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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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Gratisbeilagen: „Illustrirtes Ssnntagsblatt^^ n. „Illnstrirte landwirthschaftliche Beilage
Nr. 1
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Mit dem 1. Januar beginnt ein neues Abonnement auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" und „Jllnstrirte landwirthschaftl. Beilage".
Das „Kreisblatt" bringt außer den amtlichen Bekanntmachungen zuverlässige Mittheilungen über Ereignisse in der Politif, Bericbte aus dem Kreise und der Provinz. Reichhaltige Nachrichten vermischten Inhalts bringen alle sonstigen mittheilenswerthen Ereignisse des täglichen Lebens zur Kenntniß der Leser. Daneben werden sorgfältig ausgewählte Erzählungen einen weiteren Theil des Lesestoffes bilden.
W Die wichtigsten Ereignisse gehen uns durch Telegramme zu und werden wir dieselben nöthigenfalls durch Extrablätter verbreiten.
Der vierteljährliche Abonnementspreis für das „Kreisblatt" beträgt ( Mark 40 psg
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Mit einer der nächsten Nummern erhalten die Abonnenten unseres Blattes einen Wand- und No- tizkalender für das Jahr 1896 gratis.
Die Expedition.
Amtliches.
Hersfeld, den 21. Dezember 1895.
Der Bürgermeister Moritz Küchenmeister zu Heringen ist als Standesbeamter und das Gemeinderathsmitglied Johannes Siebold daselbst als dessen Stellvertreter bestellt und eidlich verpflichtet worden.
J. A. Nr. 3193. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.
Die Prophezeiung.
Novelle von H. v. Z i e g l e r.
(Fortsetzung.)
„Sennor Montez —"
„Elsa, ich heiße Federigo mit Vornamen —"
„Nun denn, Federigo," lächelte sie halb befangen, „wollten Sie mich denn haben, trotzdem Sie wissen, daß ich — daß ich — daß ich jenen Anderen vor Ihnen geliebt?"
„Sie haben ihn nur geliebt, so lange Sie ihn achten konnten, als die Achtung erlosch, starb auch die Liebe — und ich will sie neu und rein und dauernd in Ihrer Seele erwecken. Elsa geben Sie mir die Erlaubniß dazu."
„Lasseu Sie erst jene Beiden vermählt sein, Federigo," bat Elsa innig und legte ihre Hand von selbst in die seine, „und dann setzen Sie sich und schreiben an Juana, daß — daß ich ihr danken lasse für ihren Brief und, daß — ich nächstens selbst schreiben will — um sie als Schwester zu begrüßen.
Seiner selbst nicht mehr mächtig, fanf Montez vor der Geliebten in die Kniee uub bedeckte ihre schmale, wachs- bleiche Hand mit heißen Küssen.
„O, ich danke Ihnen, Elsa, theures Mädchen," stam melte er bewegt, „nun tausche ich mit keinem Fürsten, nun bin ich glücklich, wie noch nie ein Mensch vor mir war. Und ich werde Sie mit mir nehmen in meine schöne, südliche Heimath, ehe hier der kalte, öde Winter beginnt. Sie
UichlamMches.
Sum neuen Jahre.
Wir reichen uns die Hände Und sprechen: Gott zum Gruß, Der bis zur Jahreswende Bewachte unsern Fuß.
Er woll' uns ferner schützen Mit seinem Angesicht, Er helfe treu uns nützen Des neuen Jahres Licht.
Und wenn die Wangen feuchten Sich uns im Erdenweh, Dann lasse er uns leuchten
Die Tröstung aus der Höh.
So wollen still wir wallen Als Pilger durch die Zeit, Bis unsre Lieder schallen Im Glanz der Ewigkeit.
N cu j ahr.
Unsere Umgangssprache ist reich an Gedankenlosig- ; feiten. Eine derselben bürgert sich von Jahr zu Jahr ! mehr ein gelegentlich der Neujahrskratulation. „Herz- I liche Glückwünsche zum Jahreswechsel" heißt es ! da, während man doch meint zum „Neuen Jahre". Der Jahreswechsel vollzieht sich in einer Sekunde; in diesem einem Augenblick wird den meisten Menschen weder viel Gutes noch viel Böses geschehen. Nicht durch diese kurze Zeitspanne hindurch, sondern während des ganzen beginnenden Jahres wollen wir unsere Lieben, unsere Verwandten und Freunde mit unseren Glück- wünschen, mehr noch mit unseren Segens wünschen und am meisten mit unseren Gebeten begleiten. So haben wir's das alte Jahr hindurch gehalten, und vieles von unseren Wünschen und Hoffnungen hat sich in ihm erfüllt; Anderes ist dahinten geblieben; manches Glück ist neu begründet, manches alle zerstört, mancher, der mit uns in das vergangene Jahr eintrat, fehlt uns an der Jahreswende: neue Menschenknospen sind erblüht am alten Baume der Menschheit. Aber was auch „unten tief dem Erdensohne" nicht „das wechselnde Verhängniß," | sondern Gottes Wille bringt; es ist eben Gott der 1
I werden aufleben bei uns und Juana wird stolz sein auf die neue Schwester."
„Wer weiß; denken Sie an mein entstelltes Aeußere, Federigo! Aber nun gehen Sie, und heute Abend kommen Sie als Trauzeuge zu Achim uub Erikas Hochzeit. Auf Wiedersehen."
„Elsa," er hatte sich von den Knien erhoben und stand bittend vor ihr, „besiegeln Sie Ihr Versprechen an mich mit einem ersten Kuß. Mehr verlange ich nicht — ach, ich bin ja so überselig." Sie erglühte dunkel, dann aber blickte sie innig zu dem Freunde auf.
„Wie Sie wollen, Federigo, heute — schlage ich Ihnen nichts ab!" Und sie bot dem erregten Manne zum ersten Male die Lippen zum Kusse. 6r schwankte zur Thür hinaus wie ein Trunkener; ein solches Glück hatte er sich nicht träumen lassen.
Und gegen Abend fand sich der kleine Kreis zu der Haustrauung ein, Erika bräntlich geschmückt mit Schleier und Myrthenkranz, Achim in voller Uniform, Herr Tiefen furt und zuletzt Seunor Moutez. Der Geistliche hielt eine kurze Ansprache, legte dann die Hände der Verlobten ineinander und segnete den neuen Ehebund. Es währte alles nur kurze Zeit mit Rücksicht auf Elsa, die doch noch sehr der Schonung bedurfte. Und in der That, als die Ceremonie vorüber war, sank sie, von tiefer Ohnmacht umfangen, in ihre Kissen zurück.
Ehe ein Anderer zuspringen konnte, hatte Montez sie schon in seinen Annen aufgefangen und rieb ihr Stirn und
waltende Vater, der es sendet, und darum kennen wir nicht „böse,, und „gute" Jahre, wir kennen nur Jahre des Herrn. Ein Jahr des Herrn wird auch das Jahr 1896 sein, das wissen wir, und darum beginnen wir es mit fröhlichem Herzen und mit innigem Dank gegen Gott, der uns bis hreher geholfen hat, und der uns weiter helfen will.
Das ist ja wahr: es könnte menschlich beurtheilt manches besser stehen an der Jahreswende. Im öffentlichen Leben sieht vieles trostlos genug aus. Wie viel Hader und Streit, nicht nur zwischen den extremen Parteien, sondern in den Parteien zwischen solchen die auf einander angewiesen sind, wieviel Lieblosigkeit, Leidenschaft und gehässiges Wesen, wie wenig Verständnis für das, was wahrhaft frommt. Und wenig tröstlicher sieht es aus auf dem Gebiet der Kirche, auch da Parteiungen und Spaltungen, auch da Untreue und Abfall, auch da Mißmuth und Zagen. Denkt dann schließlich noch ein Jeder an sich selbst, an seinen Beruf, sein Familienleben, dies und das, gewiß zu klagen findet er überall, ohne daß er lange danach sucht. Aber dennoch: herzliche Segenswünsche zum neuen Jahr. Vor allem den Wunsch, daß alles besser werden möge. Jedoch das kann nur geschehen, wenn wir Fichtes Mahnung beherzigen: „Allein wir selber müssen uns helfen, falls uns geholfen werden soll." Mit Wünschen und Hoffen ist's nicht gethan; hier gilt es Hand anzulegen, zu bessern zunächst an uns selbst. Nicht der Mensch ist ein Produkt seiner Verhältnisse, sondern die Verhältnisse sind ein Produkt der Menschen, wie diese so jene. An uns allen liegt es, wenn wir Ursache haben zur Unzufriedenheit. Und wenn wir uns bessern, so bessern wir unsere Verhältnisse, unsere Familie, unseren Berufskreis, unsere Kirche, unser Vaterland. Darum wünschen wir uns und allen Freunden, allen Bürgern unseres Landes, allen Menschen zum neuen Jahr ein neues Herz, ein neues Leben, das wir freilich nicht uns selbst erarbeiten können, sondern das uns als Weihnachtsgabe von oben kommt. Möge dieser Wunsch sich erfüllen, dann sind sie alle in ihm etfüllt, die vielen Wünsche, die heute laut werden zum neuen Jahre, und in höherem Grunde als alle seine Vorgänger würde dann dieses Jahr sein ein Jahr des Herrn.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 30. Dezember.
Gestern Vormittag besuchten beide Majestäten
Wangen mit kölnisch Wasser. „Ich habe nun das erste Anrecht an Elsa, gnädige Frau," lächelte er halb stolz, halb wehmüthig sich zu Erika wendend; ich will sie bald für immer ihrer Heimath entführen."
Wenn sich jemand ganz besonders über dies neue Herzensbündniß freute, so war es Vater Tiefenfurt, dem das Messer, wie man zu sagen pflegt, schon sehr stark an der Gurgel saß. Gleich am folgenden Morgen zog er den neuen Schwiegersohn vertraulich in sein Contor, um mit ihm über Papiere, Courszettel und allerlei Börsencoujunk- turen zu sprechen; natürlich war das Resultat davon eine kleine Anleihe an Montez Vermögen, doch er sollte arg enttäuscht werden. Mit kühler Höflichkeit lehnte der Spanier eine jede Theilnahme an Spekulationen ab und betonte scharf, daß er sich nie dazu verstehen werde, auch nur die kleinste Summe vom Kapital im Auslande unterzubringen.
„Auch nicht wenn — wenn Sie meine Tochter hei- rathen und ich — Ihr Schwiegervater werde?" frug Tiefenfurt kleinlaut; diese stechenden, kalten Blicke des Spaniers machten ihn ganz demüthig.
„Aber, bester Herr, das sind ja doch Privatverhältnisse, die hier nicht mitsprechen sönnen; zudem ist mir alles, was mit Fräulein Elsa Zusammenhänge, viel zu theuer, um es irr einem Athem mit Geldverhältnissen zu nennen."
„Hud Sie würden mir nicht ein kleines Kapital, wenn es auch nur fünftausend Mark wären, anvertrauen — zu einem neuen Unternehmen?"
„Nein. Ich werde Ihnen diese Summe, welche ich