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Nr. 122.
IamerftW Den 17. Moder
1895.
Amtliches.
Königliche Regierung. Cassel, den 12. Oktober 1895.
Nachdem nunmehr von der Maul- und Klauenseuche zwölf Kreise des Regierungsbezirkes und theilweise nahe angrenzende thüringische und bayerische Gebiete betroffen sind, wodurch eine größere Seuchengefahr herbeigeführt ist, sehe ich mich veranlaßt, unter nochmaligem Hinweis auf die Nothwendigkeit einer strengen Durchführung aller vorgeschriebenen oder bereits empfohlenen Maßregeln ■ gegen die drohende weitere Verbreitung anzuordnen, daß alle Rindvieh-, Schaf- und Schweinemärkte in den von der Seuche betroffenen Kreisen untersagt werden, sowie auch in denjenigen Kreisen, welche durch nahegelegene verseuchte Gegenden gefährdet sind.
Der Regierungs-Präsident.
Wirklicher Geheimer Ober-Regierungs-Rath gez. Haussonville.
An sämmtliche Herrn Landräthe des Bezirks mit Ausnahme Landkreis Caffel und den Herrn Polizei-Präsidenten hier. A. III. 9520.
* *
Hersfeld, den 14. Oktober 1895.
Wird den betreffenden Ortspolizeibehörden des Kreises mit der Veranlaffung mitgetheilt, alle Rindvieh-, Schaf- und Schweinemärkte bis auf Weiteres zu untersagen.
Die angeordneten Schutzmaßregeln sind strengstens zur Durchführung zu bringen, Zuwiderhandlungen aber nachdrücklichst zu bestrafen.
I- 6008. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 12. Oktober 1895.
Es sind in neuerer Zeit unter dem Namen „Medizinal- Wein" und ähnlichen Bezeichnungen vielfach Erzeugnisse - in den Handel gebracht worden, welche sich als Nachahmungen oder Verfälschungen im Sinne des Nahrungsmittelgesetzes vom 14. Mai 1879 (R. G. Bl. S. 145) darstellen.
Da diese Erzeugnisse vielfach zum Genuß und zur Stärkung für Kranke und in der Wiederherstellung Be- - griffene Verwendung finden sollen, wird vor dem Ankauf beö frgl^ „Medizinal-Weins", namentlich aus solchen Verkaufsstellen, welche für die Echtheit keine genügende Garantie bieten, hiermit gewarnt.
| L 5973. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
(Nachdruck verbotm.)
Um Herz und Hand.
Roman von Jenny PiorkowSka.
(Fortsetzung.)
Achtzehntes Kapitel.
Alexander.
»Ist Ihr Herr wach?" fragte Doktor Lucius am nächsten Morgen die schmucke Magd, als sie die Stufen, die zur Säulenhalle des Schulhauses führten, fegte.
„Noch nicht, mein Herr," antwortete diese. „Es fehlt noch eine halbe Stunde bis zur Frühstückszeit. Außer Alexander ist noch Niemand unten."
„Und wo ist er?" Doktor Lucius kehrte sich halb weg und sprach in etwas schmerzlichen, hastigem Tone. glaube, fischen gegangen; ich sah ihn mit Angel und Korb fortgehen. Wahrscheinlich ist er am Bache."
„Bitte, schicken Sie ihn zu mir, wenn er zurückkehrt, bevor die Uebrigen herunterkommen," sagte der Doktor und ging in das Zinuner.
Die Fenster waren weit geöffnet, und die kühle Morgenluft bewegte leicht, die weißen Gardinen. Doktor . Lucius warf sich auf das Sopha und schob das Kissen ; unter den Kopf. Er war von der Nachtwache müde, ? wenn er es sich auch nicht gestehen wollte.
Hersfeld, den 15. Oktober 1895.
Auch in diesem Jahre wird mit Genehmigung des Herrn Oberpräsidenten eine Hauskollekte für die Jdioten- Anstalt zu Scheuern stattfinden. Da diese segensreich wirkende Anstalt, in welcher im Durchschnitt jährlich 300 schwachsinnige Kinder (darunter z. Z. 2 aus dem hiesigen Kreise) verpflegt werden, nur bei mildthätiger Betheiligung der Einwohner der Provinz Hessen-Nassau fortbestehen kann, so wird die erwähnte Kollekte den hiesigen Kreisbewohnern wärmstens empfohlen. Für die Landgemeinden erscheint es zweckmäßig, wenn aus den Gemeindekaffen, wie das bisher schon geschehen ist, ein angemeffener Beitrag dazu gezahlt wird.
I. 6041. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Homberg, den 12. Oktober 1895.
Königliches Landrathsamt benachrichtige ich ergebenst, daß unter dem Rindviehbestande des Zimmermanns Heinrich Wengst zu Wallenstein, sowie unter den Ziegen des Landwirths Konrad Schmidt, Holzhauers Adam M a n d und Hirten Adam H e l l w i g zu Remsfeld die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen ist.
D-r com. Landrath v. G e h c c n, Regierungs-Assessor.. An Kgl. Landrathsamt zu Hersfeld. J. Nr. 6801 u. 6802.
* * *
Hersseld, den 14. Oktober 1895. Wird veröffentlicht.
I. 6005. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Ziegenhain, den 11. Oktober 1895.
Euer Hochwohlgeboren benachrichtige ich ergebenst, daß unter dem Rindvieh des Johannes R o e s und Johannes H e b i g zu Oberaula, sowie des Simon B a ch - mann zu Friedigerode die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gemarkungssperre angeordnet ist.
Der Landrath. I. V.: B r u n n e r.
An den Königlichen Landrath, Herrn Geheimen Regierungs-Rath Freiherrn vonSchleinitz, Hochwohlgeboren in Hersfeld. I I. Nr. 9921.
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Hersfeld, den 14. Oktober 1895.
Wird veröffentlicht.
I. 6009. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Der Beginn des nächsten Kursus zur Ausbildung
„Noch eine halbe Stunde bis zum Frühstück," dachte er, als sein Auge auf die Uhr fiel; das war eine Geduldprobe, denn ihn hungerte, und außerdem hatte er keine Zeit zu verlieren. Was sollte er thun? Natürlich mußte er warten, — und seine müden Augen schlössen sich, seine düster zusammengezogene Stirn glättete sich, und er versank in einen tiefen Schlaf.
Luise kam bald darauf herab, schrack zusammen und hätte beinahe die Blumenvase, die sie in der Hand hielt, fallen lassen, als sie des Schläfers auf dem Sopha gewahr wurde. Leise trat sie herein, zog den Vorhang etwas vor die Fenster, breitete eine Decke über ihn und stahl sich hinaus auf die Veranda, um durch das Fenster sein Erwachen zu belauschen. Als er die Augen auf- schlug, erschien ihm ihr Gesicht, das ihn durch die weißen Gardinen betrachtete, wie ein Engel, der durch die Wolken blickt, aber wie ein Lichtstrahl war es verschwunden. Als er aufblickte und Luisen rief, trat sie blaß und ängstlich ins Zimmer und blieb, so fern als möglich, vom Sopha stehen.
„Ich habe Sie wohl erschreckt?" fragte er, die Decke zurückwerfend.
„Im Augenblick bringe ich das Frühstück," erwiderte sie verlegen und wandte sich zum Gehen.
„Kommen Sie her," sagte er, „ich habe mit Ihnen zu reden' Ist Ihr Vater schon wach?"
von Lehrschmiedemeistern an der Lehrschmiede in Char- lottenburg ist auf Donnerstag den 2. Januar 1896 festgesetzt.
Anmeldungen nimmt außer dem Generalsekretär des landwirthschaftlichen Provinzial-Vereins für die Mark Brandenburg und die Niederlausitz, Königlicher Landes- Oekonomierath Dr. Frhr. v. Canstein in Berlin N. W. Werftstraße Nr. 9, der Direktor des Instituts, Oberroß- arzt a. D. B r a n d, in Charlottenburg, Spreestraße 42, entgegen.
Caffel am 19. September 1895.
Der Regierungs-Präsident. J. V.: v. Pawel.
Nichtamtliches.
^um 18. Oktober.
Wenn wir in den vergangenen Augusttagen die Siege aufs neue in fünfundzwanzigjähriger Erinnerung feierten, die 1870 auf Frankreichs Boden von den deutschen Heeren erfochten wurden, wenn in allen Gauen unsers Vaterlandes in Sonderheit die noch lebenden Kämpfer zu heiliger, ^rheher^e^ Ieier zusammenströmten, Festtag sich an Festtag reihte, bis am Sedantage noch einmal in einem einzigen großen Dankesakkord das ganze deutsche Volk mit seinem Kaiser und seinen Fürsten an der Spitze Herz und Mund ausströmen ließ gegen den Herrn aller Herren, der so Großes an uns gethan; dann gedachten wir auch wohl wieder der Augustsiege des Befreiungskampfes vom napoleonischen Joche im Jahre 1813; wie die deutsche Erde damals roth gefärbt wurde nicht nur vom Blute der Unsern, sondern auch von französischem Blute, wie die verbündeten Heere in immer wuchtigern Schlägen gegen den bis dahin unüberwindlichen Kaiser Napoleon ausholten, bis dann in der dreitägigen gewaltigen Schlacht bei Leipzig vom 16. bis 18. Oktober seine Macht einen solchen Stoß erhielt, daß er Deutschland für immer den Rücken kehren mußte. Und so wollen wir auch an diesem 18. Oktober dieses gewaltigen Moments in der preußischen und deutschen Geschichte gedenken und dessen nicht vergessen, was unsere Väter vor uns gethan, um den verhaßten Erbfeind, der so lange Deutschland geknechtet, aus dem Vaterlande zu jagen. Aber wir wollen auch Gott danken, daß während es damals noch fremder Hülfe zur Eroberung des corsi- schen Eroberers bedurfte, im Jahre 1870 das deutsche Volk einig und stark die französische Armee allein überwand.
„Nein — das heißt — ich glaube, er ist nicht recht wohl; er wird nicht herunter kommen."
„So werden wir zwei allein frühstücken. Wenn Sie der Magd geklingelt haben, so kommen Sie her; ich muß Sie sehen, wenn ich mit Ihnen spreche."
Luise zog die Klingel, dann kam sie und setzte sich neben ihn nieder. Ella würde sehr empört darüber gewesen sein, daß der Doktor sich wieder auf das Sopha legte, mit der Hand durch das Haar fuhr, das Kissen etwas höher schob und Luisen anblickte, die mit ängstlichem Ausdrucke vor ihm saß. „Ich bin entsetzlich müde," sagte er und zog die Uhr heraus. „Ich muß dreiviertel Stunde geschlafen haben; seit wann lind Sie unten?"
„Ungefähr ebenso lange," entgegnete Luise matt.
„Und Sie haben seitdem auf mich gewartet? Warum wecken Sie mich nicht?"
„Warum? Ich war sehr froh, daß Sie ein wenig schlafen konnten; ich wußte ja, daß Sie müde sein mußten."
„Aber, wenn Sie aufrichtig sein wollten, so müßten Sie sagen, Sie waren froh, als ich erwachte; Sie wollen über den Knaben hören und wagen doch nicht, nach ihm zu fragen."
„Ich weiß, Sie würden nicht hier sein, wenn es ihm nicht besser ginge," sagte sie, halb durch seine Ruhe