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Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

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Gratisbeilagen:Allnstrirtes Sonntagsblatt" n.Zlluftrirte landwirthschaftliche Beilage".

K. W.

Sonnabeni) Den 21 NoumKr

1895.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt" und Mustrirte landwirthschaftl. Beilage" für den Monat Dezember werden von allen Kaiser­lichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 22. November 1895.

Die Herren Standesbeamten des Kreises wollen die Standes-Nebenregister für das Jahr 1896 durch einen bevollmächtigten Boten bis zum 15. Dezember d. J. da- hier abholen lassen.

Formulare zu Register-Auszügen sind besonders zu bestellen.

A. 2938. Der KönigÜche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtliches.

Todtenfest.

Heut kommen stille Boten Zu dir vom Morgenroth. Gedenk an deine Todten, Gedenk an deinen Tod.

Da« Grab ist tief und stille Und schauerlich sein Rand, Es deckt mit seiner Hülle Ein unbekannte« Land.

Ein Stillstand tritt heute in dem Jagen und Hasten der Welt und des Lebens ein: die Menschen besinnen sich einmal auf die Ewigkeit und die Dinge, welche unserer sichtbaren Erfahrung entrückt sind. Die Natur schon mahnt daran: leere abgeerntete Felder, fallende Blätter, rauhe, kalte Winde. Das Bild des Todes tritt uns in der Natur entgegen.

Doch regt sich dort nicht schon wieder junges, neues Leben? Hebt nicht hier und da schon wieder die auf- gegangene Saat hoffnungsvoll ihr Haupt empor? Wird nicht dem Herbste und Winter ein neuer Frühlrng folgen, der dem Tode wieder seine Herrschaft und Beute entreißt. So folgt auf den Tod das Leben, aber dann aus das Leben wieder der Tod: ein ewiger Wechsel von Sterben und Auferstehen; ein letztes Ende gäbe es ni^L sondern nur einen immerwährenden Kreislauf. Die r^rage, o das Leben oder der Tod das letzte Wort behalten wirb, bleibt dabei ungelöst.

Wehmuth, Entsagung, stumpfes Verzichten istt bafi Endergebnis für die Menschen, die solcher natürlichen Weltanschauung anhangen. a

Kein Licht erhellt das Dunkel des Todes, und die Finsterniß der Grabes wird für uns und unsere lieben Todten nicht verscheucht.

Aber trotz Tod und Verwesung und Nacht un F - niß läßt die christliche Religion die hellen hoffnungS- frohen Töne des«ewiqen Lebens, des endgültigen S ges über den Tod erklingen. Darum hat die chnf1 ) Kirche nicht eine Todtenklage, sondern ein Todtenfest. Lebensmuth bringt unsere Religion, aber auch sreudigkeit. Das Diesseits nimmt sie in Angnff, aber «er das jenseits verbreitet ki- eben ^<Ä' »Christus ist mein Leben. Sterben nt vier Der letzte Feind, der überwunden wirb, il Und der T?d wird nicht mehr sein, noch L^ schrei, noch Schmerzen wird mehr fern, denn ist vergangen." Kein schattenhaftes Wesen unds stellt sie uns in Aussicht, sondern wirkliches persönlicher Leben in derHeimath", imVaterhause .

Doch auch die ernste Seite fehlt nicht: der Ernst der Verantwortlichkeit. Unser dortiges Leben hängt enge mit unserem jetzigen Leben zusammen. Darum betet Moses:Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden." Wie wir hier sind, so werden wir auch dort sein. Es giebt darum auch einen Ernst und eine Trauer des ewigen Lebens. Zu seiner Freude zu gelangen, giebt es nur einen Weg. Christus bezeichnet ihn Joh. 8,51:Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, so jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich."

Die Buhmestage

-es -eutsch-franzssischen Urieges.

XXII.

Schlacht bei Beaune la Rolande.

28. November 1870.

Nach dem Treffen bei Coulmiers drängte auf fran­zösischer Seite die öffentliche Meinung zu den abenteuer­lichsten Plänen, welche in einer sofortigen Befreiung von Paris gipfelten; der besonnene General d'Aurelle war aber nicht so hitzig; er blieb zunächst bei Orleans und sammelte dort ein Heer von schließlich 200 000 Mann. Trotzdem verfuhr er weiter sehr vorsichtig, machte aber dennoch der Heeresabtheilung des Großherzogs von Meck­lenburg, gebildet aus der 17. Division, dem 1. bayerischen Armee-Korps, der 4. und 6. Kavallerie-Division, zur Ab­wehr gegen das Vorgehen der Franzosen von der Loire her viel zu schaffen, so daß diese trotz einiger Erfolge nichts wesentliches gegen den Feind auszurichten ver­mochten. Inzwischen waren aber die Truppen des Prinzen Friedrich Carl, das II., III., IX. und X. Armee-Korps nebst der 1. Kavallerie-Division, die II. Armee, mächtig ausgeschritten; am 27. November konnten sie sich mit der Abtheilung des Großherzogs vereinen, die nun zur Erzielung einheitlicher Wirkung auch unter den Befehl des Prinzen trat.

Für den 28. November hatte General d'Aurelle, immer wieder gedrängt durch Gambetta, das Vorgehen von zwei Korps in nördlicher Richtung gegen Beaune la Rolande angeordnet, und diese 60000 Mann mit 138 Geschützen trafen hier auf das X. preußische Korps, nur 11000 Mann mit 70 Geschützen. Aber so kühn und mächtig der feindliche Angriff, der klare, kühne Feld­herr v. Voigts-Rhetz trotzte ihm dennoch mit seinen West­falen, Hannoveranern, Braunschweigern und Ostfriesen, und als die Ueberzahl des Feindes sich immer drückender geltend machte, da erschienen zu rechter Zeit die Branden­burger auf dem Kampfplatz, damit ihre Dankesschuld für Mars la Tour abtragend. Den Glanzpunkt der Schlacht bildete die Vertheidigung von Beaune la Rolande durch die 16er und einen Theil der 57er.

Hier spielte sich insonderheit am Kirchhofe ein Kampf ab, der sich den höchsten Ruhmesthaten der Kriegsge­schichte anreiht. 30 feindliche Geschütze richteten dorthin ihr Feuer. Hinter der Brustwehrmauer und hinter Leichensteinen gedeckt ließen die tapfern Westfalen den Eisenhagel über sich ergehen, der über sie von allen Seiten hereinpraffelte. Die Mauern zerstiebten, die Leichensteine stürzten um, Erdschollen und Steintrümmer erfüllten den engen Raum, trotzdem harrten die braven deutschen Männer aus und gaben kaltblütig ihr Feuer nur auf Kommando ihrer Führer auf die immer wieder anstürmenden feindlichen Jnfanteriemaffeu mit vernich­tender Wirkung ab. Aber schließlich gingen die Patronen auf die Neige, jede Verbindung nach außen war verloren, und die Stadt stand in Flammen. Glücklicherweise war Hilfe nahe. Die auf den Kanonendonner herbeigeeilte 5. Division des III. Korps erschien auf dem Kampf­plätze, faßte den Feind in der Flanke und warf ihn am Abend zurück. Jubelnde Begrüßung zwischen Westfalen und Brandenburgern; an ihren vereinten Kräften brach sich auch ein letzter Vorstoß des Feindes. Der glänzende Sieg gegen eine erdrückende Uebermacht hatte den Deut­schen 38 Offiziere, 817 Mann gekostet; der Gesammt- verlust der Franzosen darf auf 810 000 Mann ge­schätzt werden; haufenweise geschichtet lagen ihre Leichen

bis dicht vor den Barrikaden; nachdrängend hatten die Hinterleute auf den Körpern der Vordersten ihren Tod gefunden.

Diese Schlacht aber zeigt besonders deutlich die Ueber- legenheit der disciplinierten und sorgfältig erzogenen deutschen Infanterie über die eilig zusammengerafften Schaaren der Franzosen, und wie auch die höchste Be­geisterung aus Liebe zum Vaterlande und die größte Tapferkeit die in mühsamer Friedensarbeit erworbenen soldatischen Eigenschaften nie und nimmer zu ersetzen vermögen. Durch diesen Sieg, den das X. Korps und besonders die Vertheidiger von Beaune von Neuem an die deutschen Fahnen hefteten, haben sie sich ein Denk­mal deutscher Soldatentugenden errichtet, das ein strah­lendes Licht nicht nur auf die noch lebenden Kämpfer jenes Tages heute wirft, sondern für alle Zeit rühmend zur Nachwelt spricht. T.

Die Orientkrifis.

Trotz manches Zeitungsartikels, der an der Haltung dieser oder jener Regierung Zweifel erwecken konnte oder Mißtrauen zu erregen geeignet war, hat doch bis jetzt die Einmüthigkeit der sechs europäischen Großmächte in bezug auf möglichst schnelle Unterdrückung der Metze­leien in der Türkei Stand gehalten und sich gut be­währt. Ist auch die Entsendung von Schiffen nach der Levante zunächst nur als eine Vorsichtsmaßregel in großem Stil zum Schutze der Fremden, nicht aber als die Einleitung zum aktiven Eingreifen in die innern türkischen Wirren zu betrachten, so muß sie doch der türkischen Regierung gegenüber die Wirkung einer ernsten, demonstrativen Mahnung haben, um endlich alle Energie zur Herstellung der Ordnung in Armenien und Klein­asien anzuspannen.

Die Beunruhigung über die Lage im Orient ging, abgesehen von den dortigen blutigen Ereignissen, haupt­sächlich davon aus, daß eine der meistinteressierten Mächte sich zu einem unmittelbaren Eingreifen entschlie­ßen könnte. Aber weder hat Rußland bisher Miene gemacht, Armenien zu besetzen oder einen Handstreich auf Konstantinopel zu unternehmen, noch hat England sein Geschwader in die Meerengen einlaufen lassen und so mit der Anwendung heroischer Mittel begonnen. Ein Artikel der dem Kabinet Salisbury nahe stehenden Morning Post" hat sogar eine neue Wendung ange­kündigt, die fast eine Umkehr der englischen Politik be­deutet, insofern, als jetzt dem Sultan, gegen dessen guten Willen Salisbury neulich ernste Zweifel ausgesprochen hatte, Vertrauen bekundet und als sogar verlangt wird, ihm zur Durchführung der Reformen Zeit zu lassen. Die Erklärung hierfür scheint in einer Botschaft des Sultans Abdul Hamid an Salisbury zu liegen, in der der Padischah seinen Kummer über das Mißtrauen und seine redlichsten Absichten betheuert.

In der That wird auch berichtet, daß der Sultan die Nacht vom Sonntag zum Montag am telegraphischen Apparat zugebracht habe, um selbst scharfe Befehle an die Walis der kleinasiatischen Provinzen zu schleunigem Einschreiten gegen alle Unruhestifter ohne Ansehen des Glaubens zu erlassen. Ein gutes Theil dieses Erfolges, daß nämlich der Sultan sich nicht länger irgend welcher Täuschung über die Gefahr für seinen Thron und sein Reich hingebe und von dem guten Willen zur kraftvollen That schreiten müsse, dürfen sich unser Kaiser und die deutsche Diplomatie zuschreiben. Von deutscher Seite sind nämlich dem Sultan in diesem Sinne die ernstesten Vorstellungen gemacht worden, die um so mehr Eindruck machen mußten, als sie von derjenigen Großmacht aus- gingen, gegen die der Sultan das geringste Mißtrauen hegen darf.

Schwarzmaler glauben freilich, daß der Sultan, wenn er jetzt festen Willen zeige, doch kaum noch die Macht habe, Ordnung zu stiften, und trübe genug sind ja auch die Nachrichten aus Erzerum, Alexandrette und anatolischen Orten über Zusammenstöße von Türken und Armeniern, zweideutige Haltung der Truppen und wilde Blutszenen. Trotzdem kann der Sultan, wenn er