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Gratisbeilagen:Illnstrirtes Sonntagsblatt" n.Illnstrirte landwirthschaftliche Beilage".

Nr. 149. SonntrN den 19. Iezember 1895.

Amtliches.

Hersfeld, den 11. Dezember 1895.

Nach Ziffer II der vorn Bundesrath unter dem 27. Juni d. I. beschlossenen Bestimmungen über die veterinär- polizeiliche Behandlung der aus dem Auslande auf dem Seewege zur Einfuhr gelangenden Wiederkäuer und Sckweine (Centralblatt für das deutsche Reich ©. 316) sind die nach dem Ablauf der vierwöchigen Quarantäne in den freien Verkehr entlaffenen Rinder, Schafe oder Schweine am Bestimmungsorte einer weiteren, die Eigen­thümer in der Verfügung über die Thiere nicht beschrän­kenden Beobachtung auf die Dauer von fünf Monaten zu unterwerfen. Im Interesse der Durchführung dieser Bestimmung erscheint es erforderlich, den Verbleib solchen Quarantäneviehs während der ganzen fünfmonatigen I Frist zu kontroliren.

Die Ortspolizeibehörden des Kreises werden ange­wiesen, vorkommenden Falles den Verbleib des denselben als beobachtungspstichtig bezeichneten Viehes zu kontro­liren, damit jederzeit den mit der Beachtung beauftragten Behörden Auskunft ertheilt werden kann. Sollte beob- achtungspflichtiges Vieh in das Gebiet eines anderen Bundesstaates übergeführt werden, so ist mir alsbald die Zahl und der Bestimmungsort der Thiere berichtlich anzuzeigen.

I. 7012. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.

Hertzfeld, den 16. Dezember 1895.

Die Herren Ortsvorstände werden an die Erledigung der Verfügung vom 29. November 1895 (Kreisblatt I Nr. 142) betreffend die Einreickung der Nachweisung über die Zahl der am 2. Dezember 1895 ortsanwefenden Bevölkerung, hierdurch erinnert mit Frist bis zum 27. Dezember d. Js.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 10. Dezember 1895.

Der Vizebürgermeister Georg DeisenrothVI. von Lengerö ist heute als Bürgermeister für die Ge- | meinde Lengerr eidlich verpflichtet worden. | J. A. Nr. 3084. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

(Nachdruck »erboten.)

Die Arophezeihung.

Novelle von H. v. Z i e g l e r.

(Fortsetzung.)

Hm, wenn dann aber jene ernsteren Stunden kom- h men, sind solche leichte Naturen meist nicht befähigt, sie | still zu tragen. Die beiden Damen scheinen mir recht ' lehr verschieden zu sein."

Allerdings. Meine älteste Tochter ist auch leidend, ihr liegt der gesammte Haushalt ob."

Und das jüngere Fräulein ist nur für die Freude und Unterhaltung des Lebens da? Das scheint mir ein wenig unbillig," meinte Montez ziemlich scharf.

H . »Nein, nein, Sennor, da verkennen Sie meinen Liebling/- fiel Tiefenfurt ihm hastig ins Wort;Erika uebt ihre Schwester abgöttisch; sie würde für Elsa durchs Feuer gehen."

»Coquettiert aber dem ungeachtet ganz fleißig mit dem Herrn Kapitain," dachte Montez und wandte sich ,n !" Elsa, welche soeben die Veranda betrat. Sie fah blaß und ernst auö, nahm sich aber augenscheinlich ichr zusammen, um eine verbindliche Wirthin zu spielen. JJieinart schien völlig vergessen zu haben, daß er ihr ^erlebter sei, er lehnte an einer Ballustrade, neben der . . auf einem Tabouret saß und erzählte lebhaft von seinen Reisen.

Damals als Du fortgingst, war ich noch ein kleines

Nichtamtliches.

Aus dem Reichstag.

Berlin, 16. Dezember. Der Reichstag beschloß in seiner heutigen Sitzung zunächst die Aussetzung b<4 g< g n den Abg. Lutgenau (fojb.) schwebenden Strafverfahrens und trat sodann in die erste Lesung dk« Gesetzenlwurf«, betreffend die Errichtung von H a n d - werkerkammern, ein. StaatSministkr v. t t i ch e r betont, e» sei die ernste Absicht der verbündete Regierungen, dem Bcdüifniß nach einer zweckmäßigen Organisation de« Handwe k« näher zu treten. Die Gerüchte über angebliche Differenzen zwischen dem Redner und dem preußischen HandelSminister Frbrn. v. Berlepsch sei n völlig un­begründet. Beide hätten an einem Strang gezogen, »nd sie würden die« auch ferner thun, wenn eS sich um die definitive Organisation de« Handwerk« handeln werde. Daß in dieser Frage übe>heupt keine Differenzen bestanden, gehe darau« hervor daß die v rbundeten Re­gierungen einmütbia die vorliegenden Vorschläge macht n. Die defini­tive Regelung der Organisation de« Handwe-k« werde nachfolgen; eine bezügliche Vorlage werde vielleicht Mitte März dem Hause zughen. Wenn der vorl-egende Entwuif nicht die Zustimmung dcS Reichstags erhalte, so würde die Regierung dennoch bi- A Veiten fortfr^en u»d dem Hause »m nächsten Jahre One Voilage mach-n. Abg. Hitze (C>r ) hält den Gesetzentwurf nicht für annehmb ir, s>eut sich aber, daß bei dem Scheite'n der Vorlag- di O aa'isatwnSab h n fo tg setzt we> den sollen, und beantragt, den Entwurf cn-ei KommiPon von 21 Mitgliedern zu überweisen. Abg. Gamp (Reichsp.) balt, da e« sich nur um Annahm» einer Resolution handle, eine KommlssionSberatbung nicht für nothwendig Staa»vminij.<r v. Böttich^r führt au«, t» möge in der Rommission ein Weg zur Verständigung gesunden werden, da nicht nur in Preußen, sondern auch in anderen BundeSstaaten ein Verlangen nach einer Organisation de« Handwerk« bestehe. Abg. Frhr. Heyl zu Herrn«heim (natlib.) will die Vorlage in dieser Ge­stalt nicht annehmen. In demselben Sinne sprechen sich dir Abgg. Reißha u« (sozd.), Jakodskötter (kons.), Fischb eck (srs. VolkSp.), M a r b e (Ctr.), v. W » l s l z e g i e r (Pole) und JSkrau t (dtschsoz. Resp.) au«.

Berlin, 17. Dezember. In seiner heutigen Sitzung erledigte der Reichstag die Denkschrift über die Anleihtgesetze durch Renntnißnabme, übcrwieS einige Rechnung-sachen der Rechnung-kommission und setzte hierauf die erste Lesung der Vorlage über die Handwerkskammern fort Abg. Pachnicke (srs. Ver.) er­klärt, daß seine Partei dem Entwurf zustimmen wolle, wenn einige Bestimmungen, wie beispielsweise diejenigen über da« Wahl,echt, ab­geändert würden. Abg Bock- Gotha (sozd.) legt nochmals den ab­lehnenden Standpunkt der sozialdemokratischen Partei dar, die den vor­liegenden Entwurf grundsätzlich nicht annehmen könne. Abg. Frhr. v. Stumm (Reich-p.) tritt für die Ueberweisung der Vorlage an eine Rommission ein, da sonst die Regelung dieser Angelegenheit auf lange Zeit verschoben würde. Abg. Metzner (Ctr.s spricht sich gegen die Vorlage au«, weil sie dem Handwerk zu wenig biete Staat«. minister v. B ö t t i ch e r betont, die Befürchtung, als ob durch die gegenwärtige Vorlage die Organisation des Handwerks verschleppt würde, sei völlig haltloS; der Entwurf sei im Gegentheil jetzt dc-halb vorgelegt worden, um das OrganisationSwerk zu fördern. Daß von einer Verschleppung der Organisation nicht die Rede sein könne, beweise der Umstand, daß der hierbei nächstbetheiligte preußische HandelSminister Frhr. v. Berlepsch energisch an der Arbkit sei. Es sei übrigen« ganz

Mädchen und ganz verzweifelt über Mamas Tod; weißt Du noch Achim."

Ich weiß," bestätigte er, ganz traumverloren ihr in die Augen blickend,aus Kindern werden Leute, sagt ein Sprichwort."

Und aus Mädchen werden Bräute," ergänzte Papa Tiefenfurt etwas taktlos,Erika, hast Du Dir den stol­zen Spanier, den Achim mitgebracht, schon etwas näher angesehen? Er ist noch zu haben."

Erika wurde roth und blickte hinüber zu dem Sennor, der eifrig mit Elsa sprach.

Er scheint schon Interesse gefaßt zu haben," lachte sie coquet,Achim, bist Du nicht eifersüchtig?"

O nein," antwortete er gleichgültig und hob die Rose auf, welche das junge Mädchen tändelnd zerpflückt; er hätte hinzufügen können:Meine Liebe ist abgeblüht wie Elsa selbst, sie wird neue Triebe sprossen aber nach anderer Richtung!"

Für Elsa war dieser erste Abend eine wahre Folter­qual. Nach jener ersten, ziemlich förmlichen Umarmung hatte der Kapitain auch nicht ein Wort mehr allein an sie gerichtet, auch beim Gutenachtsagen drückte er ihr nur flüchtig die Hand. Das arme Mädchen, welches seit Jahren auf nichts so heiß und sehnsuchtsvoll ge­wartet hatte, als auf diesen Moment des Wiedersehens, fühlte einen Dolchstich im Herzen, als sie Erika in den Armen Meinarts liegen und seinen glühenden Blick auf ihr ruhen sah; aber dann kam die Vernunft, sie über­

unrichtig, eine Regierung«vorlage al« die Vorlage eine« Minister« anzusehen, sie sei vielmehr die Vorlage der verbündeten Regierungen. Nach einer ferneren kurzen Erörterung, an der sich die Abgg. Förster (Dtfchsoz. R fp.), L i e b e r m a n n v. S o n n e n b c r g (Dtsch Resp.) und JakobSkötter (kons.) betheiligten, wurde die Vorlage einer Rommission von 21 Mitgliedern überwicscn. Darauf vertagte sich daS Hau« bi« Donnerstag den 9. Januar 1896 1 Uhr: Börsenreform.

Politischc Nachrichten.

Inland.

Berlin, 17. Dezember.

Se. Majestät der Kaiser ist am Montag früh

11 Uhr auf oem Ostbahnhofe in Altona angekommen. Auf Befehl des Kaisers war nur der Kommandeur des 9. Armeekorps, General-Oberst Graf v. Waldersee mit seinem Adjutanten Major v. d. Marwitz anwesend. Nach kurzer Begrüßung bestieg der Kaiser mit dem Grafen v. Waldersc-e den Wagen und fuhr direkt nach der Altonaer LandungSbrücke, wo dann die Vereidigung der Rekruten stattfand Am Nachmittage auf der Rück­reise nach Berlin machte der Kaiser i n Frie­drich s r u h Station. Der Kaiser traf hier um 5 Uhr ein, wurde vom F ^ st e n Bismarck, in Kürassier-, Uniform, dem Grafen Rantzau und Professor Schweninger am Bahnhöfe empfangen. Der Empfang war sehr herz­lich. Der Fürst küßte dem Kaiser die Hand, dankte für die Einkehr in Friedrichsruh und geleitete den Kaiser dann inS Schloß, wo ein Diner stattfand. Nach Be­endigung des Diners fuhr der Kaiser um 7 Uhr wieder ab. Der Fürst begleitete den Kaiser wieder zum Salon­wagen und küßte ihm abermals die Hand. Vom Waggon- fenster aus unterhielt sich der Kaiser noch kürzere Zeit mit dem Fürsten und der Gräfin Rantzau. Der Fürst, der den Kürassierhelm trug, sah rüstig aus. Als der Zug sich in Bewegung setzte, grüßte er militairisch. Als Zweck des Besuchs wird vermuthet, daß der Kaiser den Fürsten Bismarck persönlich zu der am 18. Januar stattfindenden Feier der 25. Wiederkehr der Kaiser­proklamation in Versailles habe einladen wollen.

Der Kaiser wird am 18. Januar, dem Jahrestage der Wiederaufrichtung des deutschen Reiches, eine große Parade auf dem Tempelhofer Felde ab­halten. Es ist befohlen, daß sämmtliche Truppentheile des Gardecorps bis zu diesem Tage mit den grauen Mänteln ausgerüstet sind. Wie Berliner Blätter melden, hat der Kaiser geäußert, er hoffe, am Tage der Parade

legte, daß die jüngere Schwester Zug um Zug ihr glich, wie sie früher ausgesehen, ehe der Lauf der Zeit ihre Schönheit welken und verkümmern ließ. Ach und dann, als er seinen Irrthum eingesehen, war er doch auch nicht anders geworden, es schien als schwebe eine Kluft zwischen ihnen Beiden, aus der es wie Eiseshauch eni- porwehe in ihrem Herzen! Arme Elsa! Das Leben im Vaterhause war für sie eine fortlaufende Kette klei­ner Nadelstiche und heftiger Auftritte, denn Tiefenfurt empfand eine mit den Jahren nur zunehmende Abneigung gegen seine älteste Tochter. Erika, äußerlich der Schwe­ster so ähnlich, war doch ganz verschieden in ihrem Wesen; das Leichtlebige, Oberflächliche hatte sie wohl vom Vater geerbt, ihr Dichten und Trachten gipfelte nur allein im Vergnügen, für den Ernst des Lebens, für Pflichten und Arbeit hatte sie weder Vorliebe noch auch das geringste Verständniß und sobald etwas gegen ihre Wünsche ging, überließ sie sich der ärgsten Uebel­laune. Sie hielt den Vater für sehr reich und streute daher das Geld mit vollen Händen aus; Elsa ahnte indes die pekuniären Verhältnisse Tcefenfurts, die nicht die geordnetsten waren und suchte daher, soweit es in ihrer Macht stand, zu sparen und zurückzuhalten.

Tiefaufathmend suchte sie endlich, nachdem auch die Anderen sich zurückgezogen, ihr Zimmer aus und schob den Riegel vor, dann warf sie sich vor dem Bett in die Knie und weinte bitterlich. Er hatte sie vergessen, er liebte sie nicht mehr, denn sie war ihm zu alt geworden!