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Herssellier KmsM.

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Gratisbeilagen:Illustrirtes Konntagsblatt^^ u.Illuftrirte landwirthschaftliche Veilage^^.

Nr. 153. Acliftag Den 3L Iezmber 1895.

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.WEM Die wichtigsten Ereignisse gehen uns durch Telegramme zu und werden wir dieselben nöthigenfalls durch Extrablätter verbreiten.

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Die Expedition.

Amtliches.

Homberg, den 24. Dezember 1895.

Königliches Landrathsamt benachrichtige ich ergebend, daß unter der Schafheerde des Schäfers Johannes S ch m i d t zu M ü h l b a ch die Räudekrankheit ausge- brochen ist.

Der com. Landrath

von Gehren, RegierungS-Assessor. An Königliches Landrathsamt zu Hersfeld.

* *

*

Die Prophezeiung.

Novelle von H. v. Z i e g l e r.

(Fortsetzung.)

Sechs Wochen waren vergangen nach jener Bilder­aufführung, die so entsetzlich schloß. Elsa lag erschöpft und blaß im Bette und athmete begierig die milde Sep­temberlust, welche zu den Fenstern ihres Zimmers herein- strömte.

Die freundliche Pflegerin, welche in der ganzen Zeit um sie gewesen, hatte sich zum Ausruhen zurückgezogen und zu ihrer Vertretung saß Erika am Fußende des Bettes, still, befangen, aber doch voll liebevoller Auf­merksamkeit für die Rekonvalescentin. Elsa hatte bisher noch immer vermieden, mit ihr allein zu reden und wenn auch das junge Mädchen einerseits diese Aussprache fürchtete, so ersehnte sie dieselbe doch auch wieder, denn uoch immer lag eine Centnerlast auf ihrem Gemüth.

Sie blickte unschlüssig in das feine, blaffe Antlitz ®l|, dann plötzlich ließ sie die Arbeit sinken."

Elsa, liebe Schwester," bat sie beweglich,sage mir doch ein einziges gutes Wort."

Weshalb?" kam es langsam, erschöpft von den Lippen der Kranken,ich habe Dir doch noch kein böses Wort gesagt?"

Nein, wenn ich es auch verdient hätte," schluchzte ^rika,Elsa, ich -- ich wollte Dich bitten, aber sage nicht Nein Achim will abreisen."

Hersfeld, den 27. Dezember 1895. Wird veröffentlicht.

I. 7486. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.

Nichtamtliches.

An der Jahreswende.

Das Jahr, das nun zu Ende geht, ist für unser Vaterland ein Jahr äußeren Friedens gewesen, und vor schweren Ausbrächen der Naturgewalten und menschlichen Leidenschaften sind wir gnädig bewahrt geblieben. Fest steht das Regiment unseres Kaisers und Königs, uner- schüttert wehrt Heer und Beamtenthum dem bösen Willen des Aufruhrs und der Empörung, der sich im Innern regt, und Furcht gebietend schützt uns die Macht des Reiches gegen die Mißgunst und den Neid, die draußen uns bedrohen. Ueber unserem Königshause hat Gott gnädig seine schützende Hand gehalten.

Die Zeit ist ernst, und sorglose Zuversicht für die nähere oder fernere Sühn- gestattet sie nicht. Die Aufgaben, die sie stellt, sind größer und schwerer, als in irgend einer früheren Zeit. Die menschlichen Verhält­nisse haben sich in diesem Jahrhundert, das jetzt seinem Ende zuneigt, stärker verändert als jemals in einem entsprechenden Zeitraum, soweit menschliche Erinnerung reicht. Zunächst im staatlichen und gesellschaftlichen Leben. Die große französische Staatsumwälzung vor hundert Jahren hat das Zeichen gegeben. Seitdem haben alle Staaten der Kulturwelt den Uebergang zu veränderten Verfassungstormen vornehmen müssen. Die Massen der Bevölkerung sind fast überall zur Betheiligung an staatlicher Thätigkeit zugelassen und aufgerufen wor­den; die öffentliche Verhandlung staatlicher Angelegen­heiten ist die Regel geworden, und durch die ungeheure Ausdehnung, die die Tagespresse gewonnen hat, hat die öffentliche Meinung, die Stimmung und Gesinnung der großen Massen, sich zu herrschendem Einfluß emporge- schwungen.

Zugleich hat die zunehmende Geschicklichkeit der Menschen in der Benutzung der Hilfsmittel, welche die Natur bietet, einen ungemeinen Fortschritt in der Er­zeugung wünschenswerther Dinge für menschliches Be­dürfniß, in Ortsbewegung und Austausch von Gütern über den ganzen Erdboden hin hervorgebracht. Auch

So sage ibm Cousine Elsa ließe ihm glückliche Fahrt wünschen."

Nein," seufzte Erika,das wird ihm nicht genügen; er er will Dich selbst sehen und Du sollst uns segnen, denn, ach Du weißt es doch, daß wir uns lieben."

Jetzt zum ersten Male heftete Elsa ihr müdes Auge auf die Sckwester; sie war sehr entstellt durch die Brand­male.Lasse ihn nicht abreisen als Deinen Verlobten," flüsterte sie warnend,er könnte sonst draußen abermals eine Andere finden"

Elsa," fuhr Erika erregt in die Höhe, doch sie be­zwäng sich und sagte dann fast demüthig:

Wir wollen unsren Bund durch Priesters Hand ein­segnen lassen ehe er abfährt; ich soll ihn dann begleiten, aber erst müssen wir Deinen Segen und Vergebung haben, liebe Schwester, sei gut und vergilt nicht Böses mit Bösem."

Elsa war einerseits zu gut und dann auch zu matt, nm längeren Widerstand zu leisten, sie nickte erschöpft mit dem Köpfe:Mach's kurz, Erika, Gott wird mir Kraft verleihen"

Ein Brief für Fräulein Elsa," meldete an der Thür ein Mädchen,und ich soll auch fragen, ob das Fräulein schon Besuch annimmt."

Elsa griff langsam nach dem Brief und der diesen begleitenden Karle; ein schwaches Roth stieg in ihre Wangen.Noch nicht, Line," gab sie leise der Dienerin zur Antwort,aber ich lasse den Herrn sehr grüßen

den Aermsten und Niedrigsten sind damit Bequemlichkeiten und Genüsse zu theil geworden, die früher nur den Be­günstigten oder auch diesen nicht immer zugänglich waren.

Alles das hat eine Lage geschaffen, welche die größten Gefahren für das sittliche und religiöse Leben mit sich bringt. Die alte gute Sitte, der Väter Brauch und Herkommen verliert sich mehr und mehr in einer Be­völkerung, die unstät und wanderlustig geworden ist, wie niemals zuvor. Die alten Trennungen zwischen den Bevölkerungsklassen und Ständen sinken dahin, und die angeborene scheue Achtung vor dem an Besitz, an Bil­dung, an gesellschaftlichem Ansehen höher Stehenden wird kaum noch gefunden. Die Presse trägt die Ge­danken einer glaubenslosen, an das Sinnliche und Na­türliche verhafteten Wissenschaft in alle Schichten des Volkes hinein. Das Leben wird immer unruhiger, der Kampf immer heißer. Die niederen Klassen werden be­herrscht von der Unzufriedenheit mit ihrem Lose und gewandte Wühler schüren diese Unzufriedenheit, theils nur an Befriedigung ihres Ehrgeizes denkend, theils von Träumen eines irdischen Reiches der Glückseligkeit er­füllt, die sich nie verwirklichen lassen. So werden die Massen, ohne Einsicht und klare Ueberlegung, für eine Bewegung und Gesinnung angeworben, die alle sittlichen Grundlagen unf«^ Leben! in Strmt und Gesellschaft, in Kirche und Familie umstürzen und beseitigen möchte: die Fluth, die jede Autorität und jedes Heiligthum weg- zuspülen droht, schwillt jedes Jahr mächtiger und furcht­barer an.

Dazu kommen die politischen Wetterwolken im Westen und im Osten. Die Blitze, die sich dort entladen, können leicht einen Völkerbrand verursachen und unser Vater­land in Mitleidenschaft ziehen. Ueber allen diesen Be­sorgnissen richten wir beim Jahreswechsel vertrauensvoll unsere Augen zu Gott empor, der bis hierher geholfen hat. Er schirme unsern Kaiser und sein Haus, die Einig­keit und nationale Gesinnung der deutschen Fürsten, die Treue und Tapferkeit des deutschen Heeres, die Sorge und Mühe aller auf die Aufrechterhaltung der Ordnung gerichteten Kräfte der Nation, er schirme die nationale Arbeit, die Abwehr der Umsturzbestrebungen und das gesammte deutsche Vaterland gegen seine äußern und innern Feinde. Er schirme die alte deutsche Einfachheit, Kraft und Zucht, er schirme die alte deutsche Treue. Dann wird das neue Jahr, was auch komme, ein ge­segnetes Jahr für uns alle sein.

und in einigen Tagen würde ich Besuche sehen dürfen."

Dann lag sie wieder einige Stunden ganz still und erst nach dem Kaffee winkte sie Erika zu sich heran.

Jht hole ihn Deinen Verlobten."

Kapitän Meinart mußte draußen schon auf diesen Ruf gewartet haben, gleich darauf trat er Hand in Hand mit Erika zu der Genesenden.

Du wünschest meinen Segen zu Deinem Bunde mit meiner Schwester, Vetter?" frug Elsa gütig, doch an­scheinend ohne alle Erregung;wann willit Du ab­reisen?"

Diesem kühlen Wiedersehen gegenüber gewann er seine Fassung wieder.

In wenigen Tagen, liebe Elsa, entgegnete er und wollte ihre Hand küssen, doch sie entzog sie ihm hastig und ein fahles Roth flackerte über ihr blasses Gesicht.

Laß das," gebot sie fast streng,wir stehen uns von nun an doch nur noch fremd gegenüber bis ich gesehen haben werde, daß Du Erika glücklich machst."

Elsa, 0 Elsa," stammelte der Kapitän und kniete an dem Bett nieder, Erika mit sich ziehend,kannst Du mir, kannst Du uns vergeben?"

O ja, ich kann," nickte sie geisterhaft,seit jenem Augenblick, da ich eingesehen, daß sich mein Herz in Dir getäuscht, ist auch die Liebe gestorben. Ein See­mannsherz kann auch vielleicht nicht lieben und ich bin zufrieden, daß dem so ist, denn eine Frau, welche so