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A. 102.
Erstes Blatt.
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Vergiß es nicht!
Zur 25jährigen Feier des Sedantagcs am 2. September 1895.
In deines Herzens lauter Freude, Die widerhallt von nah und fern, Mein Land, mein Volk, gedenke heute Der Führung Gottes, deines Herrn; Er war es, der dir Kraft gegeben, Aus Schmach und Dunkel dich zu heben Zur Freiheit, Größe und zum Licht — Mein Land, mein Volk, vergiß es nicht!
Vergiß sie nicht, die Heldenbrüder, Voll Opfersinn und Todesmuth, Die uns des Lebens höchste Güter Dereinst erkauft mit ihrem Blut; Du Sedantag mahnst stets auf's neue, Wie jene festzusteh'n in Treue, Ruft uns fürs Vaterland die Pflicht — Mein Land, mein Volk, vergiß es nicht I
Wie herrlich prangst im Kran; von Eichen Heut, Deutschland du, in sich'rer Ruh';
Wo fände sich wohl deinesgleichen, So groß, so hehr, so schön wie du? Furchtlos zu Lande wie zu Meere Mahrst mit dem Schwert du deutsche Ehre, Es lauscht die Welt, wenn Deutschland spricht — Mein Land, mein Volk, vergiß es nicht I
So schaffe denn, daß keine Blöße Entkleide dich der Herrlichkeit, Und du in deiner stolzen Größe Erstrahlest bis in fernste Zeit; Dann wird kein Feind dir jemals schaden, In Frieden reifen deine Saaten, Und Kränze dir die Nachwelt flicht — Mein Land, mein Volk, vergiß es nicht I
E. Greiner.
Der glorreiche Sieg von Sedan krönte die vereinten Anstrengungen der deutschen Führer und Truppen durch einen in der Geschichte fast beispiellosen Erfolg. Nachdem die Franzosen in der Schlacht selbst an Todten, Verwundeten und Gefangenen 38000 Mann verloren hatten, streckten in Folge der Kapitulation weitere 83000 Mann die Waffen. 550 Geschütze und schier zahlloses Kriegsgeräth fielen in die Hände der Sieger. Das deutsche Heer bezahlte diesen gigantischen Waffenerfolg mit dem verhältnißmäßig geringen Opfer von 9000 Todten und Verwundeten. Mit dem Untergang eines ganzen Heeres brach zugleich der Napoleonische Kaiserthron in Frankreich zum dritten Male zusammen. Blitzschnell durchflog die überraschende Kunde die deutschen Gaue und wurde von ganz Europa theils mit freudig aufwallender Begeisterung, theils mit ungläubigem Staunen empfangen. Viele Herzen erfüllte die zuversichtliche Hoffnung auf einen unmittelbar bevorstehenden, ruhmvollen Friedensschluß und baldige Rückkehr des siegreichen Heeres in die Heimath.
Gingen zwar diese letzteren Hoffnungen nicht in @r
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füllung, bedurfte es noch großer Anstrengungen unserer braven Truppen, bis der zähe Feind gänzlich niedergeworfen war: so ist dennoch der stolze Tag von Sedan von entscheidendem Einfluß auf den ganzen Gang des Feldzuges geblieben. Und nicht allein das: dieser Tag sachte das seit Ausbruch des Krieges bereits mächtig emporwallende deutsche Bewußtsein unseres Volkes zu so starkem Gefühle an, daß der Sieg bei Sedan mit Recht als der Tag der Wiedergeburt alter deutscher Herrlichkeit, als Geburtstag des neuen deutschen Reiches angesehen wird. Bezeugt doch ein socialistischer Historiker, daß die nationale Begeisterung jener Zeit selbst in die Glieder der Socialdemokratie breite und tiefe Lücken gerissen habe.
Mit freudigem Danke gegen Gott gedenken wir der Heroengestalten des Sedantages, von denen nur noch wenige unter uns weilen. Es ist uns, als schauten die Helden auf uns hernieder, die wir zu hüten haben, was sie uns erworben. Unser unvergeßlicher Kaiser Wilhelm der Große, Graf Moltke, der große Schlachtendenker, der an diesem Tage als erster hinter dem Kaiser genannt werden muß, Kaiser Friedrich und Prinz Friedrich Karl. Ihnen und den noch lebenden, dem Fürsten Bismarck, des Reiches großem und unermüdlichem Werkmeister, dem König Albert von Sachsen, ue, die Königswürde so ruhmreich trägt wie den Märschallstab, gilt unser tief empfindender Gruß. Vergessen wir niemals, daß nicht die Schönredner, welche von der deutschen Einheit in Vereinen und Volksversammlungen redeten, deren Schöpfer sind, sondern die Männer, welche den Träumen Wirklichkeit und der Idee Gestalt gaben: Kaiser Wilhelm und seine Paladine.
Möge Gott uns auch die Sittenreinheit erhalten, die die Römer an unseren Vorfahren rühmten, und die das Geheimniß unserer Kraft ist. „Nur weil die deutsche Nation — urtheilt eine englische Zeitung — nüchtern, enthaltsam und tugendhaft geblieben ist, waren ihre Kinder so furchtbar in der Schlacht! Wer persönliche Erfahrung und Bekanntschaft unter der Jugend verschiedener Länder hat, wird bereitwillig einräumen, daß in einer Beziehung wenigstens unter den jungen Leuten in Deutschland ein reinerer Ton herrscht, daß man dort ein längeres Knabenalter, ein festeres Familienregiment und daher auch ein gesunderes und unschuldigeres Mannesalter hat, als anderswo." Diese gute Meinung des Auslandes ist ehrenvoll und erhebend für uns, aber sie ist auch moralisch verpflichtend.
Und so wollen wir uns des heutigen Tages wie alljährlich, zwar dankerfüllten Herzens freuen, aber wir wollen an diesem Tage deutschen Ruhmes auch geloben, allzeit deutsch zu handeln und zu leben, wie unsere Väter, auch nicht vergessen, daß Gott die Siege giebt, und daß Sein die Ehre ist!
Die Ruhmestage des deutsch-französischen Rrieges.
XII.
Die Schlacht bei Sedan am 1. September 1870.
Die Maasarmee und das 1. bayerische Corps waren nach der Schlacht bei Beaumont dem weichenden Feinde dicht auf den Fersen geblieben. Dichter Nebel, aus dem Maasthale emporsteigend, hüllte am Morgen des 1. September die Thäler, Höhen und Wälder von Sedan ein. Auf dem Kirchthurm von Bateilles (südlich Sedan) kündet die Uhr die vierte Morgenstunde. Da greifen schon die Bayern an, und sie greifen fest; aber die Franzosen sind zäh und hartnäckig. Heiß wogt der Kampf hin und her mit beiderseitigen großen Verlusten; später greift hier noch die 8. preußische Division in das Gefecht ein.
Inzwischen war auch das XII. (sächsische) Corps soweit nordwärts vorgeschritten, daß es zum Angriff von Moncelle und Daigny schreiten konnte. Immer mehr begann der Plan Moltkes zur Umzingelung der Armee Mac Mahons in die Wirklichkeit zu treten. Hart hatten
die Sachsen zu ringen, ihnen gegenüber stand die Hauptmacht des Gegners, und es bedurfte der höchsten Anstrengung, um hier seinen Durchbruch nach Osten zu verhindern. Schon um 6 Uhr früh wurde Marschall Mac Mahon durch einen Granatsplitter verwundet, und bleich sah man den^ französischen Oberfeldherrn auf blutiger Bahre vom Schlachtfelde tragen. General Ducrot hatte zunächst das Kommando übernommen, mußte es aber an General v. Wimpffen abtreten, der vom französischen Kriegsministerium dazu ausersehen war. Dieser hielt fest daran, sich bei Daigny nach Osten hin durch- zuschlagen, und setzte den Sachsen hart zu; aber um 10 Uhr griff auch das preußsische Garde-Corps bei Givonne ein und eilte dem schwer bedrängten sächsischen rechten Flügel zu Hülfe. Nördlich Sedan erschien nun auch das V. und das XL preußische Corps, die auch die Ortschaften westlich Sedan in Besitz genommen hatten.
Nicht lange dauerte es, so war der Ring um Sedan geschloffen. 618 deutsche Geschütze zogen einen nach und nach nach immer enger werdenden Kreis verheerenden Feuers um ihren Gegner. Auch die Tapferkeit der französischen Kavallerie, die im Norden sich rücksichtslos auf die deutsche Infanterie warf, vermochte das Schicksal des Tages nicht zu wenden, von den 82ern und dann von den Lt Mgsrz wurde ihre Attacke blutig abgewiesen.
Auf der Höhe von Frenois, westlich Sedan, diesseits der Maas, erblicken wir seit Beginn der Schlacht die ehrwürdige Gestalt König Wilhelms, der mit aufmerksamem Auge ihrem Gange folgt. Es war fast fünf Uhr Nachmittags geworden; die Bayern waren schon soweit vorgedrungen, daß sie an den Pforten der Festung rüttelten. Da erschien endlich die weiße Fahne auf den Thürmen der Festung, und schon kehrte auch der nach Sedan gesandte Oberstlieutenant Bronsart von Schellen- dorff mit der Kunde zu König Wilhelm zurück, daß ihm General Reille mit einem Briefe Kaiser Napoleons auf dem Fuße folge. Es war ein gewaltiger Augenblick, als König Wilhelm dem sich ihm gebeugt und unbedeckten Hauptes nahenden General den Brief entnahm, in dem Kaiser Napoleon seinen Degen zu des Königs Füßen niederlegte. Dieter schrieb dann die Antwort, wobei zwei Feldstühle und die Säbeltasche eines Husaren- Ofsiziers den Tisch bildeten. König Wilhelm nahm den Degen des Kaisers an und bat ihn, einen Offizier zu bevollmächtigen, um über die Kapitulation der Armee zu verhandeln, Moltke als seinen Bevollmächtigten bezeichnend. >
Kaum hatte sich General Reille mit dem Schreiben des Königs entfernt, da kam die volle Wirkung des Er- eigniffes, das sich hier abgespielt hatte, zum Durchbruch. Der König und sein Sahn, der Kronprinz, fielen sich tief ergriffen um den Hals, helle Thränen rollten ihnen die bärtigen Wangen hinab, und der Heldengreis und sein Heldensohn wurden umflulhet von dein stürmischen Jubel der Truppen, zu denen die Nachricht von dem, was hier geschehen, schnell wie der Blitz gedrungen war. Zugleich erhob sich tausendstimmiger Gesang des Liedes: „Nun danket alle Gott" gen Himmel, begleitet von den hellen Tönen der Regiments-Musik. T.
XIII.
Kapitulation von Sedan am 2. September.
Bis in die Nacht hinein hatten die Kapitulations- Verhandlungen in Donchery gedauert. Des Malers Pinsel hat in meisterhafter Weise zur Anschauung gebracht, welchen Eindruck auf General v. Wimpffen und seine Begleiter die knappe, kurze Forderung Moltkes machte: „Waffenstreckung und Gefangennahme der ganzen Armee unter Nachgabe der Entlassung der Offiziere auf Ehrenwort." Die Franzosen fuhren entsetzt zurück, Wimpffen erklärte, so harte Bedingungen nicht annehmen zu können. Bis 4 Uhr Morgens war Waffenstillstand vereinbart. Als Wimpffen schließlich in heftiger Erregung äußerte: „Dann werden wir uns morgen noch einmal schlagen!" antwortete Moltke mit eiserner Ruhe: