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Gratisbeilagen:Illustrirtes Sonntagsblatt" n.Zllustvtvte landwirthschaftliche Beilage".

Nr. 105.

SNNbeii) Den 7. Ttptembkr

Erstes Nett.

Amtliches.

Hersfeld, den 4. September 1895.

Für den am 16. April 1876 zu Obergeis geborenen Sattler Johann Heinrich B a t t e n b e r g ist um Ent­lassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

I, I. 5098. Der Königliche Landrath.

______I- V.: Heeg._________

Fulda, den 29. August 1895.

Vielfach gehen hier immer noch überflüssiger Weise Unfall-Anzeigen aus dem land- und f o r st w i r t h - s ch a f t l i ch e n Betriebe seitens der Ortspolizei-Behörden ein. Ich stelle daher sehr ergebest anheim, die letzteren evtl. allgemein darüber zil unterrichten, daß die Ein- reichung der fragt. Unfallanzeigen hier nicht erforderlich ist, weil diese Betriebe der Gewerbeaufsicht nicht unter­stehen.

Der Königliche Gewerbeinspektor: S ch e i b e l.

* *

*

Hersfeld, den 3. September 1895.

Vorstehendes wird den Ortspolizei-Behörden des Kreises zur Nachachtung mitgetheilt. Nur von den in gewerblichen Betrieben vorkommenden Unfällen ist eine Abschrift der Unfallanzeige der Gewerbeinspektion einzusenden. (Verfügung vom 28. Juli 1891 I. 7491 Kreisblatt Nr. 92.)

Der Königliche Landrath.

J. V.: H e e g.

Nichtamtliches.

Die Ruhmestage des deutsch-französischen Rvieges.

XIV.

Vorwärts gegen Paris!

Beim Mittagsmahl im Hauptquartier des Königs Wilhelm in Vendresse am 3. September, an welchem auch Moltke, Roon und Bismarck theilnahmen, ergriff der Monarch nochmals die Gelegenheit, um feiner Dank­barkeit gegen diese drei Männer, aber auch gegen seine ganze tapfere Armee Ausdruck zu geben. In der Hand ein Glas perlenden französischen Schaumweins, brächte er folgenden Trinkspruch aus:Wir müssen heute aus Dankbarkeit auf das Wohl meiner braven Armee trinken. Sie, Kriegsminister v. Roon, haben unser Schwert ge­schärft, Sie, General v. Moltke, haben es geleitet und Sie, Graf Bismarck, haben seit Jahren durch die Lei­tung der Politik Preußen auf seinen jetziaeu Standpunkt gebracht. Lassen Sie uns also auf das Wohl der Armee, der drei von mir Genannten und jedes Einzelnen unter den Anwesenden trinken, der nach seinen Kräften zu den bisherigen Erfolgen beigetragen hat."

Am 4. September lautete dann der einfache Befehl: Vorwärts gegen Paris!" und die Heere der beiden Kronprinzen, die dritte und Maas-Armee setzten sich un­verzüglich dorthin in Bewegung. In der französischen Hauptstadt aber sah es böse genug aus. Hier brach am 4. September der tosende Unwille des Volkes los; man warf jetzt alle Schuld auf Kaiser Napoleon und seine Generäle; wuthknirschend schrie man:Wir sind ver­rathen! Nieder mit Napoleon! Es lebe die Republik!" Man drang in den Palast der gesetzgebenden Körper­schaften, die napoleonische Dynastie wurde für abgesetzt erklärt und eine Regierung der nationalen Vertheidigung erwählt, deren Seele der energische Gambetta war. Dann wurde beschlossen, den Krieg mit Aufbietung aller Kräfte bis aufs äußerste fortzusetzen. Kaiserin Eugenik hatte sich nur mit Mühe durch die Flucht der Volköwuth entziehen können.

Näher und näher rückten die deutschen Kolonnen gegen Paris, endlich tauchte ein festungsgekrönter Höhenzug vor den Blicken auf; trotzig starrten die mächtigen, die Stadt umgebenden Forts den ankommenden Deutschen entgegen. Aber die feindlichen Vortruppen, die sich noch außerhalb bewegten, wurden nach glücklichen Kämpfen 1 zurückgeworfen, die dritte Armee legte ihre Arme links, die Maas-Armee rechts um die Stadt; am 19. September war die Einschließung von Paris vollendet. Sechs Armeecorps standen unmittelbar vor dem feindlichen Platze, zum Theil selbst im Bereich seiner Geschütze, im Rücken bewacht von zahlreicher Kavallerie. Die Zahl der Vertheidiger der nunmehr völlig von allem Verkehr mit Frankreich und der Außenwelt abgeschnittenen ge­waltigen Stadt betrug etwa 300 000 Mann unter dem Befehl des Generals Vinoy; doppelt so viel als die Angreifer.

König Wilhelm schlug am 19. September sein Haupt­quartier in Ferneres, dem Schloß des Bankiers Roth­schild auf: hier befanden sich auch Moltke und Bismarck. Letzterer hatte an diesem Tage in einem kleinen Schlößchen unweit Ferneres eine Unterredung mit Jules Favre, einem Mitgliede der neuen französischen Regierung. Beim Heraustreten sagte Bismarck zu dem vor der Thüre Wache haltenden württembergischen Dragoner:Na, Sie können sich was darauf einbilden, bei der ersten Friedensver­handlung in diesem Kriege Wache gestanden zu haben!" Aber sowohl diese Unterhandlung als noch weitere Unter­redungen zu Ferneres führten zu keinem Resultat. Jules Favre wollteohne einen Fußbreit Landes" über den Frieden unterhandeln und hatte in seiner Verhandlung die wunderbare Idee, nach allen Siegen und Opfern die Deutschen durch eine Geldsumme abfinden zu können. Unverrichteter Sache kehrte er nach Paris zurück. So ging denn der Krieg weiter, und es sollte noch manches Blut auf beiden Seiten fließen, ehe sich die Franzosen 1 endlich bequemten, die von den immer wieder siegreichen Deutschen gestellten Bedingungen anzunehmen und nun mit dem deutschen Kaiser, mit dem neu geeinten deutschen Reiche Frieden zu schließen. T.

Politische Nachrichten.

Se. Majestät der Kaiser besichtigte am 3. Sep­tember in Oels in Schlesien eine KavallerieDivision auf dem Exerzierplätze zwischen Zeffel und Pontwitz. Um 3 Uhr trat der Kaiser die Rückreise an, nachdem er sich in herzlicher Weise von dem anwesenden Armee-Inspekteur Prinzen Georg von Sachsen und dem Herzog von Mei- ningen, kommandierendem General des VI. Armeekorps, verabschiedet hatte.

Auf Befehl des Kaisers hat sich der deutsche Bot­schafter in Wien, Philipp Graf Eulenburg, zu den K a i s e r m a n ö v e r n nach Stettin begehen, um während der Anwesenheit des Kaisers Franz Josef dort zu ver­weilen.

Der Kaiser hat dem Sultan Abdul Hamid zum Jahrestage seiner Thronbesteigung durch ein Tele­gramm seine Glückwünsche ausgesprochen.

Die Rede des Kaisers gegen die Sozial- d e m o k r a t e n wird von allen großen Zeitungen aus­führlich erörtert. Fast alle sind darin einig, daß energisch gegen die Sozialdemokratie vorgegangen werden müsse.

Der Kaiser hat am Sedantage dem Kriegs- m i n i st e r Bronsart von Schellendorff mit einem huldreichen Schreiben in Anerkennung seiner großen Verdienste um die Erhaltung der Schlagfertigkeit und Kriegstüchtigkeit der Armee ein erobertes französisches Geschütz zum Geschenk gemacht.

Die d e u t s ch e H e r b st - U e b u n g s f l o t t e liegt in der Eckernförder Bucht und führt in den Gewässern des kleinen Bell Gefechts-Evolutionen aus. Am Donners­tage fand Scharfschießen auf dem Meere statt.

Der G r o ß h e r z o g von Mecklenburg- Schwerin weilt seit einiger Zeit in Homburg zur Kur. Wie von dort gemeldet wird, ist die Zahl der

asthmatischen Anfälle neuerdings geringer geworden. Die Stärke derselben ist indessen unverändert geblieben, sodaß nur eine geringe Besserung vorhanden ist.

Der Statthalter v o n Elsaß-Lothringen, Fürst Hohenlohe, hat im landwirthschaftlichen Kreisverein zu Diedenhofen eine Rede gehalten, in welcher er be­tonte, daß die Landwirthe auf Selbsthilfe durch Zu­sammenschluß in Genossenschaften angewiesen seien und von der Regierung eine Unterstützung auf Kosten anderer Erwerbszweige nicht erwarten dürften. Der Statthalter fügte hinzu, er wisse sich darin eins mit dem Kaiser.

Am Dienstag Morgen sind in Berlin die Nummern des sozialdemokratischen Centralorgans Vorwärts" vom 17. August und 1. September wegen darin enthaltener Majestätsbeleidigungen, bezw. Verleumdungen beschlagnahmt worden. Der verant­wortliche Redakteur Pfund wurde aus dem Bette heraus verhaftet.

Im Hauptgebäude der nordost deutschen Ge­werbe a u S st e l l u n g ist ein Theil des in einem Glasschranke ausgestellten ersten Hauptgewinnes der Aus­stellungslotterie im Werthe von über 6000 Mk. gestohlen worden. Für die Ermittelung der gestohlenen Sachen und des Diebes sind 300 Mk. Belohnung ausgesetzt.

In Nußrand machen ,.q neuerdings dieAnarchist en wieder merkbar. In Warschau ist ein großes nihilistisches Attentat - Komplott entdeckt. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen, viele Waffen, Munition u. s. w. beschlagnahmt. Am Hoflager in Peterhof sind wieder jene Vorsichtsmaßregeln getroffen worden, welche unter Alexander III. beobachtet wurden. Die Kaiserliche Sommerresidenz ist gänzlich abgesperrt, und bei den Ausfahrten oder Eisenbahnreisen des Zaren werden ebenfalls die umfassendsten Vorsichtsmaßregeln getroffen werden. Die junge Kaiserin soll sich infolge dieser un- sichern Lage in großer Erregung befinden.

Aus Provinz unO AochbarBiti.

Hersfeld, den 6. September 1895.

* (Personal-Veränderungen.) E r - n a n n t: Der Privatdocent in der juristischen Fakultät der Universität Marburg und Königliche Amtsrichter in Frankfurt a. M., Professor Dr. Crome, zum außer­ordentlichen Professor in der juristischen Fakultät der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin; der Pfarramts-Kandidat Arend zum Gehülfen des Pfarrers Muhl in Oberrieden. Verliehen: Dem Fürstlich Jsenburg'schen Kammerrathe Jakob Ruppert in Wächters - bach das Allgemeine Ehrenzeichen. -- Versetzt: Der Gerichtsschreiber, Sekretär Wolff in Oberaula an das Amtsgericht in Wächtersbach. Entlassen: Der außerordentliche Professor in der medizinischen Fakultät und Prosektor des anatomischen Instituts der Universität Marburg, Dr. Strahl, behufs Uebertritts in den Lehr­körper der Universität Gießen; der Landgerichtsrath von Hadeln in Cassel auf seinen Antrag aus dem Justizdienst.

* Das königliche Staatsministerium macht in einem Erlasse vom 3. September d. Js. darauf aufmerksam, daß S e. M a j e st ä t d e r K a i s e r u n d K ö n i g mit Bezug auf die den Besitzern des Eisernen Kreuzes verliehene Berechtigung, auf dem Ordens­bande drei Eichenblätter von weißem Metall mit der Zahl 25 zu tragen, zu befehlen geruht haben, daß die Eichenblätter möglichst dicht an dem Eisernen Kreuz an- zubringen seien, und daß es nur gestattet ist, die Eichen­blätter in genauer Uebereinstimmung mit der Allerhöchst genehmigten Probe zu tragen.

* Vom Staatsrath war zur Erleichterung der schwierigen Lage der Landwirthschaft unter Anderem auch die baldige Einführung der auf den östlichen Staats­bahnen geltenden niedrigen Staffeltarife für Vieh für alle übrigen Landestheile befürwortet worden. Im Landeseisenbahnrath, der im Juli d. Js. gutachtlich gehört wurde, waren die Ansichten nahezu gleich getheilt; 15 Mitglieder, darunter die Mehrzahl der landwirth­schaftlichen Vertreter, sprachen sich dafür und 16 Mit-