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Gratisbeilagen: „Illustrirtes Sonntagsblatt^^ n. „Illnstrirte landwirthschaftliche Veilage^^.
Nr. 8.
Swtai) Den 18. Januar
1896.
Erstes Blatt.
Amtliches.
Hersfeld, den 14. Januar 1896.
Die Herren Ortsvorstände erhalten hierdurch die Weisung, das im § 8 Abs. 3 des Reglements vom 4. März 1875 (Amtsblatt Rr. 15) vorgeschriebene Verzeichnis derjenigen noch nicht geimpften Kinder, welche in ihreni Gemeindebezirken nicht geboren, sondern dahin verzogen sind, bis zum 10. Februar d. I. mir einzureichen.
Die Herren Standesbeamten werden angewiesen, unter Benutzung des ihnen in den nächsten Tagen zugehenden Formulars die vorgeschriebenen Jmpflisten durch Eintrag der im Jahre 1895 geborenen noch lebenden Kinder (Spalte 2 bis 5) vorzurichten und bis zum obigenTermine gleichfalls mir einzureichen. Bei Ausstellung dieser Liste ist noch zu beachten, daß die Impflinge einer jeden Gemeinde zusammen in unmittelbarer Reihenfolge eingetragen werden.
Gleichzeitig ersuche ich die Herren Lokalschulinspektoren unter Benutzung des ihnen zugehenden Formulars durch Eintragung der sämmtlichen Schüler, welche im laufenden Jahre das 12. Lebensjahr zurücklegen werden, die Listen für die Wieder-Jmpfung seitens der Herren Lehrer vorrichten und hiernächst dieselben bis spätestens zum 15. k. Mts. einreichen zu lassen.
Falls Schüler sich vorfinden sollten, von welchen ein Nachweis der Erstimpfung nicht erbracht werden kann, sind solche in einem Begleitschreiben besonders namhaft zu machen.
J. A. Nr. 77. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.
Hünfeld, den 15. Januar 1896.
Dem Königl. Landrathsamt theile ich hierdurch er- gebenst mit, daß die Maul- und Klauenseuche im hiesigen Kreise erloschen und die Sperrmaßregeln aufgehoben sind.
Der Königliche Landrath v. Dalwigk.
An Königliches Landrathsamt zu Hersfeld. I. Nr. 330. * * * Hersfeld, den 16. Januar 1896. Wird veröffentlicht.
I. 288. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Nath.
Hersfeld, den 13. Januar 1896.
Nach Beschluß des Bundesraths vom 7. Juli 1892 findet auch für das Jahr 1895 eine Ermittelung des Ernteertrages der wichtigeren feldmäßig gebauten Fruchtarten statt und zwar in der Zeit vom 1. bis 10. Februar 1896.
Den Herren Ortsvorständen werden dieserhalb in den nächsten Tagen je
1. zwei ErhebungSformulare B, mit den von dem statistischen Büreau handschriftlich eingetragenen Angaben des vorjährigen Ernteergebnisses und der Anbauflächen,
2. ein Merkblatt, betreffend die Hagelstatistik zugehen.
Das Formular B ist in der Zeit vom 1. bis 10. Februar d. JS. unter genauer Beachtung der demselben aufgedruckten Anleitung, nöthigen Falles unter Hinzuziehung von Sachverständigen sorgfältigst auSzufüllen, auf Seite 3 desselben auch, falls im ablaufenden Jahre Hagelwetter vorgekommen sind, in dem „Anhang" nach dem in der Repositur befindlichen Notizblatt der erforderliche Eintrag zu machen und hiernächst e i n Exemplar des Erhebungs- formulars bis spätestens zum 12. Februar 1896 mir einzureichen.
Das 2. Exemplar verbleibt in der Repositur, woselbst auch das Merkblatt für das Jahr 1896 einstweilen auf« zubewahren ist.
Bemerkt wird noch, daß in dem ErhebungSformular B
für die Landgemeinden unter Ziffer 7 und 8 zwei weitere Spalten zur Ausfüllung durch Auskunftspersonen (Vertrauensmänner) eingefügt worden sind. Diese Spalten bleiben also seitens der Herren Bürgermeister unausgefüllt.
I. I. Nr. 237. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Nath.
Wchiamtliches.
Zum 18. Januar 1896.
Erwach', du Macht der Lieder, Die einst entströmt der deutschen Brust, Als man vom Reich sang wieder In junger, heil'ger Liebeslust!
Erwach' zu neuer Wonne Und steig' und steige lerchengleich 1
— In winterlicher Sonne Erblühte einst uns ja das Reich!
Ein Wunder war geschehen, Vor unsern Augen stano es da, Schön, wie aus trimme ^höhsn — Und Gott erklang däs Gloria,
Der's wunderbarlich schirmte Bis hierher — der ihm Raum verschafft.
— Ob's wetterte und stürmte, Im Sturm wuchs seine Friedenskraft!
Und heut' wo Glocken klingen
Und sich der Festtag grün umlaubt,
Wir Gruß und Heilruf bringen
Ihm, dieses Reiches theuerm Haupt!
. Auch ihn, den Gott erhalten,
Wir grüßen ihn, des Reiches Schmied,
Gott schirme uns den Alten.
Herr, Reich und Kaiser uns behüt'! F. St.
Die Thronrede im preußischen Landtoqe.
Die Rede, mit welcher der Ministerpräsident im Auftrage des Königs am Mittwoch die Tagung des preußischen Landtages eröffnete, übergiebt der Landesvertretung eine Fülle von Arbeiten. Die meisten von ihnen sind freilich keine derartig großen, wie sie frühere Tagungen mit ihren Steuer- und VerwaltungSresormen gebracht haben, in manchen Punkten aber sind sie doch hoch bedeutsam!
Die Thronrede beginnt mit einem erfreulichen Ausblick auf die Finanzlage. Es wird hervorgehoben, daß sich die Finanzen des Staates infolge unerwarteter Steigerung der Erträge der Staatseisenbahnen und einiger anderer Staatsbetriebe wesentlich günstiger gestaltet haben; dann wird ausdrücklich betont, daß diese Steigerung auf den Aufschwung des gewerblichen Lebens zurück- zuführen sei. Dieser Aufschwung von Handel und Verkehr ist in hohem Grade erfreulich. Daß diese Befferung nicht für vorübergehend angesehen wird, zeigt der Umstand, daß die Erträge der staatlichen Betriebsverwaltungen, namentlich die der Eisenbahnen in dem nächsten Etat höher veranschlagt werden können. Die geplante Erweiterung des Staatseisenbahnnetzes durch Herstellung neuer Linien in bisher noch nicht bedachten Landestheilen ist ebenfalls freudig zu begrüßen.
Als wichtigster Gegenstand der Programms sind das| Gesetz über die Regelung der Besoldung der Volksschul- ; lehrer und die gesetzlichen Aenderungen einzelner Bestimmungen des Pensionsgesetzes für Lehrer und Beamte an höher» Unterrichtsanstalten zu bezeichnen. Den Volksschullehrern wird ein festes, den örtlichen Verhältnißen angemessenes Einkommen versprochen. Dieser Gedanke ist schon wiederholt vom Kultusminister angeregt worden, aber leider hat seither die ungünstige Finanzlage der Verwirklichung desselben entgegengestanden. Weiter wird eine einheitliche Organisation der Handelskammern in Preußen und eine Ausstattung dieser
Körperschaften mit Korporationsrechten und eine Erweiterung ihres Geschäftskreises in Aussicht gestellt. Hierdurch wird einem von den betheiligten Kreisen seit langer Zeit geltend gemachten Verlangen entsprochen werden.
Der von der Landwirthschaft handelnde Passus der Thronrede berührt sehr wohlthuend. Es wird versichert, daß die Staatsregierung entschlossen sei, „alle Mittel in Anwendung zu bringen, die zur Abhilfe der Nothlage geeignet sind und eine Besserung der Lage dieses für unsere wirthschaftlichen Verhältnisse so hochwichtigen Gewerbes gewährleisten." Die Ankündigung der Einführung des Anerbenrechts bei Rentengütern und der staatlichen Unterstützung bei der Errichtung von Kornhäusern ist als der Anfang zur Erfüllung dieser Verheißung dankbar anzuerkennen.
Mit einem Hinweis aus das 25jährige Reichsjubiläum, einen Appell an das nationale Gefühl und einer Mahnung zu einträchtigem Zusammenwirken in fruchtbringender vaterländischer Arbeit schließt das Aktenstück. Hoffen wir, daß diese Mahnung nicht wirkungslos verhalle. Auch dem Wunsche, daß die Thätigkeit des Landtages in der bevorstehenden Tagung dem Vaterlande zum Segen gereichen werde, schließen wir uns von ganzem Herzen an.
3nm 25. Wil« des HeuWn Reiches.
Ein Vierteljahrhundert ist heute verstrichen, seit das deutsche Reich gegründet wurde. Aus der Tiefe der Seele steigen die Bilder der Erinnerung empor an jenen glorreichen Tag, der zum bedeutsamsten Wendepunkte in dem Geschick des deutschen Volkes geworden ist. Was in jahrhundertelangem Sehnen unsere Väter vergebens erhofft und erstrebt hatten, die Einigung aller deutschen Stämme zu einem mächtigen Reiche unter eines Kaisers Szepter, das wurde in dem alten Königsschloffe zu Versailles zur Wahrheit, als sich König Wilhelm, umgeben von den deutschen Fürsten und seinen Paladinen, die deutsche Kaiserkrone auf das greise, sieggekrönte Haupt setzte.
Die Spuren des Krieges sind verwischt, die Wunden i vernarbt, die Thränen getrocknet. 25 Jahre sind vorüber- ; gerauscht, und seit 25 Jahren steht nun das junge deutsche Reich, fest trotz Sturm und Wellen, die es umbraust. Leid und Trauer sind ihm nicht erspart geblieben. Von uns gegangen ist der unvergeßliche große erste Kaiser des wiedererstandenen Reiches, seiner Pflicht getreu bis zum letzten Athemzuge, bis der fast schon erkalteten Hand die letzte, zitternde Züge ziehende Feder entsank. Heimtückischen Leiden erlegen ist der edle Kaiser Friedrich, dahingesunken die Heldengestalt des Prinzen Friedrich Karl, zum stillen Todesschlummer gebettet der große ' Schlachtendenker Moltke. Von all den großen Führern sind uns heute noch erhalten der Held des 16. August, General v. Alvensleben, General v. Blumenthal und der fürstliche große Feldherr, der allgeliebte und verehrte König von Sachsen, sowie der jedem deutschen Manne theuere Großherzog Friedrich von Baden. Und einer weilt noch unter uns, der Deutschlands Einheit geplant, vorgedacht und vorbereitet hat, als die andern davon nur fangen wie von unerreichbarem, traumhaftem Gute, der den König von Preußen und das preußische Heer in den Dienst des nationalen Gedankens zu stellen wußte, des deutschen Volkes Liebling, unser Bismarck.
Was Fürst Bismarck, König Albert von Sachsen und die andern Helden jener großen Zeit verkörpern, die nationale Größe und die hingebende Treue zum Vaterlande, das ist es, was wir bei der 25. Geburtstagsfeier des deutschen Reiches unserer Jugend als die heiligste Pflicht ans Herz legen wollen, von der nimmer gewichen werden darf, wenn wir uns dieser Männer, die Gottes Gnade noch unter uns weilen läßt, werth und würdig erweisen wollen. Was aber nützt alle nationale Begeisterung, mag sie auch noch so sehr an unsern vaterländischen Ehrentagen emporlodern, wenn wir in der nüchternen Alltagsstimmung die Gefahren nicht mehr