Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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Gratisbeilagen: „Illustrirtes Sonntagsblatt^^ n. „Zllnstrirte landwirthschaftliche Veilage^^.
Nr. 181. Imersti- Seil 28. AM 1895.
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Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes SoNNtags- blatt" und „Jllustrirte landwirthschaftliche Beilage" für den Monat September werden von allen kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Am 2. September d. I. wird die hiesige Kreiskaffe
des nationalen Festtages wegen geschlossen sein.
Die Herrn Ortsvorstände des Kreises werden gefällige Veröffentlichung ergebend ersucht.
Hersfeld, den 27. August 1895.
um
Königliche Kreiskasse. Schultheiß.
Landwirthschaftliche Winterschule Hofgeismar (Gesundbrunnen).
II B
0
Der Winterkursus beginnt am 24. Oktober. Anmeldungen sowie etwaige Anfragen sind an den Unterzeichneten oder den Direktor der Winterschule, Herrn O t t e hierselbst zu richten.
Das Schulgeld für den Winterkursus beträgt 30 M., Wohnung und Kost erhalten die Schüler im Internat gemeinsam mit den Lehrern. Für Kost zahlen die Schüler täglich 1 M., Wohnung, Licht und Heizung wird unentgeltlich gewährt.
Hofgeismar, den 17. August 1895.
Das Kuratorium: Beckhaus, Landrath.
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E Nichtamtliches.
" I Der General Mnnier.
| Der „Figaro", ein ebenso verbreitetes als charakter- " | loses Blatt, das bald so, bald so schreibt, wie es ge-
N ra^e zu den Instinkten und Leidenschaften der vornehmen '9 W Pariser Boulevardbummler am besten paßt, hat kürzlich en R wieder einmal die alten Beschuldigungen gegen die
deutschen Truppen vorgebra^ht, die im Kriege 1870/71 die friedliche Bevölkerung grausam behandelt und be- stohlen haben sollen. Die deutsche Presse hat davon mit Recht wenig Aufhebens gemacht.
Woran wir in Deutschland mit dem Chauvinismus und seiner Anstachelung der Volksleidenschaften sind, ist allenthalben bekannt. Während sich die Pariser Presse jetzt bemüht, alle Schuld für den großen Krieg auf die Napoleoniden zu schieben, die ihn doch ohne die große Unkenntniß des französischen Volkes über die deutschen Zustände und besonders ohne beffen ruhmsüchtige Ueber- Hebung nicht hätten anstiften können, verfallen zum Theil dieselben Blätter in denselben Fehler des Kaiserreichs. Das Wort Gambettas: „Immer daran denken und niemals davon sprechen" ist längst durch offenes Kokettieren mit der Revanche-Idee außer Kurs gesetzt. Die kalte Douche, die in den Zeugnissen des Abbe Guerber, Collier rc. über die Germanisierung und das tiefe Friedensbedürfniß in den Reichslanden enthalten war, ist rasch abgeschüttelt worden, und die „Ritterlichkeit" der Pariser Boulevardschreiber hält es für paffend, die deutschen Soldaten und Offiziere zu verunglimpfen, während man bei uns in den Gedenktagen unserer Siege mit Achtung von dem Heere b'^ alten Gegners spricht.
Wie gesagt, im Bewußtsein unserer Stärke können wir diesem Treiben kaltblütig zusehen. Dem „Figaro" ist nun ein General Munier mit einem Briefe zu Hilfe i gekommen, in dem von Diebesbanden, die von dem großen Hauptquartier ihre Weisungen erhielten, die Rede ist und eine Geschichte erzählt wird, wie 1870 ein höherer deutscher Offizier in der Maasgegend seinem Quartierwirthe, einem biederen Landmanne, eine Hemdengarnitur und anderes gestohlen habe. Der Ton und namentlich der Mangel jeder genauern Angabe über Art und Namen kennzeichnet das Schreiben als eine ganze Jämmerlichkeit. Das deutsche Offizierkorps steht viel zu hoch, als daß es von irgend einem schimpfenden Revancheschreier beleidigt werden könnte. Etwas anders läge die Sache, wenn der General Munier noch im aktiven Dienste wäre, also der unmittelbaren Disziplinargewalt der französischen Regierung unterstände. Unsere Regierung hat denn auch sofort die nöthigen Erkundigungen hierüber veranlaßt.
Von dem General, „dessen glänzende Laufbahn man kennt", wie der „Figaro" sagt, weiß man bis jetzt nur, daß ein Oberst dieses Namens bei Sedan gefangen wurde. Dieser Mann gehört also wahrscheinlich dem
aktiven Heere nicht mehr an. Wäre dagegen der Briefschreiber ein aktiver Offizier, so hätte die französische Regierung alle Veranlaffung, dem Manne die Pflichten des internationalen Anstandes und der Offiziersehre, welche keine allgemeinen Schimpfereien und beweislos vorgebrachten Beschuldigungen gestattet, klar zu machen. Wie dem auch sei, wir haben vor Allem im Auge zu behalten, daß der Fall Munier nicht der erste seiner Art ist und nur von Neuem beweist, wie sehr durch Frivolität und Selbstbetrug der Revanchetraum zu nähren ver-- sucht wird.
Politische Nachrichten.
Berlin, 27. August.
Wie aus Cronberg gemeldet wird, sind Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin heute Vormittag nach Wilhelmshöhe zurückgekehrt.
S e. Majestät der Kaiser beabsichtigt, aus seiner Reise nach dem Elsaß am 11. oder 12. Oktober Wiesbaden zu besuchen.
Wie aus Karlsruhe gemeldet wird, trifft zur feierlichen Einweihung bev Kaiser Wilhelm-Gedächtnißkirche, welche bekanntlich am nächsten Sonntag, den 1. September, stattfindet, nur Ihre Königl. Hoheit die G r o ß- herzogin von Baden in Berlin ein.
Ihre Königl. Hoheit die Prinzessin Fried- r i ch L e o p o l d ist heute Nacht auf Jagdschloß Glic- nicke von einem Prinzen entbunden worden.
Der König von Württemberg kommt auf Einladung des Kaisers zur Sedanfeier nach Berlin und hat deshalb die Betheiligung an der Stuttgarter Sedan- feier abgelehnt.
Der Reichskanzler Fürst zu Hohen lohe wird am 9. September aus Rußland nach Berlin zurückkehren. Die Frau Fürstin ist ebenfalls nach den fürstlichen Besitzungen bei Werki in Rußland abgereist.
Der britischeGeneralRoberts, der Ober- Kommandeur der Truppen in Irland, hat vom Kaiser eine Einladung erhalten, den großen Herbstmanövern beizuwohnen.
Ein 18jähriger Franzose, der die Festungswerke zu Neubreisach photographirte, ist unter dem Verdacht der Spionage verhaftet worden.
Mit dem Postdampfer „Abydos" haben sich in Hain-
iin
u-
Nachdruck verboten.
Erkämpftes Glück.
Novelle don Th. H e m p e l.
. (Fortsetzung.)
0 „In der Stille aber hoffen, daß die Verhältnisse sich bald in soweit ändern, daß sie als unumschränkte Herr- scherin in dem Hause einziehen kann." Die Mutter sprach in tiefer Erregung, ihre Lippen bebten und ihre Wangen glühten.
I »Ich wollte Dich wirklich nicht kränken, verzeihe mir, ■ liebe Mutter, aber ich versprach, die Angelegenheit noch "ll'Memmal mit Dir zu überlegen; wenn Du nicht geneigt bist, werde ich es meiner Braut mittheilen."
cn' | . »Nein!" Es klang sehr kurz, sehr abweisend, dieses "n; der Sohn mußte recht gut, daß damit die Ver- laudlungen abgeschlossen waren. Er kannte der Mutter Herzentzgüte, welche nie ermüdete, den Ihrigen Opfer ”'^ völliger Hintenansetzung der eigenen s G un^ Neigungen, aber auch ihre Entschiedenheit 1 < 1 was sie für Recht erkannte. Sie wendete sich l Nusgang zu, an der Thür aber kehrte sie noch ein- a um und sagte: „Ich wünsche nicht daß der Vater | ?ou dieser Unterredung etwas erfährt, ich bin nicht h?l?M ll^wöhut, vor ihm Geheimnisse zu haben, aber bittere Kränkung möchte ich ihm ersparen." Die ^^ß sich hinter ihr, und der junge Mann stand in den Räumen, welche er in Zukunft bewohnen x ■ ®er Kampf, den er in seinem Innern sümpfte, in seinem Gesicht zu lesen. Es that ihm bitter
diese
allein
sollte.
weh, die verehrte Mutter gekränkt zu haben, und doch fürchtete er die zärtlichen Vorwürfe der Braut ebenso wie die spitzen Bemerkungen und die tiefen Seufzer der Schmiegermama. Im Grunde gach er der Mutter ganz recht; die Wohnung war sehr hübsch und freundlich, es bedurfte seiner Ansicht nach nicht großer Säle um glücklich zu sein.
Die Kommerzienräthin brauchte Zeit, um wieder zur Ruhe zu kommen. Des Sohnes Betragen schmerzte sie tief, aber als sie am Mittagstisch ihren gewohnten Platz einnahm, da waren die Spuren vergossener Thränen verwischt, ihr Auge blickte wieder klar, und ihre Aufmerksamkeit wendete sich der Tafelrunde zu, damit es an nichts fehle.
Die Geheimräthin erschien noch einmal als Gast in der zukünftigen Heimath der Tochter, um die Wohnung des jungen Paares einzurichten; ihrer beleidigten Stimmung, daß man ihrer und ihrer Tochter Wünschen nicht Rechnung getragen, macht sie durch Seufzer und Klagen Luft. Sie fand die Handwerker höchst ungeschickt, die Malerei der Decken nicht nach modernem Stil, die Thüren wenig geeignet, die kostbar gewebten Portieren darüber anzubringen. Als die Kommerzienräthin ihr freundlich versicherte, daß sie sich hier auch ohne Portieren sehr glücklich gefühlt, bekam sie nur ein bedauerndes Achselzucken zur Antwort. Die umfangreichen Wäscheschränke aus Eichenholz mit reichen Schnitzereien, welche in einer Kammer standen, erhielten im Inneren Spitzenverzierungen, aber die aus den Kisten entnommenen Wäschevorräthe vermochten nicht, sie bis zur Hälfte
anzufüllen. . Die Geheimräthin setzte ausführlich auseinander, daß. es nicht mehr an der Zeit sei, sich so reichlich mit Wasche zu versehen, welche nur gelb werde vom Liegen, dagegen vermochten die Kleiderschränke und Kästen die eleganten Kleider und alle dazu gehörenden Gegenstände kaum zu fassen. Nicht ohne schwere Opfer hatte die Geheimräthin diesen Luxus ermöglicht, mit welchem ihre Tochter dem wohlhabenden Kaufmannshause und der neuen Heimath imponieren sollte. Ganz in der Stille verkaufte sie einen werthvollen Schmuck, ein altes Erbstück in ihrer Familie, und vervollständigte durch den Erlös ihres Kindes Garderobe, tief gerührt von der eigenen Opferfreudigkeil.
Im Frühlingsblühen hatte der Sohn zum erstenmal die Braut in das Elternhaus geführt, nun schmücken des Herbstes letzte Blumen zum herzlichen Willkommen die Wohnung des jungen Ehepaares. Draußen fegte der Wind, die dürren Blätter rascheln durch die Straßen, innen ist alles festlich geschmückt, und die behagliche, wohnliche Einrichtung hell erleuchtet. Der Theetisch steht in Bereitschaft, das Waffer singt im glänzenden Kessel sein eintöniges Lied, das doch so einladend klingt für den, der durchfroren und ermüdet von langer Reise anlangt im freundlichen Hafen des eigenen Daheim. Mit der herzlichsten Freude begrüßten die Eltern ihre Kinder, kein Mißton stört heute das Wiedersehen. Melitta eilt fröhlich von Zimmer zu Zimmer und findet alles vortrefflich, und die Mutter verscheucht alle die Sorgen und hofft, daß die junge Frau ihrem ©alten das innere Glück in sein Haus bringen wird.