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Nr. 131 Imech^ Sei 7. Noumler 1895.
Amtliches.
Homberg, den 1. November 1895.
Königliches Landrathsamt benachrichtige ich ergebenst, daß die unter dem Viehbestände des Schäfers Heinrich
i Steube zu Saasen ausgebrochene Maul- und Klauen- ' seuche erloschen ist.
Der com. Landrath
von Gehren, Regierungs-Assessor.
An Königliches Landrathsamt zu Hersfeld. Nr. 7357.
Hersfeld, den 4. November 1895. Wird veröffentlicht.
I. 6366. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.
Nachweisung über die im Monat Oktober 1895 ausgestellten Jagdscheine aus Grund des Gesetzes vom 31. Juli 1895.
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Der Jagdscheins-Jnhaber
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Der Jagdscheins-Jnhaber
Namen und Stand.
Wohnort.
Namen und Stand.
Wohnort.
48
9/10
3 Tage
Rößing, Richard, Kaufmann
Hersfeld
68
15/10
1 Jahr
Pfannkuchen, Reinh., Stadtförstverwalter
Hersfeld
49
1/10
1 Jahr
Wenzel, Wilhelm, Musikus
Rotterterode
69
14/10
H
Paul, Vizefeldwebel vom 11. Jäger-Bat.
Goßmannsrode
50
2/10
Zickendraht, Carl Conrad, Kaufmann
Hersfeld
70
//
M
Lentz, Kgl. Forstmeister
Hersfeld
51
3/10
H
Goldammer, Kgl. Oberförster
Heringen
71
//
Steinhöfel, Kgl. Forstaufseher
Biedebach
52
Mergell, Kgl. Revierförster
Heimboldshausen
72
17/10
"
Rosenthal, Johs., Schneider
Ransbach
53
,/
Gönner, Kgl. Förster
Forsthaus Hersa
73
16/10
//
Stollberg, Johann Hrch., Mühlenbesitzer
Niederjossa
54
tf
Finke,
Philippsthal
74
//
Manß, Ernst, Schreiner
Breitenbach a/H.
55
„
Hoff,
Forsthaus Bengendorf
75
18/10
//
Neumann, Kgl. Förster
Gershausen
56
M
Bode,
Forsthaus Hönebach
76
//
Braun, Kgl. Waldmärter
Hattenbach
57
Gärtner, Kgl. Forstaufseher
Bengendorf
77
//
Boeis, Kgl. Forstaufseher
Kirchheim
58
,/
Hooß, Kgl. Hülfsjäger
Herfa
78
//
Falz, Forstlehrling
Niederaula
59
Suntheim, Sekond-Lieutenant
Eichhof
79
19/10
//
Dehnhardt, Hrch., SchulamtS-Kandidat
Hersfeld
60
Martini, Wilhelm, Mühlenbesitzer
Heringen
80
/,
Braun, Georg, Fabrikant
//
61
4/10
«
Eydt, Ludwig, Gastwirth
Niederjossa
81
21/10
//
Gesing, Heinrich, Kaufmann
62
7/10
H
Kraus, Johs, Ziegelmeister
Kleinensee
82
25/10
//
Weitemeyer, Oekonomierath
Gethsemane
63
^
n
Diels, Robert, Forstbeflissener
Hersfeld
83
26/10
//
Wassermeier, Gymnasial-Oberlehrer
Hersfeld
64
8/10
,/
Kolbe, Adam, Lehrer
Rohrbach
84
31/10
,,
Rüger, Arnold, Landwirth
Unterweisenborn
65
9/10
//
Dippel, George, Invalide
Niederjossa
85
7/11
//
Kegelmann, Johs., von Baumbach'scher
Frielingen
66
10/10
//
Ruhn, Ferdinand, Bürgermeister
Niederaula
Unterförster
67
12/10
M
Roll, Ferdinand, Gutsbesitzer
Obergeis
86
31/10
Werner, Johann, Forstaufseher
Dankmarshausen
Wird
veröffentlicht. Hersfeld, den 2. November 1895.
Der
Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.
Die Maul- und Klauenseuche ist in hiesiger Gemeinde erloschen.
Aua, den 5. November 1895.
__________________________B e ch st e i n, Bürgermeister.
Gefunden: ein Spazierstock. — Meldung des Eigen- thümers bei dem Ortsvorstand zu Oberhaun.
Nichtamtliches.
Die Ruhinestage des deutsch-französischen Krieges, xx.
Coulmiers.
9. November 1870.
Es hat schon oft in den Kriegen Tage gegeben, die, trotzdem es rückwärts ging, zu glänzenden Ehrentagen
(Nachdruck »erboten.)
Um Herz und Hand.
Roman von Jenny Piorkowska.
(Fortsetzung)
Es war zu verwundern, daß ihr nicht die Sinne vergingen und sie nicht niedersank. Festen Schrittes ging sie auf die Gruppe los und hielt erst inne, als sie die bei der Arbeit Beschäftigten sehen konnte. Als man ihrer gewahr wurde, wandten sich Aller Blicke ihr
Ein Murmeln des Mitleids und Bedauerns ging durch die Menge. „Die arme Frau!" riefen sie, während Euuge auf sie zuliefen, Andere von ihr zurückwichen. Sre umringten sie, aber sie schob Alle bei Seite und suchte, bis an den Damm zu kommen.
„Hallet sie zurück!" rief einer der vordersten Männer mit scharfer, heiserer Stimme; und die Frauen zogen sie zurück und ließen sie nicht wieder aus ihrer Mitte. Zu schwach, um widerstehen zu können, stand Frau Gil- nier von Einigen unterstützt, den vollen Anblick der ver- ; zweifelten Arbeiter vor sich. Ihr Gesicht war aschfarben, ■ ihre Augen starr und ausdruckslos Es war ein er- , greifender, schmerzlicher Anblick.
wurden für die Truppe, der folches Loos beschieden war, durch ihr Verhalten, ihre Tapferkeit und Ausdauer, durch die Umsicht und Kaltblütigkeit ihrer Führer. Solch ein Tag ist auch das Treffen bei Coulmiers, in dem sich das 1. bayerische Corps und die 2. Kavallerie-Division gegen eine ungeheure französische Uebermacht schlugen: 20000 gegen 70 000, in welchem sich General v. d. Tann von Neuem als wahre Feldherrnnatur zeigte und in welchem seine Bayern wie die Löwen kämpften.
Nach der Eroberung von Orleans am 11. Oktober waren nur diese deutschen Truppen dort unter dem Befehl des Generals v. d. Tann stehen geblieben; franzö' sischerseits hatte man beschlossen, die kleine Macht zu umzingeln und von Paris abzuschneiden, nachdem man die eigenen Kräfte bedeutend verstärkt und sie unter den Oberbefehl des thatkräftigen Generals d'Aurelle de Paladines gestellt hatte, von der Tann war durch seine Kavallerie über die Vorgänge beim Feinde gut unter
Die Männer arbeiteten mit voller Kraft und Anstrengung; der Schweiß perlte ihnen von der Stirn; die Muskeln traten ihnen aus den entblößten Armen hervor; kein Wort wurde zwischen ihnen gewechselt, wenn sie einander ablösten oder ein paar Minuten aus- . ruhten, um neue Kräfte zu sammeln. Ein Knabe hatte einen Krug Wasser, schweigend stärkte er damit die, die erschöpft zurück sanken und frischen Händen Platz machten. Es waren mehr Männer da, als Schaufeln, und mehr Schaufeln, als auf dem kleinen Raum mit frischem Sande beschäftigt werden konnten, so standen Viele da und schauten den Wenigen zu, die arbeiteten. Kinder sahen mit erschrockenen Blicken zu, Frauen weinten und rangen die Hände, und einige Wenige umstanden schweigend die arme Frau Gilmer mit mitleidsvollen Gesichtern. Das Klirren der Spaten und das Fallen des weichen Sandes drang schmerzlich deutlich durch das Geflüster der Frauen und die Rufe der Männer. Endlich vernahm man einen gedämpften Ausruf der vordersten Arbeiter; einen Moment lang herrschte tiefe Stille, die Aller Athem zu benehmen schien, und als Frau Gilmer sie den Spaten wegwerfen und sich ängstlich niederbeugen sah, vernahm sie ein leises Gemurmel des
richtet, da er aber'den Befehl hatte, Orleans so lange wie möglich festzuhalten und nur einem an Zahl weit überlegenen Gegner zu räumen, so entschloß er sich, diese Üeberlegenheit durch eine Schlacht festzustellen, und trat den Franzosen westlich von Orleans bei Coulmiers am 9. November entgegen, Orleans aber auch noch besetzt haltend.
Der Brennpunkt des Kampfes lag, nachdem die Bayern ihre weiter vorgeschobenen Posten vor der feindlichen Uebermacht nach hartnäckigem Gefecht hatten räumen müssen, in Guo bei Coulmiers, das durch sein Schloß mit großem massiv eingesriedigten Park für die Vertheidigung einen trefflichen Stützpunkt bot. Aber von vornherein wurde die Lage der Bayern dadurch sehr gefährlich, daß die Franzosen infolge ihrer Ueberzahl in der Lage waren, den feindlichen rechten Flügel zu um- faffen und dadurch zugleich des Gegners Verbindung mit Paris zu bedrohen, v. d. Tann entschloß sich, um dieser
Mitleids, das sie nicht verstehen konnte. Die Menge drängte näher; man verlangte nach dem Krug mit dem Wasser; man befahl der Menge zurückzutreten mrd ein wen g Luft zu machen. d
Endlich erhoben sich die vordersten Männer, schüttelten mit den Köpfen und nahmen kummervoll ihre Spaten wieder auf
Die ganze Zeit über hatte Frau Gilmer mit den sie Zurückhaltenden gekämpft. Endlich riß sie sich von ihnen los, drängte sich durch die Menge, die ihr nun Platz machte, bis an den leblos daliegenden Körper. Es war nicht ihr Gatte, es war dessen Bruder, sie blickte ihn einen Moment an, dann richtete sie ihre Augen starr auf den Punkt, wo die Männer eifrigst, wenn auch mit wenig Hoffnung, weiter arbeiteten.
Indessen sammelten sich einige Männer und Frauen, die die Hoffnung noch nicht ganz schwinden lassen wollten, um den leblosen Körper. Aber der gute Karl Gilmer, mit dem Gesicht der Sonne zugewendet, hatte einen so ruhigen, friedlichen Ausdruck, der aller Bemühungen zur Wiederbelebung zu spotten schien. „Es nützt nichts !" sagten sie endlich, zogen sich zurück und blickten ihn ehrfurchtsvoll an.