Sohn Gottes erschließt am Weihnachtsfest „die Thür zum schönen Paradies." Er eröffnet uns den Zugang zu den Tiefen des göttlichen Vatersegens, in dem all die edlen Gaben für uns bereit liegen, „er bringt uns alle Seligkeit."
Und weiter, er öffnet uns auch das eigene Herz für die Sonne der göttlichen Liebe, daß auch unser Inneres nicht nur erfüllt wird von ihrer Wärme, sondern auch etwas davon zurückstrahlt. Das soll der eigentliche Sinn sein, der unsern Weihnachtsgeschenken innewohnt. Ueber- reich sind wir geworden durch die Gnade Gottes, der seinen Sohn uns schenkt; und von dem überguellenden Reichthum geben wir weiter, indem wir den Unsern und den Anderen verkündigen die große allem Volke widerfahrene Freude, indem wir aber auch zu gleicher Zeit im Aeußern ein Abbild dieser Freude schaffen, dadurch, daß wir unsere Kinder mit Geschenken erfreuen, dadurch, daß wir auch die Armen und Nothleidenden theilnehmen lassen an dem, was wir im Irdischen von Gott empfangen haben. Wer zu Weihnachten die Verlastenen, Traurigen mit wirklicher Liebe erquickt, und in dunkle Herzen einen Strahl der aufgehenden Weihnachtssonne hineinleitet, der feiert Weihnachten ihm zum Wohlgefallen, von dem es heißt:
„Das hat er alles uns gethan, Sein' groß' Lieb' zu zeigen an."
Die Ruhmestage des deutsch-fvauzssischeu Rrieges.
XXVII.
Weihnachten vor Paris
Nach der Schlacht von Villiers war auch vor Paris zunächst Ruhe eingetreten. Der Winter bedeckte die Erde mit dichter Schneedecke; nicht einmal bei den Vorposten fielen Schüsse; die französischen Vorposten schienen recht guter Dinge zu sein, sie schoflen nach Krähen und bewarsen sich mit Schneebällen. Aber diese fast gemüthliche Ruhe und Stille sollte bald wieder jäh unterbrochen werden. Es brodelte und kochte wieder in den Köpfen der französischen Machthaber, und am 21. Dezember brach der Sturm eines Ausfalls von neuem über Le Bourget los. Doch die preußische Garde war auf ihrer Hut. Der Angriff wurde siegreich abgewiesen; es war ein neuer Ehrentag besonders für das Regiment Elisabeth und die Gardeschützen, welche Truppen den ersten Stoß auszuhalten hatten. An anderer Stelle waren auch die Sachsen am Kampfe betheiligt. Der Feind mochte wohl nur eine Demonstration zur Beruhigung des aufgeregten Volkswillens beabsichtigt haben; aber das hieß doch mit dem Blute der französischen Soldaten ein frevelhaftes Spiel treiben. Auch den Deutschen, namentlich dem Regiment Elisabeth, hatte der Tag nicht unbeträchtliche Verluste gekostet.
Wieder hatte sich feierliche Stille auf der weiten, öden, schneebedeckten Gegend gelagert. Weihnachten war herangekommen, das so viel deutsche Männer und Jünglinge, den greisen Feldherrn König Wilhelm nicht ausgeschlossen, nicht wie sonst feierten: im trauten Familienkreise friedevoll, sondern umgürtet mit dem Schwert in — Feindesland! Aber senkt sich deshalb Trauer auf die Herzen? O nein! O seht nur, wie die deutschen Soldaten sich anschicken, Weihnachten zu feiern. Bei den Vorposten wird es plötzlich lebendig, unter fröhlichem Jauchzen ziehen die deutschen Männer mit ihren grünen Tannen dahin, und mit Jubel werden sie empfangen, hier auf der Feldwache, dort im Quartier.
Auch König Wilhelm und sein Sohn hatten einen Weihnachtsbaum, und zwar eine deutsche Tanne, die ihnen die Liebe gesandt hatte. Ueberall, in des Königs Wohnung wie in den Soldatenquartieren und auch auf der Feldwache kam der Weihnachtsabend zu feinem Rechte. Und die brave Feldpost hatte dafür gesorgt, daß die Liebesgaben aus der Heimath nicht fehlten. Abends aber, als der Mond herniederblickte und sein mildes Licht auf die Gegend warf, da kämpfte es mit dem Hellen Kerzenglanz, der aus den Fenstern strahlte, der von den Lichtlein kam, die an den Bäumen prangten. Ueberall wurde der heilige Abend nach alter, guter deutscher Sitte gefeiert, dort in herrlichen Villen bei gutem Wein und gutem Mahl, hier in Erdsenkungen bei einfacherer ' Kost überall in verschiedener Weise, aber in einem waren wohl alle Feiernden gleich, in dem Gedenken der in der Heimath um den Weihnachtstisch versammelten Lieben, in den stillen Grüßen und Gebeten, welche aus vielen Herzen nach dem Vaterlande eilten, gen Himmel stiegen.
Am 27. Dezember morgens begannen die deutschen Belagerungs-Batterien zunächst gegen den Mont Avron zu donnern. Das war Moltkes nachträgliches Weihnachtsgeschenk an die deutsche Einschließungs-Armee, nein, nicht nur an sie, an das ganze deutsche Heer, an das deutsche Volk: „Das Bombardement von Paris hatte begonnen!"
Auch der Reichskanzler Graf Bismarck hatte im Kreise seines Stabes Weihnachten gefeiert, mit gar befriedigtem Gefühl. War ihm doch ein großes Werk gelungen. In aller Stille hatte er dort in seinem Landhaus in Versailles an der deutschen Kaiserkrone geschmiedet, die sich auf des greisen Königs Wilhelm edles Haupt senken sollte. Am 18. Dezember hatte eine Deputation des norddeutschen Reichstags vereint mit den Fürsten Deutschlands König Wilhelm die Bitte überbringen können, „daß es Seiner Majestät gefallen möge, durch Annahme der Kaiserkrone das Einigungswerk zu weihen." Das war das herrliche Weihnachtsgeschenk, das die deutschen
Fürsten und das deutsche Volk dem Könige darbrachten.
Geibel aber sang, zur Germania gewendet:
Durch Orgelton und Schall der Glocken Vernimmst du deines Volks Frohlocken? Den Heilruf deiner Fürstenschar?
Sie bringen dir der Eintracht Zeichen, Die heilige Krone sondergleichen, Der Herrschaft güldenen Apfel dar! T.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 22. November.
Gestern Vormittag hörte Se. Majestät der K a i s e r von 9 Uhr ab die Vorträge des Kriegsministers und des Chefs des Generalstabs und arbeitete darauf längere Zeit mit dem Chef des Militärkabinets.
An den Aufenthalt des Kaisers in Fried richsruh sind in der Presse vielfach politische Betrachtungen geknüpft worden. Die „Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet dieselben als auf freier Erfindung beruhend und knüpft daran die Mahnung, nicht immer hinter den einfachsten und unverfänglichsten Tagesvorkommnissen gleich schwerwiegende Ereignisse zu wittern.
Unter dem Ehrenvorsitz der Gemahlin des Reichskanzlers ist in Berlin ein V o l k s h e i l st ä t t e n - Verein vom Rothen Kreuz begründet worden.
Der Reichskanzler Für st Hohenlohe hat sich mit seiner Familie zu seinem ältesten Sohne nach Schloß Podebrad in Böhmen begeben, um daselbst das Weihnachtsfest zu verbringen.
Der Kriegsminister Bronsart v. Schellen- d o r f f ist der „Post" zufolge von der juristischen Fakultät der Universität Greifswald zum Ehrendoktor ernannt worden.
Auf eine Eingabe des Deutschen Landwirthschaftsrathes an den Reichskanzler hat der Staatssekretär des Reichsjustizamtes Nieberding erwidert, es bleibe vorbehalten, im Anschlüsse an die kommissarischen Berathungen über die Revisionen des Handelsgesetzbuchs auch die diesbezüglichen Bedürfnisse der Landwirthschaft unter Vernehmung sachkundiger Vertreter besonders zu prüfen.
In Wilhelmshaven ist in diesen Tagen der Grundstein für das von dem Kommerzienrath Oechelhäuser in Berlin der Marine und der Stadt Wilhelmshaven gestiftete Denkmal Kaiser Wilhelms I. feierlich gelegt worden.
Ausland.
Der Generalgouverneur von K r e t a hat, um etwaige Fortschritte der Bewegung auf der Insel zu verhindern, eine Vermehrung der gegenwärtig aus 15 Bataillonen bestehenden Garnison um 10 Bataillone verlangt. Vorläufig sind dem Generalgouverneur 4 Bataillone bewilligt worden. Die Meldung von einer angeblichen Bewegung in Albanien ist noch nicht bestätigt.
Zu den Kämpfen der Italiener in Afrika meldet eine Privatdepesche aus Adrigrad, daß das Corps Ras Makonnens vor Makalle stehe, ohne bisher einen Angriff gemacht zu haben. Da sich im Lager Meneliks viele Franzosen befinden sollen, gab General Varatieri den Befehl, sobald man eines derselben habhaft werden sollte, ihn sofort zu erschießen. Nach einer anderen Meldung hat Major Galiano Makalle fast vollständig zerstört, weil er ein geheimes Einverständniß der Einwohner mit den Feinden konstatirt hat. Es wurde ein verstecktes Munitions- und Lebensmittellager entdeckt.
In den englischen maßgebenden Kreisen wird an eine baldige Beilegung des Streites zwischen England und Nordamerika durch die direkte Verständigung zwischen Venezuela und Großbritannien geglaubt. Ein plötzlicher Sturz des Präsidenten Crespo und seine Ersetzung durch einen nachgiebigern Präsidenten wird als nicht unmöglich betrachtet. Hierzu wird dem „Hamburgischen Korrespondenten" aus Berlin geschrieben die Clevelandsche Botschaft habe nach der dort herrschenden Auffassung durch die Ausdehnung, die der Präsident der Monroe-Doctrin zu geben versuche, auch allgemeines Interesse. Es handele sich dabei lediglich um die Wiederaufnahme der auf Ausschluß der europäischen Industrie hinauslaufenden panamerikanischen Idee. Da somit nicht nur die Interessen Englands, sondern die der europäischen Staaten überhaupt durch die Botschaft getroffen würden, würde auch Deutschland der neuen Auffassung der Monroe-Doctrin widersprechen müssen. Uebrigens ist man in den politischen Kreisen Nordamerikas allgemein überzeugt, daß das chauvinistische Verhalten Clevelands zu seiner Wieder- ausftellung als Präsidentschaftskandidat, die bis jetzt ernstlich gefährdet war, führen werde. Weiter wird behauptet, man rechne in Washington im äußersten Falle eines Krieges auf die Unterstützung Amerikas durch Rußland und hoffe auf eine Eroberung Kanadas.
Die „Frankfurter Zeitung" meldet aus Konstantinopel: Die in Zeitun eingeschossenen 400 türkischen Soldaten, sowie 500 Einwohner, darunter Frauen und Kinder, sind am Sonntag von den sie belagernden 1 2 000 Armeniern niedergemacht worden. Die Pforte hat dies den Botschaftern notifizirt und gestern an Mustapha Remsi Pascha den Befehl ertheilt, mit 10000 Soldaten und 2 Batterieen heute früh Zeitun anzu- greifen, zu beschießen und zu zerstören, sowie die Armenier niederzumachen.
Auf Kuba ist es abermals zu einer Schlacht zwischen den Spaniern und den Aufständischen gekommen. Die
Spanier waren siegreich. Im übrigen wird erneut ver- sichert, daß Marschall Martine; Campos darauf bestehe, 1 seine Entlastung als Gouverneur von Kuba zu nehmen'; ' sein Nachfolger solle General Weyler, der Kommandeur ; des 4. Armeecorps (Katalonien), werden; die Meldung entbehrt jedoch der Bestätigung.
Aus Prniiiz unii Nachbargetiet. *
Hersfeld, den 23. Dezember 1895.
* Die britifchenSchutzgebiete von Z a n - ‘ zibar und Ostafrika sind dem Weltpostverein ! angeschlosten worden. Der Briefverkehr mit diesen Gebieten regelt sich demgemäß fortan nach den Bestimmungen ; des Vereinsdienstes.
* Einem Beschlusse des Verbandes deutscher | Kriegsveteranen zu Folge soll am 18. bezw. 19. Januar | 1896 zur Erinnerung an die Wiederaufrichtung des | deutschen Reiches vor 25 Jahren ein allgemeiner Kirch- f gang zu einem Dankgottesdienste veranstaltet werden, i Die Veteranen werden in allen Orten Deutschlands ° aufgefordert, sich dieserhalb zusammen zu thun.
* Ueber d i e weitere Witterung im Winter j schreibt der Gothaer Wetterprophet Habenicht: Es ist | sehr wahrscheinlich, daß sich der kommende Winter auch ferner mehr maritim verhalten wird, d. h. West-Europa z keine, Mittel-Europa mäßige und nicht sehr anhaltende | und nur Ost-Europa länger anhaltende und strenge Kälte- I Perioden bringen wird.
* Auf Grund der Vorschriften des Gesetzes über die | Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im | Frieden ist der Betrag der zu gewährenden Vergütung | für 1896 dahin festgestellt worden, daß für Mann und | Tag zu gewähren ist für die
mit Brot ohne Brot volle Tageskost . . 80 Pf. 65 Pf.
Mittagskost . ... 40 „ 35 „ Abendkost.....25 „ 20 „
Morgenkost . . . . 15 „ 10 „
* Für die Turnlehrerinnen - Prüfung, , welche im Frühjahr 1896 in Berlin abzuhalten ist, ist | vom Kultusminister Termin auf Freitag den 15. Mai | k. Js. und die folgenden Tage anberaumt worden. | Meldungen der in einem Lehramts stehenden Bewerbe- | rinnen sind bei der vorgesetzten Dienstbehörde spätestens 1 bis zum 1. April k. Js., Meldungen anderer Bewerbe- | rinnen bei derjenigen Königlichen Regierung, in deren | Bezirk die Betreffende wohnt, ebenfalls bis zum 1. April | k. Js. anzubringen.
-e- Hersseld, 24. Dezember. Der heilige K Abend ist angebrochen! Schon seit Wochen ist I durch die Welt der Kleinen und der Großen ein ge- I heimnißvolles Flüstern von Mund zu Mund gegangen, V wie Rauschen von Engelsflügeln. Nur noch wenige | Stunden, dann ist die glückliche Zeit der Hoffnungen, | Wünsche und Geheimnisse vorüber, und der selige | Augenblick, in dem das Christkind sein reiches Füllhorn h ausschüttet, ist da. Woran die fleißige Hand schon lange | gearbeitet hat, was die Liebe ersann, das liegt nun bald I offenkundig auf dem reich beladenen Tische, erstrahlend im Kerzenschimmer des buntgeschmückten Weihnachts- Z baumes, umfluthet vom reinen Licht der Liebe. Weih-1 nachtsabend! Welch' himmlischen Klang hat dieses | Zauberwort. Wer möchte den Jubel messen, den er I bringt, wer die Freuden zählen, die heute einziehen, I wo überall, deutsche Herzen schlagen. Wohl giebt es manches I Haus, das die Noth heute dunkel und kalt läßt; doch | die Liebe, die nimmer aufhöret, ist beschäftigt, auch den Aermsten ein lichtvolles Weihnachtsfest zu bereiten. Wenn r jeder aus dem überschäumenden Becher der Lust heute | nur ein Tröpflein spendet, dann wird der Zauberschein | der Weihnacht auch in der armseligsten Hütte Noth und | Armuth vergessen machen. Darum vergeht der Armuth | nicht, wenn Eure überglücklichen Kinder Euch jubelnd | entgegenspringen. So kurz der heutige Tag ist, die | hoffnunggeschwellten Kinderherzen läßt der Abend allzu ' lange auf sich warten. Endlich verwandelt sich die | Dämmerung des Tages in dunkle Nacht. Die Mutter i hat schnell noch etwas zu besorgen, der Vater kehrt von | der Arbeit zurück. Da mit einem Male ist der langer- - sehnte selige Augenblick der Bescheerung gekommen. Aus dem Zimmer, zu dem schon seit Wochen „Un- befugten" der Zutritt streng verboten war, dringt heim- L liches Flüstern, würziger Tannenduft und das märchen-1 haft stimmende Knistern der brennenden Christbaumlichter. I Die Thür thut sich auf, das fromme Lied „Stille Nacht, | heilige Nacht" erklingt, Weihnachten mit all seinem | Zauber ist da, die Stunde, die tausend und abertausend ? Lichter entflammen läßt; die dem deutschen Gemüth | unter Nadelgrün den ewig unversiegbaren Born der göttlichen Liebe erschließt. Mögen auch Bescheerung und Lichterbaum spätern Zeiten den Ursprung verdanken, das I hohe Fest selbst an des Jahres Neige ist schon Jahr- | taufende alt. Die kurzen Tage der Wintersonnenwende sahen die frohen Festtage des germanischen Heidenthums, des Julfestes; heute feiern wir um dieselbe Zeit das Erscheinen des Gottessohnes, der die Menschheit von den Irrwegen dunklen Heidenthums zurück auf die lichtvollen Pfade der göttlichen Wahrheit führte!
Hersfeld, 21. Dezember. Noch immer ist von den | vier-, viereinhalb- und fünfprogentige'1 1 Bergisch - Märkischen und Düsseldorf - Elberfelder Eisen- | bahn-Prioritäts - Obligationen, obwohl sie schon seit | mehreren Jahren zur Rückzahlung gekündigt sind, eine erhebliche Anzahl nicht eingereicht worden. Den Besitzern > entstehen hierdurch je länger je mehr Zinsverluste. Ob-