gewiesen, bei eintretenden Streitigkeiten daraus aufmerksam zu machen, daß ein Anspruch auf dauernde Besetzung eines Sitzplatzes in der IV. Wagenklasse nicht besteht, auch ein Belegen der Plätze unstatthaft ist. Die Sitz- bänke sind lediglich angebracht, um allen Reisenden ohne Unterschied Gelegenheit zu geben, sich zeitweise auszu- ruhen.
* (Preußische Central-Genossen- s ch a f t s - K a s s e.) Trotz des klaren Wortlautes des Gesetzes und trotz der wiederholt veröffentlichten Erklärungen der Bestimmungen desselben treten immer noch Anforderungen sowohl von Privatleuten, namentlich behufs Gewährung von hypothekarischen Darlehen, als auch von Einzelgenossenschaften zur Zulaffung in den Darlehnsverkehr an die Central - Genossenschafts - Kasse heran. Daher muß nochmals darauf hingewiesen werden, daß nach § 2 des Gesetzes außer an landschaftliche Darlehnskassen, welche für die Förderung des Personalkredites bestimmt sind, und an gleichartige Institute der Provinzen, von der Central-Kaffe nur an Bereinigungen und Verbandskassen eingetragener Erwerbs- und Wirth- schaftsgenossenschaften, welche unter ihrem Rainen vor Gericht klagen und verklagt werden können, Darlehen gewährt werden dürfen. Wo in den Mittheilungen in der Presse von Verträgen und Abkommen mit Vereinigungen u. s. w. die Rede ist, handelt es sich selbstverständlich nur um solche, welche diese Bedingungen erfüllen.
* Einer Meldung aus Fulda zufolge sei die Hün- felder Zuckerfabrik von den Höchster Farbwerken angekauft, welche darin Heilserum und sonstige Chemikalien herstellen wollen.
* Das große Loos, das in die Möllersche Kollekte in B r e s l a u gefallen ist, kommt, wie dem „B. T." gemeldet wird, a n s f ch l i e ß l i ch kleinen Leuten zn gute. Ein Tischlermeister und seine zwei Gesellen sind mit je einem Zehntel an dem Gewinne betheiligt.
( :) Hersfeld, 5. November. Gestern fand im Rathhaussaale die regelmäßige Sitzung des ständigen B ü r g e r a u S s ch u s s e ö statt, welche 6 Gegenstände auf der Tagesordnung hatte. Es betraf zunächst die anderweite Verpachtung von zu Michaeli d. Js. pachtloS gewordenen städtischen Grundstücken. Nachdem ein öffentliches Ansgebot derselben stattgefunden hatte, war vom Stadtrath den Höchstbietern der Zuschlag auf 6 Jahre ertheilt worden, welches man billigte. — Ebenso genehmigte man die Verpachtung eines Kellers unterm Rathhause an den Kaufmann W. Büchstädt. — Die Mittheilung der Polizeibehörde, daß es aus mehrfachen Gründen nicht wohl angängig sei, dem diesseitigen Ersuchen zu entsprechen, daß alle polizeilichen Verfügungen verschlossen znr Aushändigung zu bringen sein, ließ man sich zur Nachricht dienen. — Dem Stadtrathsbeschlusse, rvo- nach der Schutzmannschaft vorschriftsmäßige Säbel beschafft werden sollen, ertheilte man die Zustimmung. Desgleichen genehmigte man die Anschaffung von Mänteln und Dienstmützen für die Nachtwächter. — Die zur Zeit erledigte Nuchtwächterstelle war seitens des Stadtraths dem Fabrikarbeiter Adam Lotz ans Wohlverhalten und Kündigung übertragen worden, welches man gut hieß.
* Hersfeld, 6. Novbr. Herr Dr. Kraushaar, Assistenzarzt l. Klasse der Landwehr ersten Aufgebots vom Landwehr-Bezirk Hersfeld ist zum Stabsarzt befördert worden.
-1- Hersfeld, 6. November. Eine im m e r herbstlichere Beschaffenheit nimmt der No- vember an, und immer gemüthlicher wird es am warmen Ofen im Zimmer. Aber gerade, wenn die Zimmer- temperatur wirklich gemüthlich und auch gesund erhalten werden soll, dann ist es nöthig, die Befolgung zweier Regeln sich zur Pflicht zu machen: Erstens nicht zu viel zu heizen, und zum andern die Wohnung oft, womöglich ständig, zu lüften. Die Zimmermärme soll nie 15 Grad übersteigen; eine Wärme von 14 bis 15 Grad ist für jeberniann ausreichend. Was darüber ist, das ist vom Uebel. Um das Ziel zu erreichen, muß man ein Thermometer im Zimmer haben und nach diesem den Ofen genau regulieren, was sich ja bei den modernen Oefen, besonders den Amerikanern, dem Ideal eines Ofens, mit Leichtigkeit bewerkstelligen läßt, wenn man die Zugvorrichtung richtig stellt. Sodann, das ist die andere Bedingung des Wohlbefindens, sorge man für g e n ü g e u d e Z u f n h r von f r i f d) e r, reiner Luft, am besten, indem man ein oberes kleines Fenster dauernd offen hält oder doch öfter des Tages die Luft im Zimmer erneuert. Auch ist es sehr empfehlenswerth, bei nebeneinander liegenden Wohnräumen die Zwischen- thüren ständig offenzulassen, um die Zimmer gleichmäßig warm zu bekommen. Für Erwachsene, wie namentlich auch für Kinder, ist der Aufenthalt und besonders das Arbeiten in überheizten, schlecht gelüfteten Räumen das
^ist. Schlaffheit, Abspannung, Kopfschmerz, ^ch^rfülligkeit oder gar Unfähigkeit zum Arbeiten sind ne Folgen solcher Zustände, die nicht nur dem Körper
,E„^ist dauernd schaden, sondern den Körper auch inr Erkältungen sehr empfänglich machen. Dasselbe
von dem Schlafzimmer, man halte dort die Fenster den Tag über offen, und wenn man, was sehr empsehlenswerth ist, zwischen Schlaf- und Wohnzimmer des Nachts die Thüre offen läßt, dann lüfte man das -Aroynztmmer, ehe man zu Bette geht, noch einmal recht ginnduch und stelle den Ofen soviel wie möglich ab.
kühlen, gut gelüfteten Schlafzimmer ist der doppelt erquicklich und gesund. Man braucht kein Abhartungsfanatiker zu sein; man bewahre aber
sich und die Seinigen vor Verzärtelung und Verweichlichung; denn das ist der beste Schutz gegen das leichte Erkälten und gegen Krankheit.
Bebra, 2. November. Ein hiesiger Pferdehändler fuhr von Lispenhausen nach hier zurück, als er plötzlich am Eingang des hiesigen Ortes die Gewalt über die Pferde verlor. Er springt herab, um die Thiere zum Stehen zn bringen, erhält aber einen Tritt vor das Knie, eine Dame springt darnach aus dem Fuhrwerk und beschädigt sich beim Ausfallen hart im Gesicht, 2 Damen harren in großer Angst auf dem Wagen aus, bis eines der Pferde stürzt, wodurch dem gefährlichen Jagen ein Ende gemacht wird, und zwar gerade vor einer Biegung des Weges, bei der der Wagen wahrscheinlich umgeschlagen wäre. (C. T.)
Casscl, 5. November. (Schwurgericht.) Wegen Sittlichkeitsverbrechens unter Anklage gestellt, wird aus der Untersuchungshaft vorgeführt der Maler und Lackirer Johannes Heinrich Kröger aus Breitenbach. Der 24 Jahre alte unverheirathete Angeklagte hat bereits zwölf Vorstrafen verbüßt, darunter anderthalb Jahre Zuchthaus. Der Angeklagte ist es, welcher ein ruchloses Attentat auf ein achtjähriges Mädchen am 31. Juli d. J. in den Quellhöfen dahier verübte. Wegen dieser Vergewaltigung, welche bekanntlich allgemeine Abscheu und große Entrüstung hervorgerufen hatte, sollte er sich heute verantworten. Selbstverständlich wurde die Verhandlung bei geschlossenem Zuhörerraum geführt. Die Oeffentlich- keit wird erst bei Verkündigung des Urtheils wiederher- gestellt. Da die Herren Geschworenen den Angeklagten des ihm znr Last gelegten Sittlichkeitsverbrechens unter Ausschluß mildernder Umstände schuldig gesprocheu hatten, erkannte der Gerichtshof gegen denselben auf a ch t Jahre Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von zehn Jahren.
Casscl, 4. November. Eine interessante Operation würbe dieser Tage im Landkrankenhaus ausgeführt. Ein Mädchen war dahin gekommen, welches eine Stopfnadel verschluckt hatte und an starken Schmerzen litt. Es würbe zunächst versucht, die Stopfnadel auf natürlichem Wege zu entfernen. Hierbei kam abereine Steck nadel zum Vorschein, welche das Mädchen also ebenfalls verschluckt hatte. Die Aerzte schritten nunmehr zu einem operativen Eingriff, wobei nach einem Einschnitt der Magen eröffnet und die Stopfnadel herausgeholt wurde. Das Mädchen, welches die Operation gut überstand, befindet sich bereits auf dem Wege vollkommener Genefnng. Man kann nicht genug davor warnen, Nadeln ober dergleichen in den Mund zu nehmen, denn nur wenige Fälle verlaufen so günstig, wie der oben berichtete.
Wchlheidcn, 6. November. Ein hiesiger Kaufmann, früher in Caffel, wurde vor einigen Abenden auf Requisition der Königlichen Staatsanwaltschaft verhaftet. Derselbe soll sich der Urknndenfälschung schuldig gemacht haben.
Schmalkaldcu, 4. November. Die Regierung beabsichtigt die Errichtung einer Fachschule zur Hebung der Kleineisen-Jndustrie.
Nordshausen, 6. November. In einer hiesigen Wirthschaft entstand bei Gelegenheit der Kirmeßfeier am Sonntag Abend eine arge Schlägerei, bei welcher mehrere junge Leute erheblich verletzt wurden, so daß sie nach Hilfe riefen. Ein erst drei Wochen verheiratheter hiesiger Handwerker öffnete, um Hile zu bringen, in Be- gleitnug eines Freundes die Thür der Wirthschaft. Kaum eingetreten, würben beide überfallen, der junge Ehemann erhielt einen Stich in den Unterleib, der in der Folge Montag Abend seinen Tod herbeiführte. Sein Begleiter hatte 14 Messerstiche in den Körper erhalten. Drei Hauptthäter wurden durch den Ortsgendarmen verhaftet und in Untersuchungshaft nach Caffel abgeführt.
Mainz, 3. Novbr. Ein zwölfjähriger Realschüler stürzte heute Abeud in der Bahnhofstraße vom vierten Stockwerk einer Altane herunter und blieb auf der Stelle todt.
Hannover, 4. November. In dem benachbarten Dorfe Änderten erhängte ein Arbeiter seine vier Kinder und sich selbst.
Allendorf a. d. W., 2. November. Vor dem hiesigen Standesamt schloffen gestern ein Einwohner aus Asbach im hohen Alter von 75 Jahren und dessen junge Braut im 21. Lebensjahre die Ehe. Hinsichtlich des großen Altersunterschiedes ein nicht oft vorkommender Fall. -__________________________________________
8 er mischt es.
— Von einem Bonmot des Kaisers bei dem Diner znr Reichsgerichtsfeier in Leipzig wissen die „Leipz. N. Nachr." zn erzählen. Polizeidirektor Bretschneider war in Folge des bekannten Attentats Gegenstand der allgemeinen Aufmerksamkeit. Der Kaiser, der von dem Attentat genau unterrichtet war, beglückwünschte den Polizeidirektor zu seiner wunderbaren Rettung. Sodann scherzte der Monarch über den glücklich verlaufenen Fall und sagte: „Na, es giebt doch wenigstens Einen im Deutschen Reiche, der seine Akten lieb hat." Der Kaiser spielte damit auf den Umstand an, daß die Äugeln aus dem Revolver des Attentäters durch ein Aktenstück, das der Polizeidirektor selbst zum Ober-Bürgermeister tragen wollte, ausgehalten wurden. Das Aktenstück betraf gerade die Neichsgerichtsfeier.
— Berlin, 4. November. Verbrannt ist gestern Vormittag nach 9 Uhr das einundeinhalbjährige Töchterchen des Schlossermeisters Schwardt, Tilsiterstr. 81.
Frau Schwardt hatte in Abwesenheit ihres Mannes ihre Wohnung verlassen, um Einkäufe zu machen. Das anderthalb Jahre alte Kind lag im Bett, während ein ein Jahr älteres Mädchen im Zimmer spielte. Letzterem müssen Streichhölzer in die Hände gefallen sein; es hat mit diesen an dem Bett des Schwesterchens gespielt und dieses in Brand gesteckt. Nachbarn hörten das ängstliche Geschrei der Kleinen und sahen Rauch aus der Wohnung hervordringen. Die Thür wurde erbrochen, und nun fand man das Bett des Kindchens in Flammen vor, während das ältere Mädchen den Eindringenden weinend entgegeneilte. Da auch andere Möbelstücke Feuer gefangen hatten, wurde die Feuerwehr alarmirt. Nachdem das brennende Bett auseinandergerissen worden war, fand sich in diesem der furchtbar entstellte Leichnam des Kindes vor.
— In München stürzte gestern Vormittag ein überlastetes Baugerüst des Kuppelbaues der neuen Prachtpassage an der Schwanthaler-Straße ein Zwei Arbeiter wurden getödtet, drei lebensgefährlich verletzt.
— Ueber einen Fall von Scheintod wird der „Elb. Ztg." aus Sold au berichtet: Neulich Abends meldete die Tochter der Arbeiterwittwe Anna Berg den Tod ihrer Mutter einem hier wohnenden Verwandten, der das Mädchen denn auch zur Bestellung ein^s Sarges beauftragte unb selbst die weiteren Vorbereitungen zur Beerdigung treffen wollte. Als man anderthalb Stunden später die Waschung der anscheinend Todten vornehmen wollte, richtete sich diese plötzlich auf und fragte die Umstehenden: „Was wollt Ihr nun eigentlich mit mir vornehmen, laßt mich doch ruhig liegen." Den Schrecken der Anwesenden kann man sich leicht vorstellen.
— Von einem Bären schwer verletzt wurde am 29. v. Mts. in G n e s e n der Tischler Piasecki. P. war in einen Stall gegangen, in dem ein Bärenführer seinen Bären nntergebracht hatte, um mit dem Thiere zu spielen. Plötzlich ertönten aus dem Stalle laute Hilferufe, und die Herbeieilenden fanden den P. unter dem Thiere liegen, das ihn zerfleischte. Erst einem vorbeikommenden Dragoner, der mit seinem Säbel auf den Bären einhieb, gelang es, den Unglücklichen zu befreien. Letzterer war schwer verletzt.
— Fiume, 5. November. In Folge Erdsturzes sind in der Ortschaft Grotovo zwei Häuser eingesunken. Da die UntersuchungS-Kommission den ganzen Ort unterwühlt fand, wird die ganze Gemeinde ausquartirt.
— (Abgerundete Bildung.) Bauer: „Wie i sag, Herr Pfarrer, mei Bue hat jetzt 10000 Mark verstudirt." Pfarrer: „Nun, dafür wird sich auch sein Gesichtskreis erweitert haben." Bauer: „Noi, noi, blos fei Bäuchle."
— Der „New-Iork World" veröffentlicht eine Depesche aus P a ch u c a (Mexiko), wonach in dem Gefängnisse zu Texacapa 10 Personen auf Befehl des Richters als Ketzer lebendig verbrannt wurden. Der Richter gab an,' den Auftrag von Gott empfangen zu haben; er ließ die Unglücklichen aus den Betten reißen und nach dem Gefängnisse schleppen; dort schloß er sie ein und legte Feuer an. Der Brand zerstörte das Gefängniß vollständig. Die Bevölkerung von Texacapa, von religiöser Manie beherrscht, ließ den Vorgang geschehen. Es haben 20 Verhaftungen stattgefunden; die Untersuchung ist eingeleitet.
— Nach der „Correspondencia de Espana" ist der U e b e r f l n ß a n W e i n, der diese« Jahr in manchen Gegenden von K a st i l i e n geerntet wird, so groß, daß es unmöglich ist, den Wein unterzubringen. An einigen Orten theilen die Weinbergbesitzer den Ertrag mit Denen, die die Weinlese besorgen. Manche wiederum ziehen vor, die Traube» einfach hängen zu lassen, da das Einbringen nicht die Kosten lohnt.
— Der am 1. d. in Queenstown eingetroffene Gunarbbampfer „Campania" berichtet, daß er am 28. Oktober mitten auf dem Ozean Nachts an einem brennenden Schiffe vorbeifegelte. Meilenweit waren die Flammen zu sehen. Die „Campania" ließ zwei Rettungsboote hinab. Als dieselben fanden, daß keine Spur von Leben mehr auf dem brennenden Fahrzeuge zu erblicken war, setzte die „Campania" ihre Reise fort. Vielleicht hat ein Wilsondampfer, der vier Stunden vorher an dem brennenden Schiffe vorbeifuhr, die Besatzung gerettet.
— (N e u.) „Wie kommt'» denn, daß alle Mitglieder Eure» Junggesellen-Klubs Glatzen haben?" „Das ist ja unser Vereinsabzeichen!" _____________
Telegramm.
Wien, 6. November. „Neue Freie Presse." Der Kaiser verweigerte Bestätigung Wahl LägerS zum Bürgermeister.
Standesamtsbezirk Niederaula.
Monat Oktober 1895.
Eheschließungen.
Am 19. Schuhmacher Johauiic« Diebel zu Niederjossa, mit der Dienstmagd Anna Katharina Koch zu Niederjossa.
Geburtsanzeigen.
Am 3. Katharina Elisabeth, T. des Korbmachers JustuS Heß zu Niede'josia. — 17. Valentin, ®. des DunstkuecktS JohS. Schäfer zu Hattmbach. — 26. Martha Elisabeth, T. des Weihbinders Conrad Blnm zu MengShausen. — 24. Anna Elisabeth, T. deS Ackermann- Jakob Dicbel zu Reimboldshausen. — 29. Maria Dorothea, T. des Müllergesellen Heinrich Blumenauer zu Niederaula. ‘
S t e r b e f ä l l e.
Am 15. Elisabeth, Wittwe deS Maurer« Joh«. Heupel zu Hatten- bach^ 74 Jahre alt. - 16. Bertha, T. deS Metzger« MoseS Lilienseld zu Niederaula, 7 Monate alt. - 30. Bader Georg Wagner zu Nieder.