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Hersselkr ärei$Miitt
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Nr. 111. SmalM Sei H NüRmber 18V.
Erstes Blatt.
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Amtliches.
Bekanntmachung.
Wir haben genehmigt, daß der- Königliche Forstkaffen- rendant C r e d 4 zu Friedewald als Verwalter der Königlichen Forstkasie zu Friedewald sich unter seiner vollen persönlichen Verantwortlichkeit durch seinen Gehilfen K e S p e r in den Verkaufsterminen von Holz und anderen Forstprodukten der Oberförstereien Friedewald und Heringen vom 1. Dezember 1895 ab vertreten läßt.
Casiel. den 26. November 1895.
Königliche Regierung, Abtheilung für direkte Steuern, Romainen und Forsten. B.
S ch ö n i a n. Mehlbunge r.
Hersfeld, den 27. November 1895.
Nach Mittheilung der Königlichen Staatsanwaltschaft zu Casiel sind die Herren Orlsvorstände zu Allendorf, Ausbach, Biedebach, Bingartes, Eichhof, Friedlos, Goßmannsrode, Harnrode, Herfa, Kohlhausen, Lampertsfeld, Malkome«, Meckbach, Mecklar, Meisebach, Oberrode, Petersberg, Sieglos, Sorga, Tann, Widdershausen, Wilhelmshof, Wölfershausen
mit Einsendung der Anzeige über das Ableben bestrafter Personen für das 1. Kalenderhalbjahr 1895 noch nn Rückstände und werden dieselben deshalb hierdurch an die alsbaldige Erledigung der diesseitigen Verfügung vom 24. September 1890 Nr. 8876, Kreisblatt Nr. 114, erinnert, mitFrist bis zum 3. Dezember 1895 bei Meidung von 3 Mark Strafe.
Die erfolgte Einsendung der fraglichen Anzeige ist mir berichtlich anzuzeigen.
I. I. Nr. 6796. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs Rath.
Nichtamtliches.
Advent.
Das alte Kirchenjahr ist zu Ende gegangen und an der Schwelle des Neuen begrüßt uns die Adventszeit, die Adventszeit mit ihrem fröhlichen Glanz, mit ihrer eigenartigen Weihe, ihrem sehnsüchtigen Hoffen und Erwarten. In ihr haben wir Christen des neuen Bundes etwas, das uns erinnert und in Zusammenhang bringt mit dem „höchsten Wunsch und Sehnen" der alten Väte'r- schaar. Die Adventszeit ist eine prophetische Zeit. In ihr leben wie in keiner anderen die Weissagungen des alten Bundes wieder auf, wir verfolgen ihre ununterbrochene Kette, bis in dem letzten und größten Propheten zugleich der vor uns steht, der dem Christkind unmittelbar den Weg bereiten soll. Advent heißt Ankunft, und auf die Ankunft des Herrn im Weihnachtsfest, auf die große Freude, die allem Volke widerfahren soll, vorzu-
bereiten, ist seine Aufgabe. Schon äußerlich trägt die Adventszeit deutlich die Züge einer Uebergangs-, einer Warte- und Vorbereitungszeit an sich. Wo wären Eltern, die nicht mit stiller Freude beobachteten, wie das Weihnachts- fest einen Strahl seines Lichtes bereits vorauswirft in die Herzen ihrer Kinder, wie der Gedanke an dies schönste Kinderfest in den Kleinen auftaucht zuerst hier und da, dann häufiger, zuletzt sie ganz gefangen nimmt und endlich die Sehnsucht nach Weihnachten ihr ganzes Denken beherrscht. In der Adventszeit verstehen wir es am besten, was der Heiland will mit seiner Forderung, daß wir werden sollen wie die Kinder. Wenn wir ihnen sagen wollten: „Zu Weihnachten wird euch nicht be- scheert," sie würden zum ersten Mal zweifeln an der Wahrhaftigkeit ihres Vaters, sie würden denken: das missen wir aber wirklich bester, daß unser liebes Christkind uns nicht vergißt. So vertrauend wie die Kinder sollen wir werden. Wenn sie sich Dinge wünschen ohne Maß und ohne Ziel, sozusagen das Blaue vom Himmel herunter und bedeutet werden: das kann euch das Christkind aber wirklich nicht bringen, was bleibt dann für die andern Kinder übrig? Wie schnell schränken sie ihre Wünsche bis auf eine geringe Kleinigkeit; „aber das möcht ich doch haben!" heißt es da. Wie die Kinder sollen wir werden; Alles, auch das Größte aus den ewig reichen Gotteshänden erbitten und erkennen, daß uns auch in der kleinsten Gabe Alles, die ganze Liebe, gegeben ist. Wie sind die Kinder so begierig, doch, wenn es ginge, nur einmal das Christkind zu sehen. Wie die Kinder, sollen wir unser Leben dem Wunsche und Verlangen unterstellen, einst zu schauen, was wir geglaubet haben. So predigt uns der Advent die Kindheitszeit des neuen Kirchenjahres, von Allem das eine, „so ihr nicht werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen."
Die Buhmestage des deutsch-französischen Krieges.
XXIV.
Die Wiedereroberung von Orleans.
Der Sieg bei Beaune la Rolande hatte doch nicht derart niederschlagend auf die französische Loire-Armee gewirkt, daß General d'Aurelle, auch immer wieder durch Gambetta angestachelt, auf weitere Unternehmungen verzichtet hätte; vielmehr ließ er am 1. Dezember schon wieder drei Korps gegen den rechten Flügel der Abtheilung des Großherzogs von Mecklenburg anrücken, und es gelang den Franzosen, das bayerische Korps von der Tann nach tapferer Gegenwehr bei Villepion zurückzu- drängen. Bei dem Rückzugsgefecht fand der junge Helden- müthige Prinz Leopold von Bayern Gelegenheit, sich besonders hervorzuthun, indem er, obgleich verwundet, die nachdrängenden feindlichen Scharen immer wieder mit Kartätsch- und Granatfeuer im Schach hielt und dadurch wesentlich zur Sicherung des Rückzuges beitrug.
Am 2. Dezember rückte der Großherzog mit all seinen Kräften dem Feinde entgegen, und es entwickelte sich die Doppelschlacht bei Loigny-Poupry, die mit der Niederlage der Franzosen an beiden Punkten endete. Wieder hatten die Bayern den ersten Vorstoß der Franzosen unter dem kühnen und begabten General Chanzy auszu- halten; sie wiesen ihn ab, aber sie waren zu schwach, um weiter vordringen zu können; ja, einen Augenblick konnte es dem schlacht- und sieggewohnten General von der Tann zweifelhaft erscheinen, ob seine zerschossenen, schwachen Bataillone sich weiter würden behaupten können. Da plötzlich änderte sich alles. Die feindlichen Massen wankten, ihr Feuer verstummte, gebrochen sanken sie auf Loigny zurück, hinter, und neben ihnen blinkten im Hellen Wintersonnenschein die preußischen Pickelhauben, die preußischen Bajonette. Die 17. Division, die Mecklenburger und Hanseaten, hatten in den Kampf eingegriffen; sie warfen den Feind und eroberten dann Loigny; an einer andern Stelle drang General v. Orff mit der 3. bayrischen Brigade siegreich vor. Bis in den Abend wurde noch gekämpft, aber die sich auf die blutgetränkten Ge
filde senkende Winternacht sah die Deutschen als Sieger* und ebenso hatte auch General v. Wittich mit seiner 22. Division nach hartnäckigstem Kampf bei Poupry den Sieg davongetragen.' Nicht unwesentlichen Einfluß auf denselben hatte bei Loigny die 4. Kavallerie-Division unter Prinz Albrecht Vater, bei Poupry die 3. gehabt.
Der Weg nach Orleans lag nunmehr frei, und es konnte der . Weisung des großen Hauptquartiers in Versailles, sich so schnell wie möglich in den Besitz der Stadt zu setzen, unverzüglich entsprochen werden; Prinz Friedrich Karl und der Großherzog gingen nun vereint gegen Orleans vor. Besonders ernst wurde am 3. Dezember bei Chevilly gekämpft, die Deutschen waren am Abend bis auf zwei Meilen Orleans nahe gerückt. Der 4. Dezember sah dann den Großherzog nach fortwährendem Kampfe am späten Abend an den Thoren der Stadt. Um Mitternacht hielt er mit klingendem Spiel an der Spitze eines Bataillons der 17. Division seinen Einzug in Orleans, das im fahlen Mondschein, tobtenstifle, alle Häuser geschlossen, dalag. An der Reiterstatue der Jungfrau von Orleans machte der Großherzog mit seinem Stäbe Halt. Mit Hurra-Rufen zogen seine siegreichen Truppen an ihm vorüber. Wuchtig dröhnte der Schritt der Sieger durch die Stille der Nacht auf dem Pflaster der bezwungenen Königsstadt.
In Sonderheit der Tag von Loigny-Poupry ist ein wahrhafter Ruhmestag der Heeresabtheilung des Großherzogs von Mecklenburg, dessen ritterliche Gestalt auf seinem Rothschimmel — den »Grenadier" nannten ihn die Soldaten — den Mitkämpfern unvergessen bleibt, ja, unvergessen bleibt, wie dieser tapfere und edle deutsche Fürst mitten im ärgsten Feuer mit größter Ruhe das Gefecht leitete, ein erhebendes Beispiel für seine Truppen, namentlich seine Landeskinder, seine Mecklenburger. Ungefähr 35 000 Deutsche mit 196 Geschützen hatten am 2. Dezember 93 000 Franzosen mit 264 Geschützen gegenüber gestanden. Während die Deutschen 4200 Mann einbüßten, verloren die Franzosen 18000 Mann und 9 Geschütze.
Durch diese Ereignisse war die stärkste Armee, welche das republikanische Frankreich bisher aufgestellt halte, in drei Theile zerrissen; aber noch war ihre Kraft nicht gebrochen; ihre Seele, der unermüdliche Chanzy, der jetzt auch den Oberbefehl erhalten hatte, leistete nicht nur weiter tapfern Widerstand, sondern ging sogar wieder angriffsweise vor, so daß es ein neues, heißes Ringen zwischen ihm und der Atheilung des Großherzogs vom 7. bis 10. Dezember bei Meung, Beaugency und Cravant gab, aus dem aber die Deutschen als Sieger Heroor- gingen. Jetzt erst zog sich Chanzy auf le Mans zurück, wo es dann im Januar zu neuen Kämpfen zwischen ihm und Prinz Friedrich Karl kam, die die Vernichtung der französischen Loire-Armee herbeiführten. T.
Nachrichten.
Inland.
Berlin, 28. November.
Heute Vormittag empfing S e. Majestät der Kaiser von 9 Uhr ab den Kriegsminister und den Chef des MilitairkabinetS zum Vortrage; später hatten der außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister in Bukarest, Graf von Leyden, und der Landrath des Landkreises Bonn, Dr. v. Sandt, die Ehre, von seiner Majestät empfangen zu werden. Gegen 1 Uhr hörte Allerhöchstderselbe den Vortrag des Reichskanzlers und des Staatssekretairs des Auswärtigen. An der Frühstückstafel im Neuen Palais, welche um 1 */» Uhr statt- fand, nahmen Theil: der Fürst von Hohenzollern, Höchst- welcher hier eingetroffen ist; ferner der Erbprinz und die Erbprinzessin, sowie Prinz und Prinzessin Friedrich von Hohenzollern. Nachmittags um 4 Uhr begab sich Se. Majestät zur Jagd mittelst Sonderzuqes nach Neu- Gattersleben.
Im Namen des Kaiserpaares wurde-am 27. November, dem Todestage der Fürstin B i s m a r ck,