der erregten Volkshau^en mit dem Militär sollen 20 Personen getödtet sein. Der Gouverneur hat versprochen, auf eine Herabsetzung der Brotpreise hinzuwirken.
Auf M a d a g a s k a r hat wieder ein Gefecht zwischen den Franzosen und den Hovas stattgefnnden. Die letzteren wurden trotz tapferen Widerstandes geschlagen. Die Franzosen hatten angeblich nur zwei Todte und neun Verwundete, die Hovas einige Hundert Todte und Verwundete.
Die norddeutsche Feldpost v während des Feldzuges |870|<V
Bon v. d. Trenck. (Schluß.)
Ja, alle Beamten haben gewetteifert, in großer Opferfreudigkeit ihres schwierigen Dienstes zu walten, aber besondere Anerkennung verdienen die „braven Feldpostillone." Es möge hier noch eine Schilderung Platz finden, wie einer von ihnen seinen Dienst gethan und zugleich auf die Truppen moralisch stärkend gewirkt hat. Die Schlacht von St. Quentin, die letzte Schlacht des großen Feldzuges, war am 19. Januar geschlagen, der Sieg erfochten. Die Anstrengungen waren groß gewesen. Todmüde warf' sich jeder hin, wo er gerade stand, wo nur ein kleines Fleckchen trockener Erde zu finden war. Hier und da hatten einzelne Soldaten aus den nächsten Bretterzäunen und aus den Thüren, Fensterläden und Mobiliar eines in Trümmer geschossenen Hauses Biwakfeuer angemacht um sich mit dem Wasser aus den Gräben Kaffee oder Erbswurst zu kochen. Die meisten Soldaten schliefen aber aus der kalten, nassen Erde, mit dem Tornister auf dem Rücken und dem Gewehr im Arm, bald ebenso fest, als ob sie in weichen Betten lagen.
Da — was ist das? Durch die Stille der Nacht erklingt ein Trompetenton, den niemand sich zu deuten vermag. Näher und näher wird ein Signal geblasen, welches noch niemand verstehen und erklären kann. Die noch Wachenden springen auf, greifen zu ihren Waffen und Pferden — die Schlafenden werden aufgerüttelt — die einzelnen Soldaten drängen sich schlaftrunken und taumelnd zu kleinen Haufen zusammen, die rasch von irgend beliebigen Offizieren in größere Trupps formiert und mit schußfertigem Gewehr auf und zu beiden Seiten der Chaussee aufgestellt werden, um den Feind warm zu empfangen und den vermutheten nächtlichen Ueberfall abzuschlagen. Ganz nahe ertönt schließlich hell und deutlich das Signal wieder. Wer beschreibt den unermeßlichen Jubel und die Gefühle, die uns alle erfaßten, als wir in dem Signal ein Post-Signal erkannten, als der feindliche Trompeter in der Uniform eines Feldpostillons dicht vor uns sein muthiges Pferd anhielt.
„Hurra! Unsere Feldpost ist da!" ertönte es laut über das stille Schlachtfeld aus Hunderten von Kehlen hin, pflanzte sich von Trupp zu Trupp längs den von Trupen, Geschützen und Fuhrwerken dicht verstopften Wegen bis an die Thore von St. Quentin fort. Alles erhielt wieder Leben und gerieth in Bewegung. Der Feind, Müdigkeit, Kälte und Hunger waren vergessen. Alle, Offiziere und Soldaten, umringten mit frohem, aus tiefstem Herzen kommenden Gruß diesen „Boten aus der fernen, lieben Heimath." Er hatte uns Vater und Mutter, Weib und Kind bis auf das Schlachtfeld nachgeführt. Alle unsere Lieben daheim standen plötzlich neben diesem Feldpostillon vor uns, nahmen theil an unserer Siegesfreude, stärkten und erquickten die Erschöpften, linderten die Schmerzen der Verwundeten und erwiesen den auf dem Felde der Ehre gefallenen Kameraden den letzten Liebesdienst. Durch diesen treuen Boten konnten wir ihrer Angst und Sorge um uns in kürzester Zeit ein Ende machen. Und das geschah sogleich!
wie sie lechzend um einen Schluck Wasser flehte. Dann | war aber etwas vorgekommen — was doch nur? Ja, das Sterben des armen Kerls, und hatte der ihm nicht etwas besonderes gesagt, etwas geschenkt oder anvertraut?
■— Doch, er hatte ihm einen Schatz vermacht, einen Schatz, der in einem hohlen Stein stecken sollte. Mit dieser letzten Erinnerung war aber nun eine weite Thüre aufgethan, durch welche Phantasieen, Träume, Hoffnungen und Zweifel ohne Ende Einlaß bekamen in Herz und Kopf des Genesenden.
Was war's mit dem Geld? Wieviel mochte es sein? Würde er es auch finden? Und wenn er's fände, was würde er damit anfangen? Könnte es nicht helfen, ihm eine neue Existenz begründen, nun, da es mit dem Geigenmachen doch vorbei war? — Eine kleine Wirthschaft, ein Kramladen? Letzterer Punkt gab dann wieder viel zu überlegen, für ganze Tage, ja für Wochen lang. Auch die Frage, woher der Verstorbene das Geld hatte, beschäftigte ihn; er hatte so wunderliches Zeug gesprochen von einer alten Frau und einem Stiefbruder, dem Tannensepp. Den Tannensepp kannte Heiner ein wenig, es war ein Holzknecht, eine lustige, leichtsinnige Haut, aber gutmüthig. Daß der einen Stiefbruder hatte, wußte er nie, und doch mußte der Verstorbene dies gewesen sein. —
Man erzeigte, wie überall in ganz Deutschland, auch in München den Verwundeten sehr viele Güte und Aufmerksamkeit, und da Heiner zu denen gehörte, die am längsten hier waren, und da er so geduldig und verständig war, so hatte er viele Gönner und Freunde unter den Männern und Frauen, welche häufig das Spital besuchten und sich der Verwundeten liebevoll an- nahmen. Sie alle interessierten sich lebhaft für sein
Bereitwilligst vertheilte der Postillon seinen Vorrath an Postkarten; auch aus den Tornistern und Satteltaschen wurden solche hervorgesucht und bei dem flackernden Schein der frisch angefachten Biwakfeuer oder eines noch glücklich vorgefundenen Endchen Lichts, auf dem Rücken eines Kameraden, der als Schreibtisch diente, während seine Hände Leuchter und Laterne bildeten, mit von Hand zu Hand wanderndem Bleistift die Adresse und die wenigen Worte geschrieben: „Wieder einen schweren, aber großen Sieg errungen! Ich lebe und bin gesund!" Und ein zuverlässiger, treuer Bote war es, den wir da vor St. Quentin unsere Grüße einhändigten. Er hat sie richtig bestellt!
Der „brave, pflichttreue Feldpostillon" war Nachmittags von der in Ham eingerückten Feldpost des VIII. Armee-Korps abgesandt, um das General-Kommando aufzusuchen und die Verbindung mit demselben wieder herzustellen. Immer dem Kanonendonner folgend, war er mutterseelenallein oft querfeldein geritten, um nur rascher vorwärts zu kommen, hatte wieder umwenden und einen festen Weg suchen müssen und sich schließlich in der Dunkelheit auf dem Schlachtfelde ganz verirrt. Von einem Biwakfeuer zum anderen hatte er sich den Weg nach St. Quentin erfragt, hatte oft seine Signale blasen müssen, um nicht in der Finsterniß für einen feindlichen Reiter gehalten und niedergeschossen zu werden, wie ja auch wir ihn wahrscheinlich niedergeschgssen hätten, wenn er nicht wiederholt geblasen hätte und sein Signal noch rechtzeitig von uns verstanden worden wäre. Höchst wahrscheinlich wären wir alle die ganze Nacht durch hungernd und frierend auf der naßkalten Erde liegen geblieben, wenn uns der Feldpostillon nicht in solcher Weise alarmiert hätte. Trotz aller Hindernisse machten wir uns nun mit ihm den Weg nach der Stadt frei, wo wir gegen 1 Uhr Nachts anlangten und jeder sich in irgend einem beliebigen Hause ein trockenes Zimmer sowie etwas zu essen und zu trinken verschaffte.
Zum Beleg aber dessen, wie die Briefe aus der Heimath oft gewirkt, mit welchem Heldenmuth und mit welcher Opferfreudigkeit auch die Frauen und Jungfrauen die Trennung vom Gatten und Sohn, vom Bräutigam nicht nur getragen, sondern wie sie die Kämpfenden moralisch gestärkt und mit neuem Muthe erfüllt, zu Thaten entflammt haben, Mögen später einige Beispiele folgen.
Aus Provinz imii Anchlmgediet.
Hersfeld, den 7. August 1895.
* Vor 25 Jahren. 7. August. Telegramm des Kronprinzen: Der Feind ging nach gestriger Schlacht von Wörth in größter Auflösung zurück. Bei Nieder- bronn versuchte französische Artillerie zu halten, es wurde von den Bayern genommen: Der Feind ging auf der Straße nach Bitsch zurück. Württembergische Kavallerie nahm bei Reichshofen viele Vorräthe und 4 Geschütze. Todte und Verwundete bedecken die Rückzugsstraße. Heute früh wurde das vom Feinde verlassene Hagenau besetzt. An der Saar wurde Saargemünd von den diesseitigen Truppen besetzt. Forbach ist nach leichtem Gefecht genommen.
* Die fünfundzwanzigjährige Jubelfeier des glorreichen Feldzuges von 1870/71, verbunden mit der 17. Abgeordneten-Versammlung des Hess. Krieger- Verbandes wurde dieser Tage in Fulda gefeiert. Am Sonnabend Mittag trafen 140 Delegirte ein und wurden dieselben am Bahnhof von dem Verbandsvorstand empfangen und unter Vormarsch der gesammten Kapelle des 32. Infanterie-Regiments durch die reichgeschmückten Straßen der Stadt zunächst nach dem Kriegerdenkmal geführt, woselbst der Verbands - Vorsitzende, Kamerad Bode, in herzlichen Worten der für das Vaterland
ferneres Fortkommen, als es mit ihm der Genesung zu- ging, denn daß es mit dem Geigenmachen vorbei war, sahen sie alle ein. Die einen sprachen von Portierstellen, um die sie sich höheren Orts für ihn verwenden wollten; andere wollten ihn als Bahnwärter oder Kanzleidiener unterbringen.
Heiner aber ließ sich zu nichts bestimmten herbei, er sagte nicht ja und nicht nein, ihm lag das Vermächtniß im Sinn und der kleine Kramladen in dem heimischen Marktflecken am Fuße des Karwendel, und ehe er darüber im reinen war, konnte er keine bindenden Entschlüsse fassen.
So rückte der Winter vor, und auch auf dem Kriegsschauplatze rückten die Ereignisse immer weiter voran, es kam am zweiten März der Einzug in Paris, dann der Friedensschluß, und ganz Deutschland athmete erleichtert auf. Unser Heiner hatte einen Stelzfuß bekommen, mit dem er schon ohne Krücken, nur mit einem einfachen Stocke, ganz hübsch gehen konnte. Nuu sollte er vor seiner völligen Entlassung noch eine Badekur in Baden-Baden durchmachen. Gerade am Tage vor seiner Abreise dahin erschien die Königin-Mutter, die gute Königin Marie, unter den Verwundeten, wie sie es häufig zu thun pflegte. Die hohe Frau hatte den Heiner schon früher gesehen und erkannte ihn sogleich wieder. Sie freute sich, ihn so weit geheilt zu finden und fragte ihn über seine Zukunftspläne und ob sie nicht etwas für ihn thun könne, ob er nicht einen besonderen Wunsch habe.
„Majestät!" erwiderte Heiner auf ihre gütigen Fragen, „lassen's mich erst die Heimath aufsuchen, wenn ich dort nicht find', was ich such', komm' ich wieder und stell' mich bei der Landesmutter ein!"
gefallenen Kameraden gedachte und Namens des Kriegerverbands einen Kranz an dem Kriegerdenkmal niederlegt. Hierauf marschirten die Abgeordneten nach dem Festplatz. Kurz darauf begannen im Orangeriesaale die Verhandlungen des Abgeordnetentages und theilen wir aus denselben nur mit, daß der Verband jetzt 115 Vereine mit über 5000 Mitgliedern zählt. Zum Verbands-Vorsitzenden wurde an Stelle des nach Altena versetzten Herrn Major Schmidt Herr Steuerinspektor B o d e in Fulda einstimmig gewählt und als Ort des nächsten Verbandstages Wächtersbach bestimmt. Während der Verhandlung konzertirte die Kapelle des 32. Infanterie - Regiments auf dem Festplatze und gegen Abend füllte sich der Schloßgarten zu dem großen Konzert. Am Sonntag früh weckten Böllerschüsse und Reveille die Kameraden und vom frühen Morgen bis zum Mittag kamen die nächstgelegenen Vereine zu Wagen und zu Fuß in die Feststadt geströmt, bis um 1 Uhr Mittags die Extrazüge von Bebra und Gelnhausen das Gros der Theilnehmer brachten und war es schon ein sehr stattlicher Zug, welcher vom Bahnhof unter Begleitung von 2 Musikchören nach dem Festplatz marschirte. Kurz nach der Ankunft dorten hieß es „Antreten zum Festzug." An dem Festzug betheiligten sich an 100 Vereine mit über 70 Fahnen. Im Zuge selbst fuhr ein sehr schön aufgebauter Wagen mit den verschiedenen Waffengattungen zu Füßen der Germania, sowie 2 Equipagen mit Kriegs- Jnvaliden. Auf dem Festplatz angekommen, hielt Herr Oberbürgermeister Dr. A n t o n i die Begrüßungsrede, ausklingend in einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser, und Herr Lehrer Weber die Festrede mit bekannter, patriotischer Begeisterung und schließend mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland. Hierauf folgte Doppelkonzert, Gesangsvorträge und Abends brillantes Feuerwerk und zum Schluß das große Schlachten-Musikstück von Saro mit Gewehrfeuer, meisterhaft vorgetragen von der Regiments-Kapelle der 32er. Dann zogen die auswärtigen Festtheilnehmer wohlbefriedigt zum Bahnhof um mit den Extra-Zügen Nachts 1/212 Uhr wieder zurückzufahren. — Die Kriegervereine Fuldas mit dem Verbandsvorstand haben wirklich Tüchtiges geleistet, um das Fest bei solchem Andrang so glatt und schön zu erledigen.
(:) Hersseld, 5. August. (Sitzung des stän - digen Bürgerausschusses imRathhaus- s a a l e.) Punkt 1 der Tagesordnung betraf die Anlage der Gasleitung auf dem Schlachthaushof sowie in die Gebäude daselbst. Die Kosten waren vom Stadtrathe bewilligt worden, womit man sich einverstanden erklärte. Punkt 2 hatte die diesjährige 25jährige Sedanfeier zum Gegenstände. Zur Deckung der Kosten hatte der Stadtrath einen Betrag bis zu 200 Mk. bewilligt. Diesem Beschlusse stimmte man zu. Als Mitglieder zum Fest- fomite ernannte man die Herren Fabrikbesitzer Ed. B r a u n und Kaufmann Ed. K r a ch. Punkt 3 bildete die Erhöhung des Verlags für den Abbruch des alten Remisegebäudes der zweiten Predigerwohnung und Errichtung eines Waschhauses daselbst. Vom Stadtrath waren die noch nöthigen Mittel bewilligt worden, was man billigte. Der 4. Punkt betraf den Austausch von Grundeigenthum mit dem Eisenbahn-Fiskus. Bevor man die Zustimmung zu dem vorliegenden Stadtrathsbeschlusse ertheilte, beschloß man, den Stadtrath zu ersuchen, den Vertragsentwurf einzuziehen und zur Vorlage zu bringen. — Das Gesuch der hiesigen Handelsschule um Uebernahme der Gasbeleuchtungskosten des Unterrichts auf die Stadtkasse bildete den 5. Punkt der Tagesordnung. Demselben war vom Stadtrathe entsprochen worden und erklärte man sich hiermit einverstanden. — Punkt 6 betraf die Bewilligung der Kosten der Herstellung eines Bretterverschlags auf dem Boden des Turnhallegebäudes. Der Stadtrath hatte die nöthigen Mittel bewilligt, welches
„Sei es so!" sagte die gute Königin, „gehe erst tu deine Berge und sieh dich um. Findest du nicht, was du suchst, so komme getrost zu uns zurück, dann findet sich bei uns immer etwas für einen, der so geduldig gelitten und so tapfer gekämpft hat!"
So entließ sie ihn und fügte den gütigen Worten noch eine große Geldspende bei, „für den Anfang," wie sie sagte.
Den Einzug der b-yerischen Truppen feierte unser Held wieder in München mit und dann heim in die Berge!
Es war an einem sonnigen Junitage gegen Abend, daß Heiner mit einer ziemlichen Anzahl seiner Kameraden theils invalide wie er, theils gesunde stämmige Gestalten, an der seiner Heimath nächstgelegenen Bahnstation an- kam. Mit schier endlosem Jubel, mit Hurra- und Freudenrufen, mit Thränen der Wonne und Rührung wurden die Ankommenden von einer zahlreichen Menschenmenge begrüßt, dann ging es zu Fuß, in leichten Korbwagen, in allen möglichen Fuhrwerken nach allen Seiten auseinander. Die Leute aus M., welche kamen, um die Ihrigen abzuholen, hatten einen großen Omnibus, dort Stellwagen genannt, mitgebracht. Dahinein schob nun jeder seinen Sohn, Bruder, Schwager, Vetter; nur für Heiner war keiner zum Abholen gekommen der hatte keine Verwandte, stand allein auf der Welt — allein und ein Krüppel! (Forts, folgt.)
— (Räch e.) Unteroffizier (zum Rekruten Michel): „Aber Michel, wie er dasteht! Schreib er in seinen Lebenslauf: „Ich bin ein Kaffer!" — Michel: „Aber Sie müssend unterschreiben, Herr Unteroffizier! Sonst glaubt's der Herr Oberst nit!"