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A. 124. Atch, »eil W. Lktüber 1895.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Die diesjährigen Herbst -Kontrolversammlungen im Kreise Hersfeld finden wie folgt statt:
L Zu Odergeis
Montag den 4. November d. I., Vormittags 10 Uhr, für die Mannschaften aus den Gemeinden Allmershausen mit Hof Hählgans, Aua, Biedebach, Gittersdorf, Goß- mannsrode, Obergeis, Reckerode, Notterterode u. Untergeis.
2. Zu Hersfeld I und II
Dienstag den 5. November d. I., Vormittags lO1^ Uhr, für die Mannschaften aus der Stadt Hersfeld und den Gemeinden Kathus, Gutsbezirk Oberrode, Petersberg, Gutsbezirk Wilhelmshof, Sorga, Gutsbezirk Bingartes, Meisebach, Friedlos, Kalkobes, ReiloS, Mecklar, Meckbach, Gutsbezirk Eichhof, Heenes, Rohrbach, Tann und Hermannshof.
Kontrolplatz: Turnplatz am Hain.
3. Zu Unterhaltn
Dienstag den 5. November d. I, Nachmittags 3 Uhr, für die Mannschaften aus den Gemeinden Eitra, Hilper- hausen, Holzheim, Kohlhausen, Oberhaun, Roßbach, Rotensee, Sieglos, Unterhaun und Wippershain.
4. Zu Uiederaula
Mittwoch den 6. November d. I., Vormittags 10 Uhr, für die Mannschaften aus den Gemeinden Allendorf, Asbach, Beiershaufen, Frielingen, Gersdorf, Gershausen, Hattenbach, Heddersdorf, Kemmerode, Kerspenhausen, Kirchheim, Neimboldshausen, Solms, Stärklos, Willings- Hain, Gutsbezirk Engelbach mit dem Hof Sternberg, Kleba, Kruspis, Mengshausen, Niederaula u. Niederjossa.
5. Zu Schenklengsfeld
Donnerstag den 7. November d. I., Vormittags 10 Uhr, für die Mannschaften aus den Gemeinden Conrode, Dünkelrode, Hillartshausen, Malkomes, Motzfeld, Oberlengsfeld, Ransbach, Hilmes, Lampertsfeld, Landershausen, Schenklengsfeld, Schenksolz, Unterweisenborn, Wehrshausen und Wüstfeld.
6. Zu Heimdaldshausen
Donnerstag den 7. November d. I., Nachmittags 2 Uhr, für die Mannschaften aus den Gemeinden Ausbach,
(Nachdruck verboten.)
Um Herz und Hand.
Roman von Jenny PiorkowSka.
(Fortsetzung.)
Zuweilen saßen ein, zwei Nachbarn dort, sehr steif in ihren Stühlen, mit ihren besten Kleidern angethan, und Luise war es, als blickten die Nachbarn sie an, als wenn sie eine Verbrecherin wäre. Und das war leicht möglich, denn der ganze Ort war in Aufruhr über Alexander's Unthat, aber davon drang nichts zu Luisen's Ohren; und des alten Direktors Krankheit hatte ihn ganz in Unwissenheit über diese Geschichte gelassen, denn -nise hatte nicht den Muth gehabt, ihm davon zu sagen, noch das Herz, ihn zu bekümmern, während er körperlich lo litt. Sie hatte des Doktors Rath befolgt und es U)m überlasten, mit Alexander zu sprechen; aber sie war last gewiß, daß er es nicht gethan. Alexander war heute wieder wilder und zügelloser denn je gewesen, Crescenz und er hatten oft heftigen Streit gehabt und mit Schaudern hatte Luise bemerkt, wie auf die Ermahnung einer Dienerin, ob er sich nicht schäme, sich so zu betragen, während Heinrich durch seine Schuld halb todt darmederläge, ein rohes, höhnisches Lachen seine einzige Antwort war. Sie konnte nur dazu schweigen un° mit schwerem Herzen zu Gott beten.
m ^ü°"H- eines Morgens am dritten Tage nach diesen Vorfallen, als Luise ihrem Vater eine Taste Thee hin- auftrug, wandte er sich etwas unruhig in seinem Lehn- stuhle um. „Ich begreife nicht," sagte er, „warum
Bengendorf, Friedewald, Gethsemane, Harnrode, Heimboldshausen, Herfa, Heringen, Kleinensee, Lautenhausen, Leimbach, Lengers, Röhrigshof mit Nippe, Philippsthal, Widdershausen, Wölfershausen und Unterneurode.
Zur strengen Nachachtung für die betheiligten Mannschaften fügt das Bezirkskommando folgende Bemerkungen hinzu:
1. Zu den Herbst-Kontrolversammlungen haben zu erscheinen:
a) diejenigen Mannschaften, welche in der Zeit vom
1. April bis 30. September 1883 eingetreten sind und deshalb zur Landwehr bezw. Seewehr II. Aufgebots übergeführt werden,
b) sämmtliche Reservisten und Dispositionsurlauber,
c) die zur Verfügung der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften.
2. Die Einberufung zu den Kontrol-Versammlungen findet lediglich durch diefe öffentliche Aufforderung und durch Ausrufen in sämmtlichen Ortschaften statt.
Die Nichtbefolgung der Berufung zu den Kontrol- Versammlungen hat Arrest zur Folge.
3. Die Mannschaften aus einzelnen hier nicht genannten Höfen, Mühlen u. s. w. werden zu den Ortschaften gerechnet zu deren Gemeinden sie gehören.
4. Die Mannschaften haben den Militär- paß und das Führungs-Attest mit zur Stelle zu bringen.
5. Gesuche um Befreiung von der Kontrolversamm- lung sind rechtzeitig bei dem Hauptmeldeamt des Königlichen Bezirkskommandos Hersfeld anzubringen und können nur durch das Bezirkskommando genehmigt werden.
Wer vor der Kontrolversammlung keinen Bescheid erhält, hat sich dennoch zu gestellen.
6. Etwaige plötzliche Krankheits- oder sonstige Verhinderungsfälle müssen entweder durch ärztliche Atteste oder durch Atteste der Orts- oder Polizeibehörde, welche spätestens auf dem Kontrolplatz abzugeben sind, bescheinigt werden. In allen ärztlichen Attesten ist die Krankheit anzugeben.
Atteste, welche nur die Bemerkung enthalten, daß ein Mann am Erscheinen zur Kontrolversammlung gehindert ist, ohne Angabe des Grundes, sind ungültig und werden nicht angenommen.
7. Alle Mannschaften gehören während des ganzen Tages, zu welchem sie zw den Kontrolversammlungen
Doktor Lucius nicht mehr kommt, ich sehne mich danach, ihn zu sehen. Meine Schmerzen machen mich besorgt, Klingele nach Anna und schicke sie zu ihm.
Luise that, wie ihr geheißen. Der Doktor war zu Hause; er lag halb ausgestreckt auf dem Sopha und lauschte, nach des Tages Arbeit gemüthlich eine Cigarre rauchend, dem Rauschen der Wasser über den Damm. Er rührte sich nicht, als er Anna auf sich zukommen sah; erst als sie an den Stufen stehen blieb, nahm er die Cigarre langsam aus dem Munde und sagte nur „Nun, Anna, was haben Sie mir zu sagen?"
Die Magd richtete ihren Auftrag aus und Doktor- Lucius erwiderte leicht lächelnd: „Sagen sie dem Herrn Direktor, ich würde gleich kommen."
Er rauchte seine Cigarre zu Ende, lauschte, nachdem er sie weggeworfen hatte, noch eine Weile dem rauschenden Wasser und dann schritt er noch mehrmals auf und ab, bevor er sich auf den Weg nach dem Schulhause begab.
Zwanzigstes Kapitel.
„Fräulein Luise Werner hat meine Einladung für morgen abgeschlagen," sagte die Frau Commerzienrath ■ Herrmann mißmuthig zu dem in ihrem Salon stehenden Kapitän Stoll, „weil sie — wie sie mir schreibt — ihren kranken Vater nicht so lang' allein lassen will. Doch denke ich, wird sie sich gern an einem Spazierritt betheiligen. Wie wäre es, Herr Kapitän, wenn Sie | einen Besuch im Schulhause machten und Fräulein Luise sagten, daß wir sie heute Nachmittag gegen fünf
einberusen sind, zum aktiven Heere und sind demnach den Militär-Straf-Gesetzen unterworfen.
Hersfeld, den 14. Oktober 1895.
Königliches Sezirks-Koutmanda. * *
*
Hersfeld, den 16. Oktober 1895.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des hiesigen Kreises werden hierdurch angewiesen, die vorstehende Bekanntmachung in ihren Gemeindebezirken alsbald wiederholt zur öffentlichen Kenntniß zu bringen und namentlich den betreffenden Mannschaften noch besonders mitzutheilen.
Der Gendarm, zu dessen Bezirk der Kontrolort gehört, hat zwecks Aufrechthaltung der Ruhe und Ordnung bei den Kontrolversammlungen zugegen zu sein.
II. 3032. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 15. Oktober 1895.
Nach dem Ergebnisse der eingegangenen Stimmzettel sind zu Mitgliedern des Kreisvorstandes aus den Mitgliedern der Elementarlehrer-Witwen- und Waisenkasse für die nächste Wahlperiode von 6 Jahren gewählt worden:
1. Herr Lehrer Euler zu Kalkobes,
2. „ Rektor Bachmann zu Hersfeld und
3. „ Lehrer Römer zu Sorga was in Gemäßheit der Vorschrift im § 40 der Statuten hierdurch veröffentlicht wird.
I. 6043. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz,
Geheimer Regierungs-Rath.
Die Maul- und Klauenseuche ist in hiesiger Gemeinde erloschen.
Hilmes, den 20. Oktober 1895.
Deiseroth, Bürgermeister.
Die Maul- und Klauenseuche ist in hiesiger Gemeinde erloschen.
Wippershain, den 20. Oktober 1895.
Gilbert, Bürgermeister.
Uhr zu einem Spazierritt abholen würden?"
Kapitän Stoll ging gern auf diesen Vorschlag ein.
Luise fand keine Entschuldigung, diese Aufforderung abzulehnen, überdies ritt sie leidenschaftlich gern und fühlte sich nie so glücklich, als auf des Pferdes Rücken.
Sie hatte natürlich kein eigenes Pferd, aber zu Frau Herrmanns vielen Freundlichkeiten gehörte es, Luisen schon öfters einen hübschen Braunen zur Verfügung zu stellen, der sowohl in Schritt, Trab und Galopp bewundernswerth fromm war und für den Gebrauch einer Dame wie geschaffen schien.
Ella, welche auch zu Frau Herrmann's Lieblingen gehörte und sich meistens an diesen Ausflügen betheiligte, ritt gewöhnlich einen Rappen von Frau Herrmann, ein wildes, hochtrabendes Thier, das keine Frau hätte besteigen sollen, aber Ella that es in ihrem Uebermuthe doch.
„Vater," sagte Luise an dem Nachmittag, als sie die Thür seines Arbeitszimmers, ein wenig öffnete, „willst Du, wenn Alexander um sechs Uhr noch nicht zu Hause ist, Crescenz daran erinnern, daß sie ihn holt? Er sollte nur zwei Stunden am Bache bleiben. Ich fürchte, ich werde vor sieben Uhr nicht zurück sein; Du weißt, ich mache einen Spazierritt."
„Ach, mit wem, meine Liebe?" fragte der Vater, indem er seinen Stuhl zurückschob und ihr die Hand reichte. Luise trat in das Zimmer. Doktor Lucius saß neben ihrem Vater und lächelte ihr ein freundliches Willkommen zu.
„Mit wem gehst Du?" wiederholte ihr Vater und blickte sie stolz und liebevoll an.