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A. m.

IomierftW Heil 5. Wcnibcr

1895.

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Die Kedanfeier.

Der Tag von Sedan, der vor fünfundzwanzig Jahren nach den ruhmreichen Siegen unserer tapferen Truppen dem deutschen Volke als Symbol unzerreißbarer Einigung die Kaiserkrone bringen sollte, ist vorüber. In stolzer Freude und begeisternder Erbauung waren alle deutschen Herzenvon der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt," ja selbst in den fernsten Welttheilen vereinigt, um den Jubeltag des Jubeljahres festlich zu begehen.Vaterland! In tausend Jahren kam dir solch ein Frühling kaum!" Dieser Jubelruf Maxens von Schenkendorff erbrauste von neuem durch AUdeutschländ, von Haus zu Haus, von Gau zu Gau.

Es war ein schönes, erhebendes Fest, das nunmehr hinter uns liegt!" So wird gewiß jeder sagen, der an der diesjährigen Sedanfeier sich betheiligt hat. Aber Feste sollen Marksteine sein und uns fördern auf dem Wege gesunder Entwickelung. Die Erinnerung großer Zeiten muß die Frucht tragen, daß sie uns groß und stark macht, daß sie uns die Kraft verleiht und stählt, die Zeit der Prüfungen, denen unser nationales und staatliches Leben ausgesetzt ist, siegreich zu überstehen. Solche Früchte aber sind das engere Zusammenschließen aller Elemente unseres Volkes, die auf nationaler und patriotischer Grundlage stehen, dann aber auch ein ener­gisches und kräftiges Frontmachen gegen die Kreise und Bestrebungen, die wie von den ruhmreichen Tagen und Thaten des Krieges, so auch von seinen Errungenschaften, von den Grundlagen des deutfchen Reiches nichts wissen wollen, gegen die Umsturzbestrebungen der Socialdemo­kratie.

Was den ersten Punkt betrifft, so ist ja in diesem Jubiläumsjahre bei den Regimentsfeiern überall der enge Zusammenschluß zwischen der Bürgerschaft der Garnison­

Nachdruck verboten.

Erkämpftes Glück.

Novelle don Th. Hempel.

(Fortsetzung und Schluß.)

Wie hat sie den Tag herbeigesehnt, um heimzukehren, sie will ja gern den Zorn ihres Gatten ertragen, will nur fort von hier. Aber mit brennendem Kopfschmerz und fieber­heißem Gesicht steht sie auf, sie sagt sich selbst, daß heute das Reisen unmöglich ist, doch bleib ihr wenigstens die eine Beruhigung, daß sie keine Festlichkeiten mehr besuchen kann. Wie lang werden ihr jetzt die Tage, welche sie bei der Mutter verlebt; ihr kann sie nichts erzählen von dem, was ihr Herz bedrückt, es wird ihr zu schwer werden, auch nur ein bitteres Wort über ihren Mann zu hören.

Endlich, nach einigen Tagen, ivagt sie die Heimkehr, die Zeit dünkt ihr unendlich lang, bis sie ihr Ziel er­reicht. Raschen Schrittes eilte sie nach ihrem Hause. Es ist zu später Abendstunde und das Geschäft längst geschlossen. Ein freundlicher Lichtschein fällt aus dem ersten Stock heraus auf die Straße, aber in ihrer Wohnung sind alle Fenster dunkel.

Sollte niemand zu Hause sein? Sollte das Kind auch schlafen, man müßte den Schein der Nachtlampe doch sehen. Mit zitternden Knieen steht sie an der Haus­thür, mit Mühe das schwere Schloß öffnend. Gellend tönt bet laute Schall der Glocke in ihr Ohr. Sie steigt die Treppen hinauf, ihr Schritt wird zögernder von Stufe zu Stufe, nun steht sie oben vor ihrer Wohnung.

städte, dem Offizierkorps und den bei der Fahne befind­lichen Mannschaften in herzerfreuender Weise zu Tage getreten. Mögen solche Regimentsfeiern, im einfachen Rahmen gehalten, auch in den kommenden Jahren Bürger­schaft, Offizierkorps und Mannschaften vereinigen, damit es zum Ausdruck gebracht werde, daß den Bürger und den Soldaten, den Nährstand und den Wehrstand, die Gemeinsamkeit der Interessen verbindet, daß der eine nicht ohne den andern denkbar ist, daß der zweite durch den ersten geschaffen ist und daß der erste ohne den zweiten nicht bestehen kann.

Ein werthvolles Bindeglied zwischen dem Nährstande und dem Wehrstande sind die Kriegervereine. Sie sind bisher mit verschwindenden Ausnahmen ein festes Boll­werk gegen die Mächte des Umsturzes gewesen. Unser Kaiser, der es meisterhaft versteht, das rechte Wort zur rechten Zeit zu sprechen, hat auch bei der Gedenkfeier des Tages von Gravelotte bei der Parade über die Kriegervereine auf dem Tempelhofer Felde diese zweimal zur Mitarbeit aufgerufen gegen die Umsturzbestrebungen der Socialdemokratie. Darm liegt die wichtigste Auf­gabe der Kriegervereine. Möge das ernste Gelöbniß den Gedenktagen entspringen, dieser Aufgabe immer mehr gerecht werden zu wollenk Dieser Wunsch ist umso inniger, als die Socialdemokratie gerade in dieser Zeit gezeigt bat, eine wie tiefe Kluft sie von der übrigen Bevölkerung trennt.

Soll die Erinnerung an den Tag von Sedan zum Segen gereichen, so müssen wir im Geiste der Helden des Sedantages leben und arbeiten; allezeit treu bereit für des Reiches Herrlichkeit. Wir müssen stark bleiben wie jene großen Vorbilder, stark in Pflichttreue und Gottvertrauen, an Muth . und Tapferkeit, stark in der Hingebung für König und Vaterland.

Politische Nachrichten.

Die Sedanfeier ist, wie es auch nicht anders zu erwarten war, überall in Deutschland mit großer Begeisterung unter zahlreicher Betheiligung der Bevölkerung in weihevoller, zum Theil glänzender Weise begangen worden. In Berlin fand am Morgen auf dem Tempel­hofer Felde eine Parade über die Garde-Regi­menter statt, der das Kaiserpaar, der König von Sachsen, Prinz Albrecht, Regent von Braunschweig, der

Die verschlossene Vorsaalthür öffnet sich nicht, wie laut sie auch die Klingel in Bewegung setzt. Nicht wissend, was sie beginnen soll, steht sie da, aber hier kann sie nicht bleiben und warten, möglicherweise die ganze Nacht hindurch. Sie entschließt sich endlich, bei den Eltern anzuklopfen. Sie hört rasche Schritte, die Thür öffnet sich von innen, der Hausarzt steht vor ihr.Sie kommen von ihrer Reise zurück, Frau Bergfeld, es ist mir eine wahre Beruhigung, trotzdem ihre Schwiegereltern ent­schieden ablehuten, Ihnen Nachricht zu geben, aber ich bitte Sie dringend, Ihren Herrn Gemahl heute nicht mehr zu sehen, es möchte ihn allzusehr aufregen."

Ist mein Mann krank?" fragte sie mit zitternder Stimme,ernstlich krank? O, ich bitte Sie dringend, sagen Sie mir die volle Wahrheit!"

Ja, er ist schwer krank," sagte der Arzt zögernd, aber verlieren Sie nicht alle Hoffnung, noch ist Rettung möglich." _ . r .

Stumm schreitet sie an dem Manne der Wissenschaft vorüber, ihr ist, als habe sie soeben das Todesurtheil aussprechen hören über Lebensglück und Frieden. Leise öffnete sie die nächste Thür, ein rührendes Bild zeigte sich ihr da. Arm in Arm stehen die Eltern, die Mutter hat das Haupt an ihres Mannes Schulter gelehnt sein Arm umschlingt sie, durch freundliches Zureden Nicht er die Weinende zu trösten, trotz des eigenen Kummers. Beide wenden sich bei Melittas Eintreten um.

Wo ist Paul?" das sind die einzigen Worte, welche sie zu stammeln vermag. L ,

Still," flüstert die Mutter,störe den kurzen

König von Württemberg und andere hohe Herrschaften beiwohnten. Darauf fand im Weißen Saale der könig­lichen Schlosses ein P a r a d e d i n e r statt. Im Kroll'schen Theater war am Abend vorher P a r a d e - V o r st e l l u n g, welcher der Kaiser mit großem Gefolge beiwohnte. Neben dem Kaiser hatte Fürst Leopold von Hohenzollern Platz genommen, dessen Thronkandidatur in Spanien die Ur­sache des Krieges von 1870/71 war.

Bei dem Paradediner im Weißen Saale des königlichen Schlosses brächte Se. Majestät der Kaiser folgenden T r i n k s p r u ch aus:

Wenn Ich am heutigen Tage einen Trinkspruch auf Meine Garden ausbringe, so geschieht es frohbewegten Herzens; denn ungewöhnlich feierlich und schön ist der heutige Tag. Den Rahmen für die heutige Parade gab ein in Begeisterung aufflammendes ganzes Volk; und das Motiv für die Begeisterung war die Erinnerung an die Gestalt, an die Persönlichkeit des großen verewigten Kaisers.

Wer heute und gestern auf die mit Eichenlaub ge­schmückten Fahnen blickte, der kann es nicht gethan haben ohne wehmüthige Rührung im Herzen; denn der Geist und die Sprache, die aus dem Rauschen dieser zum Theil zerfetzte.'- reichen zu uns redeten, erzählten von den Dingen, die vor 25 Jahren geschehen, von der großen Stunde, von dem großen Tage, da das deutsche Reich wieder auferstand.

Groß war die Schlacht, und heiß war der Drang und gewaltig die Kräfte, die aufeinanderstießen. Tapfer kämpfte der Feind für seine Lorbeern, für feine Ver­gangenheit, für seinen Kaiser; kämpfte mit dem Muth der Verzweiflung die tapfere französische Armee. Für ihre Güter, ihren Herd und für ihre zukünftige Einigung kämpften die Deutschen: darum berührt es uns auch so warm, daß ein Jeder, der des Kaisers Rock getragen hat oder ihn noch trägt, in diesen Tagen von der Bevölkerung besonders geehrt wird, ein einziger aufflammender Dank gegen Kaiser Wilhelm I.! Und für uns, besonders für die Jüngeren, die Aufgabe, das, was der Kaiser gegründet, zu erhalten!

Doch in die hohe, große Festesfreude schlägt ein Ton hinein, der wahrlich nicht dazu gehört: eine Rotte von Menschen, nicht werth, den Namen Deutscher zu tragen, wagt es, das deutsche Volk zu schmähen, wagt es, die uns geheiligte Person des allverehrten ver­ewigten Kaisers in den Staub zu ziehen. Möge das

Schlummer nicht, der ihn nur zu oft flieht," und schnell schließt sie die Thür nach der matt erleuchteten Neben- stub^

Nnd wo ist mein Kind?"

Paul hat ihn meiner Pflege übergeben, da Du, wie er mir sagte, auf längere Zeit verreist seiest."

Dann befiehlt die Kommerzienräthin dem eintretenden Dienstmädchen, ein Zimmer im zweiten Stock in Stand zu setzen.Da Du sicher gern in Deine Räume zurück­kehren wirst," wendet sie sich an ihre Schwiegertochter.

Eine bange Stille trat ein, endlich unterbrochen durch Melittas lautes Schluchzen und die flehenden Worte: O, stoßt mich nicht hinaus, laßt mich hier bleiben, viel­leicht fällt noch ein Blick der Vergebung auf mich, ehe der Tod sein Auge auf immer schließt. Ich wage nicht, Euch um Verzeihung zu bitten, aber laßt mich hier!"

Wir wollen Dich nicht vertreiben, wir wollen Dir keine Vorwürfe machen, aber Du hast einen hohen Preis eingesetzt um Deines Vergnügens willen."

Eine schwere Zeit folgte diesem Abend. Melitta hatte nicht mehr nöthig, sich von dem L-chmerzenslager ihres Gatten fern zu halten. Er ahnt in seinen Phan­tasien nicht, wer ihm die brennende Stirn kühlt, nicht, wer ihm den beruhigenden Trank einflößt. Der dro­hende Sturz der Handlung, welcher mit Gottes Hilfe nun abgewendet ist, bittere Anklagen gegen seine Frau, welche ihn, wie er meint, auf immer verlassen, da­zwischen der Ausdruck heißer Sehnsucht nach ihr wechseln in seinem Fieberwahn. Melitta weicht nicht von seiner Seite, die Liebe zn ihm hat sie in eine umsichtige