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Gratisbeilagen:Illnstrirter Sonntag-blatt" n.)llustrirte landwirthschaftliche Beilage".

Nr. 8. Dienstag ta U Zaum 1888.

Amtliches.

Cassel, den 3. Januar 1896.

Wie in den Vorjahren wird auch im laufenden Jahre, voraussichtlich wiederum in zwei Zeitabschnitten, ein Kursus zur Unterweisung von Volksschullehrern im Obstbau im hiesigen pomologischen Garten abgehalten werden.

Euer Hochwohlgeboren ersuchen wir, uns baldigst diejenigen an den öffentlichen Volksschulen des Kreises angestellten Lehrer zu bezeichnen, die zur Theilnahme an dem Kursus geeignet und bereit sind. Bei der Auswahl derselben ist zu berücksichtigen, daß sie nicht nur Neigung und Verständniß für den Obstbau zeigen und Gelegenheit haben, das Erlernte praktisch zu verwerthen, sondern auch, daß die betreffenden Gemeinden ihr Interesse an der Ausbildung des Lehrers dadurch bekunden, daß sie sich von vornherein zu einem demnächst an unsere Haupt- kasse einzuzahlenden Kostenbeitrag, dessen Höhe bei dem Personalvorschlage einzuberichten ist, verpflichten.

Die im Vorschlag kommenden Lehrer sind darauf auf­merksam zu machen, daß sie sich im Falle ihrer Einbe­rufung mit einem ArbeitSanzuge zu versehen haben, um 'm StM^ -.«.u sein, ohne Rücksicht suf ihre Bekleidung alle nöthigen gärtnerischen Arbeiten ausführen zu können.

Königliche Regierung,

Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen. Fliedner. An die Herren Landräthe des Regierungsbezirks.

I. ö. Nr. 15509. * * *

Hersfeld, den 11. Januar 1896.

Wird den Königlichen Herren Lokalschulinspektoren des hiesigen Kreises ergebenst mitgetheilt, mit dem Er­suchen, den Herren Lehrern den Inhalt der vorstehenden RegierungSverfügung ebenfalls zur Kenntnißnahme mit­theilen und mir sodann diejenigen Herren, welche bereit sind, an dem fraglichen Kursus theilzunehmen, bis zum 25. d. Mts. namhaft machen zu wollen, unter Angabe der Höhe der von den betr. Gemeinden bewilligten Beihülfe.

J. I. Nr. 179. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath

Hersfeld, den 7. Januar 1896. Die Ortspolizeibehörden des Kreises mache ich hier-

(Nachdruck verboten.)

Heimlich vermählt.

Criminalroman von Hella Limpurg. (Fortsetzung.)

Arme Kathinka," murmelte Iwan, während heiße Thränen seinen Blick verdunkelten,fast fühle ich mich mit schuldig an dem Verbrechen, was damals begangen worden! Doch noch kann ich gut machen, was damals an Kathinka gesündigt wurde, wenigstens an ihrem Kinde. Oheim, das Kind muß noch in dieser Stunde die heilige Taufe erhalten. Das Kind ist offenbar im Verborgenen gehalten worden und noch nicht getauft."

Vorsichtig, beinahe mit der Sorgfalt einer Mutter, hob er das kleine Mädchen aus dem Korbe; ein Milch- fläschchen lag am Boden, daran hing ein Zettel mit der Anweisung, wie die Milch zu bereiten und zu geben sei. Wehmüthig murmelte der hagere Mann:

Armes, kleines Ding, wie Hülflos und verlassen Du bist! Nun will ich Dir Vater und Mutter sein und Dich hüten wie meinen Augapfel! Gott segne und erhalte Dich!"

Die Kleine hatte aufgehört zu weinen und begann munter mit den runden rosigen Händchen zu spielen. Gerührt betrachteten die beiden Männer das arme Ge- schöpfchen.Wie soll sie heißen frug Dimitri, sich die Augen trocknend.

Elisabeth Waniloff, sie ist von Stund an meine Tochter, bis sie einst den Namen ihres wahren Vaters vor aller Welt annehmen wird."

durch auf die im Kreisblatt Nr. 2 abgedruckte Anordnung des Herrn Regierungs-Präsidenten vom 17. Dezember v. Js., betreffend Abwehr der Maul- und Klauenseuche, aufmerksam mit der Veranlassung, dieselbe alsbald auf ortsübliche Weise in den Gemeinden bekannt machen zu lassen.

I. Nr. 84. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, ___Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 9. Januar 1896.

In Ergänzung eines Ausschreibens vom 11. Dezem­ber 1895 T. Nr. 7012, im Kreisblatt Nr. 149, betreffend die Controls der aus dem Auslande auf dem Seewege zur Einfuhr gelangenden Wiederkäuer und Schweine, weife ich die Ortspolizeibehörden hiermit an, beim Trans­port des der Beobachtung unterliegenden Viehes aus ihrem Polizeibezirk in einen anderen preußischen Polizei- bezirk der Ortspolizeibehörde des Bestimmungsortes un­verzüglich Mittheilung zu machen.

I. Nr. 147. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 8. Januar 1896.

Nachstehend abgedruckte Bekanntmachung, betreffend die Bekämpfung der Blutlaus, hachen die Herren Orts­vorstände baldigst aus ortsübliche Weise zur Kenntniß der Ortseingesessenen zu bringen und dahin zu wirken, daß derselben möglichst allgemein Folge gegeben wird. Wegen Anordnung einer demnächstigen Revision der sämmtlichen Aepfelbäume des Kreises, wie eine solche im Jahre 1889 stattgefunden hat, behalte ich mir weitere Verfügung vor.

J. I. Nr. 15. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath,

Bekanntmachung betr. Bekämpfung der Blutlaus.

Nachdem sorgfältige Beobachtungen dieses für unsere Aepfelbäume so gefährlichen Jnsectes zu dem Resultate geführt haben, daß sich die Vertilgung am leichtesten und wirksamsten zur Winterzeit durchführen läßt, wird hiermit zu einem allgemeinen Feldzug gegen den Schäd­ling und zur nachdrücklichsten Bekämpfung im Laufe der Monate Januar, Februar und März aufgefordert.

Es müssen sämmtliche Wundstellen an den Bäumen,

Das kann doch nie geschehen," seufzte der alte Pope,der alte Fürst läßt mich todtpeitschen, wenn er erfährt" Dimitri stockte.

Daß sein Sohn ein Schurke ist?" frug Iwan scharf. Die zukünftige Sorge für das Kind überlaßt mir, Oheim. Ich habe den Beweis, daß Kathinka sein recht­mäßiges Ehegemahl ist."

Nicht so laut, mein Sohn," flüsterte angstvoll der Alte,die Wände könnten Ohren haben."

Eine Stunde später trat Iwan mit einer alten Frau zu dem jetzt bei seiner Flasche friedlich schlummernden Kinde.

Nimm Dich der Kleinen an," gebot er ernst,und hüte sie gut; es soll Dein Schade nicht sein. Morgen reise ich ab und nehme das Kind mit mir."

Ach das süße, kleine Engelchen," rief die Alte, in ungeheuchelter Verwunderung die Hände über dem Kopf zusammenschlagend;welch ein rosiges Gesichtchen und welch kleines, rothes Mündchen. Und das liebe Ge- schöpfchen hat keine Mutter"

Kümmere Dich nicht um Dinge, die Dir nichts an­gehen, Annuschka," gebot der junge Pope finster;sie hat einen Vater und hat eine DkAtter und ist aus hohem Hause. Aber Niemand soll das jetzt wissen und Du sollst nicht davon reden."

Ich verstehe, Väterchen, ich verstehe," nickte die alte Frau schlau,und durch mich kommt nichts in die Welt; ich kann schweigen wie das Grab."

Das wird gar nicht für alle Zeiten von Dir ver­langt, denn es wird die Stunde kommen, wo man das

auf denen im vergangenen Jahre die Blutlaus gesessen hat (man erkennt solche an dem weißlichen Ueberzuge), mit einer der nachfolgend beschriebenen Lösungen gründ­lich ausgebürstet werden. Auch räume man die Erde von den Stämmen etwas weg, um BlutlauS-Colonien, welche sich etwa unter der Oberfläche des Bodens befin- den sollten, erreichen zu können. Wer recht sorgsam verfahren will, bürste die ganze Rinde der Stämme und Zweige ab.

Da bei einem solchen Verfahren ziemlich große Mengen Flüssigkeit gebraucht werden, so werden hier nur die billigen Blutlaus-Mittel in Vorschlag gebracht.

Es sind dies: 1. gewöhnliche Lauge, wie sie durch Uebergießen von Holzasche mit Wasser gewonnen wird; 2. Gaswasser, ein Nebenprodukt der Gasbereitung, ist um das Doppelte mit Wasser zu verdünnen; 3. Kalkmilch; 4. eine Mischung von Soda und Alaun (2 kg Soda und 1 kg Alaun werden in 50 Liter Wasser aufgelößt.)

Es sei ausdrücklich bemerkt, daß es viel weniger auf das Mittel ankommt, als auf die Gründlichkeit, mit welcher das Ausbürsten vorgenommen wird. Es muß dabei auch die kleinste Verwundung der Rinde berührt werden, so daß das Insekt in allen seinen Schlupf­winkeln getroffen ww\ Bereits stärker verlauste Bäume bürste man mit doppelter Sorgfalt ab.

Wenn so von allen Seiten und mit aller Energie gegen den Schädling vorgegangen wird, muß es gelingen, seine Ueberzahl auf ein unschädliches Maß zu ver­mindern.

In Anbetracht der ausgedehnten Schädigungen, welche unseren Kulturpflanzen durch das mehr oder minder starke Auftreten thierischer und pflanzlicher Schädlinge erwachsen, deren Vorbeugung und Bekämpfung erfolgreich jedoch nur nach erlangter Kenntniß des Schäd- lings selbst und dessen Lebensweise möglich, empfehlen wir allen Interessenten recht regen Gebrauch nachfolgen­der Einrichtung.

Der Vorsteher unseres pomologischen Gartens, Justi- tuts-Gärtuer Carl H u b e r in Cassel, hat sich bereit erklärt, den Interessenten unseres Vereinsgebietes auf Wunsch mit Rath zur Bekämpfung der so mannigfach auftretenden Pflanzenschädlinge zur Hand zu gehen.

Die Auskunftsertheilung erfolgt für den Anfrager kostenlos, jedoch ist es meist nothwendig, den Schädling

Kind laut bei seinem rechten Namen rufen wird. Jetzt sollst Du das Kind pflegen, bis ich es mit mir nehme."

Noch an diesem Abend tauften die beiden Popen das arme Findelkindchen, welches sich jetzt im warmen Zim­mer und Bett, sein Milchfläschchen im Arm, sehr behag­lich und wohl zu fühlen schien. Am nächsten Tage schon sollte es mit Iwan in dessen Heimath abreisen, und die alte Annuschka sollte die kleine Kathinka unterwegs be­hüten.

Schon am nächsten Tage begab sich Iwan Waniloff zum alten Fürsten Orenski. Man wollte ihn zuerst nicht einlassen, doch er beharrte darauf und so siegte denn endlich seine Hartnäckigkeit. Als er vor dem Fürsten stand, Hochaufgerichtet, ohne wie es sonst üblich war, dessen Kniee zu küssen, herrschte ihn dieser zornig an:

Wer bist Du und was willst Du von mir?"

Ich bin der Neffe des Popen Dimitri Waniloff und selbst Pope."

Was hast Du hier bei mir zu suchen?" frug der alte Fürst sehr ungnädig.

Ich komme, um dem gnädigen Fürsten mitzutheilen," finster, fast drohend klang dabei des jungen Popen Stimme,daß die Ehe des jungen Fürsten mit Gräfin Adlerstein ungültig ist."

Als habe ein Donnerkeil vor ihm eingeschlagen, so fuhr der alte Schloßherr empor. Die dicke Zornesader schwoll ihm auf der Stirn und die eiserne Faust fiel dröhnend auf die Platte des Schreibtisches.

Schurke von einem Menschen," schrie er gellend,