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Madagaskar.
Wie den Spaniern die Perle der Antillen, so macht den Franzosen die Insel Madagaskar viel Sorge. Während jedoch die Spanier auf Kuba nur ihr gutes Recht vertheidigen, haben die Franzosen keinen rechtlichen Anspruch auf den Besitz Madagaskars, trotzdem sie schon seit meh^ als zwei Jahrhunderten darnach trachten, diese wichtige Insel unter ihre Oberherrschaft zu bringen. Seit längerer Zeit schon liegen sie mit dem im Inneren wohnenden herrschenden Volke der Hovas, das sich dem französischen Einflüsse widersetzt, in Krieg. Während anfangs der Erfolg, wenigstens nach den in Paris veröffentlichten Nachrichten, den Franzosen günstig schien, lassen die neuesten Berichte, trotz aller Schönfärberei erkennen, daß es um die französischen Truppen sehr schlecht bestellt ist.
In Paris erregt der schleppende Gang des Feldzuges allmählich Unbehagen. Man weiß jetzt oder man fühlt es wenigstens, daß die Vorbereitungen ungenügend getroffen sind, daß man die Schwierigkeiten des Klimas und die Tüchtigkeit der Hovas unterschätzt hat, und daß dieselben Fehler, die man 1870 gemacht, noch immer gemacht werden. Man hat nicht nur eine durchaus ungenügende Kenntniß des Geländes, das man im raschen Siegeslauf zu durchqueren gedachte, sondern man hat auch den Verpflegungsdienst mit einer Leichtfertigkeit in Angriff genommen, daß Hunderte von Soldaten dem mörderischen Klima zum Opfer fallen. Schon vor Wochen schrieb ein Pariser Berichterstatter, daß die Nachrichten aus Madagaskar im ganzen Lande einen dumpfen Groll erregen, der sich von Tag zu Tag steigere; jeder Augenblick könne Zeuge eines dröhnenden und prasselnden Ausbruchs sein. Man wisse nun, wie unerhört kopflos auf Madagaskar gemirthschaftet werde und welche Leiden die
Nachdruck verboten. Um Herz und Hand.
Roman von Jenny Piorkowsk a.
(Fortsetzung.)
Ein leises Schluchzen entrang sich ihrer Brust, als sie ihr Gesicht in die Kissen drückte.
„Ich muß Alexander verlassen, Luise, ihn allein lassen, ohne eine Seele, die sich seiner annimmt — ihn, das Einzige, was ich auf dieser ganzen Erde noch liebe: ihn, für den ich gestritten und gekämpft habe, um dessen- willen ich mich verborgen und ein elendes Leben geführt habe, um ihn bei mir behalten zu können. Ich muß sterben und er bleibt! O, Luise! Trauerst Du nicht mit mir, all diese Jahre nutzlos verschwendet zu haben! Jetzt wird ihn sein Vater dennoch bekommen. Sein Vater, um den ich so viel habe leiden müssen. — O, lieber hätt' ich Alexander mit mir im Grabe!"
Einen Augenblick herrschte tiefe Stille; die Mutter lag mit krampfhaft verzogenem Gesicht in den Kissen; dann erhob sie es plötzlich und mit Anstrengung, heftete ihre Augen fest auf das Mädchen, und sprach mit leiser, hastiger Stimme:
„Luise, Dir vertrau ich meinen Knaben an, Dich mache ich zu seiner Mutter; Deiner Obhut übergebe ich ihn, ich habe in dieser schrecklichen Lage ein Recht dazu, denn der Vater ist alt und auch er wird bald^sterben, dann wird Alexander allein sein. Aber Du — Du wirst Dich seiner annehmen und über ihn wachen — Du wirst ihn nicht aus den Augen verlieren! Luise, Du
armen Soldaten infolge der schauerlichen Unfähigkeit oder Gewissenlosigkeit der Verwaltung auszustehen haben. Nur ein rascher und erfolgreicher Marsch nach der Hauptstadt Antananarivo könnte den Zorn des Volkes vielleicht dämpfen.
Diese Nachricht ist aber nicht nur ausgeblieben, sondern man sieht sich bereits genöthigt, einzuräumen, daß die Regenzeit, ehe der Oberbefehlshaber der dortigen französischen Truppen, General Duchesne, sein Ziel erreicht, hereinbrechen und die Beendigung der Expedition auf unabsehbare Zeit hinausziehen werde. Selbst wenn die französischen Truppen rechtzeitig vor Antananarivo eintreffen, ist es noch fraglich, ob sie dann nicht mehr als einen rauchenden Schutthaufen inmitten einer künstlich geschaffenen Wüste vorfinden würden.
Daß die Franzosen bisher so wenig erreicht haben, rührt auch mit daher; daß die Hovas in ihrem Oberbefehlshaber, Rainianjanoro, einen Führer haben, wie sie ihn nicht besser wünschen können. Der Berichterstatter der französischen Zeitung „Temps" rühmt ihm große Intelligenz, unvergleichliche Verschlagenheit, eiserne Willens- und Thatkraft und Unerschrockenheit nach. Er sei jedes Wagnisses fähig und durch einen Mißerfolg nicht zu entmuthigen; infolge seiner Blutsbrüderschaft mit den Häuptlingen der im Westen und Norden Madagaskars wohnenden Sakalaven werde er überall Unterstützung in den Gebieten finden, die das französische Expeditionscorps zu durchziehen habe. Er werde die Franzosen zu überrumpeln wissen, wenn sie sich nicht aufs sorgfältigste Vorsätzen, ihre Proviantzüge überfallen, wenn sie nicht stark bedient würden, immer dort auftauchen, wo man ihn am wenigsten erwarte, und als Heerführer große strategische Geschicklichkeit entfalten. Kurz, er sei ein ernster Gegner, mit dem man rechnen müsse.
Es ist leicht zu verstehen, daß sich nach dem Mißerfolge auf Madagaskar die Franzosen die Frage vorlegen, messen sich Frankreich zu versehen hätte, wenn es einmal heißen sollte, gegen einen andern Feind als gegen die Hovas zu Felde zu ziehen.
Politischc Nachrichten.
Se. M a j e st ä t d e r K a i s e r traf am Donnerstag in S w i n e in ü n d e ein, um daselbst den Schieß-
wirst für ihn leben ... er bedarf so großer Sorgfalt; er ist so zart; er hat gleich mir immer dieses Hüsteln, aber er wird es mit den Jahren verlieren, die Luft hier wird ihm gut thun, denke ich. Ueberlasse ihn nicht Crescenz, sie ist eine mürrische alte Person und nicht geeignet, ihn zu erziehen. Wache Du selbst über ihn und lasse nichts zwischen Dich und ihn treten."
Wieder entstand eine Pause; die Kranke rang nach Athem, richtete sich etwas mehr von ihrem Lager auf, ihre Augen suchten mit hastigem, lauerndem Blick nach dem Ausdruck in ihrer Schwester Zügen. Als sie wieder sprach, hub sie in verändertem Tone an:
„Du sagst Ja; ich weiß, Du wirst ihn lieben und jetzt gut mit ihm sein, jetzt, wo Dich nichts Anders beschäftigt — aber wenn Du erst einen Geliebten, einen Gatten, ein eigenes Kind haben wirst, wirst Du meinen Knaben vergessen. Du wirst ihn gehen lassen, wenn sein Vater ihn entdeckt hat und kommt ihn zu holen; Du. wirst sagen: „Nun ja, mag er ihn mit sich nehmen." O, es bricht mir das Herz! Mein Alexander ist so gut wie verloren, wenn er in seine Hände fällt; oder wenn er ihn nicht findet, wird er wie ein armes, vernachlässigtes Kind um anderer Kinder willen bei Seite geschoben werden; Niemand wird ihn lieben, Niemand nach ihm sehen, wenn er schlafen gegangen ist, Niemand dafür sorgen, daß er hübsch gekleidet, daß er froh und munter ist. Ich sehe es kommen! Ach, wenn Du ein Herz hättest würdest Du mit mir fühlen und mich nicht mit diesem Kummer sterben lassen!"
„Was ist es, was Du von mir willst?" fragte Luise
Übungen der Küstenbatterien beizuwohnen. Am Freitag Nachmittag erfolgte die Ankunft des Kaisers an Bord S. M. „Grille," die der Kaiserin mittels Sonderzuges in Stettin, worauf die Majestäten gemeinsam ihren Einzug in die festlich geschmückte Stadt hielten. Abends fand ein Festmahl zu Ehren des Kaiserlichen Paares statt. Der Kaiser brächte ein Hoch auf die Provinz aus, indem er der innigen Beziehungen derselben zum Hohenzollernhause gedachte und den Wunsch aussprach, daß die Provinz blühen und Stettin sich zu einer mächtigen Handelsstadt entwickeln möge. Am Sonnabend hatte das zweite Armeekorps bei Kreckow Parade vor den Majestäten.
Aus Stettin wird vom 7. gemeldet: Zum Empfange des Kaisers von Oesterreich wurde folgender Korpsbefehl erlassen: Montag den 9. September, 4 Uhr Nachmittags, findet bei der Ankunft Sr.<Majestät des Kaisers von Oesterreich, Königs von Ungarn, auf Allerhöchsten Befehl großer militärischer Empfang auf dem Bahnhöfe statt. Hierzu stellt das Kaiser Franz-Regiment die Ehrenwache, das Husaren-Regiment Kaiser Franz Josef die Escorte, das Grenadier-Regiment Nr. 2 die Ehrenwache vor dem Generallandschaftsgebäude.
Zu dem beabsichtigen Besuche des Reichskanzlers Fürsten zu Hohenlohe in Petersburg erfährt die „Kölnische Zeitung", daß es sich dabei um einen Höflichkeitsbesuch handelt, den der Reichskanzler dem russischen Kaiser abstatten will, da er sich jetzt zum ersten Male seit seiner Ernennung zum Reichskanzler in Rußland befindet, und bemerkt hierzu: „Ebenso benutzte der Reichskanzler, als er vor einem Monat in Aussee an der österreichischen Grenze weilte, diesen Anlaß, um den Kaiser von Oesterreich aufzusuchen und ihm seine Ehrerbietung auszusprechen. Wenn sich dem Fürsten hierbei Gelegenheit bieten sollte, auch mit russischen Staatsmännern zusammenzukommen und mit ihnen die Ansichten über die Lage auszutauschen, so würde das nur dem Verfahren entsprechen, das er auch in Oesterreich dem Grafen GoluchowSki gegenüber beobachtet hat, und das insofern jedenfalls nur nützlich sein kann, als es immer den Interessen der betheiligten Staaten entspricht, wenn ihre leitenden Staatsmänner sich auch persönlich näher treten. Die hier verbreitete Nachricht, daß Fürst Hohenlohe bereits in Petersburg eingetroffen sei, ist falsch. Der Fürst dürfte voraussichtlich erst am nächsten Montag in Petersburg ankommen.
in dumpfem Geflüster und mit einem furchtsamen Blick auf ihre Schwester.
„So höre," sagte Irma, indem sie hastig athmete und versuchte sich aufzurichten. „Du mußt mir etwas versprechen, es ist nicht viel, es ist nichts Ungebührliches. Ich würde es nicht verlangen, wenn es nicht ebenso zu Deinem wie zu seinem Wohle wäre. Du darfst nicht glauben, daß es Eigennutz ist; wie könnte ich selbstsüchtig sein, da ich im Sterben liege? Ich muß Alexander geborgen wissen und auch für Dich ist es so viel, viel besser. Luise, ich bin so unglücklich gewesen. Es giebt so viel Kummer in der Welt, wenn man verheirathet ist. Die Männer sind oft später das Gegentheil von dem, was sie vor der Hochzeit schienen, daß faßt Alles in sich. Ich könnte Dir genug erzählen, was Dir den Gedanken, Dich zu vermählen, verleiden würde. Mein Gatte war ein Tyrann, ein Elender. Ich kann den Gedanken nicht ertragen, daß Du einst so unglücklich sein könntest, Du, die Du eine Heimath und Vermögen hast, zumal Du nicht hübsch genug bist, um einem Manne zu gefallen. Sieh mich an, Luise! Vor kaum zehn Jahren war ich eine Schönheit. Die Leute sahen mir in der Straße nach. Ich hätte so viel Freier haben können, als ich gewollt hätte. Und jetzt sehe ich aus wie fünfzig Jahre alt; ich schaudere, wenn ich mich im Spiegel ansehe. Und alles dies, weil ich mich verheirathete, weil ich einen grausamen, bösen Mann hatte, der zu Anfang — ach! gut wie ein Engel und später ein Teufel war. O, ich darf nicht davon sprechen; es raubt mir meine wenigen Augenblicke, wenn ich nach erinnere, was ich erduldet