Einzelbild herunterladen
 
  

darauf aufmerksam zu machen, daß es sich dabei, da dergleichen Silbermünzen in der Königlichen Münze nicht geprägt worden sind und nach § 11 des Reichsmünzge- setzes vom 9. Juli 1873 auch nicht geprägt werden dürfen, lediglich um eine Privatspekulation handelt. Im genannten Artikel 11 heißt es:Die durch die Be­stimmung im § 10 des Gesetzes betreffend die Ausprägung von Reichsgoldmünzen, vom 4. Dezember 1871, vorbe­haltene Befugniß, Silbermünzen als Denkmünzen auszu- prägen, erlischt mit dem 31. Dezember 1873." Im Anschluß hieran wird bemerkt, daß auf die vielen an die Königliche Münzdirektion gerichteten betreffenden An­fragen und Bestellungen eine Antwort nicht ertheilt werden kann.

* Im Jahre 1895 kamen in den preußischen Staatsforsten 9 (im Vorjahre 19) bedeutendere Brandfälle vor, wovon 6 (im Vorjahre 11) durch Fahrlässigkeit entstanden sind. Von diesen Bränden wurden 203,7 ha (im Vorjahr 345,1 ha) betroffen, und es wurde dadurch auf 188,5 ha (im Vorjahre auf 176,1 ha) der Bestand ganz oder größtentheils vernichtet. Dabei verbrannten auch 260,2 rm (im Vorjahre 55,9 rtn) aufgearbeitetes Holz. Die 9 Brandfälle vertheilen sich mit 3,1 und 5 auf die Monate April, Mai und Juni.

* Denjenigen Fortbildungsschülern, welche sich gern gegen die Lehrer flegeln, diene folgende Mittheilung zur Warnung: Zu vier Wochen Gefäng­niß wurde vom königlichen Landgericht zu Chemnitz ein dortiger Fortbildungsschüler verurtheilt, weil er den dirigierenden Lehrer schwer beleidigt hatte. Dem ^jäh­rigen Burschen war eine Carcerstrafe auferlegt und vom Lehrer die Mittheilung gemacht worden, daß er event, zwangsweise vorgeführt würde, worauf er eine nicht wiederzugebende Aeußerung that.

* Muß der Radfahrer oder der Fußgänger ausweichen? Zu dieser in Fachkreisen vielerörterten Frage liegt jetzt eine Entscheidung des Landgerichts Caffel vor. Ein Bautechniker war wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt, weil er auf der Straße von Gudensberg nach Cassel mit seinem Hochrade eine alte Frau überfahren hatte. Der Radfahrer machte geltend, er habe wiederholt geläutet, die Frau aber, die mit einem größeren Trupp Leute vor ihm Hinschritt, habe das Läuten der Signalglocke anfänglich nicht gehört, und dann, als sie es im letzten Momente hörte, eine falsche Bewegung gemacht und sei gerade in das Rad gelaufen. Er selbst habe bei der Collision in Lebensgefahr geschwebt, er sei von dem Hochrade gestürzt und habe sich an Kopf und Armen schwer verletzt. Die Strafkammer entschied indessen dahin: Der Radfahrer muß frühzeitig genug und solange läuten mit der Signalglocke, bis er sich überzeugt hat, daß sein Signal wahrgenommen ist und der Fußgänger ausweicht; im anderen Falle ist es seine Pflicht, bevor ein Zusammenstoß stattfinden kann, durch Absteigen 20. das Rad zum Stillstand zu bringen. Da der Angeklagte dies nicht gethan, wurde er zu 20 Mark Geldbuße und Tragung der Kosten verurtheilt.

* DerVaterlands-VereinBerlin (SW., Alte Jakob-Straße 129) hat zur 25jährigen Erinnerungs­feier der Begründung des Deutschen Reiches am 18. Januar ein Flugblatt herausgegeben unter dem TitelKaiser und Reich." Ebenso ist für die Feier des 27. Januar ein Flugblatt erschienen unter dem Titel: Kaisers Geburtstag." Die Flugblätter des Vaterlands- Vereins zeichnen sich durch ihre volkstümliche Sprache, durch patriotische Wärme und durch Kürze aus. Der Preis ermöglicht die weiteste Verbreitung. Es kosten das Stück 1 Pf., 200 Stück 1 Mk. 50 Pf., 500 Stück 3 Mk., 1000 Stück 5 Mk., 10 000 Stück 40 Mk. Die­jenigen Leser unseres Blattes, welche die Flugblätter nicht als Mitglieder des Vaterlands-Vereins erhalten, werden gebeten, sich Ansicht-Exemplare schicken zu lassen und den Versuch mit der Vertheilung in Vereinen und von Haus zu Haus zu machen.

* 24 kritische Tage zählt das Jahr 1896 nach Falb, und zwar stehen zu erwarten: Kritische Tage erster Ordnung: am 30. Januar, 28. Februar, 29. März, 27. April, 9. August, 7. September, 6. Oktober und 5. November; kritische Tage zweiter Ordnung: am 13. Februar, 14. März, 13. April, 16. Mai, 10. Juli, 23. August, 22. September und 4. Dezember; kritische Tage dritter Ordnung: am 14. Januar, 12. Mai, 11. und 25. Juni, 24. Juli, 21. Oktober, 20. November und 20. Dezember.

* Hersfeld, 6. Januar. Der inhaltlich bereits bekannte Erlaß des Ministers der Unterrichts- rc. Ange­legenheiten vom 18. November, durch welchen eine all­gemeine Schulfeier für den 1 8. Januar

angeordnet wird, hat folgenden Wortlaut:Seine Majestät der Kaiser und König haben mittelst Allerhöchsten Erlasses vom 30. Oktober v. I. zu geneh­migen geruht, daß am 18. Januar 1896, dem 25jährigen Gedenktage der Proklamirung des Deutschen Reiches, in allen höheren, mittleren und niederen Schulen des Landes eine allgemeine Schulfeier veranstaltet werde. Diese Feier hat darin zu bestehen, daß 1. an allen be­zeichneten Schulen der Unterricht ausfällt; 2. an den höheren Schulen für die männliche und weibliche Jugend, an den Seminaren und Präparandenanstalten in den einzelnen Klaffen durch die Ordinarien, in geeigneten Ansprachen die Bedeutung des Tages den Schülern in einfacher, zu Herzen dringender Weise vorgeführt und daran 3. eine gemeinsame aus Gesang und Deklamation bestehende patriotische Schulfeier für alle Schüler ange­schloffen wird; 4. an den Mittel- und Volksschulen und an den Anstalten für nicht ganz vollsinnige Kinder seitens der Vorsteher oder Lehrer in analoger Weise Veranstal­tungen getroffen werden. Indem ich das Königliche Provinzial-Schulkollegium die königliche Regierung beauftrage, hiernach das Weitere anzuordnen, bemerke ich, daß es überlassen bleibt, innerhalb des vorbezeichneten Rahmens für einzelne Anstalten nach örtlichem Bedürf­niß Abweichungen zuzulaffen."

-e- Hersfeld, 6. Januar. Der Tag der heiligen drei Könige, der 6. Januar, hat eine freundliche Bedeutung. Schwer hat die lange, düstere Winternacht auf der Erde und ihren Bewohnern gelastet, und mit Wonne nehmen diese wahr, daß die grauen Schleier sich schon ein wenig lüften, daß die Tage länger werden, und freier athmet wieder die menschliche Brust. Die Sonne ist es, die das Korn reist und die Personi­fikation des leuchtenden, belebenden Gestirnes ist Frau Berchta. Im südlichen Deutschland ist die Erinnerung an die göttliche Wohlthäterin noch lebendig, und man feiert dort in manchen Gegenden denPerchtag" oder Pechteltag", und auch in manchen Distrikten des nörd­lichen Deutschland hat sich hier und da die Sitte des Umzuges mit dem Stern, dem Abbild der Sonne, er­halten. Die Verschmelzung des Sonnenbildes mit dem Stern der Könige des Morgenlandes ist erst später ge­schehen. Auch dieseKönige" haben im Grunde keine Berechtigung, denn die heilige Schrift spricht nur von Weisen," die dem Stern des neugeborenen Königs der Juden gen Jerusalem und Bethlehem nachzogen, und erst die spätere Legende setzte diesen Weisen eine Königs­krone auf das Haupt. Auch ihre Namen nennt uns die Schrift nicht, und wie sie eigentlich geheißen haben mögen, darüber führten die alten Kirchenhistoriker einen erbitterten Streit, bis man sich endlich einigte über die Namen Kaspar, Melchior, Balthasar, oder wie sie im Volksmunde lauten: Kasper, Melcher, Baltzer. Und nach­dem dieser feste Untergrund gewonnen war, baute die Sage auch weiter. Näheres über ihre Königreiche und ihr Regierungssystem erfahren wir zwar nicht, wohl aber über ihren, wie es scheint, zu gleicher Zeit erfolgten Tod und das gemeinschaftliche, feierliche Begräbniß auf demBerge Vaus", den wir uns wohl auf der Balkan- Halbinsel zu denken haben, denn von diesem Berge ließ die heilige Helena, die Mutter des Kaisers Konstantin des Großen, die Gebeine der heiligen drei Könige nach Byzanz, der neuen Hauptstadt des Römischen Kaiserreiches, bringen. Auf welche Weise die Reliquien dann nach Mailand gelangten, wissen wir nicht, aber wenn Friedrich Barbarossa sie von dort entführte, so war dies sicher­lich auch ohne Strafe für die empörerische Stadt, die er 1162 zerstören ließ. Kaiser Rothbart nun gab den heiligen Ueberresten eine neue Ruhestätte in Köln, und diese möglichst herrlich zu gestalten, ließ sich die Kirche eifrigst angelegen sein und somit können wir die heiligen drei Könige als die eigentlichen Begründer des gewaltigen Domes ansehen, an dem mehr denn sechs Jahrhunderte gebaut haben und in dem ihre Gebeine bis auf den heutigen Tag ruhen.

X Wippershain, 6. Januar. Im benachbarten Orte F i s ch b a ch wurde beim Neujahrsschießen der Sohn des Steinmüllers W. daselbst so unglücklich in das Gesicht geschossen, daß er das eine Auge verlor, während das andere schwer verletzt wurde.

Malsfeld, 5. Januar. In der Nachbargemeinde Beiseförth entstand gestern Abend gegen/29 Uhr aus bis jetzt unaufgeklärte Weise in der vor 7 Jahren neu erbauten Kaufmann'schen Kunstmühle Großfeuer. Der Lichtschein war ein so gewaltiger, daß die Umgebung auf eine Stunde Wegs weit fast taghell erleuchtet wurde. Das vierstöckige massive Gebäude, worin große Vorräthe von Frucht und Mehl lagerten, ist innen vollständig

ausgebrannt. Der entstandene Schaden soll sich auf etwa 100000 Mark belaufen, der jedoch durch Versiche­rung gedeckt wird. Dem raschen Eingreifen der dortigen sowie Malsfelder Feuerwehren ist es zu verdanken, daß das Feuer nicht weiter um sich griff, denn ein gewalti­ges Funkenmeer zerstreute sich fortwährend über das ganze Dorf.

Zwesten, 31. Dezember. Ein trauriger Vor­fall, durch welchen eine Familie schwer heimgesucht wurde, hat sich hier ereignet. Mehrere gleichaltrige Schulknaben lauerten vor einigen Tagen einem etwa elf Jahre alten Knaben auf und warfen denselben der­maßen mit Schneebällen, daß derselbe sich gezwungen sah, in ein benachbartes Haus zu flüchten. Auf der zum Haus hinaufführenden Treppe kam er zu Fall und zog sich dabei eine schwere Verletzung am Knie zu, die jedoch von Seiten der Eltern nicht beachtet wurde. In­folgedessen verschlimmerte sich die Verletzung und der erst vorgestern zu Rathe gezogene Arzt mußte die Un- rettbarkeit des Knaben constatiren. Sehr wahrscheinlich zog sich der Knabe durch den Sturz, was allerdings erst die weitere ärztliche Untersuchung feststellen muß, noch innere Verletzungen zu, die den gestern Abend nach qual­vollen Stunden eingetretenen Tod zur Folge hatten.

Cassel, 6. Januar. Am Sonnabend Nachmittag gegen 5 Uhr, ist die 10jährige Tochter des Geistlichen aus Landwehrhagen, zwischen letzgenanntem Ort und Lutterberg, durch einen Strolch angefallen und mißhandelt worden. Das bedauernswerthe Kind wurde durch den Handwerksmeister D. von hier im Chaussee- graben gefunden. Der Thäter soll von mittlerer Statur sein, eine Brille tragen und einen mehrten Bart haben.

Marburg, 3. Januar. Gestern Nachmittag hat sich der Assistent am hiesigen Hauptsteueramt, Knickmann, kurz nach Beginn der Büreaustunden, im Packzimmer durch einen Revolverschuß so schwere Verletzungen bei­gebracht, daß nach kurzer Zeit in der chirurgischen Klinik der Tod eintrat. Wie verlautet, soll das Motiv in pe­kuniären Verhältnissen liegen.

Münden, 2. Januar. Heute Nachmittag erschoß sich hier der Holzhändler H. Da der Verstorbene in geordneten Verhältnissen lebte, eine geachtete Stellung im gesellschaftlichen und geschäftlichen Leben einnahm, so kann das Motiv zu der unseligen That nur in mo­mentaner Geistesumnachtung gesucht werden.

P e r m i s ch t e s.

Berlin, 5. Januar. Ein großer Einbruchsdieb­stahl in der Geschützgießerei zu Spandau wird gemeldet. Das Kassengewölbe ist mit einem Nachschlüssel geöffnet, und etwa 70000 Mark Goldeswerth sind aus der Krankenkasse der Geschützgießerei geraubt worden. Von dem Thäter fehlt bisher jede Spur.

Gotha, 4. Januar. Südlich von Mehlis ist ein Pulverschuppen mit 50 Centner Inhalt in die Luft geflogen. Obgleich der Schuppen 600 Meter von der Stadt entfernt liegt, richtete trotzdem die Ex­plosion in Mehlis großen Schaden an Gebäuden an. Menschen wurden sogar aus den Betten geschleudert. Die Ursache der Explosion ist unbekannt. Es liegt ver­muthlich ein Racheakt vor. Der Pulverschuppen gehörte der Firma M. H e r m s d o r f f.

Graz, 4. Jan. Vorgestern ging eine B a h n - wächtersfrau in Marburg einkaufen, verschloß die Ofenklappe und sperrte ihre vier Kinder ein. Als sie nach Hause kam, fand sie die Kinder als Leichen erstickt, knapp an der Thür, mit schreck­lichen Bißwunden an den Händen.

(Zweierlei.) Der Advokat Pips ist ein gewiegter Menschenkenner, der Wirkung und Ursache genau abwägt. Hat er einen Prozeß gewonnen, so schreibt er an seinen Klienten:Den Prozeß mit A. habe ich gewonnen!" Hat er dagegen den Prozeß verloren, so schreibt er:Ihren Prozeß mit B. haben Sie verloren!"

(Au S der I n st r u kt i o n s st u n d e.) Unter­offizier:Mater, Sie reden wieder wie ein Durch­einander daher, als ob Sie schon beim Thurm­bau von Babel als M ö r t e l b u b' dabei gewesen wären!"

Weizen 14 Mk. 60 Pfg. bis 15 Mk.Pfg. (Durch­schnittspreis 14 Mk. 80 Pfg.) Roggen 13 Mk. 40 Pfg bis 14 Mk. 20 Pgf. (Durchschnittspreis 13 Mk. 80 Pfg.. Hafer 11 Mk. 30 Pfg. bis 12 Mk. Pfg. (Durch­schnittspreis 11 Mk. 65 Pfg.)

Empfehle

F Weizen- & NWWthl,

Futtermehl und Kleie, Mais, Maisschrot u Gerstenschrot 3W billigst. d^

Auch bringe meine £afelsenf-&a6ri£ £ Scßneidemüßle in empfehlende Erinnerung.

R. Münch,

Kupfermülile bei Hersseld.

PMeickrten

in geschmackvoller Ausführung liefert

Mich Iunks KuOrulitrei.

von einigen tausend Professoren und Aerzten erprobt und empfohlen! Beim Publikum seit 14 Jahren als das beste, billigste und unschädlichste

Blutreinigungs-

Hesucht zum sofortigen Eintritt ein schon stärkeres

Dienstmädchen

Von wem, sagt die Exped. d. Bl.

und Abführmittel beliebt und wegen seiner angenehmen Wirkung Salzen, Tropfen, Mixturen, Bitterwässern etc. vorgezogen.

Erhältlich nur in Schachteln zu Mk. 1.- in den Apotheken und muss die Etiquette ein weisses Kreuz, wie obenstehende Abbildung in rothem Felde tragen, e , Pie Bestandtheile der ächten Apotheker Richard Brandtschen Schweizerpillen sind Extracte von: Silge 1,5 Gr., Moschusgarbe, Aloe, Ab- synth je 1 Gr Bitterklee, Gentian je 0,5 Gr., dazu Gentian- und Bitterklee- pulver in glemhen Theilen und un Quantum um daraus 50 Pillen im Gewicht von 0,12 herzustellen.