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Die Expedition.

Politische Nachrichten.

Zu den Uebungen der Manöverflotte in Gegenwart Sr. Majestät des Kaisers wird aus Danzig gemeldet: Nach einer Meldung derDanziger Zeitung" hat die Manöverflotte am Freitag und während der Nacht auf hoher See manöverirt. Sonnabend früh er­schien sie vor Hela. DieHohenzollern" mit Sr. Ma­jestät dem Kaiser an Bord lag westlich vor Hela. Um 10 Uhr lief die gesammte Flotte mit der kaiserlichen Jacht in die Danziger Rhede ein.

Wie derHamburgische Correspondent" meldet, hat S e. Majestät der Kaiser an den Generalobersten Grafen von Waldersee folgendes Allerhöchstes Kabinetsschreiben gerichtet:Bei den soeben beendigten Herbstübungen habe Ich sämmtliche Truppentheile des

Nachdruck verboten.

Um Herz und Hand.

Roman von Jenny Piorkowska.

(Fortsetzung)

Unser Arzt Doktor Nühl," meinte der alte Herr tm Laufe der Unterhaltung,mag ja ein ganz geschickter Mann sein, aber wir vermissen schmerzlich unseren alten Arzt, denn dem neuen ist es noch nicht gelungen, sich viel Vertrauen zu erwerben. Dieser muntere, junge Mensch bildet einen seltsamen und unbefriedigenden Contrast gegen den alten ehrwürdigen Doktor, der vor zwei Jahren starb. Wo praktiziren Sie, Doktor Lucius?" frug er dann seinen Gast.

Diese Frage kam sehr plötzlich; der fremde Arzt fuhr leicht zusammen, vielleicht, weil er nicht darauf vorbe­reitet war, von seinem ruhigen Wirthe so unerwartet befragt zu werden; aber schon im nächsten Augenblicke fand er seine Ruhe wieder und entgegnete:

Momentan nirgends, Herr Direktor. Ich habe in der That auch noch nie regelmäßig praktizirt. Haupt­sächlich hat sich meine Thätigkeit auf die Praxis in Hospitälern beschränkt und auf die momentane Behand­lung in Fällen, von denen ich zufällig auf meinen Reisen hörte. Ich habe mich nie darnach gesehnt, mich irgendwo fest niederzulassen. Meine Neigung zu reisen und meine Lust Studien auf Reisen zu machen, haben mich davon abgehalten."

In jungen Jahren sann ich das wohl begreifen; aber ich sollte meinen, in Ihrem Alter findet ein Mann

9. Armeekorps in einem musterhaften Zustande der Aus­bildung und Haltung gefunden, welcher Meinen Er­wartungen in hohem Grade entsprochen hat. Mit freudi­ger Genugthuung spreche Ich daher allen Generalen, Regimentskommandeuren und Offizieren, wie den Truppen Meine vollste Zufriedenheit mit dem von jedem Einzel­nen an den Tag gelegten Eifer, der allein zu solchen Zielen führen konnte, aus. Ihnen selbst ober will Ich in besonderer Anerkennung dieser Erfolge, wie der in anderweitigen Stellungen erworbenen großen Verdienste Meinen Königlichen Dank dadurch zu erkennen geben, daß Ich Sie hierdurch zum General-Obersten der Kavallerie mit dem Range eines General-Feldmarschalls ernenne. Ich scheide von dem Korps mit der Zuversicht, daß das­selbe unter Ihrer bewährten Führung und Einwirkung den gegenwärtigen hohen Stand der Ausbildung fest­halten und sich stets des Ruhmes würdig zeigen wird, welchen es in den heißen Schlachten des letzten Krieges erkämpft hat. Stettin, 12. September 1895.

gez. Wilhelm I. R.

An Meinen Generaladjutanten, General der Kavallerie Grafen von Waldersee, kommandirenden General des 9. Armeekorps."

Der Kaiser von Oesterreich hat anläßlich der Manöver bei Stettin an Se. Majestät den Kais er nach­stehendes Allerhöchste Handschreiben de dato 11. Sep­tember d. I. gerichtet:Euere Kaiserliche und König­liche Majestät haben mir durch die Einladung zu den Manövern Ihrer Armee eine große Freude bereitet. Sie war mir vor Allem willkommen als ein wiederholter Beweis der mir und meinem Heere so werthvollen freund­schaftlichen Gesinnung Euerer Kaiserlichen und König­lichen Majestät. Als besondere Auszeichnung habe ich es empfunden, neuerdings in der Mitte Euerer Kaiser­lichen unb Königlichen Majestät ruhmreicher Armee weilen zu können. Mit aufrichtiger Genugthuung erfüllte es mich hierbei, durch die hohe Würde, welche Euere Kaiser­liche und Königliche Majestät mir zu verleihen geruht haben, Euer Kaiserlichen und Königlichen Majestät Heere nur noch näher getreten zu sein. Beseelt von dem Wunsche, die herzlichsten Beziehungen unserer Armeen noch enger zu gestalten, gereicht es mir nun zur be­sonderen Freude, Euere Kaiserliche und Königliche Majestät zu bitten, als oberster Inhaber zweier Regi­menter auch die Uniform eines Generals der Kavallerie meiner Armee tragen zu wollen. Diese würde hierin

sein Glück am besten in einem festen Daheim gegründet," entgegnete der Hausherr.Die Welt ist eine gute Schule, aber, lieber Herr, ein Mann kann nicht sein Lebelang zur Schule gehen. Glauben Sie mir, Herr Doctor, Ruhe oder vielmehr Sammlung und Concen- triren seiner Kräfte ist dem Leben eines Mannes in späteren Jahren so nothwendig, als anfangs die Thätig­keit. Sie verstehen, was ich damit meine. Man kann seine Thätigkeit, seine Energie nicht auf die ganze Welt auü- dehnen; die Kräfte werden vergeudet, so lange sie nicht auf einen Punkt gerichtet sind, und oft, je kleiner der­selbe ist, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß sein Werk ohne Mikroskop gesehen werden kann."

Der Zuhörer hatte seine Augen feit auf die bren­nenden Kohlen im Kamin geheftet; ein Schatten der Bitterkeit lag um seinen Mund ein so leichter Schatten, daß er mehr der Betrübniß glich; er entgeg- nete nichts, als sein Wirth inne hielt, noch änderte er seine Stellung und Miene. Erst als der Direktor, seinem Gedanken folgend, über den er sich weitläufig ergangen hatte, sagte:Sie haben gewiß keine Familie?" da hob Doctor Lucius die Augen und antwortete:

Es giebt wenige Menschen, mein Herr, die so frei von allen Banden sind, wie ich. Schon seit Jahren weiß ich nichts mehr von Familieubeziehungen, denn meine Eltern stürben vor langer Zeit. Das süße Ge­fühl, zu beschützen und beschützt zu werden, gehört zu den Erinnerungen meiner Vergangenheit. Jetzt stehe ich einsam und verlassen mein Schicksal kümmert keine lebende Seele als mich selbst."

eine besonders hohe Auszeichnung und ein neues Band der Waffenbrüderschaft erblicken."

Zur Förderung des einheimischen Flachs­baues hat der Minister der öffentlichen Arbeiten die Regierungspräsidenten ersucht, bei Beschaffung von Ge­weben, zu deren Herstellung Flachs verwendet wird, solche zu bevorzugen, die aus inländischem Flachse hergestellt sind. Es soll daher zunächst versuchsweise bei Einholung von Angeboten auf Lieferung von Lagerungs- und Be­kleidungsgegenständen für Strafanstalten und Gefäng- nisse, bei der Beschaffung von Markisen u. s. w. eine Erklärung darüber eingefordert werden, ob zu dem Liefe- rungsgegenstande Flachs verwendet wird, und welchen Ursprungs derselbe ist. Ferner soll darauf aufmerksam gemacht werden, daß auf die Verwendung einheimischen Flachles besonderer Werth gelegt wird. Bei der Zu- schlagsertheilung sollen in erster Linie diejenigen Liefe­ranten berücksichtigt werden, die für die gedachten Ge­genstände inländischen Flachs verarbeiten, vorausgesetzt, daß die von ihnen angebotenen Stoffe bei entsprechender Preislage den hinsichtlich der Brauchbarkeit und Halt­barkeit zu stellenden Anforderungen genügen.

Für die Manöver des 8. Armeekorps wurde am Sonnabend früh bei Bonn der Rhein überbrückt. Äußer dem Korps-Kommandeur wohnte auch ein brasi­lianischer General dem Uebergang der Truppen bei. Um 11 Uhr begann der Marsch über die in 4 Stunden her­gestellte Pontonbrücke Die Husaren benutzten die Brücke nicht, sondern durchschwammen den Strom. Die ganze Uebung ist ohne jeden Unfall verlaufen. Viele Tausende von Personen wohnten dem interessanten Schauspiel bei.

Die Nr. 212 desVorwärts" vom 11. b. M. bringt eine Nachricht aus Hannover, nach der die Redaktion des dort erscheinenden sozialdemokratischen OrgansDer V v l k s w i l l e" mit einer ergebnislos verlaufenen Haussuchung beglückt worden sei, weil sich der Minister für Handel und Gewerbe durch einen Artikel dieses Blattes beleidigt gefühlt habe. In dem Artikel sei darüber Klage geführt worden, daß der Minister trotz zahlreicher Einsprüche der Umwohner die Genehmigung zur Errichtung von Goldschwefelfabriken in der Nähe Hannovers ertheilt habe. Diese Nachricht bedarf in doppelter Beziehung der Richtigstellung. Erstens ist der fragliche Artikel desVolkswillens" dem Minister bis­her nicht bekannt geworden, so daß er gar nicht in die Lage kommen konnte, Strafantrag wegen Beleidigung

Es entstand eine Pause Direktor Werner glaubte, zu schroff gewesen zu sein, und sein Gast fühlte sich ver­pflichtet, ihm etwas mehr von sich zu sagen. Obgleich ihm das einige Anstrengung kostete, begann er doch nach einigen Minuten ohne Zögern, aber mit einer Gemessen­heit, die zeigte, wie er jedes Wort berechnete.

Ich bin so lange fern von meinem Heimathslande gewesen, daß ich mich selbst in meiner Geburtsstadt kaum mehr heimisch fühlen werde. Nach einer fast zehnjäh­rigen Abwesenheit von Deutschland landete ich vergan­genen Monat in Bremen. Seitdem wandere ich umher, gleichsam ohne Ziel, und schiebe den trüben Tag der Rückkehr nach meiner Vaterstadt, wo mich nichts als das leere Daheim meiner frühen Kindheit erwartet, immer hinaus. Nicht eines der meinen lebt noch; es eilt mir nicht, dahin zurückzueilen, wo mich kein trauter Herd, sondern nur ein Gottesacker erwartet."

Dann," sagte der Direktor,lassen Sie mich Ihnen rathen, sich rasch von bösen schwermüthigen Gedanken loszureißen und ein neues Leben zu beginnen. Es wird viel Zeit mit Klagen über Bürden und Beweisen, warum es so und nicht anders ist, vergeudet; vermeiden Sie das, wie ein kluger Mann: gestehen Sie, daß Sie ein Undankbarer waren und Ihr Vaterland um einen Theil Ihrer besten Jahre betrogen haben. Gehen Sie nach Ihrer Vaterstadt, bleiben Sie einige Wochen dort und kehren Sie dann nach hier zurück; nehmen Sie unseres alten DoctorS hübsches Haus unten an der Mühle; Sie treten gleich in eine hübsche Praxis ein; leben unter Ihren Landsleuten, ergreifen eine Ihnen zusagende