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Melder Kreisbllltt
Gratisbeilagen: „Illustrirtes Sonntagsblatt" n. „Illustrirte landwirthschaftliche Beilage
Nr. 148.
Lienstlig »eil 17. Iezemkr
Amtliches.
Hersfeld, den 16. Dezember 1895.
Wiltliche BekamitmaAiiz.
Steuerveranlagung für das Steuerjahr 1896)97.
Auf Grund des §. 24 des Einkommensteuergesetzes vom 24. Juni 1891 (Gesetzsammlung S. 175) wird hiermit jeder bereits mit einem Einkommen von mehr als 3 0 0 0 Mark v e r a n l a g t e S t e uer- Pflichtige im Kreise Hersfeld ausgefordert, die Steuererklärung über sein Jahreseinkommen nach dem vorgeschriebenen Formular in der Zeit vom 4. Januar 1896 bis einschl. 20. Januar 1896 dem Unterzeichneten schriftlich oder zu Protokoll unter der Versicherung ab- zugeben, daß die Angaben nach bestem Wissen und Ge- wissen gemacht sind.
Die obenbezeichneten Steuerpflichtigen sind zur Abgabe der Steuererklärung ^verpflichtet, auch wenn ihnen eine besondere Aufforderung oder ein Formular nicht zugegangen ist.
Die Einsendung schriftlicher Erklärungen durch die Post ist zulässig, geschieht aber auf Gefahr des Absenders und deshalb zweckmäßig mittels Einschreibebriefes. Mündliche Erklärungen werden von dem Unterzeichneten in dem Steuerbüreau des Königlichen Landrathsamtes während der Geschäftsstunden von 9 bis 12 Uhr Vormittags zu Protokoll entgegen genommen.
Die Verfäumung der obigen Frist hat gemäß §. 30 Absatz 1 des Einkommensteuergesetzes den Verlust der gesetzlichen Rechtsmittel gegen dieEin - schätzung zur Einkommen st euer für das Steuerjahr zur Folge.
Wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben oder wissentliche Verschweigung von Einkommen in der Steuererklärung sind im §. 66 des Einkommensteuer- Gesetzes mit Strafe bedroht.
Steuerpflichtige, welche gemäß §. 26 des Ergänzungssteuergesetzes vom 14. Juli 1893 (Gesetzsamml. S. 134) von dem Rechte der Vermögensanzeige Gebrauch machen wollen, haben dieselbe ebenfalls innerhalb der oben angegebenen Frist nach dem vorgeschriebenen Formular bei dem Unterzeichneten schriftlich oder zu Protokoll abzugeben.
(Nachdiuck verboten.)
Dornröschen.
Weihnachtserzählung von O. Lenz.
(Fortsetzung.)
„Aber wer ist denn eigentlich Deine Auserwählte, Rudolf?" frug der Commerzienrath plötzlich sehr kühl und sein Gesicht nahm einen ernsten Ausdruck an. Verlobungspläne sind sehr wichtige Sachen, sind Fragen an das Schicksal und ihre richtige Beantwortung ist entscheidend für das ganze Lebensglück. Ganz besonders wichtig ist eine Verlobung für einen jungen Mann in Deiner Stellung, Rudolf. Du hast auf Deinen Stand, Deine künftige Carriere und auf uns, Deine Eltern, und auch auf Deine Schwester die größte Rücksicht bei Deiner beabsichtigten Verlobung zu nehmen, wenn Du urcht Dir und uns arge Verlegenheiten bereiten willst. Hast Du eine gute Wahl getroffen, nun so werde ich ~lr gern meinen Segen geben, ist aber das Gegentheil x Fall, da kannst Du auf meine Zustimmung nicht rechnen, lieber Sohn. Ich hoffe auch, daß Du meine Grundsätze über die Behandlung solcher Angelegenheiten auch fdjon länger gekannt hast. Ich vermuthe aber fast, daß Du in Bezug auf die Wahl Deiner Braut nicht gerade nach meinen Grundsätzen handeln möchtest, denn sonst würdest Du nicht so befangen sein und würdest nur schon längst den Namen Deiner Auserwählten genannt haben."
»Verzeihe, lieber Vater, wenn ich mir erlaube, Dich darauf aufmerksam zu machen, daß man seine Braut
Auf die Berücksichtigung später eingehender Vermögensanzeigen bei der Veranlagung der Ergänzungssteuer kann nicht gerechnet werden.
Wissentlich unrichtige oder unvollständige thatsächliche Angaben über das Vermögen in der Vermögensanzeige sind im §. 43 des Ergänzungssteuergesetzes mit Strafe bedroht.
Die vorgeschriebenen Formulare zu Steuererklärungen und zu Vermögensanzeigen werden von heute ab im Amtslokal des Unterzeichneten auf Verlangen kostenlos verabfolgt.
Der Dorschende der Ueranlagungskommisston
Freiherr von Schleinitz,
) 3- HI. 3131. Geheimer Regierungs - Ralh.
Hersfeld, den 16. Dezember 1895.
Die Herren Ortsvorstände zu
BingarteS, Eitra, Engelbach, Friedlos, Hersfeld, Kerspenhausen, Kruspis, Mecklar, Meisebach, Obergeis, Oberrode, Reilos, Sorga, Unterhaun, Wilhelmshof, Bengendorf, Herfa, Heringen, Kleinensee, Lamperts- feld, Wölfershausen
werden an die Erledigung der Verfügung vom 14. April 1893 J. I. Nr. 2205 (Kreisblatt Nr. 46), betreffend die Revision der Maaße, Wagn und Gewichte hierdurch erinnertemi t Frist b i S z um 20. Dezember 1895 bei Meidung von 3 Mark Strafe.
T. 7154. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtliches.
Die Buhnrestage des deutsch-französischen Krieges.
XXV.
Die Operationen Werders.
Der Name Werder hatte durch den Fall von Straßburg einen besonders guten Klang erhalten. Der General hatte sich schon im Frieden und dann im Kriege 1866 bewährt; aber nun wurde der Werth dieses Mannes noch mehr erkannt; im deutschen Hauptquartier war man jetzt der Meinung, diesem energischen und umsichtigen
nicht nur mit der kalt berechnenden Vernunft wählt, sondern auch mit dem warm empfindenden Herzen," erwiderte Rudolf mit bebenden Lippen und erhob sich. „Das Mädchen, welches ich von Herzen liebe und mit welchem ich glücklich zu werden gedenke, ist Röschen Herold!"
„Röschen Herold?" rief der Commerzienrath mit schneidender Stimme und einem an Entrüstung grenzenden Tone. „Ist dieses Mädchen nicht die Tochter des vor mehreren Jahren verstorbenen Kaufmanns Friedrich Herold, besten Geschäftshaus nach dem Tode des Inhabers für überschuldet erklärt wurde und bankerott machen mußte?"
„Ja, so ist es, Vater," entgegnete Rudolf mit erzwungener Ruhe. „Röschen Herold ist die Waise Friedrich Herolds und lebt bei ihrer hochbetagten Großmutter, für welche noch ein kleiner Rest des ehemals großen Vermögens der Familie Herold gerettet werden konnte."
„Zu dieser Verlobung verweigere ich mit aller Entschiedenheit meine Zustimmung," erklärte der Commerzienrath kaltblütig und erhob stolz den Kopf. „Das Mädchen paßt nicht in unsere Familie und ist auch Dir, Rudolf, meinem einzigen Sohne nicht ebenbürtig."
„O, liebster Vater, sieh nicht auf Rang und Reichthum bei meinem Herzenswünsche, sondern blicke auf die Tugend und Liebenswürdigkeit des braven Mädchens, das ich von ganzem Herzen liebe," bat Rudolf mit bewegter Stimme.
„Zu einer solchen Mißheirath erhälst Du meine Einwilligung nickt, Rudolf. Du befindest Dich in den Jahren,
1 Heerführer könne man getrost die schwierigsten Aufgaben zur Lösung anvertrauen. Betrachtet man das Bild des so hochverdienten Feldherrn, dann kommt dem Beschauer unwillkürlich auf die Lippen: „die personifizierte, ruhige, zielbewußte Energie!" Aber wie konnten diese meist so ernst dreinblickenden Augen auch so wohlwollend, herzer- wärmend, belebend leuchten; wer je unter diesem Zauber gestanden, der vermag es noch leichter zu fassen, daß Werders Truppen, vor allen auch die braven Badenser, unter seiner Führung zu den höchsten Leistungen angespornt wurden, Thaten vollbrachten, die nicht nur denen die anderswo geschehen, würdig zur Seite stehen, sondern ein besonderes Interesse in Anspruch nehmen. Ihren Gipfelpunkt fanden die Operationen des Generals in der Entsckeidungsfchlacht vor der Festung Belfort, wo der übermächtigen, durch den exaltierten Willen GambettaS fortgerissenen französischen Volksarmee der kleine/ aber gut organisierte, gut geschulte und planvoll, umsichtig geleitete deutsche Heereskörper sich entgegenstemmte und siegte.
Nach der Kapitulation von Straßburg wurde aus der badischen Division, einer aus den preußischen Regimentern Nr. 30 und 34 zusammengesetzten Brigade und einer Kavallerie-Brigade in der Stärke von 23 Bataillonen, 20 Eskadrons und 72 Geschützen das XIV. Armeekorps gebildet und unter den Befehl Werders gestellt mit der Weisung, zunächst nach der obern Seine abzurücken. Schon bei der Durchschreitung der Vogesen stieß die Vorhut des Korps auf den Feind; beim Austritt aus dem Gebirge fand man die hier versammelten französischen Truppen zu ernster Gegenwehr bereit. Es kam besonders in der letzten Hälfte des Oktober zu ernsten Kämpfen am Ognon, aus denen die Deutschen siegreich hervorgingen; am 31. Oktober wurde dann Dijon nach heftigem Gefecht und unter nicht unbeträchtlichen Verlusten besetzt. Die Einnahme dieses Platzes durch die Deutschen machte einen großen moralischen Eindruck in Frankreich und vereitelte zunächst die gerade dort beabsichtigte Versammlung stärkerer feindlicher Kräfte.
Indeß im weitern Verlauf gestaltete sich die Lage Werders sehr schwierig; der Feind verstärkte sich, so auch besonders durch die Schar des alten italienischen Freiheitskämpfers Garibaldi, der sich gedrungen fühlte, an der Seite der Nation zu streiten, die feinem Vaterlands zur Freiheit verholfen, und außerdem geboten die wo man schwärmt, ja wo man glaubt, mit Schwärmen durch das Leben kommen zu können. Aber bald wird die Ernüchterung kommen und Du wirst es mir noch Dank wissen, daß ich Dich von einem übereilten Schritte zurückhielt."
„O, es ist keine Uebereilung, es ist herzliche, wahrhaftige Liebe, die mich zu dem Schritte trieb," erklärte der junge Mann, „ich bitte Dich, erwäge das Vater, ehe Du mich und ein braves, aber armes Mädchen unglücklich machst."
„O, liebster Vater," schmeichelte Gertrud, „gewähre doch den Herzenswunsch Rudolfs. Röschen Herold ist wirklich ein gutes, liebes und hochgebildetes Mädchen."
„Ich bitte auch für Rudolf," sagte die Frau Commerzienrath halblaut und zögernd.
„Das fehlte mir gerade noch, daß Du, Therese, mich auch noch um die Erfüllung von Rudolfs thörichtem Wunsche bittest," wandte sich der Commerzienrath im gereizten Tone an seine Frau.
„Siehst Du denn nicht ein, daß diese Tochter eines bankrotten Kaufmanns nicht in unsere Familie paßt und deshalb auch Rudolfs Frau nicht werden kann? Soll ich vielleicht durch die Thorheiten meines Sohnes und die übel angebrachte Nachsicht seiner Mutter die bevorzugte Stellung, die ich mühsam genug in der Gesellschaft errungen habe, wieder erschüttern lassen."
„Dies ist sicher weder meine, noch Rudolfs Absicht," erklärte die Frau Commerzienrath mit ruhiger Würde, „denn wir wissen sehr wohl, was wir unserer gesellschaftlichen Stellung schuldig sind. Ich wage aber zu behaup-