Einzelbild herunterladen
 

y'--^----;----*----^-.....

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Abonncincntspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel. Postaufschlag.

>---------------. ...

y1 " -"--------- ~...... '" wr

Die Jusertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

> ........- - - - <

Nr. M. LmerstW den Wber 1895.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt" und Mnstrirte landwirthschaftl. Beilage" für das 4, Quartal werden noch von allen Aaiser- lichen Qostanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Cassel, den 29. September 1895.

An das Königliche Landrathsamt Hersfeld.

Nachdem in den diesjährigen Manövern durchweg die Verpflegung der Truppen durch die Quartierwirthe statt- gefunden hat und trotz der theilweise starken Belegung alle Ortschaften, auch die wenig bemittelten, nach Kräften dazu beigetragen haben, um die Truppen der Division gut aufzunehmen, so nehme ich Veranlassung, dem König­lichen Landrathsamt für das große Entgegenkommen bei allen Vorarbeiten für das Manöver meinen Dank aus- zusprechen und bitte ergebenst, selbigen auch für die Division den bei der Einquartierung betheiligten Ge- meinden für die den Truppen gewährte gute Aufnahme übermitteln zu wollen.

v. C o l l a s , Generallieutenant und Divisions-Kommandeur.

Hersfeld, den 1. Oktober 1895.

Wird veröffentlicht.

I. 5730. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, ______________________ Geheimer Regierungs-Rath. ~ Hersfeld, den 28. September 1895.

Die Erledigung der Verfügung vom 28. Februar 1880 I. Nr. 2182, im Kreisblatt Nr. 18, betreffend Einzahlung des Forstgeldes an die Königlichen Forst- kaffen, wird bei den hiermit noch rückständigen Herren Ortsvorständen in Erinnerung gebracht mit Frist bis

Um Herz und Hand.

Roman von Jenny Piorkowska.

(Fortsetzung.)

Und während Luise nach ihrem Hute ging, erwartete Ella sie an der Thüre, die den Kirchhof von des Schul- direktors Garten trennte. Der Ginsterbusch, der darüber hing, stand jetzt in voller Blüthe, und das Thor war ziemlich niedrig, so daß der junge Direktor, als er lang­sam und gedankenvoll über den Kirchhof auf den Garten zuschritt, Jemanden sah, der ihm die bösen Schulknahen und die mühevollen Stunden vergessen machte. Hub wer war der Jemand? Keine Andere als die kokette Ella, welche dort an der Gartenthüre stand.

Ella begegnete des Direktors Blick halb schüchtern, halb erfreut. Sie war so schön, daß sie jedem Mann den Kopf hätte verdrehen können und trotz ihrer schmp- pischen Spöttereien empfand sie doch eine gewisse Zu­neigung, die ihr ihm gegenüber etwas Sanftes gab, was ihr im Verkehr mit anderen Personen fehlte. Rajch kam er auf sie zu und erfaßte ihre Hand, die auf der Thür ruhte; die andere hielt den Sonnenschirm, Ellas Gesicht vor dem Sonnenstrahl zu schützen, der gerade durch den Ginster auf sie fiel.

Sie kommen doch znr Konzertprobe?" fragte er, ohne eigentlich recht zu wissen, was er that, als er ihre Hand berührte.

Ja," sagte sie, sehr gleichgültig, worüber er sprach, wenn er nur an der Thür stehen blieb, bis Luise zu- rückkam.

zum 5. Oktober d. Js. bei Meidung von 3 Mark Strafe.

J. Nr. 2182/80. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 1. Oktober 1895.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit der Einreichung von Quartierbescheinigungen rc. bezüglich der gehabten Einquartierung noch im Rückstände sind, werden hiermit angewiesen, dieselben bis spä­testens zum 5. d. Mts. dahier einzureichen.

II. 2814. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 26. September 1895.

Nach Mittheilung des Königlichen Landrathsamtes zu Rotenburg a/F. ist der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche unter dem Viehbestand des Bernhard Eichhorn zu Richelsdorf und des Samuel Wallach zu Baumbach festgestellt worden.

I. 5618 u. I. 5619. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hünseld, den 30. September 1895.

Dem Königlichen Landrathsamt theile ich ergebenst mit, daß unter dem Viehbestände des Vieh- und Specerei- händlers Wolf Nußbaum in Mansbach diesseitigen Kreises die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen ist.

Der Königliche Landrath. I. V.: Loock.

An Königliches Landrathsamt zu Hersfeld. I. Nr. 7470.

*

Hersfeld, den 1. Oktober 1895.

Wird veröffentlicht.

I. 5725. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, _________ Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 30. September 1895.

Für den am 30. Dezember 1879 geborenen Arbeiter Heinrich Hermann Schäfer zu Friedewald ist um Ent­lastung aus dem preußischen Staalsverbande behufs Auswanderung nach Nordamerika nachgesuchi worden.

I. I. Nr. 5701. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Das waren in der That die rechten Worte, die ihm nichts sagten und ihn zu weiteren Fragen aufforderten.

Am Sonntage waren Sie nicht in der Kirche?" frug der Direktor.

Nein. Es regnete so sehr und Mama wollte mich nicht gehen lassen, denn wir haben einen sehr weiten Weg."

Fürchten Sie sich bei ihren Ausgängen immer so vor dem Regen," frug er mit leisem Spott und wandle sich zum Gehen. Aber Ella hatte sich vorgenommen, daß er bleiben müsse, bis Luise zurück sei; sie bot daher Alles auf, ihn zu fesseln, und so nahm sie einen glück­lichen Zufall war und rief aus:

O, sehen Sie meinen Sonnenschirm, Herr Direktor wie soll ich den wieder los bekommen!" Sie hatte, als dieser auf sie zukam, mit dem Schirme gespielt und war mit dessen Franse in der Rosenhecke, die neben dem Ginsterbusche stand, hängen geblieben. Der Direktor bog sich über den Busch um den Schirm zu befreien und Ella stach sich heftig mit einem Dorn in den Finger, daß er blutete; bei diesem Anblick vergaß der Direktor Schirm und Franse, wickelte sein eigenes Taschentuch um Ellas zarte Hand und beugte sich aufgeregt auf die­selbe herab.

Mit einem boshaften Gefühl des Triumphes plau­derte Ella munter weiter über ihren Finger, gab zu, daß er ihr schmerze, obgleich es durchaus nicht der Fall war.

Aber mein Schirm," rief sie dann ein wenig er­schreckt, als sie Luisen den Pfad herbeiellen sah und

Unter dem Rindvieh des Conrad Steinhauer hier- selbst ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

Wüstseld, den 1. Oktober 1895.

Westphal, Bürgermeister.

Verloren: 1 Woylach (Decke). Der Finder wird um Ablieferung an das Bürgermeisteramt zu Schenklengs- feld ersucht.

Der ehemalige Bahnarbeiter Jean Frank aus Hanau hat sich am 21. d. Mts., Nachmittags 2 Uhr, aus seiner Wohnung hierselbst entfernt und ist bis jetzt noch nicht zurückgekehrt. Die angestellten Nachforschungen sind bis­her ohne Erfolg gewesen und ist nach den vorliegenden Umständen die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß sich derselbe ein Leid angethan hat.

Der Vermißte ist am 21. Januar 1852 zu Hanau geboren, von Mittelgröße, untersetzter Statur, hat schwarzes Haar, welches auf dem Vorderkopf schon etwas ! dünn ist und trägt am rechten Unterarm ein offenes Muttermal. Derselbe hat ein längliches Gesicht, dunkle Augen, gute aber schlecht gepflegte d. h. schwarze Zähne und trug eine sogen, englische braune Mütze und braune Hose, schwarze Weste, grauen Zwirnrock nebst Zugstiefel, buntes, schwarz vnb weiß gestreiftes Hemd.

Um Anstellung von Nachforschungen nach dem rc. Frank, Anhaltung im Betretungsfalle und Nachricht hier­her wird ergebenst ersucht.

* *

*

Das Ausschreiben vom 6. Juli d. Js. Nr. 6572/95, betreffend den vermißten Goldarbeiter Wilhelm Donns von hier ist erledigt.

Hanau, am 26. September 1895.

J.Sir.P. 9442/1895. Königliche Polizei-Direktion.

Die Aufgabe der Hähern Schule.

Der Kultusminister Dr. Bosse hat am vorigen Donnerstage bei der Feier des 300jahrigen Bestehens des Gymnasiums in Osnabrück eine bemerkenswerthe Ansprache gehalten, in der er die Gymnasien die Pflanz­stätten für das gesunde geistige Leben der Nation nannte. Unter anderm sagte der Minister über die Aufgabe der höhern Schulen:

Wir leben in einer kritischen Zeit: das neunzehnte Jahrhundert geht zur Rüste, und an der Schwelle des neuen Säkulums stehen gute und böse Mächte, die stür-

eine Dame, Frau van Ryper, gewahr wurde, die un­beweglich auf dem Wege stehen geblieben war und sie beobachtete.

Wie," sagte Luise,Du bist noch da, Ella? Warum wartest Du noch auf mich? Alexander hielt mich auf."

Der junge Direktor wurde von Luisens Worten förmlich aufgeschreckt; die Farbe wich aus seinem Gesicht, er sah aus, wie Jemand, der plötzlich eine schlimme Nachricht empfängt. Mit einem eiligen Gruß verließ er die Damen und schritt in die Kirche, wo die Konzert­probe stattfand.

Auch Ella fühlte sich etwas unbehaglich und wünschte, sie hätte ihn nicht zurückgehalten. Aber was war es denn im Grunde so Schlimmes? Kein Mensch würde es gewußt haben, wenn die Abscheuliche sie nicht an der Gartenthür gesehen hätte.

Oh, Luise," flüsterte Ella und erfaßte der Freundin Arm, als sie in die Kirche eilten,wie lange, denkit Du, mag Frau van Ryper uns beobachtet haben? Ich gestehe, ich bin zu Tode erschrocken. Es sollte mich nicht wundern, wenn diese giftige Schlange es durchsetzt, daß der Direktor wegen dieser Sache mit mir ins Gerede kommt."

Ella fühlte sich wirklich sehr unbehaglich, sie wartete nach dem Kirchenkonzert mit Luise ein paar Minuten an der Kirchthüre in der Hoffnung, ein Wort mit dem Direktor wechseln zu können ein Wort, das ihm sagen sollte, wie nichtssagend Frau van Rypers Zorn im Vergleich zu einem Lächeln von ihr sei, aber sie wurde enttäuscht.