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Gratisbeilagen: „Illustrirtes Sonntagsblatt^^ u. „Illustrirte landwirthschaftliche Beilage".
Nr. 108.
Esmbenh den 14. September
Erstes Blatt.
Amtliches.
Die sämmtlichen, bisherigen noch nicht verloosten Vlt "/«igen Prioritätsaktien Lit. B, 31 /., 0/«igen Prioritätsobligationen Lit E und 3V1 °/oigen Niederschlesi- schen Zweigbahn-Prioritätsobligationen der Oberschle- sischen Eisenbahngesellschaft werden im Auftrage des Herrn Finanzministers den Besitzern hiermit zur baaren Rückzahlung gekündigt, und zwar d i e Prioritätsaktien Lit. B und die Priori- tätS-Obligationen Lit. E zum 1. Dezember 1895, die Niederschlesischen Zweigbahn - Prio ritäts - O b li g atio n e n zum 1. März 1896.
Die Besitzer werden aufgefordert, die Nennbeträge der bezeichneten Papiere, und zwar die der Aktien Lit. B und der Obligationen Lit. E vom 2. Dezember d. I. ab, die der Zweigbahn-Obligationen vom 2. März k. I. ab gegen Quittung und Rückgabe der Aktien bezw. Obligationen bei der Staalsschulden-Tilgungskasse in Berlin W., Tanbenstraße 29, zu erheben.
Die Verzinsung der gekündigten Papiere hört von d en K ü n d i g u n g s t e r m i n e n ab auf. Es sind deshalb mit den Kapitaldokumenten unentgeltlich abzuliefern:
a) mit den Aktien Lit. B die Zinsscheine Reihe IX Nr. 9 und 10 nebst Anweisungen, wogegen neben dem Kapitalbetrage der Aktien noch Stückzinsen für die Zeit vom 1. Juli bis 30. November 1895 werden ausgezahlt werden;
b) mit den Obligationen Lit. E die Zinsscheine Reihe V Nr. 5 bis 20 und Anweisungen, wogegen neben dem Kapitalbetrage der Obligationen noch Stückzinsen für die Zeit vom 1. Oktober bis 30. November 1895 werden ausgezahlt werden;
c) mit den Zweigbahn-Obligationen die Zinsscheine Reihe V Nr. 7 bis 10 und Anweisungen, wogegen neben dem Kapitalbetrage der Obligationen noch Stückzinsen für die Zeit j)om 1. Januar bis 29. Februar 1896 werden ausgezahlt werden.
Der Betrag der etwa fehlenden Zinsscheine wird vom Kapital zurückbehalten.
ßNachdruck verboten. Um Herz und Hand.
Roman von Jenny PiorkowSka.
(Fortsetzung.)
Sie schaute ihn erschrocken an und that dann, wie er sagte. Er brach sich durch das Dickicht Bahn nach einem Geländer, das den Sumpf umschloß, brach zwei schwere Stäbe davon ab und zog sie mit sich nach dem Eise zurück. Seine Begleiterin war fast mit ihm zugleich dort. Er nahm den Halfter, warf ihr seinen schweren Rock zu, bat sie, denselben einstweilen an sich zu nehmen und hier zu warten, bis er zurückkommen oder sie rufen würde. Vorsichtig betrat er das Eis, das sich unter ihm bog; die Stäbe schob er vor sich her, bis er die Oeffnung erreichte; hier legte er sich nieder und überließ sich nun seinen Händen allein. Es war ein gefährliches Experiment, von dem er selbst nicht viel hoffte. Der Strudel hatte den Körper des verunglückten Knaben ohne Zweifel mit sich fortgezogen, daß er nicht mehr zu erreichen war; und wo er auch sein mochte, es ließ sich kaum denken, daß noch Leben in ihm war. Wahrscheinlich war der schwache Schrei, den er, der Fremde, gehört, der letzte gewesen. Ein Augenblick — und er hatte die Oeffnung erreicht; ein zweiter — und der Halfter lag um einen kleinen Arm, dessen Aermel an einer vorstehenden Eisspitze hängen geblieben war.
Als der fremde Mann sich dem Ufer mit seiner
Die Auszahlung erfolgt bei der Staatsschulden-Til- gungskasse von 9 Uhr Vormittags bis 1 Uhr Nachmittags, mit Ausschluß der Sonn- und Festtage und der letzten drei Geschäftslage jedes Monats. In einen Schriftwechsel mit den Inhabern der Aktien und Obligationen über die Zahlungsleistung kann sich die Kasse nicht einlasien.
Die Einlösung geschieht auch bei den RegierungsHauptkassen und in Frankfurt a/M. bei der Kreiskasse. Zu diesem Zwecke können die Aktien Lit. B und die Obligationen Lit. E schon vom 1. November d. J., die Zweigbahn-Obligationen vom 1. Februar 1896 ab einer dieser Kassen eingereicht werden, die sie der Staats- schulden-Tilgungskasse zur Prüfung vorzulegen hat und nach Feststellung die Auszahlung vom 2. Dezember 1895 bezw. 2. März 1896 ab bewirkt.
Formulare zu den Quittungen werden von sämmtlichen, mit der Einlösung beauftragten Kassen unentgeltlich verabfolgt.
Berlin am 15. August 1895.
Hauptverwaltung der Staatsschulden.
Mchtamtliches.
Uufelan^ und Frankreich.
In derselben Zeit, wo in Pommern die Kaisermanöver abgehalten wurden, haben auch die französischen Truppen am Fuße der Vogesen ausgedehnte Uebungen vorgenommen. Während jedoch die deutschen Manöver durch die Anwesenheit des Kaisers Franz Joseph von Oesterreich ein neues Zeichen der bestehenden innigen Gemeinschaft zwischen beiden Ländern enthalten und diese wieder die sicherste und kostbarste Bürgschaft des Friedens, hatten die französischen Manöver einen mehr demonstrativen Charakter.
Hart an der Ostgrenze, auf dem Plateau von Langres und dem Sichelgebirge, da, wo Maas, Marne und Saone entspringen, wo in dem zukünftigen Kriege wahrscheinlich die Entscheidungsschlachten gesümpft werden, waren fünf Armeekorps versammelt, an ihrer Spitze die tüchtigsten französischen Truppenführer, die Generale Saussier und Boisdeffre. Während von den übrigen Großmächten nur die ständigen Militair - Atlachss den Uebungen beiwohuten, hatte Rußland seine bedeutendsten Generale, den Oberbefehlshaber von Kiew, Dragomirow,
tropfenden Last im Arme näherte, bedeckte das Mädchen ihr Gesicht und wandte sich ab.
„Schlagen Sie meinen Mantel um ihn," sagte er, „ich glaube, wir werden ihn zum Leben zurückbringen. Laufen Sie jetzt nach meiner Sattellasche und holen Sie die Flasche daraus."
Er hatte kaum die Worte gesprochen, als sie auch schon auf dem gewundenen Pfad verschwunden war; und als er aus dem Dickicht trat, und das Gitter erreichte, stand sie bereits mit der geöffneten Flasche in der Hand vor ihm. Er legte seine Bürde auf den Boden nieder und zog den Mantel vom Gesicht, während das Mädchen sich abwandte. Er nahm ihr die Flasche ab und neigte sich zu dem Kinde nieder, während er die eine Hand voll Besorgniß auf dessen Herz legte.
„Wie weil ist das nächste Haus von hier?" fragte er, während er des Knaben Lippen mit Wein benetzte und dessen leblosen Hände rieb.
„Nicht weit," sagte das Mädchen fest, aber leise. „Ein schmaler Pfad führt nach der Kirche hin, und dicht dabei ist unser Hans."
„Das Schulhaus?" fragte er zu ihr aufblickend.
„Ja, des Direktor Werner's Wohnung," entgeg- nete sie.
Er bog sich wieder über den Knaben, strich dessen goldene Locken von den Schläfen zurück, wickelte ihn fester in seinen Mantel und stand auf.
„Sie müssen mein Pferd führen," sagte er, „und mir den Weg zeigen."
und den Chef des Generalstabes, Obrutschew, entsandt. Beide gelten in Rußland und in Frankreich als die Repräsentanten der Idee der Verbrüderung des Pansla- vismus und der französisch-russischen Revanche.
Neben Baron von Mohrenheim hat General Dragomirow in der Verbrüderung zwischen Frankreich und Rußland eine tonangebende Rolle gespielt. Während jener geriebene russische Diplomat in seiner Eigenschaft als Botschafter des Czaren in Frankreich seine Aufgabe darin suchte, das russische Ansehen und den Glauben an die russische Freundschaft in Paris zu erhalten und zu pflegen, ist General Dragomirow bemüht gewesen, den panslavistischen Deutschenhaß und die Franzosenvergötterung zum Gemeingut der russischen Armee zu machen. Der russische General erfreut sich daher in Frankreich einer Popularität, wie sie kaum ein französischer General genießt, und es hat daher während der Manöverfestlichkeiten auch nicht an allerlei geräuschvollen Verbrüderungsscenen gefehlt. Ein Wermuthstropfen hat die Freude der Franzosen doch etwas verbittert: der Besuch unseres Reichskanzlers beim Czaren. Wenn auch die Besorgnisse der französischen Blätter, daß sich hinter diesem Akt der persönlichen Höflichkeit eine geheimnißvolle große StaatS- aktion verberge, ■ cht zutrifft, so ist diese Thatsache doch für die Franzosen eine Mahnung, nicht. allzu übermüthig auf Möglichkeiten zu bauen.
Wir Deutschen haben uns allmählich an den französisch-russischen Verbrüderungsrummel gewöhnt, so daß wir uns nicht mehr aufregen, wenn die französischen Revanchepatrioten den Sekt in Strömen fließen lassen, sobald sie einen Russen in ihrer Mitte begrüßen. Wenn die Franzosen jemals zur Ernüchterung kämen, so würden sie einsehen, daß sie mit ihrem Russenkultus auch noch nicht einen Schritt weiter gekommen sind, als in den Tagen von Kronstadt, wo der Zar die Marseillaise stehend anhörte. Rußland ist viel zu vorsichtig, als daß es sich durch französische Revanchegelüste die Hände binden ließe. Es geht nur darauf aus, für alle Fälle sich den Bundesgenossen zu sichern,'mit andern Worten, sich Frankreichs Hilfe zu bedienen, wenn russische Interessen es erfordern würden, nicht aber für Frankreich die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Rußland hat in wenigen Jahren mehrere Milliarden in Frankreich aufgebracht und sich in allen Fragen der auswärtigen Politik die Unterstützung unseres westlichen Nachbarn gesichert. Dafür kann es ihm immerhin schon hier und da eine kleine Genugthuung als da sind Ordensver-
„Dieser ist der nächste," sagte sie, löste mit gewandter Hand die Zügel und eilte vorwärts. „Aber, wenn wir über die Chaussee gehen, kommen wir beim Arzt vorüber."
„Das ist unnöthig, ich bin selbst Arzt," erwiderte er. „Wir müssen den Knaben nur so bald wie möglich unter Dach bringen."
„So kommen Sie hier," sagte sie und bog nach dem schmalen Fußsteg ein, der die Landstraße durchschnitt. „Geben Sie Acht, der Weg ist holperig und voller Geleise."
Nur mit Mühe schritt der Fremde auf dem dunkeln unebenen Wege vorwärts.
„Lassen Sie ihn mich lieber tragen," sagte sie nach einer kleinen Weile mit gedämpfter Stimme, aus der sich zum ersten Male ein leises Zittern vernehmen ließ.
„Er ist ganz sicher bei mir," brächte er nur mit Anstrengung hervor. „3bre Arme würden für eine solche Last nicht stark genug sein."
„O, ich habe ihn oft getragen."
„Er ist Ihr Bruder?"
„Ja," entgegnete sie zögernd, „er ist so gut wie mein Bruder."
„So dürfen Sie die Hoffnung nicht sinken lassen," hub er wieder an, als sie sich rasch und schweigsam vorwärts arbeiteten. „Vielleicht ist er nicht lange im Wasser gewesen. Ich habe öfter Fälle von überraschender Wiederherstellung bei scheinbar Ertrunkenen gesehen."