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Nr. 111 Csmiakilii Heil 28. MemKr 1891
Erstes Blatt.
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Die Expedition.
Amtliches.
Homberg, den 24. September 1895. Königliches Landrathsamt benachrichtige ich ergebenst,
daß unter dem Rindvieh des Handelsmanns G 0 l d - schmidt zu Raboldshausen die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen ist.
Der Landrath v. Gehren.
An Königliches Landrathsamt zu Hersfeld. Nr. 6348.
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Hersfeld, den 25. September 1895.
Wird veröffentlicht.
I. 5605. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Die Maul- und Klauenseuche ist unter den Rindern im Stalle des Bauers Ernst Rüger hierselbst ausgebrochen.
KathuS, den 25. September 1895.
Bauer, Bürgermeister.
Im Stalle des Landwirths Joh. Eidam II. hierselbst ist unter den Rindern die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Wippershain, den 25. September 1895.
Gilbert, Bürgermeister.
Gefunden: auf der Straße von Hersfeld nach Unterbaun ein Buckslin-Rock. — Melv^ng des EigentHümers bei dem Ortsvorstand zu Unterhaun.
Uichtamtlichos.
Der Arieg auf Madagaskar.
Niemand hat wohl daran gezweifelt, daß es Frankreich am letzten Ende gelingen werde, in dem Kriege um die Insel Madagaskar die Truppen der Hovas niederzuwerfen und die Regierung der Königin der Hovas unter seine Botmäßigkeit zu bringen. Aber ebenso wenig konnte es zweifelhaft sein, daß dieser Feldzug wegen des mörderischen Klimas auf der Insel und der großen Schwierigkeiten des Geländes außerordentlich starke Opfer erfordern werde. In der That haben die bisherigen Verluste noch die trübsten Erwartungen übertroffen, und das Bitterste hierbei für unsere Nachbarn ist, daß sich wieder als Grund des Uebels eine mangelhafte Organisation des Feldzugs herausgestellt hat.
Mit aller Sorgsamkeit waren die Truppen ausgewählt und ausgerüstet und ein tüchtiger General, Du-
chesne, an die Spitze des Korps gestellt worden. Allein immer mehr zeigte es sich, daß für die Zufuhr des Kriegsmaterials, die Verpflegung der Soldaten, für die Unterbringung der Kranken und Verwundeten ganz ungenügend vorgesorgt war. Die Hovas wichen jedem ernstern Gefechte aus und überließen den Gegner dem Kampfe mit dem mörderischen Klima und den noch durch künstliche Befestigungen erhöhten Bodenhinderniffen auf dem langen Marsche ins Innere nach der Hauptstadt der Königin Taranariva. Immer ungünstiger lauteten die Schilderungen selbst in den regierungsfreundlichsten Pariser Blättern über den Zustand der Truppen, den Mangel an Spitälern und Lazarethen, den schlechten Verpflegungsdienst. Die Schuld hieran soll nicht allein auf den General Duchesne fallen, sondern hauptsächlich an dem Mangel eines einheitlichen Vorgehens der Kriegs-, Marine- und Kolonialverwaltung liegen. Darüber soll es schon zu Reibungen zwischen den verschiedenen Ministern gekommen sein. Der Unwille der Bevölkerung wird noch weiter erregt durch Mittheilungen kranker Offiziere und Soldaten in der Presse, die kürzlich in Toulon eingetroffen sind, so daß beim Zusammentritt der Kammern die Lage des Ministeriums schwierig zu werden droht.
Nur ein baldiger Erjolg Duchesnes wird den Aus- bruch des Unwilles in der Deputiertenkammer hemmen können. Der General hat nach den letzten Nachrichten eine leichte Kolonne von ungefähr 4500 französischen und ungefähr ebensoviel madagassischen Soldaten gebildet, die in Eilmärschen gegen die Hauptstadt vorrücken soll. Erreicht die Kolonne ihr Ziel, so werden die Hovas wahrscheinlich, wie sie gedroht haben, vorher die Stadt in einen Trümmerhaufen verwandelt haben und mit dem Hoflager der Königin weiter ins Innere abgezogen sein, so daß das Ende des Feldzugs noch nicht gekommen wäre. Mißlingt der Versuch, so ist die ganze Expedition vorläufig so gut wie gescheitert. Duchesne wird bereits in der Pariser Preffe wegen seiner Mißgriffe, die zum Theil darauf beruhen, daß ihm die Verhältnisse auf der Insel bis zu seiner Wahl als Expeditionsführer ganz fremd waren, lebhaft angegriffen, und überhaupt ist die Frage nach dem oder den Schuldigen schon im vollsten Gange.
Mag der eine oder der andere Minister oder das ganze Ministerium wegen der Fehlschläge auf Madagaskar zu Falle kommen, fest steht jetzt schon: Ein einheitlicher Wille hat gefehlt, man war in den maßgebenden Stellen
Um Herz und Hand.
Roman von Jenny Piorkowska.
(Fortsetzung)
„Es ist kein großes Kompliment, wenn tch Ihnen sage, daß ich zu Ihnen Vertrauen habe; aber, wenn ich Jemand als meinen Freund betrachte, so sind Sie es, und ich verspreche Ihnen, von dergleichen zu Niemand zu reden, als zu Ihnen," flüsterte Luise zutraulich. „Warum sollte es je anders werden? Drei Menschen giebt es, von denen ich mich nie trennen möchte, von meinem Vater, von Alexander und von Ihnen.
Schweigend fuhren sie im Schatten der Ulmenbäume dahin und lenkten in die breite Straße ein, in der die Kirche und das Schulhaus standen.
„Ich werde es nicht vergessen, was sie heute zu mir sagten," bemerkte Doktor Lucius, als er Lumens Hand faßte, um ihr beim Aussteigen behilflich zu fein.
„Ich auch nicht," sagte das junge Mädchen. „Gute Nacht, Herr Doktor! Herzlichen Dank für Ihre Begleitung!"
Neuntes Kapitel.
Böse Bube n.
Heinrich Gilmer, der Müllerösohn, war der schliminste Knabe im Orte und seit zwei Jahren der liebste Areuno des kleinen Alexander. Es wurde viel darüber geredet, daß der Direktor Werner seinem Enkel gestattete, solchen Umgang zu pflegen, aber früher war Heinrich nicht so schlimm gewesen und es hatte sich zwischen ihnen eine
eigenthümliche Freundschaft entwickelt, welche der gutmüthige Direktor nicht zerstören wollte.
Sie waren beide böse Knaben, aber die öffentliche Meinung war getheilt, welcher von ihnen der böseste sei. Heinrich hatte bei aller seiner Wildheit wenig Talent zu Betrügereien und trug daher meist die Strafe, hingegen hatte Alexander ganz besonderen Hang zum Lügen und kam dadurch meist bester weg, als sein Kamerad. Der Eine war boshaft mit der Bosheit eines Kindes, der Andere lasterhaft mit dem Laster eines gereiften Geistes.
Sie standen fast in gleichem Alter; aber Heinrich brünett und kräftig, war einen Kopf größer als sein Gefährte und sah aus wie ein erwachsener Bursche, während der Andere noch mehr dem blondlockigen Liebling aus der Kinderstube glich.
Sehr schön war es freilich für Alexander, zu des Müllers Wohnung freien Zutritt zu haben. Die Speisekammer dort war immer voll der schönsten Kuchen und Leckereien, von dem Weine im Keller und dem unbeschränkten Vorrath von Nüssen gar nicht zu reden.
Der Müller Gilmer war ein ruhiger, gutmüthiger Mann, von dem Heinrich seine blauen Augen und ein leicht versöhnliches Gemüth geerbt hatte.
Heinrichs Vater strich sich daher ruhig das Kinn und meinte, wenn Klagen über den Sohn kamen, „er werde sich schon bessern." Aber seine Mutter grämte sich tief über seine fortwährenden Vergehen, obgleich sie oft seine Parthei nahm, wenn er bestraft wurde und ihn in dem Glauben bestärkte, daß er ungerecht behandelt würde. Sie empfand stets Mißtrauen gegen Alle, die über ihr
standen und impfte so unbewußt dem Sohne das Gefühl ein, daß reiche Leute seine natürlichen Feinde seien und daß er dieselbe Berechtigung hätte wie Jene.
Frau Gilmer war eine große, hübsche, schwarzäugige Frau, mit festem Willen und Charakter. Ihre ruhelose Energie hatte indessen auch eine gute Wirkung; sie spornte ihren Mann zu einer Thätigkeit an, zu der er sich von selbst nie emporgeschwungen haben würde und ließ ihm keine Ruhe, bis er seine alten Schulden abgetragen hatte und anfing, etwas für seinen Sohn zurückzulegen. Die Mühle und das Haus gehörten zu den Herrmann- schen Besitzungen, und der Kommerzienrath hatte sie ihm unter sehr billigen Bedingungen verpachtet, so daß es ihm, Alles in Allem betrachtet, gut ging
Frau Gilmer blickte oft besorgt auf die Freundschaft zwischen Heinrich und Alexander; zuweilen dachte sie, es sei gut für ihren Sohn und könnte ihm später, wenn sie beide erwachsen wären, von Nutzen sein, öfter aber hielt sie auch den Umgang für ein Unglück für Heinrich.
Sie behandelte dashalb Alexander manchmal mit Strenge, wenn er in die Mühle kam und verbot Heinrich in das Schulhaus zu gehen; aber sie hätte sich diese Mühe sparen können, denn Alles, was sie sagte und that, kümmerte die Knaben nicht. Sie nahmen zusammen Vogelnester aus, stahlen Aepfel, bemalten die Mauern, hoben Thore aus ihren Angeln, plünderten Blumen und obgleich manchmal selbst bitter verfeindet, hielten sie doch immer wieder durch einen gemeinsamen Hang, Böses zu thun, zusammen. Der Direktor grämte sich manchmal über das zügellose Treiben seines Enkels, aber er be-