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U M IieiiftW Seil 26. RodMier 1895.
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Amtliches.
Hersfeld, den 21. November 1895.
In Nr. 134 des Kreisblattes und Nr. 138 der Hersfelder Zeitung ist eine Ansprache an die Bevölkerung über Wesen und Ziele der bevorstehenden Volkszählung veröffentlicht worden.
Die Herren Ortsvorstände wollen derselben durch Vorlesung in den Gemeindeversammlungen, die Herren Lehrer durch Besprechung in den Schulen die größtmögliche Verbreitung geben.
Auch wird hierbei der unter der Bevölkerung noch vielfach verbreiteten irrthümlichen Annahme entgegenzu- treten sein, daß die Volkszählung zu irgend welchen steuerlichen Zwecken erfolge.
I. 6668. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 16. November 1895.
Es wird hierdurch veröffentlicht, daß der Kreisaus- schuß des hiesigen Kreises in seiner heutigen Sitzung gemäß § 18 des Gesetzes vom 12. März 1881, betreffend die Abwehr und Unterdrückung der Viehseuchen, aus den sachverständigen Eingesessenen des Kreises für das Jahr 1896 folgende als Schiedsmänner zu den Schätzungskommissionen heranzuziehende Personen gewählt hat:
1. Oekonom Peter Heil zu Hersfeld.
2. „ Friedrich Friedrich zu Hersfeld.
3. Gutsbesitzer Richard Braun zu Oberrode.
4. Domainenpächter Königl. Oberamtmann Freise zu Vingartes.
5. Domainenpächter Königl. Oberamtmann Oldenburg zu Wilhelmshof.
6. Domainenpächter Königl. Oberamtmann Sunthenn
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zu Eichbof.
Gutsbesitzer Schwarz zu Unterhaun.
„ Franz Roll zu Meisebach.
„ Ferdinand Roll zu Obergeis.
10. Landwirth Johannes Claus zu Mecklar.
H. Bürgermeister Glebe zu Kohlhausen.
12. Oekonom Philipp Schäfer zu Mengshaufen. Bezzenberger zu Kirchheim. Meister zu Beiersgraben.
„ Johannes Jacob Schenk zu Kerspenhausen.
16. Bürgermeister Nuhu zu Asbach. Landwirth George Waitz zu Harnrode.
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Gutsbesitzer Gerlach zu Nippe. „ Führer jun. zu Lautenhausen. „ Hoßbach zu Hof Weisenborn. „ Gliemeroth zu Wölfershausen. Gasiwirth Ruch zu Widdershausen. Gutspächter Otto zu Oberlengsfeld. Landwirth Burghardt Rüger zu Unterweisenborn. Oekonom Adolph Reinhard zu Unterwelsenborn. Ackermann Heinrich Burghard I. zu Ransvach. Gutsbesitzer August Aulepp zu PhilipPsuM. Schmied Scheer zu Schenklengsfeld.
29. Ackermann Rudolph zu Ausbach.
30. „ Peter Bock zu Conrode
31. Oswald Steinhauer zu Wustseld
Aus "der Zahl dieser Personen hat die Ortspolizei
behörde die Schiedsmänner für jeden einzelnen Schätzungsfall' zu ernennen. Die Schätzung erfolgt durch die aus dem beamteten Thierarzte und zwei Schiedsmännern gebildete Kommission, und sind die Schiedsmänner von der Ortspolizeibehörde eidlich zu verpflichten. Dasselbe gilt, wenn an Stelle des beamteten Thierarztes ein nicht beamteter Thierarzt zugezogen wird, für diesen, sofern derselbe nicht im Allgemeinen als Sachverständiger beeidigt ist.
Die den Schiedsmännern als Ersatz für Reisekosten und Auslagen zu gewährende Vergütung wird im Verwaltungswege festgesetzt und aus der Staatskasse best ritten
Die Herren H)rtsvorstände des Kreises haben die vorstehend genannten Personen alsbald von der auf sie gefallenen Wahl in Kenntniß zu setzen und denselben zugleich zu eröffnen, daß sie verpflichtet seien, auf amtliche Requisition erforderlichen Falles an allen Orten des Kreises Abschätzungen vorzunehmen.
A. 2885. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Verloren: Aus dem Wege von Schenklengsfeld nach Hilmes ein ledernes Schurzfell. Der ehrliche Finder wird gebeten, dasselbe an den Ortsvorstand zu Schenk- lengsseld abzuliefern.
Nichtamtliches.
Die Ruhmestage des deutfch-stanzssischen Arieges.
XXIII.
Befreiungsversuch der Armee von Paris.
30. November und 2. Te^mber 1870
Schlacht bei Villiers-Champigny.
General Trochu, der Oberbefehlshaber in Paris, hatte in der zweiten Hälfte des November beschlossen, einen neuen in großartigem Maßstabe geplanten Ausfall nach Osten zu machen, mit dem gleichzeitigen Gedanken, der Loire-Armee die Hand zu reichen, deren siegreiches Vorgehen er sicher erhoffte. Zuvor suchte man den Gegner durch Scheinausfälle, zum Theil recht ernster Natur, besonders nach Westen, zu täuschen; in der Nacht vom 28. zum 29. November wurde dann der den Deutschen schwer zugängliche Höhenrücken des Mont Avron, unmittelbar östlich des Forts der Ostseite, Fort de Rosny, mit etwa 10 000 Mann und entsprechender Artillerie besetzt, und am 30. November, wo der Durchbruch erfolgen sollte, standen mehr als 100 000 Mann zur Ausführung der Unternehmung bereit. Der Stoß traf die Württem- berger und die Sachsen, die infolge der beim Feinde bemerkten ungewöhnlichen Bewegung zu deren Unterstützung herangezogen waren.
Schon in der Frühe des Morgens griff General Ducrot die deutschen Stellungen an, nachdem seine Truppen über den Marnefluß gegangen waren. Noch lag völlige Dunkelheit über der Gegend, da sahen die sächsischen Vorposten in Champigny plötzlich die dunklen Gestalten der französischen Schützen vor sich auftauchen; nach einstündigem Gefecht mußte Champigny geräumt werden, während Bry schon vorher verloren gegangen war. Um 10 Uhr begann dann ein Angriff im Marsche gegen die deutsche Hauptstellung in und bei Villiers und insonderheit gegen den dortigen Park, nachdem eine wahrhaft betäubende Kanonade aus sämmtlichen Geschützen der Ostforts denselben eingeleitet hatte. Zwei deutsche Brigaden: die 48. sächsische und die 1. württembergische widerstanden auf heldenmüthigste Weise dem wiederholten heftigen Ansturm mehrerer feindlichen Divisionen; ja die Württemberger gingen von Coeuilly dann zum Gegenstoß vor, um Champigny zurück zu erobern. Aber dieser scheiterte, und die braven Schwaben mußten unter furchtbarem Verlust zurück, behaupteten sich aber im Park von Coeuilly, den nunmehrigen Angriff der Franzosen so energisch zurückmeisend, daß diese erschüttert, zum Theil in Flucht, zurückwichen. Der überaus blutige Kampfes
tag begann sich zu neigen; deutscherseits empfand man trotz des Verlustes von Bry und Champigny doch mit einiger Befriedigung, sich gegen solche Uebermacht behauptet und den Durchbruchsversuch des Feindes vereitelt zu haben.
Allmählich erlosch das Gefecht, es flammte aber noch einmal weiter nördlich bei Noisy in ganzer Heftigkeit wieder auf. Ein neu eingetroffenes französisches Korps unternahm hier einen nochmaligen Vorstoß. Wie eine ungeheure Woge ergoß sich die Masse der Feinde über die Ebene, aber das wohlgezielte mörderische Feuer der sächsischen Infanterie und Artillerie bewirkte, daß die Massen wie im Sturm zerstoben und in wilder Flucht zurückflutheten. Damit erlosch der Kampf auch hier mit hereinbrechender Dunkelheit. Dem klaren Wintertage folgte eine bitterkalte Nacht, dazu mußten die meisten Truppen auf hart gefrorenem Boden ohne wärmendes Feuer zubringen.
Am 1. Dezember, welcher ohne Kampf verlief, eilten auf Befehl des Kronprinzen von Sachsen noch Theile der 23. sächsischen Division und des 2. preußischen Korps heran, und es waren am 2. Dezember nun 40000 Mann mit 162 Geschützen bereit, dem Feinde Bry und Cham- pignv wieder zu entreißen. In der Frühe des Morgen- warfen sich die Sachsen auf Bry, die Württemberger auf Champigny. In den stark verbarrikadierten Dörfern entspann sich nun ein erbitterter verlustreicher Häuserkampf. Obgleich die Pommern auch noch bei Champigny eingriffen, kam es nicht zu völliger Entscheidung; aber dieser energische Vorstoß ließ General Ducrot deutlich erkennen, daß der Durchbruch nicht gelingen könne; er blieb noch am folgenden Tage in seinen Stellungen, führte aber dann am 4. Dezember seine stark erschütterten Truppen nach Paris zurück; er selbst war verwundet. Die zweitägige Schlacht bei Villiers hatte das Schicksal der Hauptstadt entschieden, die Verlustlisten der Sachsen, Württemberger und Pommern aber sind Ehrentafeln, welche kommenden Geschlechtern von dem Todesmuth, der Hingabe und Disziplin der deutschen Streiter für immerdar Kunde geben werden. 5222 Mann, darunter 222 Offiziere, büßten die Deutschen ein, während der Verlust der Franzosen von ihnen selbst auf 12000 Mann beziffert wird. T.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 25. November.
S e. Majestät der Kaiser ist am Sonnabend Vormittag um 9 Uhr in der Göhrde mit den erlauchten Gästen zur Jagd aufgebrochen. Es fand zunächst eine Suche mit der Findermeute auf Sauen im Waschkabel statt. Nach Herrichtung der Strecke wurde das Frühstück gegen 12 Uhr im Jagdzelt eingenommen. Nach demselben erfolgte ein eingestelltes Jagen auf Rothwild und dann die Rückkehr nach dem Jagdschlösse Göhrde, wo um 4 Uhr die Mittagstafel statlfand.
Durch Vermittelung des Konsulats in Triest hat Kaiser Wilhelm für Laibach 6000 Mark gespendet.
Die beiden ältesten kaiserlichen Prinzen beziehen im Frühjahr das Schloß in Plön in Holstein, um dort das Gymnasium zu besuchen.
Prinz Heinrich ist Anfang dieser Woche mit seiner Familie zum Winteraufenthalt nach Neapel gereist.
Beim Reichskanzler waren in diesen Tagen eine Anzahl Herren versammelt, welche ein einheitliches Vorgehen in der Begründung von VolkSheim - Hätten für unbemittelte Lungenkranke beriethen. In der Besprechung kam zum Ausdruck, daß in der Tuberkulosen-Bekämpfung mit allen Kräften vorzugehen sei. Es wurde angeregt, für die Versorgung der gänzlich Unbemittelten und Unterbringung der Minderbemittelten, welche für die Anstaltsverpflegung ein Entgelt zu zahlen vermöchten, unter gemeinsamer Oberleitung am besten zwei getrennt arbeitende Abtheilungen zu bilden, wobei auf die Mitwirkung schon organisirter gemeinnütziger