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England und Amerika.

Die Spannung, die seit einiger Zeit zwischen Eng­land und den Vereinigten Staaten von Nordamerika wegen der Grenzregulierung zwischen der südamerikanischen Republik Venezuela und der britischen Kolonie Guyana besteht, und auf die auch die Botschaft des Präsidenten Cleveland bei der Eröffnung des Kongreffes bezugnahm, hat jetzt durch eine neue Botschaft Clevelands eine Ver­schärfung erfahren.

Venezuela hat schon wiederholt Klage darüber geführt, daß England seit der Mitte dieses Jahrhunderts die Grenze Britisch-Guyanas fortwährend gegen Venezuela zu in unrechtmäßiger Weise vergeschoben habe. Um diesen Streit zu erledigen, schlug Venezuela die Anrufung eines Schiedsgerichts vor, womit sich England im Grund­satz einverstanden erklärte. Da man sich jedoch über die Grundlagen der Schiedsgerichts - Verhandlungen nicht einigen konnte, so richtete England ein Ultimatum an Venezuela. Nun mischten sich die Vereinigten Staaten in den Streit ein, und zwar auf Grund der Monroe- Doktrin, einer im' Jahre 1823 von dem damaligen Präsidenten Monroe erlassenen Erklärung, worin gegen die Einmischung europäischer Mächte in amerikanische Streitigkeiten und gegen die Ausdehnung europäischer Kolonien auf dem amerikanischen Festlande protestiert wird.

Im Juli d. I. richteten die Vereinigten Staaten eine Note an England, in welcher die Einrichtung eines Schiedsgerichts in dieser Frage verlangt wurde. Vor wenigen Tagen ist endlich die Antwort Englands einge­laufen. Da diese sich den Ansprüchen der Vereinigten Staaten gegenüber ablehnend verhält, so hat sich Cleve­land veranlaßt gesehen, wie oben gesagt, nochmals eine Botschaft an den Kongreß zu richten. Die Sprache dieser Botschaft ist überaus scharf. Cleveland stellt die einseitige Einsetzung einer amerikanischen Kommission in Aussicht, die über die zwischen England und Venezuela herrschenden Grenzstreitigkeiten zu entscheiden habe, und droht, falls England sich diesem Spruche nicht unter­werfen sollte, daß die Vereinigten Staaten mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln sich der Aneignung irgend welcher Landstrecken durch Großbritannien wider­setzen würden.

Diese herausfordernde Sprache könnte in der That die größten Besorgniffe für das friedliche Einvernehmen der beiden großen englisch redenden Nationen erwecken, wenn man nicht zu sehr die Absicht eines Wahlmanövers merkte. Im nächsten Jahre wird nämlich die Neuwahl des Präsidenten vorgenommen, und da muß Cleveland sich rühren, um Stimmung für sich zu machen. Durch das schroffe Vorgehen gegen England aber sollen vielleicht die Stimmen der Iren gewonnen werden, deren National- Allianz sich ja auch schon in einem Manifeste erboten hat, 100000 Mann Soldaten im Falle eines Krieges mit England zu stellen.

Man mag im übrigen über den Zweck der Botschaft denken, wie man will, jedenfalls würde Cleveland einen so herausfordernden Ton gegen England sich nicht er­lauben, wenn dieses sich durch seine Politik nicht selbst vereinsamt hätte, und auch die Vereinsamung ihm nicht allenthalben so nachdrücklich vor Augen geführt würde.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 19. Dezember.

Se. Majestät der Kaiser arbeitete heute Vor­mittag längere Zeit mit dem Chef des Militairkabinets und empfing sodann den Reichskanzler, Fürsten zu Hohen- lohe-Schillingsfürst, zum Vortrage.

hinüber, ihr Herzschlag setzte aus, was würde sie zu hören bekommen?

Die Tage vergingen jetzt, wo die beiden Herren an­wesend waren, sehr viel rascher, es wurden allerlei Partien und Spaziergänge verabredet, man musicirte, besuchte das Theater und spielte Croquet und Luftkegel. Elsa hatte ihre vornehme Ruhe, ihr seelisches Gleichge­wicht wiedergesunden, nur sehr bleich sah sie aus und vermied ängstlich jedes, auch das kürzeste Alleinsein mit Achim, hingegen schien ihr das stille, ruhige und doch auch so achtungsvolle Wesen Sennor Montez höchst sympathisch und ihm gegenüber gab sie sich viel unbe­fangener als bei den Anderen.

Erika wurde durch die Proben zu den lebenden Bil­dern häufig in Anspruch genommen, sie war strahlender und heitrer denn je und besonders gegen die Schwester von rührender Zärtlichkeit. Sie ging mit einer bekann­ten älteren Dame zu den Proben und es fiel Niemand auf, daß Kapitain Meinart, der Verlobte ihrer Schwester, die Damen häufig abholte und nach Hause brächte. Elsa allein wußte es jedes Mal, denn sie stand solange am Fenster bis sie die beiden, von ihr auf Erden am meisten geliebten Menschen heiter plaudernd heimkehren sah und hörte. Dann zog sie sich zurück, die Hand auf das zuckende Herz gepreßt, todestraurig und müde zum Sterben.

O Mutter, Mutter," murmelte sie dann stets von Neuem,ich werde Dir meinen Schwur halten und Gott wird mich erlösen, denn was soll ich noch auf Erden, wenn wenn diese Beiden miteinander glücklich sein werden."

Eines Tages traf sie Sennor Montez im Garten, noch hatte sie die Augen voll Thränen und konnte nicht

Se. Majestät der K a i s e r hat ein Exemplar der von ihm entworfenen AllegorieVölker Europas, wahret Eure heiligsten Güter!" dem Reichs­kanzler Fürsten zu Hohenlohe-SchillingS- f ü r st, in einen kostbaren Rahmen gefaßt und mit eigenhändiger Unterschrift versehen, zum Geschenk gemacht.

Wie verlautet, wird der preußische Landtag zum 15. Januar einberufen werden. Die betreffende Königliche Kabinetsordre wird in diesen Tagen veröffent­licht werden.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht eine Zusammen­stellung des Reichsgesundheitsamtes über die während des zweiten Vierteljahres gemachten Beobachtungen mit dem Diphtherie-Heilserum in verschiedenen Krankenanstalten Deutschlands. Das Ergebniß, sowohl hinsichtlich der Erfolge, wie der Unschädlichkeit des Heil­serums, ist derart günstig, daß eine weitere Anwendung des Mittels empfohlen wird. Ein sicheres Urtheil über den wirklichen Nutzen der Serumbehandlung ist aller­dings erst nach Zusammenstellung des Materials minde­stens eines Jahres erzielbar.

Der B u n d e s r a t h hat in seiner heutigen Sitzung den Entwurf einer Verordnung wegen Abänderung der Verordnung vom 16. August 1876 über die Kautionen der bei der Militair- und Marineverwaltung angestellten Beamten, sowie einen Ausschuß-Antrag, betr. die Ver­gütung der Branntweinsteuern bei der Ausfuhr von flüssigen alkoholhaltigen Parfümerien sowie von alkohol­haltigen Kopf-, Zahn- und Mundwässern, die Zustimmung ertheilt ;unb den Besoldungs- und Pensions - Etat der Reichsbankbeamten für 1896 genehmigt. Der Entwurf eines Einführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch, sowie ein Antrag des Königreichs Sachsen, betr. die Be­freiung der mit Pensionsberechtigung angestellten kirch­lichen Unterbeamten bei den römisch-katholischen Kirchen der Erblande des Königreichs Sachsen von der Jnvali- ditäts- und Altersversicherung wurden den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Von der Nachweisung der Ge­schäfts- und Rechnungsergebnisse der Jnvaliditäts- und Altersversicherungsanstalten für das Jahr 1894 und von den (Ergebnissen einer Stichprobenerhebung über Verhältnisse im Handwerk wurde Kenntniß genommen. Ferner erfolgte die Beschlußfassung über einen Antrag, betreffend einen Arbeitsplatz bei der zoologischen Station in Rovigno, und über eine Reihe von Eingaben.

Im Ministerium für Landwirthschaft ist heute eine Konferenz zusammengetreten, der ein Gesetzentwurf über den Verkehr mit Düngemitteln, Kraftfutter und Saatgut zur Begutachtung unterbreitet werden soll und an welcher Kommissare der betheiligten Ressorts und Interessenten theilnehmen.

Ueber den angeblich bevorstehenden Rücktritt des Staatsministers v. B o e t l i ch e r missen einige Blätter allerlei, sogar schon den in Aussicht genommenen Nach­folger zu melden. Diese Gerüchte sind, wie dieN. A. Z." meldet, vollkommen unbegründet.

Der Petersburger Korrespondent derKölnischen Zeitung" schildert in einem längern Artikel die unge- mein liebenswürdige Aufnahme, welche die in der neuen deutschen Feldausrüstung gesandte Abordnung des preußischen Kaiser Alexander-Garde- Grenadier-Regiments im allgemeinen, nament­lich aber an Allerhöchster Stelle gefunden hat. Der Czar nahm sämmtliche Einzelheiten der Uniformierung sowie der Ausrüstung in Augenschein, desgleichen Groß­fürst Wladimir nebst zahlreichen hervorragenden russischen Militairs, darunter auch General Dragomirow. Bei einem größeren Festmahle toastete ein russischer Kapitän auf die gegenseitige Freundschaft Rußlands und Deutsch­lands. Die Deputation kehrte am Donnerstage über Warschau zurück, wo sie dem General-Gouverneur Grafen Schuwalow vorgestellt wurde.

so rasch ihre Haltung zurückerlangen, um diese Erregung dem Gaste zu verbergen. Achtungsvoll nahm dieser ihre Hand und zog sie an die Lippen.

Gnädiges Fräulein," begann er ernst mit seiner wohlklingenden Stimme,halten Sie mich nicht für aufdringlich oder unbescheiden, sondern glauben Sie, daß es aufrichtige Freundschaft und Verehrung für Sie ist, die mich so sprechen läßt: ich kenne die Ursache, den Grund ihres Kummers!"

Sennor"

Und nicht seit heute und gestern," fuhr er rasch fort,sondern seit Jahren ich erkannte schon damals als ich Meinart zuerst gesehen, daß er keine Treue zu halten vermochte und Ihre Liebe nicht würdig war."

Genug, mein Herr," unterbrach sie ihn stolz,ich habe noch nie einen Menschen gestattet, über meinen Verlobten ein Urtheil zu fällen"

Aber ich habe ein Recht dazu," rief er leidenschaft­lich,feit ich dies Bild besitze, sind Sie, auch ehe ich Sie kannte, für mich eine Dulderin, ein beklagenswer- thes Mädchen"

Und er nahm aus seiner Brieftasche ihr Bild, das ihm Achim einst gegeben; Elsa prallte todtenbleich zurück.

(Fortsetzung folgt.)

Aus Jablonowa, 16. Dezember, wird geschrieben: Eine entsetzliche Nachricht kommt aus der benachbarten Ortschaft Dietrichsdorf. Die Frau des Käthners Johann Farchmin, welche im Laufe des vergangenen Sommers wegen Geisteskrankheit in der Irrenanstalt zu Schwetz untergebracht, vor einigen Monaten von dort aber wieder entlassen war, hat heute Mittag ihre drei Knaben im Alter von 2, 3 und 5 Jahren umgebracht,

Ausland.

In der am 18. Dezember in Rom abgehaltenen Ver­sammlung der parlamentarischen Mehrheit befaßte man sich lediglich mit der A f r i k a f r a g e. Ministerpräsident Crispi gab die Erklärung ab, daß Italien unter allen Umständen die besetzten Gebiete erhalten und die ver­lorenen zurückerobern müsse.

Das französische Marineministerium und der Aus­schuß des Staatshaushalts haben sich geeinigt, 1896 den Bau von vier Kriegsschiffen beginnen zu lassen. Die beiden größten Schiffe sollen in Staats­arsenalen, die Torpedoboote auf Privatwerften gebaut werden.

Der belgische Kriegsminister Brasfine erklärte in der Deputiertenkammer, sein Entwurf zur Heeresor­ganisation sei bis auf einige Einzelheiten fertig. Der Entwurf unterliege gegenwärtig einer Prüfung durch die zuständigen Minister. Von seiner unverzüg­lichen Einbringung könne jedoch bei der Ueberladung der Tagesordnung des Hauses keine Rede sein. Der Minister betonte aber, daß der Entwurf seiner Zeit vorgelegt werden würde, und daß sein, des Ministers, Verbleiben im Ministerium nur unter dieser Bedingung möglich sei.

In Washington wird die Kommission des Senats für auswärtige Angelegenheiten während der Weihnachtsferien weitertagen, um über die venezolanische Frage zu berathen. Es wird viel bemerkt, daß die Republikaner und Demokraten im Verein beschlossen haben, das Vorgehen der Regierung zu unterstützen. In der Sitzung des Senats am Mittwoch brächte Chandler einen Gesetzentwurf ein des Inhalts, die Ausrüstung der Vereinigten Staaten zu vergrößern. Es wird vorge­schlagen, einen Kredit von 100 Millionen Dollars zu bewilligen zur Anschaffung von einer Million Ersatzge­wehre für die Infanterie, ferner von 1000 Kanonen für die Feldartillerie und von 5000 Kanonen für die Festungs- artillerie. Der Gesetzentwurf wurde dem Comite für die militairifchen Angelegenheiten überwiesen.

Bei dem Kampfe auf K u b a wechselt das Kriegsglück beständig. Eine Depesche der spanischen ZeitungHeraldo" meldet einen Zusammenstoß der Spanier und der kuba­nischen Insurgenten bei Cienfuegos. Die Spanier er­litten empfindliche Verluste. Einer andern Meldung zufolge schlug Oberst Arizon mit 500 Mann spanischer Truppen bei Malliempo in der Nähe von Las Cruces 6000 Aufständische unter Gomez zurück. Hier werden die Verluste der Aufständischen als sehr beträchtlich an­gegeben.

Aus Pminz und NMlWbiel.

Hersfeld, den 20. Dezember 1895.

* Für W e i h n a ch t s p a ck e t e, die über Land befördert werden müssen, sei darauf hingewiesen, daß am ersten Weihnachtsfeiertage die Landpostbestellung im ganzen Deutschen Reiche ruht. Man gebe solche Weih- nachtssendungen so frühzeitig auf, daß sie spätestens noch am 24. Dezember bestellt werden können. Ferner möge bedacht werden, daß nicht alle Gegenstände zur Be­förderung durch die Post geeignet sind. Schaukelpferde, Blumen- oder Nähtische, Lehnsessel und sonstige größere Sachen eignen sich viel besser zur Beförderung mit der Bahn als Eilgut, denn die Post kann bei dem meist nur minutenlangen Halten der Personenzüge auf den Bahn­stationen und dem sehr großen Weihnachtspacketverkehr nicht immer mit der, genügenden Vorsicht zu Werke gehen, so daß Beschädigungen an solchen Postsendungen nicht zu umgehen sind, wodurch manchem die ganze Weihnachts­freude verdorben wird.

* Der Getreide markt. Auf dem amerikani­schen Getreidemarkt gefällt man sich in wunderlichen Kunstgriffen, die Preise zu heben. Vor 14 Tagen und

und sich dann selbst das Leben genommen. Als ihr Mann aus Groß-Leistenau aus der Kirche kam, begeg­nete er ihr auf dem Wege und sie sagte, daß sie sich zu ihrer auf einem Ausbau wohnenden Mutter begeben wollte, wo auch ihr ältester Sohn sich befand. Als der Mann in seine Behausung kam, fand er die beiden jüngsten Knaben mit durchschnittenem Halse als Leichen. Voll Entsetzen eilte er sofort zu seiner Schwiegermutter und fand dort auch seinen ältesten Sohn und seine Frau todt vor; die Frau hatte in einer verschlossenen Stube dem Knaben und dann sich selbst mit einem Küchenmesser den Hals durchschnitten. Jedenfalls hat die Unglückliche die schrecklichen Thaten in einem Anfall von Geistes­störung verübt.

Berlin, 19. Dezember. In dem Nachlaß einer s e h r b e j a h r t e n W i t t w e, die vor einigen Tagen verstorben und welche fortwährend bei den Behörden wegen Erlaß von Steuern vorstellig wurde, hat man, hiesigen Blättern zufolge, in kursfähigen Papieren ein Vermögen von weit über 350 000 Mk. gefunden. Aus deu hinterlassenen Papieren der Verstorbenen soll hervorgehen, daß sie seit ca. 30 Jahren ihr Vermögen nicht besteuert hatte und sogar aus einer Stiftung Unterstützungen angenommen hat. Von diesem bedeutenden Vermögen will nicht einmal der Sohn der Verstorbenen Kenntniß gehabt haben. Der Steuerfiskus will ca. 50 000 Mk. hinterzogene Steuer aus dem Nach­laß vorweg haben.

Aus dem letzten Nachtrage zum Postzeitungs­kataloge geht hervor, daß in Berlin eine zweimal monatlich erscheinende Zeitung giebt, die den lieblichen Namen Die große Schnauze" führt. Ob viele Leute geneigt sein werden, diese zuhalten", steht dahin.