y- "'"........ ^
Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
Abonnenientspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Psg.
exel. Postaufschlag.
, ------------- — .<
^ .....~-~—..... ■* -j ^
Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile
10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Psg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
erWer SrtWt
Gpatisbeilagen: „Illustvivtes Sonntagsblatt" u. „Illustvirte landwrrthschaftliche BeÜage^^.
rt
$* hn 1?. Se-tember
DsMMck-LMmß.
Mit dem 1. Oktober beginnt ein neues Abonnement auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende Hersselder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" und „Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage".
Mir bitten das Abonnement rechtzeitig erneuern zu wollen, damit bei Beginn des Quartals keine Unterbrechung in der Zustellung eintritt.
Der vierteljährliche Abonnementspreis für das „Kreisblatt" beträgt l Mark 40 pfg.
Neu hinzutretenden Abonnenten wird das Areisblatt auf Verlangen vom Tage der Bestellung an bis zum L Oktober gratis zugesandt.
^mSa»*'*** finden durch das „Kreisblatt" zweckentsprechende Verbreitung und kostet die fünfgespaltene Garmondzeile oder deren Raum J0 pfg.
Die Expedition.
Politische Nachrichten.
Zu den Uebungen der Manöverflotte in Gegenwart Sr. Majestät des Kaisers wird aus Danzig gemeldet: Nach einer Meldung der „Danziger Zeitung" hat die Manöverflotte am Freitag und während der Nacht auf hoher See manöverirt. Sonnabend früh erschien sie vor Hela. Die „Hohenzollern" mit Sr. Majestät dem Kaiser an Bord lag westlich vor Hela. Um 10 Uhr lief die gesammte Flotte mit der kaiserlichen Jacht in die Danziger Rhede ein.
Wie der „Hamburgische Correspondent" meldet, hat S e. Majestät der Kaiser an den Generalobersten Grafen von Waldersee folgendes Allerhöchstes Kabinetsschreiben gerichtet: „Bei den soeben beendigten Herbstübungen habe Ich sämmtliche Truppentheile des
Nachdruck verboten.
Um Herz und Hand.
Roman von Jenny Piorkowska.
(Fortsetzung)
„Unser Arzt Doktor Nühl," meinte der alte Herr tm Laufe der Unterhaltung, „mag ja ein ganz geschickter Mann sein, aber wir vermissen schmerzlich unseren alten Arzt, denn dem neuen ist es noch nicht gelungen, sich viel Vertrauen zu erwerben. Dieser muntere, junge Mensch bildet einen seltsamen und unbefriedigenden Contrast gegen den alten ehrwürdigen Doktor, der vor zwei Jahren starb. Wo praktiziren Sie, Doktor Lucius?" frug er dann seinen Gast.
Diese Frage kam sehr plötzlich; der fremde Arzt fuhr leicht zusammen, vielleicht, weil er nicht darauf vorbereitet war, von seinem ruhigen Wirthe so unerwartet befragt zu werden; aber schon im nächsten Augenblicke fand er seine Ruhe wieder und entgegnete:
„Momentan nirgends, Herr Direktor. Ich habe in der That auch noch nie regelmäßig praktizirt. Hauptsächlich hat sich meine Thätigkeit auf die Praxis in Hospitälern beschränkt und auf die momentane Behandlung in Fällen, von denen ich zufällig auf meinen Reisen hörte. Ich habe mich nie darnach gesehnt, mich irgendwo fest niederzulassen. Meine Neigung zu reisen und meine Lust Studien auf Reisen zu machen, haben mich davon abgehalten."
„In jungen Jahren sann ich das wohl begreifen; aber ich sollte meinen, in Ihrem Alter findet ein Mann
9. Armeekorps in einem musterhaften Zustande der Ausbildung und Haltung gefunden, welcher Meinen Erwartungen in hohem Grade entsprochen hat. Mit freudiger Genugthuung spreche Ich daher allen Generalen, Regimentskommandeuren und Offizieren, wie den Truppen Meine vollste Zufriedenheit mit dem von jedem Einzelnen an den Tag gelegten Eifer, der allein zu solchen Zielen führen konnte, aus. Ihnen selbst ober will Ich in besonderer Anerkennung dieser Erfolge, wie der in anderweitigen Stellungen erworbenen großen Verdienste Meinen Königlichen Dank dadurch zu erkennen geben, daß Ich Sie hierdurch zum General-Obersten der Kavallerie mit dem Range eines General-Feldmarschalls ernenne. Ich scheide von dem Korps mit der Zuversicht, daß dasselbe unter Ihrer bewährten Führung und Einwirkung den gegenwärtigen hohen Stand der Ausbildung festhalten und sich stets des Ruhmes würdig zeigen wird, welchen es in den heißen Schlachten des letzten Krieges erkämpft hat. Stettin, 12. September 1895.
gez. Wilhelm I. R.
An Meinen Generaladjutanten, General der Kavallerie Grafen von Waldersee, kommandirenden General des 9. Armeekorps."
Der Kaiser von Oesterreich hat anläßlich der Manöver bei Stettin an Se. Majestät den Kais er nachstehendes Allerhöchste Handschreiben de dato 11. September d. I. gerichtet: „Euere Kaiserliche und Königliche Majestät haben mir durch die Einladung zu den Manövern Ihrer Armee eine große Freude bereitet. Sie war mir vor Allem willkommen als ein wiederholter Beweis der mir und meinem Heere so werthvollen freundschaftlichen Gesinnung Euerer Kaiserlichen und Königlichen Majestät. Als besondere Auszeichnung habe ich es empfunden, neuerdings in der Mitte Euerer Kaiserlichen unb Königlichen Majestät ruhmreicher Armee weilen zu können. Mit aufrichtiger Genugthuung erfüllte es mich hierbei, durch die hohe Würde, welche Euere Kaiserliche und Königliche Majestät mir zu verleihen geruht haben, Euer Kaiserlichen und Königlichen Majestät Heere nur noch näher getreten zu sein. Beseelt von dem Wunsche, die herzlichsten Beziehungen unserer Armeen noch enger zu gestalten, gereicht es mir nun zur besonderen Freude, Euere Kaiserliche und Königliche Majestät zu bitten, als oberster Inhaber zweier Regimenter auch die Uniform eines Generals der Kavallerie meiner Armee tragen zu wollen. Diese würde hierin
sein Glück am besten in einem festen Daheim gegründet," entgegnete der Hausherr. „Die Welt ist eine gute Schule, aber, lieber Herr, ein Mann kann nicht sein Lebelang zur Schule gehen. Glauben Sie mir, Herr Doctor, Ruhe oder vielmehr Sammlung und Concen- triren seiner Kräfte ist dem Leben eines Mannes in späteren Jahren so nothwendig, als anfangs die Thätigkeit. Sie verstehen, was ich damit meine. Man kann seine Thätigkeit, seine Energie nicht auf die ganze Welt auü- dehnen; die Kräfte werden vergeudet, so lange sie nicht auf einen Punkt gerichtet sind, und oft, je kleiner derselbe ist, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß sein Werk ohne Mikroskop gesehen werden kann."
Der Zuhörer hatte seine Augen feit auf die brennenden Kohlen im Kamin geheftet; ein Schatten der Bitterkeit lag um seinen Mund — ein so leichter Schatten, daß er mehr der Betrübniß glich; er entgeg- nete nichts, als sein Wirth inne hielt, noch änderte er seine Stellung und Miene. Erst als der Direktor, seinem Gedanken folgend, über den er sich weitläufig ergangen hatte, sagte: „Sie haben gewiß keine Familie?" da hob Doctor Lucius die Augen und antwortete:
„Es giebt wenige Menschen, mein Herr, die so frei von allen Banden sind, wie ich. Schon seit Jahren weiß ich nichts mehr von Familieubeziehungen, denn meine Eltern stürben vor langer Zeit. Das süße Gefühl, zu beschützen und beschützt zu werden, gehört zu den Erinnerungen meiner Vergangenheit. Jetzt stehe ich einsam und verlassen ■— mein Schicksal kümmert keine lebende Seele als mich selbst."
eine besonders hohe Auszeichnung und ein neues Band der Waffenbrüderschaft erblicken."
Zur Förderung des einheimischen Flachsbaues hat der Minister der öffentlichen Arbeiten die Regierungspräsidenten ersucht, bei Beschaffung von Geweben, zu deren Herstellung Flachs verwendet wird, solche zu bevorzugen, die aus inländischem Flachse hergestellt sind. Es soll daher zunächst versuchsweise bei Einholung von Angeboten auf Lieferung von Lagerungs- und Bekleidungsgegenständen für Strafanstalten und Gefäng- nisse, bei der Beschaffung von Markisen u. s. w. eine Erklärung darüber eingefordert werden, ob zu dem Liefe- rungsgegenstande Flachs verwendet wird, und welchen Ursprungs derselbe ist. Ferner soll darauf aufmerksam gemacht werden, daß auf die Verwendung einheimischen Flachles besonderer Werth gelegt wird. Bei der Zu- schlagsertheilung sollen in erster Linie diejenigen Lieferanten berücksichtigt werden, die für die gedachten Gegenstände inländischen Flachs verarbeiten, vorausgesetzt, daß die von ihnen angebotenen Stoffe bei entsprechender Preislage den hinsichtlich der Brauchbarkeit und Haltbarkeit zu stellenden Anforderungen genügen.
Für die Manöver des 8. Armeekorps wurde am Sonnabend früh bei Bonn der Rhein überbrückt. Äußer dem Korps-Kommandeur wohnte auch ein brasilianischer General dem Uebergang der Truppen bei. Um 11 Uhr begann der Marsch über die in 4 Stunden hergestellte Pontonbrücke Die Husaren benutzten die Brücke nicht, sondern durchschwammen den Strom. Die ganze Uebung ist ohne jeden Unfall verlaufen. Viele Tausende von Personen wohnten dem interessanten Schauspiel bei.
Die Nr. 212 des „Vorwärts" vom 11. b. M. bringt eine Nachricht aus Hannover, nach der die Redaktion des dort erscheinenden sozialdemokratischen Organs „Der V v l k s w i l l e" mit einer ergebnislos verlaufenen Haussuchung beglückt worden sei, weil sich der Minister für Handel und Gewerbe durch einen Artikel dieses Blattes beleidigt gefühlt habe. In dem Artikel sei darüber Klage geführt worden, daß der Minister trotz zahlreicher Einsprüche der Umwohner die Genehmigung zur Errichtung von Goldschwefelfabriken in der Nähe Hannovers ertheilt habe. Diese Nachricht bedarf in doppelter Beziehung der Richtigstellung. Erstens ist der fragliche Artikel des „Volkswillens" dem Minister bisher nicht bekannt geworden, so daß er gar nicht in die Lage kommen konnte, Strafantrag wegen Beleidigung
Es entstand eine Pause Direktor Werner glaubte, zu schroff gewesen zu sein, und sein Gast fühlte sich verpflichtet, ihm etwas mehr von sich zu sagen. Obgleich ihm das einige Anstrengung kostete, begann er doch nach einigen Minuten ohne Zögern, aber mit einer Gemessenheit, die zeigte, wie er jedes Wort berechnete.
„Ich bin so lange fern von meinem Heimathslande gewesen, daß ich mich selbst in meiner Geburtsstadt kaum mehr heimisch fühlen werde. Nach einer fast zehnjährigen Abwesenheit von Deutschland landete ich vergangenen Monat in Bremen. Seitdem wandere ich umher, gleichsam ohne Ziel, und schiebe den trüben Tag der Rückkehr nach meiner Vaterstadt, wo mich nichts als das leere Daheim meiner frühen Kindheit erwartet, immer hinaus. Nicht eines der meinen lebt noch; es eilt mir nicht, dahin zurückzueilen, wo mich kein trauter Herd, sondern nur ein Gottesacker erwartet."
„Dann," sagte der Direktor, „lassen Sie mich Ihnen rathen, sich rasch von bösen schwermüthigen Gedanken loszureißen und ein neues Leben zu beginnen. Es wird viel Zeit mit Klagen über Bürden und Beweisen, warum es so und nicht anders ist, vergeudet; vermeiden Sie das, wie ein kluger Mann: gestehen Sie, daß Sie ein Undankbarer waren und Ihr Vaterland um einen Theil Ihrer besten Jahre betrogen haben. Gehen Sie nach Ihrer Vaterstadt, bleiben Sie einige Wochen dort und kehren Sie dann nach hier zurück; nehmen Sie unseres alten DoctorS hübsches Haus unten an der Mühle; Sie treten gleich in eine hübsche Praxis ein; leben unter Ihren Landsleuten, ergreifen eine Ihnen zusagende