, Ein Volk, Ein Gott! So schwur der hohe Herr. In dieser Feierlichkeit des Gelübdes liegt die Größe des Augenblicks. Kaiser Wilhelm hat oft sein patriotisches Empfinden bekundet; mit größerer Kraft hat er niemals den ihn beseelenden deutschen Geist be­zeugt. Es ist die Sprache eines in fich fest abgeschlossenen, zielbewußten Charakters, welche dem deutschen Volke zü­rnst: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen!" Und sie ist verstanden worden.

(Nachdruck verboten.)

Heimlich vermählt.

Criminalroman von Hella Limpurg. (Fortsetzung.)

Elisabeth mochte wohl erst zwei oder drei Tage im Hause sein, da begegnete sie im Treibhause dem Fürsten, welcher gedankenvoll auf und niederschritt. Beim Anblick des jungen Mädchens schritt er hastig auf sie zu und ergriff ihre Hand. Die seinige war eiskalt und zitterte.

„Ich — ich muß mit Ihnen sprechen, Kind," stieß er heiser hervor, „ich habe Ihre Mutter gekannt."

„Sie muß sehr früh gestorben sein, denn ich weiß nichts von ihr, Durchlaucht," entgegnete Elisabeth ihre Verlegenheit bekämpfend. „Ich kenne nicht einmal den Namen meiner Mutter, und denjenigen meines Vaters auch nicht."

„Bei wem sind Sie erzogen?"

„Bei meinem Oheim, Iwan Waniloff."

„Ah, ich erinnere mich, — es war ein düsterer, blei­cher Mann. Damals Pope, trat aber später in diplo­matische Dienste. Und Sie haben immer bei ihm gelebt."

„Soviel ich weiß, ja, erst in Rußland dann im Aus­lande. Er ist in London als Sekretär bei der russischen Botschaft angestellt und komme ich jetzt auch direkt von London."

„Sie ähneln Ihrer Mutter unbeschreiblich," fuhr der Fürst in seltsamer Erregung fort.

Das freut mich, Durchlaucht, es ist ja wohl das einzige Erbtheil, welches sie mir zurückließ."

Gewaltige Persönlichkeiten machen sich stets ihre Zeit Unterthan. Mit elementarer Gewalt übertragen sich ihre Gedanken auf die weitesten Kreise. Um wie viel mehr hier, wo Tausende nur auf die rechte Losung warten für den Kampf um die höchsten vaterländischen Güter. Der Fortschritt der staatszersetzenden Elemente beunruhigt mehr und mehr, die Selbstzerfleischung der zu gemein­samem Handeln Berufenen entmuthigt, die äußern Ge­fahren wachsen. Da erhebt sich nur zu bald die Stimme des Kleinmuths. Um ihn zu bannen, bedurfte es des erlösenden Wortes aus allerhöchstem Munde.

Unzweideutig, markig und laut hallt das Echo wieder in jeder deutschen Brust. Das deutsche Volk weiß jetzt, daß Kaiser Wilhelm von dem gewaltigen Bau des ge­einten Reiches nicht einen Stein wird abbröckeln lassen. Vertrauen wir seiner Führung. Lassen wir das, was i die Parteien trennt, nicht auch die Patrioten trennen. | Stellen wir uns mit deutscher Treue in den Dienst des । Ganzen, um so der kaiserlichen Mahnung gemäß, „in gemeinsamer Arbeit die Größe und das Glück des ge­liebten Vaterlandes zu fördern." Möge das Gelöbniß des Kaisers wie ein Heller Stern die neue Zeit des deutschen Nationalstaates begleiten.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 21. Januar.

Heute Vormittag unternahmen Ihre Majestäten der Kaiser und die K a i s e r i n die übliche Promenade durch den Thiergarten. Auf dem Rückwege hatte Seine Majestät eine Besprechung mit dem Staatssekretär des Auswärtigen, Staatsminister Frhrn. Marschall u. Bieber- stein, und hörte, ins königl. Schloß zurückgekehrt, die Vorträge des Chefs des MilitärkabinetS, Generaladju­tanten, Generals der Infanterie von Hahnke und des Korrespondenzsekretärs Geh. RegierungS-Raths Mießner.

Die „Hamb. Nachr." veröffentlichen heute an der Spitze ihres Blattes folgende Danksagung des Fürsten Bismarck:

FriedrichSruh, den 20. Januar 1896.

Zur Jubelseier des 18. Januar habe ich von meinen Mitbürgern in der Heimalh und in der Fremde so zahlreiche Zuschriften und telegraphische Begrüßungen erhalten, daß ich leider mit meinen Arbeitskräften

Fürst Oreneki faßte Elisabeths Hand, preßte dieselbe leidenschaftlich und flüsterte: „Mein Kind, mein Liebling! Habe ich Dich endlich gefunden!"

Und er wollte das junge Mädchen an sich ziehen und sie küssen, doch mit einem Aufschrei der Entrüstung wich sie zurück.

„Durchlaucht, was wagen Sie?" stieß sie empört hervor, „Sie beleidigen mich." Und wie ein gehetztes Reh floh sie davon, ihrem Stübchen wieder zu, wo sie lautweinend in einen Stuhl sank.

Diese Begegnung mit dem Fürsten faßte Elisabeth als eine furchtbare Gefahr für sich auf. Was war das? Hier konnte sie nicht bleiben, mußte wieder fort in die Welt hinaus und nur deshalb, weil dieser Mann sie mit seiner Leidenschaft verfolgte. Aber hatte sie ihm denn Anlaß dazu gegeben? Nein, nein und tausendmal nein, sagte ihr reines Gewissen. Ganz unglücklich saß Elisa­beth in ihrem Zimmer.

Da klopfte es leise, schüchtern an der Thür, Wladi­mir schaute herein und stutzte als er seine Erzieherin in Thränen gebadet fand. „Was ist Dir, Elisabeth?" frug er theilnehmend. „Hat Dich Jemand gekränkt? So werde ich es dem Papa sagen. Aber komm, sei ruhig, ich kann nicht sehen, daß Du weinst."

Nach und nach versiegten die Thränen des armen Mädchens und sie lächelte ihrem kleinen Zögling zu.

„Komm mit hinüber, Elisabeth, Onkel Georg Adler­stein ist gekommen und ich sagte gleich, ich wolle Dich holen gehen," sagte dann plötzlich der Knabe.

nicht in der Lage bin, den Einzelnen meinen Dank auszusprechen, und bitte ich deshalb alle, die meiner bei dieser Gelegenheit so freundlich gedacht haben, meinen herzlichsten Dank hierdurch entgegenzunehmen.

v. Bismarck.

Die „N. A. Z." bestätigt, daß der Kaiser anläß­lich des Bankets am Sonnabend den Landwirth­schaftsminister zu seiner Reichstagsrede vom Frei­tag beglückwünscht hat.

Das p reußische Herrenhaus hat am Mon­tag den Gesetzentwurf, betreffend das Anerbenrecht bei Renten- und Ansiedlungsgütern, einer Kommission von 15 Mitgliedern überwiesen.

Die BörsenkommissiondesReichStageS hat den § 3, Abs. 1, betreffend Bildung eines Börsen- ausschusseS als begutachtendes Organ, mit verschiedenen AmendementS angenommen. Der Ausschuß wird hier­durch befugt, Anträge an den Bundesrath zu stellen und Sachverständige zu vernehmen. Ferner sollen dessen 30 Mitglieder auf fünf Jahre anstatt auf drei Jahre ge­wählt werden, von denen die eine Hälfte (nicht ’/j) von Handelsorganen vorgeschlagen, während die andere Hälfte unter Berücksichtigung der Landwirthschaft, der Industrie und des Handels gewählt werden soll. Absatz 2 bleibt unverändert. Die Kommission nahm ferner die §§ 4 bis 6 an.

In den maßgebenden Reichstagskreisen ist bereits 1 eine lebhafte Bewegung dahin wachgerufen worden, daß von allen Fraktionen Vetrauensmänner zu einer freien Besprechung zusammentreten sollen, wie die Be­rathung des bürgerlichen Gesetzbuches zu behandeln sei.

Eine am 18. Januar in Halle a. S. veranstaltete Versammlung von Bürgern hat beschlossen, ein Denk­mal für Kaiser Wilhelm I. zu errichten. Es wurden sofort 62000 Mark gezeichnet.

In Rheydt ist am 18. Januar ein Bismarck- Denkmal, das die Brüder Schöll der Stadt geschenkt haben, feierlich enthüllt worden.

Nach einer Nachricht aus Cannes ist in dem Be­finden des Großherzogs von Mecklenburg- Schwerin eine kleine Besserung eingetreten, und es ist Hoffnung vorhanden, daß der Großherzog demnächst zeitweise wird das Bett verlassen können.

Nach einer telegraphischen Meldung aus Kamerun haben in letzter Zeit in der Nähe der Station Jaunde

Eine heiße Nöthe färbte des Mädchens blasse Wange und sie erhob sich freudig.

„O ja, ich kenne ihn und will mit kommen."

„Beinah vergaß ich auch, Dir von Mama zu be­stellen, daß Du zum Kaffee kommen sollst."

* *

*

Die Wochen flogen dahin, Elisabeths Unruhe legte sich und sie gewann sogar nach und nach wieder Zu­trauen zu dem Fürsten, welcher sie mit fast feierlicher Achtung behandelte. Wenige Tage nach jener damals geschilderten Scene war er ihr im Corridor begegnet und hatte ihr mit gewinnender Herzlichkeit die Hand hingestreckt. „Mein Fräulein, können Sie mir vergeben und mein Benehmen entschuldigen? Es war eine schreck­liche Aufregung, die mich ergriffen hatte, denn — denn Sie sehen Ihrer Mutter so ähnlich — und ich habe sie geliebt."

Zum ersten Mal sah das junge Mädchen dies kalte, vornehme Gesicht zuckend vor Bewegung, sah eine Thräne in den grauen, stechenden Augen und ihr Herz wallte über vor Bewegung.

„Sie haben meine Mutter gekannt?" frug sie be­troffen, und sanft bittend fügte sie hinzu: „o/erzählen Sie nur von ihr; ich weiß gar nichts von meiner Mutter, nicht einmal den Namen, welchen sie führte."

Da aber zuckte Fürst Orenski zusammen wie von einer Schlange gestochen. „Nein, nein," wehrte er ab, „ich weiß auch nichts — gar nichts und wenn Sie barm­herzig sein wollen, so sagen Sie Niemand — was ich soeben zu Ihnen gesprochen." Und hastig eilte er da-