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HersseMr miMt.
Gratisbeilagen: „Allnstrirtes Ssnntagsblatt" n. „Illnstrirte landwirthsehaftliche Beilage".
Pr. M ImerstW Sei 12. Iezmber 18V.
Amtliches.
Hersfeld, den 6. Dezember 1895.
Der § 3 der Polizei-Verordnung vom 30. März 1887 lautet:
„Jedes Fuhrwerk, welches seiner Natur nach nicht ausschließlich zur Beförderung von Personen bestimmt ist, muß auf der linken Seite an beständig sichtbarer Stelle mit dem Namen (Firma) und Wohnort des Eigenthümers und, wenn letzterer mehrere derartige Fuhrwerke besitzt, auch mit besonderer Nummer versehen sein.
Diese Bezeichnung muß in durchaus deutlicher Schrift mit Buchstaben von nicht unter 5 cm Höhe ausgeführt sein."
Es genügt hiernach nicht, daß die Namensbezeichnung in Kreide angeschrieben wird, wie mehrfach Fuhrwerke dahier wie auch in den benachbarten Großherzog-1 lich Weimarischen Bezirken angetroffen worden sind.
Die Ortspolizeibehörden und die Königliche Gendarmerie des Kreises haben auf die Befolgung obiger Vorschrift ihr Augenmerk zu richten, Zuwiderhandlungen aber zur Bestrafung zu bringen.
l. 6978. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz,
Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtliches.
Aus dem Reichstag.
Berlin, 9. Dezember. Der Rei cb«tag beschloß heute zunächst die Aussetzung der gegen die sozialdemokeatifchen Abgg. Stadthagen, Bueb, Liebknecht, Hirschel, Fischer und Möller schwebenden Sirafver- fabren und trat jobann in die erste Lesung de« Etats ein. StaatS- stkretair Graf PofadowSky wendet sich gegen den mehrfach öffentlich ausgesprochenen Vorwurf, daß die Etatseinnahmen absichtlich in einem ungünstigen Lichte dargestellt würden. Diese tendenziöse Unterstellung entbehre jeder Begründung. Der Voranschlag erfolge nach dem dreijährigen Durchschnitt, und die wirklichen Einnahmen hätten die etatS- mäßigen nur um 12 Millionen überschritten, waS bei einem so großen Etat nicht viel besagen wolle. Redner bespricht sodann die einzelnen EpezialetatS und betont hierbei, daß bei der Börsensteuer alle traurigen VorauSsagungen nicht eingetroffen feien; trotzdem werde sie aber als ein unsicherer Faktor behandelt werden müssen. Die verbündeten Regierungen seien ernstlich bemüht, den Steuerzahlern nicht wesentlich höhere Opfer als im Vorjahre aufzuerlegen, und bäten um eine wohl
wollende Piüiung der Etats. Abg Fritzen Etr.i hebt he-vor, daß seine Partei den Vorwurf tendenziöser Etat-aufstellung nicht erhoben habe; man müsse im Gegentheil anerkennen, daß der Etat vorsichtig ausgestellt sei. Die gegenwärtige Finanzlage berechtige zu der Hoffnung, daß man ohne neue Steuern auSkommen werde. Redner berührt nunmehr die Reichsfinanzreform und betont sodann, daß angesichts der jüngsten Botschaft des Präsidenten der Vereinigten Staaten eine Aeußerung der Regierung über unsere Beziehungen zu den letzteren erwünscht wäre. War die Militairsirafprozeßr-sarm betreffe, so sei sie zwar besser als ihr Ruf, aber es liege im Interesse der Militairvcrwaltnng, die Oeffentlichkeit einzuführen, soweit eS die Disziplin gestatte. StaatS- minister Frhr. v. Marschall führt aus, daß bezüglich der Behandlung des deutschen Zucker« Seitens der Vereinigten Staaten die Sachlage geradeso beschaffen sei, wie im Vorjahre. Die Regierung der Vereinigten Staaten habe Alles gethan, um der Beschwerde der deutschen Regierung Geltung zu verschaffen; der Versuch sei aber an dem Widerstände de« SenatS gescheitert. Unter diesen Umständen müsse e» allerdings überraschen, daß der Präsident der Vereinigten Staaten in seiner jüngsten Botschaft die Bcforgniß auSspreche, daß wir die amerikanischen Nahrungsmittel differentiell behandelten und auch amerikanische Versicherungsgesellschaften einer vexatorischen Behandlung unterzögen. Diese Behauptung entbehre der Begründung, Wir hätten die VertragS- verpflichtungen getreu erfüllt, und man dürfe zum auswärtigen Amt das Vertrauen haben, daß e« mit der Festigkeit auch die Ruhe und Mäßigung verbinden werde, auf welche unsere Produzenten einen Anspruch haben. Abg. v. Kardorff (Reich-P.) spricht seine Genugthuung über die Erklärung des StaatSsekretairS de« Auswärtigen Amte« aus, berührt sodann den Jtampf gegen die Sozialdemokratie und hofft, daß die Regierung die Einheitlichkeit in ihren Entschlüssen zeigen werde, die nothwendig sei, um unser Vaterland por den Gefahren der Um- sturzidee zu bewahren.
Berlin, 10. Dezember. Der Reichstag beschloß heute zunächst die Aussetzung der gegen die sozialdemokratischen Abgg. Horn und Brühme schwebenden Strafverfahren und setzte hierauf die erste Lesung des Etat« fort. Abg. Richter (frs. Volksp.) vermißt in dem Etat, insbesondere in dem Militäretat, die zu seiner Beurtheilung erforderliche Klarheit, findet den Marineetat zu hoch, will das Haus auch auf den PensionSetat aufmerksam machen, wünscht eine Erklärung über den Stand der Militärstrafprozeßreform und über die Frage der Umgestaltung der vierten Bataillone und spricht sich gegen da« Zuckersteuergesetz aus, da« ein nothwendige« Nahrungsmittel wesentlich belasten würde. Diese Session sei überhaupt so sehr mit Vorlagen bedacht, daß e8 unmöglich sei, alle Sachen zu erledigen Die Feier de« 25jährigen Jubiläum« der Wiederrichtung des deutschen Reiche« lege den Vergleich zwischen jetzt und einst nahe, aber der Vergleich falle nicht zu Gunsten der Gegenwart au«, denn die Militärlasten seien verdoppelt, die Steuerlast nahezu verdreifacht und die Gesetzgebung seit 1879 erschwere eS, die Lasten zu tragen. Der Redner berührt schließlich den im preußischen Ministerium vollzogenen Wechsel und betont dabei, daß die Schaffung der »Berliner Correspondenz" wirklich etwa« Gute« sei; e« wäre nur zu wünschen, daß sie von allen Ressorts fleißig benutzt würde und daß die Verhökerung amtlicher Schriftstücke aufhörte. Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe spricht seine Verwunderung au«, daß ein so erfahrener Politiker, wie der Abg. von Kardorff, gestern auf daS Gerede der Zeitungen einging, daß die Minister sich in den Blättern bekriegen. DaS Ziel und die Richtung der Regierungen seien in dem Programm festg-legt, welche« er, Redner,
im vorigen Jahre entwickelt habe. Darin habe sich nichts geändert und die Minister seien nach wie vor damit einverstanden. Der Rücktritt des Minister« v, Köller sei nicht ausschließlich durch Meinungsverschiedenheiten verursacht worden, sondern durch Mißhelligkeiten, die mit Meinungsverschiedenheiten verknüpft gewesen. Auch der Vorwurf, daß der Regierung die Initiative mangele, sei ungerechtfertigt, denn Initiative könne man nur haben mit einem Reichstage, der eine ge» schloffene Majorität besäße; daS sei bei unS nicht der Fall. Deffen- ung^achtet werde die Regierung iortsahren, die gegen die StaatS- und Gesellschaftsordnung gerichteten Bestrebungen zu bekämpfen, zwar nicht durch eine neue GesetzeSvorlage, aber durch die Anwendung der bestehenden Gesetze. Die Sozialdemokratie und ihre Presse hätten bei dem diesjährigen Sedanfest die nationale Bewegung mit Hohn und Spott überschüttet, getreu dem Wort, daß da« Vaterland ein kulturfeindlicher und reaktionärer Begriff sei. Wenn die Regierung die Zügel straffer gezogen, so habe sie dabei die Zustimmung aller Wohlgesinnten gefunden. Abg. E n ecc e r u « (natlib.) erklärt, daß die überwiegende Mehrheit seiner Partei den Antrag Kanitz für schädlich und die Agitation für den Antrag für gefährlich betrachte. Es werde aber deshalb zu einer Spaltung der Partei nicht kommen, wie der Abg. Richter wünsche. Der Redner betont sodann die Nothwendigkeit der Reichsfinanzreform, die über kurz oder lang werde durchg-führt werden müssen, tritt ferner für die Forderungen der Marineverwaltung ein,, die bei den vitalen Interessen, welche die Flotte zu schützen habe, nicht zu hoch seien, und empfiehlt, bei der Berathung des Bürgerlichen Gesetzbuchs mit AbänderungSanträgen möglichst sparsam zu sein. Auf Anregung deS Abg. Ennecceru« erklärt der StaatSminister von B ö t t i ch e r, daß die Revision der ArbeiterversicherungSgesetze in der. selben Reihenfolge vorgenommen würde, in welcher die Gesetze selbst entstanden seien. Di>^rt.'!e_ zum Krankenkassengesetz bewähre sich gut; der bereit« veröffentlichte RevisionSentwurf zum Unfallversicherung«, gesetz müsse noch einer Nachrevision unterworfen werden und auch da« Gefetz über die Invalidität-- und Altersversicherung der Arbeiter sei bereits unter die Lupe genommen worden. Es werde Alles geschehen, um diese« Gesetz leichter auSsührbar und der Bevölkerung schmackhafter zu machen.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 10. Dezember.
Das Präsidium des Reichstags: die Herrn Frhr. v. Buol, Schmidt und Spähn wurden gestern Nachmittag 6 Uhr im hiesigen Königlichen Schloß von Sr. Majestät dem Kaiser in besonderer Audienz empfangen. Der Kaiser begrüßte die Herrn auf das freundlichste, sprach von den bedeutungsvollen Aufgaben, die auch in dieser Session zu erledigen seien, und wünschte einen gedeihlichen Fortgang der parlamentarischen Verhandlungen. Des Weiteren theilte Se. Majestät mit, daß er am 18. Januar zur Feier der fünfundzwanzigjährigen Wiederkehr der Aufrichtung des deutschen Reiches ein großes
(Nachdruck verboten.)
Die Orophezeihung.
Novelle von H. v. Z i e g l e r.
(Fortsetzung.)
Dem Capitän gegenüber, im Schaukelstuhl mehr liegend als sitzend, lehnt ein wunderschönes Weib, die Cigarette zwischen den Lippen, höchste Lebenslust aus den Augen . strahlend. Es ist Sennorita Juana, die Schwester des reichen Plantagenbesitzers Montez, welcher der stattliche Fremdling anscheinend nur zu gut gefällt. Sein Schiff liegt draußen im Hafen, er selbst, Achim Meinart, hat die ihm gewordene herzliche Einladung zu dem Sennor angenommen und nicht zum mindesten um Juanas Willen.
z . "®ie Ijaben Familie in Europa gelassen?" frug das fchöne Mädchen sinnend und ihr Blick schien ihm bis ins Herz hinein dringen zu wollen.
„Nein," entgegnete Achim, aber er konnte nicht hindern, daß ein leises Roth seine Stirn färbte, er mußte jenes schönen, blonden Mädchen gedenken, deren Ring, das Unterpfand ihrer Treue, er auf der Brust trug. Weshalb er ihn damals auf hoher See vom Finger gestreift und seitdem verborgen getragen, hatte er sich nicht einmal recht klar gemacht,, doch war» wohl aus dem geheimen Empfinden geschehen, nicht als gebunden zu gelten.
„Wie man sich doch täuschen kann, Herr Capitän," / lächelte Juana neckisch, „ich meinte, Sie müßten ein recht solider Ehemann sein."
„Ich habe keine Eltern und auch keine Geschwister mehr," fuhr Achim fort, ohne diese letzte Einwendung zu beachten, „kurz, ehe ich damals von daheim abreiste, starb meine Tante, eine Schwester meiner Mutter."
„Und Sie sind schon recht lange von Europa fort?"
„Ja, sehr lange, drei Jahre nun schon und wird es wohl auch noch eine Weile dauern, ehe ich heimwärts steuern kann."
„Ihr Deutschen habt stets solch ein lächerliches Verlangen, zu den häuslichen Penaten zurückzukehren," lachte die schöne Sennorita etwas spöttisch, „ists da nicht oft recht langweilig?"
„Nein, mir ists stets am wohlsten zu Hause," gestand der Capitän ehrlich, doch er erwähnte nichts von Elsa; eS war doch nicht nöthig, daß er der schönen Südländerin von dem blonden, sanften deutschen Mädchen erzählte.
Sennor Montez gesellte sich inzwischen ebenfalls zu der Gruppe; es war ein hagerer, ältlicher Mann mit bartlosem, strengem Antlitz, der sich in großer Aufregung zu befinden schien.
„Ah, Sennor Capitano," rief er hastig, „da wird mir soeben eine Tigerfährte gemeldet und werde ich jedenfalls heute gegen Abend hinausreiten zur Jagd. Sie kommen doch mit? Habe schon die Treiber bestellt, es wird kapital werden, denke ich!"
„Natürlich komme ich mit," entgegnete Achim erregt aufspringend, „ich habe noch nie eine Tigerjagd mitgemacht und interessirt sie mich sehr lebhaft. Also wann wollen wir aufbrechen? Doch noch beim Büchsenlicht?"
„Ja natürlich, und wenn wir ihn heute nicht finden, dann versuchen wir es morgen früh bei Tagesanbruch nochmals."
„Hm, so müssen die Herren noch ein Glas kühlen Sekt und einen kleinen Imbiß vorher genießen," meinte Juana liebenswürdig und drückte auf die elektrische Klingel, um bei dem sogleich erscheinenden Schwarzen eine Erfrischung zu bestellen.
Die Herren zogen sich zurück, um ihren Anzug für die Jagd zu ordnen, und das schöne Mädchen starrte indes, die Arme unter dem Kopf zusammengeschlagen, sinnend in die Ferne.
„Er gefällt mir," murmelte sie träumerisch, „und wenn er nicht in der Heimath gefesselt ist wenn er mich liebt, so will ich all meine Liebe über ihn ausströmen und ihn beglücken, wie nur ein südländisches Weib es vermag. Aber ich will einen Mann, der noch kein anderes Mädchen vor mir geküßt, dem ich Alles sein und schenken kann und der dafür auch mir ganz allein gehört mit Leib und Seele."
Und dabei flammten die schwarzen Augen, die Brust hob und senkte sich ungestüm und um die vollen, rothen Lippen spielte ein verlangendes Lächeln.
Ihr Bruder trat zuerst wieder in die Veranda.
„Nun, Juanita, was ist Dir? So gedankenvoll und einsam? Wo ist Meinart?"
„Er trifft seine Vorbereitungen zur Tigerjagd, aber Bruder, das Eine verlange ich von Dir, bringe ihn lebend zurück, oder —"
„Aber, Mädchen, was fällt Dir ein? Du sprichst