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Melder Mktt.

Gratisbeilagen:Allustrirtes Sonntagsblatt" u.Allustrirte landwirthschastliche Veilage^^.

K. 98.

I-niierstW Seil 22. August

1895.

Bestellungen auf das Hersselder Kreisblatt mit den GratisbeilagenJttustrirtes Sonntags­blatt" undJllustrirte landwtrthschaftliche Beilage" für den Monat September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Berlin, den 19. Juli 1895.

Das Oberverwaltungsgericht hat in dem Erkenntnisse vom 20. September v. Js. (Preußisches Verwallungs- blatt, Jahrgang 16 Nr. 8 S. 90) den Satz aufgestellt und begründet, daß die behördlichen Maaß- und Gewichts- revisionen nur in den Räumen ausgeführt werden dürfen, in denen Waaren für jedermann feilgehalten oder ver­kauft werden, während sie in den Räumen, wo der Ge­werbetreibende seine Waaren ausschließlich anfertigt, nicht statthaft seien.

Euer Hochgeboren wollen die Polizeibehörden an­weisen, bei den polizeilichen und polizeilich-technischen, auf dem Erlasse vom 5. Aügust 1885 beruhenden Maaß- und Gewichtsrevisionen demgemäß zu verfahren. Was insbesondere die in Fabrikbetrieben benutzten Meß- und Wägemittel betrifft, so sind diese aus den in unserem Erlasse vom 10. April v. Js. angegebenen Gründen der polizeilichen Kontrole dann unterworfen, wenn sie zum Zumessen und Zuwägen für Käufer benutzt werden, auch wenn der Absatz nur im Großen erfolgt.

Die Revisionen in den Fabriken sind jedoch in Zu­kunft gemäß jener Entscheidung des Oberverwaltungs- gerichts nur in den Räumen vorzunehmen, in denen sich der Absatz der Erzeugnisse vollzieht, während sie sich auf die dem inneren Fabrikbetriebe dienenden Räume nicht zu erstrecken haben.

Der Minister Der Minister des Innern, für Handel und Gewerbe. I. A. gez.: Haase.

I. V. gez.: Loh mann.

An den Königlichen Regierungs-Präsidenten, Wirklichen Geheimen Ober-Regierungsrath, Herrn Grafen Clairon

Wer und sah, wie an

Nachdruck verboten.

Erkämpftes Glück.

Novelle don Th. H e m P e l.

(Fortsetzung.)

aber hineinblicken durfte in des Hauses Frieden wie sie ihren Mann beglückte, ihren Haushalt

unsichtbaren Fäden in der musterhaftesten Ord- nung hielt, durch ihre reichen Mittel zu einem immer höherem Aufschwung des Geschäfts beitrug, und ihrem Hause jene wohlthuende Behaglichkeit gab, die man so angenehm empfindet, der war in der Lage, ein sehr günstiges Urtheil über sie zu fällen.

Die Herren des Geschäfts erfreuten sich unter Ihrer ^vhut der besten Pflege, aber keiner war vor ernsten orwürfen sicher, welcher sich der Hausordnung nicht J9 Zerwarf. Den zerlumpten Bettler wies sie mit von ihrer Thür, aber die unverschuldete ntih\v» verschämte Armuth fanden bei ihr stets Schutz

^^ verschmähte es nicht, die Kranken und i^"".rn ihren Wohnungen aufzusuchen, aber sie kam c m testen Kleidung im Dunkeln, die linke Hand

2 Ä' reifte thut.

, hatten sich den eigenen Herd gegründet, S Mitbesitzer in die Handlung ein, nun

""er der Wunsch nahe, eine passende Lebens- gefahrttn auszuwählen. Sie liebte ihren Sohn mit der größten Zärtlichkeit und fand unter den jungen Mädchen kaum eine, welche ihr ganz angenehm als Schwiegertochter erschien; es fehlte nicht an Töchtern

d'Hauffonville Hochgeboren zu Cassel. A. 3115 M. f. H. II. 9012 M. d. J.

* * *

Cassel, den 3. August 1895.

Abschrift lasse ich Ew. Hochwohlgeboren unter Bezug­nahme auf die Rundverfügungen vom 30. Oktober 1885 A. II. 14684 und vom 4. Mai v. J. A. II. 4030 zur gefälligen Kenntnißnahme und mit dem Ersuchen ergebenst zugehen, die Ortspolizeibehörden mit entsprechender An­weisung zu versehen.

Der Regierungs-Präsident.

Wirklicher Geheimer Ober-Regierungsrath

A. II. 6750. Haussonville.

An sämmtliche Königlichen Herren Landräthe des Bezirks.

* * *

Hersfeld, den 19. August 1895.

Wird den Ortspolizeibehörden des Kreises mit Be­zug auf das Ausschreiben vom 10. Juni 1887 Nr. 6140, Kreisblatt Nr. 70, zur Nachachtung mitgetheilt.

I. 4830. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Wchtamtliches.

Ae Urheber Ses großen Krieges.

Die in Frankreich veranstalteten Feierlichkeiten zur Erinnerung an die Zeit vor 25 Jahren gelten im wesent­lichen den Kämpfern, die auf den Schlachtfeldern ehren­voll starben, und in mehr oder weniger verhüllter Form der Hoffnung auf Revanche. Dabei ist in der Pariser Presse wieder eine Erörterung über die Frage nach den wahren Urhebern des für Frankreich so unglücklichen Krieges entstanden.

Zuerst wies ein Artikel des ehemaligen Abgeordneten Estaucelin imGaulois" auf Grund von Briefen und persönlichen Erinnerungen nach, daß nicht dem franzö­sischen Volke, sondern dem damaligen Ministerium Grammont-Ollivier die Verantwortung zur Last falle. Bereits am 4. Juli 1870 habe der damalige Minister des Innern Chevandier de Val Drome in dem Blatte Liberts wegen der Kandidatur des Prinzen von Hohen- zollern für den spanischen Thron die Kriegsfrage stellen

aus den besten Familien, welche mit Freuden dem jungen Manne die Hand zum Bunde gereicht hätten.

Eine Zeit lang schien der junge Bergfeld nicht ge­neigt, sich den Wünschen seiner Mutter zu fügen; er suchte gern heitere Gesellschaft auf, war fröhlich mit den Fröhlichen, ohne auch nur eine der jungen Damen aus- zuzeichnen, aber auch seine Zeit sollte kommen. Eines Tages erklärte er seinen Eltern, daß er sein Herz ver­schenkt, er schilderte begeistert die äußeren Reize und alle ihn beglückenden Vorzüge seiner Erwählten, schließ­lich, als er ihnen einen ganz fremden Namen genannt, theilte er ihnen mit, daß sie, eine Waise und völlig un­bemittelt, durch Ertheilung vgn Klavierstunden ihren Unterhalt verdiene. Kaum hatte er geendet, als seine Mutter ihm mit Heftigkeit erklärte, daß ein Mädchen dieser Lebensstellung nicht seine Gattin werden dürfe. Wie zwei Kämpfer standen sie sich gegenüber, von denen keiner auch nur um eine Hand breit zurückweichen wollte. Die Mutter blieb dabei, daß ein Mädchen dieses Standes, nicht in die Räume des reichen Kaufmannshauses passe, und der Sohn erklärte mit eben solcher Entschiedenheit, daß um des elenden Geldes willen sein Lebensglück nicht zerstört werden solle. Die stolze Frau mußte einsehen, daß es dem festen Willen ihres Kindes gegenüber eine Grenze ihrer Macht gab. Der Vater hörte erst die stürmische Unterredung stillschweigend an, er wußte, daß man den leidenschaftlichen Gemüthern Zeit geben mußte, ihm als Hausherrn gehörte doch die letzte Entscheidung. Dieser beugte sich auch der Stolz seiner Frau. Er er­klärte dem Sohne, wie leid es ihm auch thue, daß seine

lassen, obgleich sich der Redakteur de Airardin einem solchenWahnsinn" widersetzt hatte. Der General Prim in Madrid habe die Depesche, die ihm den Wandel der Ansichten des französischen Ministeriums anzeigte, ärger­lich zerknittert und ausgerufen:Das ist zu stark und mir ganz unverständlich, da wir im besten Einvernehmen mit den Tuilerien standen." Darauf hat Ranc, der Freund Gambettas, die Angaben Estaucelins imMatin" bestätigt und zur Erläuterung des Erstaunens des Generals Prim über den Protest Frankreichs hinzugefügt, daß Kaiser Napoleon selbst im Jahre vorher, 1869, bei einem Besuche Prims in Paris den Gedanken, einem Hohen- zollernprinzen die spanische Krone anzubieten, angeregt habe unter dem Hinweis darauf, daß der Prinz mütter­licherseits sein Napoleons Neffe sei. Beide, Estaucelin und Ranc stimmen darin überein, daß nicht der böse Bismarck, der noch am 6. Juli ruhig in der Sommerfrische in Varzin saß, den Krieg entzündet, son­dern. daß er nur den ihm von dem leichtsinnigen napoleo- nischen Regiment zugeworfenen Ball geschickt aufge­fangen habe.

Das sind Zeugniffe von Franzosen. Damit vergleiche man nun den von Liebknecht angestifteten und fort­während unterhaltenen Schwindel von der sogenannten gefälschten Emser Tpj-es^c. Bismarck soll ck..t 13. Juli 1870 durch tendenziöse Redaktion einer Depesche aus Ems über die dortigen Vorgänge zwischen König Wilhelm und dem französischen Botschafter Benedetti den Krieg erregt haben. ImVorwärts" und anderen socialde­mokratischen Blättern ist diese Legende noch immer nicht ausgestorben, obgleich schon vor bald drei Jahren der Reichskanzler Graf Caprivi im Reichstage den akten- mäßigen Beweis ihrer Unwahrheit erbracht hat. Aber den Socialdemokraten, die auf Liebknechts Worte hören, gilt die Achtung vor der geschichtlichen Wahrheit so we­nig, wie die Liebe zum Vaterlande und zu den Männern, die es einig und mächtig gemacht haben. Spricht doch derVorwärts" nur mit Spott und Hohn über die er­hebende Feier der Gedenktage von 1870 und wagt er doch, in gemeinen Worten zu behaupten, das Andenken an Kaiser Wilhelm dem Großen sei dem deutschen Volke gleichgültig geworden. Es ist aber nur ein jammervoller Bruchtheil des deutschen Volkes, der, blind verrannt in wilde Theorien, die Wahrheit und die reinsten Gefühle mit Füßen tritt.

Wahl nicht auf eine Tochter aus befreundeter Familie gefallen, daß er sich aber nach dem jungen Mädchen er­kundigen werde und kein Recht habe, seine Einwilligung zu verweigern, wenn -seine Erkundigungen gut ausfielen.

Der Kommerzienrath hörte nur Gutes und Rühm­liches von dem jungen Mädchen, und der Sohn erhielt Erlaubniß, sie den Eltern zuzuführen. Zagenden Schrit­tes ging die Freinde am Arme des Bräutigams dem ersten Zusammentreffen mit der stolzen Frau entgegen, sie wußte, daß sie ihr keine willkommene Schwiegertochter war. Selbst die ermuthigenden Worte des geliebten Mannes verfehlten ihren Einfluß. Die Thür nach dem Balkonzimmer stand weit geöffnet, aber niemand trat ihr mit herzlicher Begrüßung entgegen. Stolz aufge­richtet stand die Frau vom Hause inmitten des Zimmers und musterte ernst das junge Mädchen, welches tief er- röthend mit gesenkten Augen vor ihr stand. Sie ver­mochte nicht ein einziges Wort hervorzubringen. Aber ihre ganze Erscheinung war ihre beste Fürsprecherin, nur Herzlosigkeit hätte widerstehen können. Die schlanke Gestalt in dem einfachen Anzug mit dem schlicht geord­neten goldblonden Haar, die blauen Augen, in denen eine Thräne glänzte, die ganze bescheidene Weiblichkeit, welche in ihr zum Ausdruck kam, mußte ihr die Herzen gewinnen. Herr Bergfeld reichte ihr die Hand zu freund­lichem Wilkommen, auch bei der Mutter regte sich ein Gefühl der Theilnahme. Wenn sie sich auch nicht ent­schließen konnte, ihr mütterlich die Arme zu öffnen, sie begrüßte sie doch freundlich, und so ging die von allen gefürchtete erste Begegnung befriedigend vorüber.