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HerWer KeNlatt.
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Nr. 82. - Isinierßlis Seil 8. Aiizilst 1895.
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Amtliches.
Hersfeld, den 6. August 1895.
Der am 4. Juni 1874 zu Gittersdorf geborene Dienstknecht Conrad Schmidt hat um Ertheilung eines Passes zu einer Reise nach Amerika nachgesucht.
I. I. Nr. 4628. Der Königliche Landrath.
I. V.: Heeg.
Nichtamtliches.
Zur Lage.
Wiederholt ist in der letzten Zeit, namentlich in Frankreich und Rußland, die Meinung hervorgetreten, daß der Dreibund, den die Reiche Deutschland, Oesterreich und Italien zur Aufrechterhaltung des europäischen Friedens geschlossen haben, ins Wanken gerathen sei. Aus den geringfügigsten Erscheinungen am politischen Horizonte glauben jene Politiker Anzeichen für eine Meinungsverschiedenheit zwischen den Dreibundmächten herleiten zu müssen. Es läßt sich allerdings nicht leugnen, daß seit der Einweihung des Kaiser Wilhelm- Kanals manches Wölkchen am europäischen Horizonte aufgetaucht ist, dazu angethan, Besorgnisse hervorzurusen.
In erster Linie ist hier die Haltung Rußlands in der ostasiatischen Frage zu nennen. Nach dem Frieden von Shimonoscki hatten sich bekanntlich Deutschland, Frankreich und Rußland geeinigt, um Japan zu veran- lasien, seine übermäßigen Forderungen einzuschränken, da sie den berechtigten Interessen der drei europäischen Staaten zuwider waren. Rußland aber benutzte dabei die chinesische Anleihe, um sich ein Uebergewicht über
Unberechtigter Nachdruck verboten.
Ier keizeilhtiiier Dom AmM.
Eine Geschichte aus dem großen Kriegsjahr 1870.
Von M. Titelius
, (Fortsetzung.)
Aber auch Heiner war an der Grenze seines Fühlens und Denkens angekommen, seine Schmerzen wurden unerträglich, die Schwäche nahm zu, bis endlich tiefe Bewußtlosigkeit seiner Qual eine Zeit lang ein Ende machte. Erst spät am Morgen, als es den Sonnenstrahlen gelang, den dicken Nebel, welcher über dem grausigen Todtenfelde lag, zu zertheilen, fanden die Ambulanzen abseits in der Schlucht die zwei tapferen bayerischen Jäger in Lachen von halbvertrocknetem Blute liegen.
z"e) ^d. auch eines tapferen Soldatentodes geuorven, sagte einer der Träger, „die verdienen ein ehrlich Soldatengrab!"
„Halt! Nicht so schnell!" sagte der andere, „der schlang!" l,t todt, ich fühle deutlich seinen Herz-
Hieraus bemühten sich beibe Männer um* den Be- sie legten schnell einen Nothverband an, flößten ihm starke tropfen ein, bis er wirklich etwas zu sich kam und hinweggetragen wurde.
^u den: kleinen, furchtbar überfüllten Städtchen Sulz, wo alle Straßen, Höfe, Häuser, Gärten und Plätze voll Verwundeter lagen, mußte er noch zwei Tage harren, bis endlich die Arzte Zeit fanden, ihn richtig zu ver
China zu verschaffen, ohne nach den Interessen Frankreichs und Deutschlands zu fragen.
Eine andere Zettelung Rußlands ist durch die Ermordung Stambulows in den Vordergrund getreten, nämlich die Frage, wie Bulgarien am besten zu einer russischen Provinz gemacht werden könne. Rußland glaubt hierzu eine gewisse Berechtigung zu haben, weil eine Strömung in Bulgarien vorhanden ist, die der Absicht Rußlands spmpatisch gegenübersteht. Ein derartiges Eingreifen Rußlands würde aber gegen die Bestimmungen beö Berliner Kongresses verstoßen und aus diesem Grunde von den übrigen europäischen Mächten nicht geduldet werden. Auch in Afrika hat die russische Politik in Eritrea und den angrenzenden egyptischen Gefilden ihre Fäden angeknüpft zur Beeinträchtigung des dortigen italienischen Einflusses.
So sehen wir überall die russische Diplomatie in rücksichtsloser Weise sich geltend machen, wobei selbstverständlich Beklemmungen der anderen Mächte nicht ausbleiben können. Eine Friedensgarantie bei allen diesen Winkelzügen hat bisher geboten und wird auch ferner bieten das gute Einvernehmen der Dreibundmächte. Daß dieses nach wie vor unerschütterlich besteht, davon giebt einen neuen Beweis bie Zusammenkunft der leitenden Staatsmänner Deutschlands und Oesterreichs, des Reichskanzlers Fürsten zu Hohenlohe und des Ministers des Auswärtigen Graf Goluchowski, die am Sonntag in Alt-Aussee stattgefunden hat. Wenn auch von offiziöser Seite betont wird, daß es sich bei dieser Zusammenkunft nicht um politische Abmachungen gehandelt hat, so ist sie doch als ein bedeutsames Friedenssympton zu begrüßen.
Politische Nachrichten.
S e. Majestät der Kaiser ist am Montag Nachmittag auf seiner Jacht „Hohenzollern" in Cowes in England angekommen, nachdem er auch auf Helgoland kurze Zeit verweilt hatte. Das aus fünf Kriegsschiffen bestehende deutsche Geschwader und das englische Wacht- schiff „Australia" gaben bei der Landung in Cowes Salutschüsse ab. Der Prinz von Wales und der Herzog von Connaught begrüßten den Kaiser an Bord der „Hohenzollern." Sodann landete der Kaiser, um die Königin in Osborne zu besuchen. Die zahlreich ver
binden. Dann kam ein Wagen mit Mitgliedern der Sanitätskommission aus Mannheim, dahin wurde der Heiner mitgenommen und gut verpflegt. Als es möglich war, ihn weiter zu transportieren, kam er endlich im Oktober nach München, worüber^er sehr froh war. Von nun an besserte sich Heiners Beflnden entschieden. Noch in Mannheim war ihm der rechte Fuß vom Knie an abgenommen worden, ebenso wie die drei zerschossenen Finger der linken Hand vollends hatten abgeschnittten werden müssen. Jetzt fing das Leben an, ihn wieder zu interessieren. Monatelang, seit er überhaupt wieder zum Bewußtsein gekommen war, hatte es für ihn kein Vorher und kein Nachher gegeben, er hatte einzig dem Augenblick gelebt: der Zustand seiner Wunden, der Grad , feiner Schmerzen, das tägliche Verbinden, die jeweiligen Mahlzeiten, damit war sein Interesse vollständig ausge- süllt gewesene Selbst die Vorgänge auf dem Kriegsschauplatze hatten ihn nicht berührt. Jetzt, wo er in München war, als er den heimischen Dialekt hörte, war es plötzlich, als ob seine Seele, welche alle die Zeit her in einer kalten Todtengruft geschlafen hatte, zu neuem Leben erwacht sei. Die regste Theilnahme an den Vorgängen in Frankreich bewegte wieder sein braves Soldatenherz, er ließ sich alles erzählen und jubelte über die Siege der deutschen Waffenbrüder. Freilich, er vergoß auch manche Thräne, daß er nicht mehr dabei sein konnte, besonders wenn er im Spital mit Kameraden zusammentraf, welche als geheilt wieder auf den Kriegsschauplatz zurückkehren durften. Er selbst wurde ja nie mehr diensttüchtig, nicht einmal für sein Gewerbe, seine
sammelte Menge brach bei der Landung in stürmische Zurufe aus.
König Albert von Sachsen wird sich am 2. September nach Berlin begeben, um an der dortigen Erinnerungsfeier des Sedantages theilzunehmen.
Der Gedenktag der Schlacht von Weißenburg, des ersten Sieges, den in dem großen Kriege vor 25 Jahren die Deutschen über die französischen Nachbarn errangen, ist überall in Deutschland würdig begangen worden. Bei dem Feste des badischen Kriegervereins in Karlsruhe hielt der Großherzog Friedrich wieder eine bedeutsame Rede.
Auf dem Knivsberge bei Apenrode ist am Sonntage unter zahlreicher Betheiligung der Bevölkerung der Grundstein zu einem Bismarckthurm gelegt worden.
Die Antwort dermarokkanischenRegierung auf das deutsche Ultimatum ist in jeder Weise befriedigend ausgefallen. Das deutsche Geschwader hat den Befehl erhalten, die Heimreise anzutreten. Nur der Kreuzer „Maria" bleibt vorläufig v.r Tanger.
Der König und die Königin von Rumänien sind am Montag Nachmittag mit Gefolge in Jschl angekommen. Sie wurden von dem Kaiser und der Kaiserin von Oesterreich, sowie vom Minister des Aeußeren, Graf Goluchowski, auf dem Bahnhöfe erwartet und bei ihrem Eintreffen auf das Herzlichste I begrüßt.
। Nach dem nunmehr von König Humbert von Italien ' genehmigten Programm dauern die Festlichkeiten zur Feier des Anschlusses Roms an Italien vom 17. September bis zum 2. Oktober. Den Hauptpunkt bildet eine Revue des Königs über die Fahnen sämmtlicher italienischen Regimenter und militärischen Korporationen.
Die bulgarische Deputation unter der Führung des Metropoliten Klement ist aus Petersburg nach Sofia zurückgekehrt. Sie wurde auf dem Bahnhöfe von verschiedenen Würdenträgern, von einer großen Volksmenge und von Korporationen mit Fahnen empfangen. Klement hielt eine Ansprache, in der er betonte, daß sich die Deputation auf Wunsch des Prinzen, der Regierung und des Volkes nach Rußland begeben habe. Rußland wünsche allein das Wohl und den Fortschritt Bulgariens.
In Tabris in P e r s i e n sind infolge Brotmangels ernste Unruhen ausgebrochen. Bei einem Zusammenstoß
Kunst, wenn man so sagen will, war er mehr brauchbar, darüber grübelte er jetzt viel nach.
Der Heiner war nämlich ein gelernter und geschickter Geigenmacher und zugleich einer der besten Geiger seines Heimatthales gewesen — damit war'S nun auch vorbei. Mit noch etwas war'S vorbei, und das war noch das bitterste: mit seinen Hoffnungen auf die dunkeläugige Vronik, seines alten Meisters junger Tochter, die er durch Fleiß und Tüchtigkeit sich mit der Zeit zu erringen gehofft hatte. So lange hatte er sie nicht mehr gesehen, denn nicht von seinem Heimathsorte M. aus hatte ihn die Kriegstrompete ins Feld gerufen, sondern von München aus, wo er seit anderthalb Jahren bei den .... Jägern stand, war er gleich bei der ersten Mobilmachung fortgekommen. Wenn er nun so da lag, zogen sie alle an seinem Geiste vorüber, die mannigfaltigen Bilder aus jener bewegten Zeit, von dem Ausmarsch der Truppen bis zu dem Augenblicke, wo er von den Kugeln durchbohrt über die Weinbergmauer bei Weißenburg stürzte.
Alles ging mit größter Klarheit an des Kranken Seele vorüber, oft und viel — aber weiter hörte lange Zeit jede Erinnerung auf, und doch wußte er sicher, daß er noch mehr erlebt hatte, aber was? Was doch war es? Darüber grübelte er oft Tage lang.
Plötzlich in einer schlaflosen Nachtstunde, erschienen vor seinem Geiste wieder jene grausigen, schattenhaften Gestalten des Todtenfeldes, und er hörte sie Leichenräuber und Bestien nennen, und nun vernahm er auch die gleiche schwache Stimme, die sie so genannt hatte