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Nr. 113. Ismierftlig -eil 28. September 1895.
Domemeck-Kili^q.
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Die Expedition.
Unter dem Rindvieh des Viehhändlers Jacob Plant hierselbst ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Schenklengsfeld, den 24. September 1895.
Rüger, Bürgermeister.
Unter dem Rindvieh des LandmirtheS Joh. Reinhard hierselbst ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
HilmeS, den 23. September 1895.
Deiser 0 th , Bürgermeister.
Berlin, 24. September.
S e. M a j e st ä t der Kaiser unternahm gestern früh einen Pürschgang und kehrte im Laufe des Vormittags nach dem Jagdhause Rominten zurück.
Ihre Majestät die Kaiserin ist gestern Abend 10^4 Uhr mittelst Sonderzuges von der Wildparkstation abgereist. Ihre Majestät traf heute Vormittag kurz vor 10 Uhr in Flensburg ein und wurde am Bahnhöfe vom Herzog Friedrich Ferdinand empfangen. Ein offizieller Empfang fand nicht statt. Nach der Begrüßung reiste Ihre Majestät mittels Sonderszuges nach Schloß Glücksburg weiter, wo ein etwa acht- bis zehntägiger Aufenthalt in Aussicht genommen ist.
Der Bundesraths-AuSschuß für Handel und Verkehr tritt morgen wieder zu einer Sitzung zusammen. Auch der Justizausschuß des Bundesraths wird demnächst seine Berathungen wieder aufnehmen.
Nach einer Meldung aus Ningpo, sind in der ganzen Provinz Tsche-Kiang, namentlich in der Stadt Kin-Hoa, zahlreiche Aufrufe gegen die Ausländer und die Christen angeschlagen.
Die Verhandlungen im Reichstage über Gewährung von Beihülfen und Unterstützungen an Kriegsveteranen haben zu Tage treten lassen, daß über den gegenwärtigen | Bestand des R e i ch s i n v a l i d e n f 0 n d s vielfach unrichtige Auffassungen bestehen. Der Fonds ist durch Reichsgesetz vom 23. Mai 1873 zu dem Zweck geschaffen, die Bestreitung derjenigen Ausgaben sicherzustellen, welche dem Reiche infolge des Krieges von 1870/71 nach dem Gesetze, betreffend die Pensionirung und Versorgung der Militärpersonen rc., vom 27. Juni 1871 zur Last fallen. Die Höhe des Fonds ist damals auf 187 Millionen Thaler — 561 Millionen Mark bemessen worden. Zur Bestreitung der Ausgaben sollten alljährlich seine Zinsen und ein Theil des Kapitalbestandes derart verwendet werden, daß der Fonds unter allen Uniständen bis zum Aussterben des letzten Empfangsberechtigten zulänglich wäre. Laut der neuesten, auf den Stand am 30. Juni 1894 bezüglichen Bilanz besaß der Fonds noch einen Aktivbestand von rund 442 Millionen. Diesem steht der Kapitaliverth der dem Fonds obliegenden Verbindlichkeiten mit rund 359 Millionen gegenüber, so daß sich rund 83 Millionen Mark Ueberschuß ergeben. Von der letzteren Summe sind inzwischen durch das Reichsgesetz
Politische Nachrichten.
vom 22. Mai 1895, welches insbesondere Beihülfen für gänzlich erwerbsunfähige und bedürftige Kriegsveteranen vorsieht, etwa 40 Millionen gebunden. Hierunter ist derjenige Kapitalbetrag zu verstehen, welcher erforderlich ist, um durch alljährliche Verwendung seiner Zinsen und eines Theils des Kapitals die aus dein letztbezeichneten Gesetz sich ergebenden Ausgaben zu bestreiten und zwar so, daß dieser Kapitalbetrag mit dem Aussterben des letzten Empfangsberechtigten aufgezehrt sein soll. Somit verbleibt von jenen 83 Millionen Ueberschuß nur noch ein Kapital von 43 Millionen Mark. Letzteres würde — ebenfalls unter dem Gesichtspunkte des allmählichen Aufzehrens bis zuin Aussterben des letzten Empfängers in jährliche Aufwendungen umgesetzt und unter fernerer Berücksichtigung der Möglichkeit, daß die gegenwärtigen Geldverhältnisse zu einem Rückgang des Zinsfußes führen können — eine Summe ergeben, die zur Deckung von künftig vielleicht eintretendem Merbedarf für einige bereits gesetzlich festgelegte Ausgabezwecke nur etwa ausreichen möchte. Aus Vorstehendem erhellt, daß die Annahme, man könne mit sozusagen ungemeffenen Mitteln des Fonds rechnen und darauf weitere, über die gegenwärtig feststehenden Ausgabezwecke hinausgehende Ansprüche an denselben stützen, völlig ungerechtfertigt ist.
Für die Beamten der Strafanstalten sind, wie verschiedene Blätter melden, seitens des zuständigen Ministeriums kleine Schießübungen in regelmäßigen Zwischenräumen angeordnet worden. Die in letzter Zeit häufiger vorgekommenen Angriffe von Verbrechern gegen Strafanstaltsbeamte machen die Uebung Letzterer im Gebrauch der Schußwaffe zu ihrer Vertheidigung nothwendig.
Ein v e r n i ch t e n d e s U r t h e i l hat der Verlags- Buchhändler Dr. Hans Müller dieser Tage über die Sozialdemokratie Deutschlands gefällt. Das Urtheil ist um so mehr zu beachten, als der Genannte aus seiner frühern Stellung als Redakteur der sozialdemokratischen „Volksstimme" in Magdeburg die Verhältnisse sehr genau kennen dürfte. In einer öffentlichen Versammlung in Basel bemerkte er, wie die „Post" berichtet: „Die deutsche Sozialdemokratie schenkt der Gewerkschaftsbewegung keine Beachtung und ist unfähig zu jeder positiven Mitarbeit in sozialreformatorischer Richtung."
Die „Magdeb. Ztg." schreibt aus Magdeburg: „Wegen Verdachts des L a n d e s v e r r a t h s ist ein hiesiger Kaufmann am 22. d. hier verhaftet worden. Vor
Um Herz und Hand.
Roman von Jenny P io r kowska.
(Fortsetzung.)
Der Mond stieg eben auf, als er sich dem Hause der Frau Kommerzienrath auf der „Höhe" näherte; die Lichter desselben schimmerten durch die Bäume, und die Einsts schallte aus den geöffneten Fenstern und Thüren. Auf der einen Veranda, die hell vom Monde beleuchtet war, promenirten eine Menge Tänzer auf und ab, die andere lag im Schatten und war leer. Doktor Lucius rief nach einem Diener für sein Pferd, schritt ein paar Stufen hinauf, blickte in die Vorhalle und dann durch das offene Fenster hinein in den Festsaal.
Da sah er wie in einen Rosengarten und er jagte bei sich: „In diesem Saale sind mindestens zwanzig schöne Mädchen, aber die schönste von allen ist doch dre kleine Luise." ,
Diese schien ganz den Kummer vergessen zu haben, der sie vor wenigen Stunden bewegte; ihr Gestcht strahlte vor Vergnügen, jede ihrer Bewegung sprach von wer Jugend und ihrem Frohsinn; sie genoß ein seltenes, schönes kurzes Glück, das sich so nicht wiederholen konnte. Noch wußte sie nichts von Stolz, Neid und Ehrgeiz, für sie war Bewunderung nur Freundlichkeit, Vergnügen erfüllte sie noch mit unbewußter Dankbarkeit, ^ie tanzte nicht, aus dem triftigen Grunde, den sie dem Doktor angegeben hatte; aber die liebenswürdigsten Herren halten sie dazu anfgeforbert, und Mancher von ihnen hatte bau
Vergnügen des Tanzes aufgegeben, um mit ihr zu plaudern und trug seinen Theil dazu bei, diese Unschuld, die ihn entzückte, aus ihrem kindlichen Wesen zu reißen.
Doktor Lucius beobachtete sie eine Weile mit neu-- gierigem, halb unruhigem Blicke; mit zwei Herrn zu beiden Seilen wanderte sie den langen Saal auf und ab; sein schönes Bouquet wurde von dem lebhafteren der beiden Verehrer unbarmherzig behandelt, der eine schwatzte fade Schmeicheleien, der ander schritt ruhig nebenher.
„O weh!" sagte Doktor Lucius halblaut, „sie werden das Kind mit diesen Thorheiten verderben," und ungeduldig schob er die Portieren bei Seite und trat in die hellerleuchteten Räume.
Die Drei, die er so mißbilligend beobachtet hatte, kamen ihm gerade entgegen, als er eintrat; Luise ließ den Arm ihres Begleiters los und kam schnell auf ihn zu.
„O, da sind Sie, Herr Doktor!" rief sie in ernstem aber naivem Tone, während bei dem Gedanken an das Krankenzimmer daheim, den des Arztes Erscheinen in ihr wachrief, ein Schatten über ihr Gesicht flog.
Doktor Lucius biß sich auf die Lippen; es erschien ihm hart, daß er trotz aller Mühe, die er sich für ihr Vergnügen gegeben hatte, der sein mußte, der den ersten Schatten über ihr glückliches Gesicht bringen mußte.
„Alexander ist nicht kränker?" frug sie ängstlich und besorgt.
„Nein," sagte er lächelnd, „ich kam nur, Ihnen zu
sagen, Sie könnten noch bleiben."
„Nein," erwiderte Luise mit sichtlicher Ueberwindung. „Ich bin bereit zu gehen; ich hatte nur nicht geglaubt, daß es schon zwölf Uhr sei."
„Das glaube ich; aber es ist zwölf Uhr und darüber."
„Wo ist denn Frau Kommerzienrath Herrmann? Ich muß ihr Adieu sagen."
„Adieu sagen!" rief da einer der jungen Herren. „Fräulein! Das ist nicht Ihr Ernst! Ist etwas vorgefallen?"
Er warf dabei einen Blick auf Lucius, stutzte und rief im Tone großer Ueberraschung:
„Ist es möglich, Du bist es Lucius. Ich hätte eher geglaubt den Khan der Tartarei hier zu sehen, als Dich." Dann reichte er dem jungen Arzte die Hand.
„Du kannst nicht mehr überrascht sein, als ich," entgegnete der Doktor. „Ich hatte keine Idee, daß Du hier im Land wärest."
„Wir waren alte Reisegefährten, Fräulein," sagte nun der junge Herr wieder. „Zwei solch reiselustige Seelen wie wir, sollten nicht überrascht sein, sich, wo es auch sein mag, zu begegnen, so lange sie auf einem Planeten sind."
„Wenn diese Begegnung so kurz ist als unsere letzte, muß ich sie benutzen," sagte Doktor Lucius zu dem plötzlich entdeckten alten Freund Capitän Stoll und zu Luisen gewandt fügte er hinzu: „Fräulein, ich weiß/Sie entschuldigen mich auf_ ein paar Augenblicke."
Er nahm des Capitäns Arm und in eifriger Unter-