Hersfeld, den 2. August 1895.
Der § 16 der „Allgemeinen polizeilichen Vorschriften über die Anlegung von Dampfkesseln vom 5. August 1890" schreibt vor, daß bei jedem Dampfentwickler, welcher als Lokomobile zum Betrieb an wechselnden Betriebsstätten benutzt werden soll, sich befinden müssen:
1. Die Genehmigungs-Urkunde.
2. Das Druckprobe-Attest.
3. Die Bescheinigung über die polizeiliche Abnahme- Prüfung.
■ 4. Ein Revisionsbuch (Formular D der Anweisung, betreffend die Genehmigung und Untersuchung der Dampfkessel) vom 16/3 1892,
Nur durch die strenge Befolgung dieser Vorschrift wird die ordnungsmäßige Revision der oft in verwahrlostem Zustande befindlichen Lokomobilen verbürgt, wohingegen im anderen Falle eine ordentliche Revision völlig unmöglich wird.
Wie nun seitens der Königlichen Gewerbe-Inspektion zu Fulda hierher mitgetheilt worden ist, wird jener Vorschrift sehr häufig Nicht genügt, obwohl die Letztere nach dem Wortlaut der Genehmigungs-Urkunde zur Anlegung der Dampfkessel — in welcher ausdrücklich auf die obengenannten polizeilichen Bestimmungen vom 5. August 1890 hingewiesen wird — eine wesentliche Bedingung der Genehmigungs-Urkunde darstellt.
Nach dem § 147 Abs. 1 Nr. 2 der Gewerbe-Ordnung wird das Nichtinnehalten der wesentlichen Bedingungen, unter denen die Genehmigung zur Anlage eines Keffels ertheilt worden ist, mit Geldstrafe bis zu 300 Mark bedroht.
Die Herren Ortsvorstünde des Kreises weise ich an, den Besitzern von Lokomobilen im eigenen Interesse die strenge Befolgung obiger Vorschrift zur Pflicht zu machen. A. 2111. Der Königliche Landrath.
______________I. V. Heeg.__
Cassel, des 18. Juli 1895.
Kekannturachmlg.
Auf Grund des § 2 des Gesetzes über die Schonzeiten des Wildes vom 26. Februar 1870 und § 107 des Zuständigkeitsgesetzes vom 1. August 1883 wird der Aufgang der diesjährigen Jagd auf Rebhühner und Wachteln auf den 19. August 1895, auf Hasen, Auer-, Birk- und Fasanen-Hennen auf den 15. September 1895 festgesetzt.
Der Bezirksausschuß zu Cassel. gez.: Unterschriften.
* * *
Abschrift vorstehender Bekanntmachung erhalten Em. Hochwohlgeboren zur gefälligen weiteren Veröffentlichung.
Der Vorsitzende des Bezirksausschusses.
H a u s s o n v i l l e.
An die Königlichen Herren Landräthe des Bezirks.
Hersfeld, den 2. August 1895.
Wird veröffentlicht.
I. 4546. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schlei nitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Gefunden: Auf der Straße zwischen Friedewald und Motzfeld eine Axt. — Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Conrode.
Nichtamtliches.
Die norddeutsche Feldpost während des Feldzuges ^87O|7^
Von v. d. Trenck.
(Fortsetzung.)
Abgesehen von den zahlreichen Fällen, in denen die Feldpost gemeinschaftlich mit den Truppen biwakiert und parkiert hat, war auch in den Dörfern und Städten manchmal nicht das kleinste Plätzchen zur Etablierung eines Feld-Postbüreaus zu erlangen, und wo ein solches, sei es in einer Kirche, Schule, Küche oder auf einem
sich die kalte Hand des für todt gehaltenen, neben ihm liegenden Kameraden fest auf seinen Mund legte.
„St! st! stille! um Gptt keinen Laut! wir sind verloren;" hauchte er.
„Warum denn? flüsterte der andere, „ich sehe doch Leute, die uns helfen wollen und nach Verwundeten suchen, warum da nicht rufen?"
„St! st! es sind keine Ambulanzen, Franzosen sind's, Leichenräuber! Ich beobachte sie schon lange, vorhin, als der Mond einmal durchbrach, sah ich wie sie einen abmachten, der sich noch regte, und ihm die Taschen um- kehrten, einem andern nahmen sie die Uhr und schnitten ihm die Finger ab, wohl um den Ring zu erhalten. Ich habe im Kampfe nichts, auch die schwarzen Teufel von Zuaven nicht gefürchtet, aber vor denen fürchte ich mich, und ich bin drum, in die Brust geschossen, wie ich bin, auf allen Vieren fortgekrochen über Todte und Sterbende weg, bis ich über die Mauer da herabgestürzt bin; aber lieber da sterben, als diesen Hyänen in die Hände fallen; drum still, um Gottes willen, daß sie uns nicht merken!"
„Du bist auch einer vom oberen Jsargrund, ich sollt' dich kennen!" sagte nach einigen Minuten, als die unheimlichen Gestalten sich entfernt hatten, der erstere.
„Und ich kenn' dich schon!" hauchte der andere, „du bist der Geigenheiner vom Karwendel, aber ach Gott! Ich muß sterben vor Durst und Schwäche, die Kugeln
Treppenflur, gewonnen wurde, blieb das Arbeiten, namentlich später im Winter bei Frostwetter und elender Beleuchtung, doch noch sehr behindert. Das Beamtenpersonal fand für sich selbst häufig gar kein Unterkommen oder höchstens eine Lagerstätte auf bloßem Fußboden; auch blieb die Verpflegung oft auf das Allernothdürf- tigste beschränkt.
Die Leistungen der Feldpost erhellen am deutlichsten aus ihren einzelnen Berichten. So heißt es in dem der 18. Infanterie-Division: „Vom 20. bis 23. August haben wir Biwak bei St. Ail bezogen. Hier empfing die Expedition die erste größere Sendung von Geldbriefen, bei deren Bearbeitung, auf ausgebreiteten Decken, zwei Beamte einen DoTXefb Tag beschäftigt waren. Die Feldpost war hinter einem dichten Knick etabliert, die Sor- tiertascheu hingen an eingerammten Pfählen. Wind und Regen waren aber sehr störend, so daß öfter eingepackt werden mußte. Dieser Umstand veranlaßte den Divisions-Kommandeur, der Expedition aus den Bänken der Kirche in St. Ail von Pionieren eine geräumige Hütte bauen zu lassen. Dieselbe wurde am 22. Abends 9 Uhr fertig gestellt, sofort bezogen und büreaumäßig eingerichtet, aber nicht benutzt, weil am anderen Morgen früh 4 Uhr alarmiert wurde und der Abmarsch erfolgte."
Aus dem Rapport der 22. Infanterie - Division sprechen die kurzen Thatsachen deutlich genug. Da heißt es: „Am 21. November rückte die Feldpost-Expedition von Chartres nach Digny, am 22. ins Biwak bei la Loupe, in der Nacht auf den 23. weiter ins Biwak bei Dircy, am 23. Mittags nach Bellöme, am 24. nach Nogent le Rotron, am 25. nach Anthon, am 26. zurück nach Nogent le Rotron, am 27. ins Biwak bei Bounesal, am 28. Morgens 5 Uhr nach Bonnesal, am 29. nach Orgores, am 30. nach Toury."
Selbst auf den Gefechtsfeldern oder in deren unmittelbarer Nähe bei den Verbandplätzen habeu die Feldpost-Anstalten vielfach ihre fliegenden Vüreaus aufgeschlagen, Briefe eingesammelt und für Verwundete das Ausfüllen von Postkarten besorgt.
Am Tage nach der Schlacht bei Gravelotte waren allein von dem Feldpostamte des XII. Armeekorps, welches von 3 Uhr Morgens ab in Roncourt inmitten des Schlachtfeldes biwakiert und von dort aus die Briefe und Postkarten eingesammelt hatte, acht große Säcke mit Briefen u. s. w. nach der Heimath abzusenden. Vor und während dieser Schlacht waren auch mehrere andere Feldpost-Anstalten bemüht, reitende Beamte und Feldpostillone bis unmittelbar in die Gefechtsstellung zum Einsammeln von Briefen vorzusenden. So z. B. die Feldpost-Expedition der 25. Infanterie-Division, welche dafür von dem Divisions-Kommandeur besonders belobt wurde. Sie blieb während der ganzen Schlacht in unmittelbarer Nähe der Division, auf freiem Felde biwakierend.
Das Feldpostamt des Garde-Korps entsandte gleichfalls zwei reitende Beamte und zwei Feldpostillone zu den in Gefechtsstellung stehenden Truppen, um dort Postkarten zu vertheilen und dieselben demnächst zur schleunigsten Absendung nach der Heimath wieder einzusammeln. Dreimal kehrten die Postillone mit stets gefüllten Briefsäcken zurück. In gleicher Weise verfuhr das Feldpost- amt des X. Armee-Korps. Nach der Schlacht bei Mars-la-tour hatte die Feldpost-Expedition der 6. Infanterie-Division mitten auf dem Schlachtfelde ihr Biwak aufgeschlagen, um die dort eingesammelten für verwundete Soldaten vielfach von den Beamten der Feldpost selbst geschriebenen Briefe zu bearbeiten und in großer Zahl abzusenden. Da weder Tische noch Stühle vorhanden waren, halfen sich die Beamten in der Weise, daß sie eine Pferdedecke ausbreiteten und diese als Sortiertisch benutzten.
Am 30. August hatte sich der Feldpostmeistec vom IV. Armee-Korps mit einem Schaffner und einem Postillone nach dem Schlachtfelde von Beaumont begeben, während des ganzen Tages Briefe eingesammelt und diese am anderen Morgen zur weiteren Expedition dem Feldpostamte durch einen reitenden Postillon zustellen lassen.
(Schluß folgt.)
in der Brust bringen mich um, wenn ich nicht etwas Wasser kriege!"
„Daneben in dem Stein hat sich etwas Regenwasser gesammelt, vielleicht kann ich's mit der hohlen Hand ausschöpfen und dir in den Mund tropfen lassen," sagte der Geigenheiner (eigentlich Heinrich Vendler seines Namens). Damit streckte er den heilen Arm aus, und mit unendlicher Mühe und unter vielen Schmerzen gelang es ihm, etwas Wasser aufzufangen, womit er nun dem Kameraden die Lippen befeuchtete und in den Mund träufelte.
„Ach mehr! mehr!" hauchte dieser, und der Geigenheiner setzte die Prozedur unter großen Schmerzen fort, so lange noch Wasser in der Steinhöhlung war.
„Jetzt ist's aus, keinen Tropfen bring' ich mehr in die Hand!" sagte er dann betrübt.
„O danke, es war gut, aber sterben muß ich doch, die Kugel steckt in der Lunge und nimmt den Athem, heim komm' ich nimmer ins Jsarthal, so will ich dir ein Vermächtniß stiften; dir, Geigenheiner, für dein Wasser; mein Stiefbruder, der Tanneusepp, soll's nicht haben, ich weiß warum. Dir gehört's, hol's nur!"
„Was denn?" fragte Heiner, den es schauerte ob der gebrochenen Rede des Kameraden.
„Ja so!" stöhnte dieser, „kennst das Klosterhorn, nahe der B . . . nitzer, Klamm, und daneben die zwei
Politische Nachrichten.
Die „Hohenzollern" mit Sr. Majestät dem Kaiser an Bord, Allerhöchstwelcher am Sonnabend Abend von der Matrosenstation in Potsdam aus die Fahrt ange- treten hatte, und die „Gefion" sind am Sonntag Vormittag 11*/, Uhr in Helgoland vor Anker gegangen. Die Vereine und die Badegäste hatten bei der Ankunft Sr. Majestät Aufstellung genommen. Die Insel war auf das Reichste geschmückt. Nachdem die „Hohenzollern" vor Anker gegangen war, kam Se. Majestät der Kaiser .in einem Boote allein an Land, während ein zweites Boot das Gefolge übersetzte. Se. Majestät wurde enthusiastisch begrüßt und begab sich durch den Tunnel zur Wohnung des Kommandanten, Kapitäns zur See Stubenrauch, wo das Frühstück eingenommen wurde. Das Wetter war herrlich. Nachmittags gegen 4 Uhr hat sich Se. Majestät der Kaiser an Bord der „Hohen- zollern" zur Fahrt nach Cowes eingeschifft. Die Bevölkerung sowie die in Helgoland anwesenden Badegäste brachten dem Kaiser stürmische Ovationen dar.
Nach neueren Bestimmungen begiebt sich Ihre Majestät die Kaiserin mit den beiden ältesten Prinzen nicht nach Saßnitz, sondern nach Schloß Wilhelmshöhe bei Cassel, wo die Ankunft Ihrer Majestät am Sonntag Abend erwartet wird.
Ueber die H a n d w e r k e r k o n f e r e n z, welche Anfangs dieser Woche in Berlin zusammengetreten war, ist ein stenographisches Protokoll ausgenommen worden, dessen Veröffentlichung, dem Vernehmen nach, beabsichtigt ist.
Berliner Blätter melden aus Tanger, dort sei die Antwort der marokkanischen Regierung auf das deutsche Ultimatum eingetroffen, und zwar hätte die marokkanische Regierung die deutschen Forderungen in allen wesentlichen Punkten angenommen.
Das Gesetz, betreffend die Bestrafung des Sklave n r a u des und Sklavenhandels, Allerhöchst vollzogen am 28. Juli d. I., und das Gesetz, betreffend die Abänderung des Gesetzes vom 12. März 1893 über die Einführung einer einheitlichen Zeitbestimmung, Allerhöchst vollzogen am 31 Juli d. I., sind am 3. d. M. amtlich publizirt worden.
Nach den Vorschriften des neuen n o r d a m e r i - kanischen Regulativs vom 7. Februar d. Js. über die'Fleisch beschau, durch welches die bisherigen Bestimmungen ersetzt worden sind, hat die mikroskopische Trichinenschau nur noch bei solchen Schweinefleischwaaren stattzufinden, welche nach Ländern ausgeführt werden, die eine solche Untersuchung des Fleisches verlangen. Je nachdem hiernach Schweinefleisch auf Trichinen mikroskopisch untersucht worden ist ob es nickt, erfolgt eine verschiedene Kennzeichnung der betreffenden Fleischsendungen. Die bisherige Anordnung, wonach jedes Behältniß, in welchen untersuchtes und gesund befundenes Fleisch für den Export verpackt ist, mittelst eines Zettels (meat inspection stamp) gekennzeichnet werden muß, der die amtliche Nummer der Anstalt, aus welcher das Fleisch stammt, und den Vermerk über die vollzogene Untersuchung enthält, ist beibehalten worden. Jedoch gilt für Sendungen, deren Inhalt mikroskopisch auf Trichinen untersucht worden ist und nach Ländern ausgeführt wird, welche eine solche Untersuchung verlangen, die Neuerung, daß sie mit lila Zetteln, welche die Aufschrist „Export" tragen, zu versehen sind, während die seither gebräuchlichen weißen Zettel nur noch bei Sendungen für den Binnenhandel verwendet werden. Ferner ist wie bisher, so auch in Zukunft für jede Exportsendung eine Untersuchungsbescheinigung (certificate of inspection) in drei Exemplaren auszufertigen, deren eines der Faktura oder dem Frachtbriefe beigegeben wird. Das bisherige Formular für diese Bescheinigung wird auch in Zukunft zur Verwendung kommen. Neu jedoch ist die Vorschrift, daß die Bescheinigung bei allen denjenigen Sendungen, deren Inhalt mikroskopisch untersucht worden ist, in senkrechter Richtung von unten nach oben den Stempelvermerk „Microscopically examined
Felsblöcke auf einander, die wir die Reiter nennen? Weißt, bei der alten Sägmühle von der Reiternand!, meiner Großmutter, und dem Tannensepp feiner — weißt den Ort? ja? — nun der untere Felsblock hat eine Höhlung, da steckt's, ganz hinten in einer Blech- schachtel. Denk' nicht, ich hätt' die alte umgebracht, sie lag schon maustodt auf dem Boden neben der offenen Truhe, wo sie ihr Geld hatte; so fand ich sie liegen und nahm all die vielen Goldstücke mit, weil sie mich enterbt hat von wegen meinem Stiefbruder. Das Fenster stand auf, aber ich ging zur Thüre hinaus, wie ich hineingekommen war. Am andern Tage kam die Einberufung, und es ging gleich fort; was nun mit dem Geld? Mitnehmen konnt' ich's nicht, so versteckt ich's, bis ich wiederkäme — ich komm nimmer heim, so schenk ich dir's, du mußt es aber ewig geheim halten, um der Soldatenehre willen!"
Leise und stockend kam dieser Bericht von den todes- schwachen Lippen des Sterbenden, dann erhob er den Kopf etwas, that einen langen Athemzug, als ob er noch etwas sagen wollte, doch plötzlich sank das Haupt zurück, die erhobenen Arme fochten wirr in der Luft umher — es mußte wohl aus sein, denn Heiner hörte keinen Athem mehr, und er fühlte, wie der Körper des Armen schnell starr und eisig wurde.
(Fortsetzung folgt.)