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Nr. 90.EmMS den ^M 1895.
Zweites Blatt.
Die norddeutsche Feldpost während des Feldzuges J87o|zv
Von v. d. Tr enck.
Das wesentlichste Verdienst, das sich die „Feldpost" um Deutschlands Volk und Heer erworben hat, ist, daß die Spannkraft der im Felde stehenden Armee durch die lebendige Verbindung mit den Angehörigen daheim gestärkt wurde. Zugleich erscheint der Dienst, den die Feldpost dem Vaterlande leistete, als ein „Liebesdienst" in wahrster Bedeutung des Wortes. Diesem Dienst haben sich die Feldpostanstalten in der aufopferndsten Weise oft mit fast übermenschlicher Anstrengung, nicht selten unter augenscheinlicher Lebensgefahr für ihr Personal unterzogen. Darum sei der Wackern, die solches thaten, auch hier ehrend gedacht.
Auch in Feindesland erhielten durch die Feldpost die deutschen Soldaten von den Ihrigen Nachrichten und wurden in kürzester Frist von der sie oft quälenden und ihre Thatkraft lähmenden Sorge um Weib und Kind — um Haus und Hof befreit. Anderseits konnte jeder Soldat täglich und stündlich seinen Angehörigen in der fernen Heimath Nachrichten zukommen lassen, ihnen direkt vom Schlachtfelde aus schreiben: „Wieder glänzender Sieg! Ich lebe und bin gesund!" Durch diese wenigen Worte erlöste der deutsche Soldat die Seinigen daheim von ihrer Angst und Sorge um ihn oder konnte sie, wenn er krank und verwundet war, zu seinem Trost und zu seiner Pflege an sein Kranken- und Schmerzenslager rufen. In unzähligen Herzen hat unsere Post den herben Schmerz der Trennung gemildert und gelindert, hat den deutschen Soldaten im Felde und deren Angehörigen daheim Ruhe und Kraft zur Erfüllung ihrer Pflichten verschafft, — hat viele — viele Familien vor schweren Verlusten und Noth bewahrt. Und wie oft sind die Feldpostbriefe vom Vater oder der Mutter — von der Frau oder der Braut daheim die vorwärts treibenden Sporen zu den kühnsten Plänen und tapfersten Thaten gewesen.
Durch die regelmäßige und schnelle Beförderung der Zeitungen zur Armee hat sich unsere Feldpost auch nicht unwesentliche Verdienste erworben. Durch die Zeitungen in seiner Hand erfuhr der Soldat, welche großen Strapazen andere Truppentheile des deutschen Heeres oft mit Aufbietung ihrer letzten Kräfte ertragen, welche schwere, aber glänzende Siege sie oft über den weit überlegenen Feind errungen hatten. Durch die rasche und allseitige Verbreitung solcher Siegesnachrichten erhielt jeder einzelne Soldat eine größere Zuversicht zu seiner eigenen Leistungsfähigkeit. Es entstand dadurch ein gegenseitiger Wetteifer. Was jene dort im Westen und Südosten Frankreichs ertragen und errungen hatten, das „konnten" und „wollten" auch die im Osten und Norden kämpfenden Truppentheile ertragen und erringen.
Die deutsche Feldpost hatte keine -„Friedensformation" zur Unterlage, sondern wurde bei der Mobilmachung neu gebildet. Trotzdem gelang es, in dem kurzen Zeitraum von neun Tagen ein Personal von 726 Ober- """ Unterbeamten mit 795 Pferden und 172 Fahrzeugen „mobil' zu machen und „zum Abmarsch bereit zu stellen", und zwar ohne daß der bisherige Post- und Telegraphen- menst vernachlässigt, eingeschränkt wurde oder aufhörte. Das Personal war freilich von dem General-Postamte schon wahrend des Friedens im voraus bezeichnet und wurde telegraphisch nach den Mobilmachungsorten ein- berufen. Soweit die Ausrüstungsgegenstände bestimmungsmäßig nicht schon zur Friedenszeit vorräthig zu halten waren, wurden sie auf Grund vorher geschlossener Lieferungsverträge beschafft. Namentlich war, da der Postverwaltung das Recht der Zwangsweisen Pferdebeschaffung nicht zusteht, wegen der Gestellung der Pferde in den meisten Bezirken mit erfahrenen Posthaltern und sonstigen Lieferanten Vertrüge abgeschlossen. Die Beamten bewirkten ihre Ausrüstung selbst.
Wie bei der Mobilmachung, so war auch bei dem Vormärsche und der Aktion unsere Feldpost überwiegend auf die eigenen Kräfte angewiesen, und doch ist sie mit der größten Umsicht geleitet und von Etappe zu Etappe weiter geführt worden. Wenn die Feldpost-Anstalten nach den anstrengendsten Märschen Abends spät — häufig erst mitten in der Nacht — mit den Truppen in die Quartiere einrückten und alle Ruhe, Stärkung und Erholung suchten, dann begann für die Feldpost- Beamten erst ihre eigentliche Arbeit und Thätigkeit. Dann mußten sie in kalten, unwirthschaftlichen Räumen, die sich oft in den stark belegenen Ortschaften, deren Einwohner größtentheils geflohen waren, erst mit vieler Mühe ermitteln ließen, das Postbüreau einrichten, die vielen Säcke voller Briefe — Postkarten — Packete und Geldsendungen für jeden, auch den kleinsten Truppen- theil, genau ordnen — in die verschiedenen Journale eintragen u. f. w.
(Schluß folgt.)
Unberechtigter Nachdruck verboten. Der zweite Schutz.
Dorfgeschichte aus dem Böhmerwalde.
Von Maximilian Schmidt.
(Schluß.)
Der Jäger hielt den prüfenden Blick des Mädchens aus.
„Na', was d' aber du für gspaßige Sachen hast!" sagte er dann. „Laß dir's mit mein Schwur gnügen; was brauchts no' weitere Faxen?"
„Also du legst bei Hand nöd an's Brett?"
„Dazua hon i koa' Lust!"
„So b'hüt di Gott!" Katherl that, als wollte sie sich entfernen.
„Halt aus!" sagte jetzt Benno. „Du woaßt schon, daß d' mi um an' Daam draahm kannst, und daß d' siehgst, wie r i ganz nach dein Will'n thua, so leg i halt d' Hand auf und sag:
„Gott straf mi, wenn i luig!"
Dabei hatte er in der That die Hand an's Todten- brett gelegt und in ziemlich gleichgültiger Weise den Schwur geleistet.
Katherl glaubte jetzt in der That, dem Manne schwer unrecht gethan zu haben.
Es ücherlief sie siedendheiß bei dem Gedanken, daß sie dem Gehaßten, um ihre List ausüben zu können, Hoffnungen gemacht, und sie wußte nicht, wie sie sich aus dieser Schlinge ziehen könnte. Schon sing es zu dämmern an, ein grauer Nebelmantel breitete sich über die Landschaft, und dem Mädchen wurde es unheimlich zu Muthe in der Nähe des Mannes, den sie trotz alledem für den Mörder des Försters hielt.
„Was soll i no' Alles thua'?" fragte jetzt der Jäger. „Für heunt sollst mi alloa' hoamgehn lassen —"
„Und därf i morgen kömma auf d' Frei?"
„Probier'n kannst es ja," erwiderte das Mädchen, dem es jetzt darum.zu thun war, so rasch als möglich von dem Manne los zu kommen, der Miene machte, sie noch weiter zu geleiten. Während Katherl ihrem Dörfchen zueilte, trat der Jäger den Rückweg nach dem Forsthause an.
An der Kapelle blieb er nochmals stehen und sprach lachend:
„Dumm's abergläubisch's Gwaasch! Wie sollt denn 's Todtenbrelt 'n Nama ruafen könna? Unsinn! Gelt, du bist scho' staad, du verräthst mi nöd, so weng i'S verrathen werd, daß der zwoate Schuß aus meiner Bix is kömma und dös wird nöd ehnda sein, als bis du wirkli 's Maul aufthuast und mein' Nama ruafst!"
„Benno Herter!" hallte es jetzt, gleich einer dumpfen Grabesstimme zu den Ohren des vor Schrecken starr gewordenen Jägers.
Was war das? Dem Gerufenen war es zu Muthe, als wäre er mit einem mächtigen Faustschlag zu Boden geworfen worden. Er war auf den Betschemel niedergesunken und starrte entsetzt nach dem Todtenbrette des Försters. Rasch richtete er sich aber wieder empor.
„Alle Teufel, da geht's nöd mit rechten Dingen zua," rief er, „da is wer unterwegs!"
Er wollte soeben hinter die Kapelle eilen, als der Lehrer und der Gemeindevorstand vortraten.
Benno prallte entsetzt zurück.
„Was soll dös sein?" rief er den beiden frech, aber doch mit zitternder Stimme zu. „Oes habt's glurt (gehorcht)? Pfui! Gehts zum Teufel!"
„Das ist euer Weg," sagte der Lehrer; „der unsere geht zu den Gendarmen!"
„Was wollts dort?" fragte der Jäger, vor Aufregung am ganzen Körper zitternd. „Dankts Gott, daß i mei' Bix nöd bei mir hab. I schießet enk alle zam!"
„Wie 's 'n Förster niederg'schossen habts," vollendete der Gemeindevorsteher.
„Wer hat dös gesagt?" schrie Benno.
„Ihr selbst!" erwiderte der Lehrer und zum Vorsteher gewendet, sagte er: „Kommt, es ist Zeit! Hier haben wir nichts mehr zu thun!"
Ohne den Jäger noch eines Blickes zu würdigen, schritten sie rasch von dannen.
Benno starrte ihnen lange nach. Er zwang sich wohl zu einem höhnischen Lachen, aber es wollte ihm nicht gelingen. Endlich schlug er sich selbst vor die Stirn und rief:
„So dumm, so dumm! Mi selber verrathen! Hab i glaubt, i hab 's Gspiel gwonna — und selber verrathen ! Pfui über mi selber! Holts nur d' Gendarm, ös zwoa Lura; sie soll'n mi finden!"
In furchtbarer Erregung eilte er nach dem Forsthause. Den einzigen Dienstboten, eine alte Hausmagd, schickte er zum Wirth nach Fuchsberg, um einen Krug Bier. Als sie nach etwa einer Viertelstunde wieder kam und in die Stube trat, fand sie Benno entseelt am Boden liegen. Er hatte sich eine Kugel durch's Herz gejagt. Auf dem Tische lag ein Papier, auf welchem von Bennos Hand geschrieben stand:
„Der Schneidergirgl ist unschuldig. Der zweite Schuß auf den Förster kam von mir. Ich hab auf der Welt nichts mehr zu hoffen, drum mach ich Tralarum!
Benno Herter."
Katherl war ebenfalls in hoffnungsloser Stimmung nach ihrem Dörfchen gekommen. Als sie am Hause des Vorstehers vorüberging, fiel ihr der am Fenster sitzende Pechlerwastl in die Augen. Rasch eilte sie zu ihm in die Stube, um ihn nochmals auszuholen, aber Wastl hatte im Wandschränkchen eine Schnapsflasche ausfindig gemacht und befand sich bereits wieder in einem Zustande zwischen Himmel und Erde.
„Also du bleibst bei deiner Aussag stehn, daß 's koan Vaterunser lang her ganga is, daß der zwoate Schuß glei nach'n ersten g'falln is?" fragte ihn das Mädchen.
„Natürli!" erwiderte lallend der Schlemmer. „An' guaten Vaterunser lang is's herganga. Auf oans, zwoa, brui kannst ja koa Kugel laben — wie g'sagt, an' Vaterunser lang is's herganga, so wahr i a nobliger Mann bin!"
„Du bist a Tropf, so groß als d' bist!" rief Katherl ärgerlich und verließ das Haus, um zu der Mutter Girgls zu eilen und sich bei ihr neuerdings auszuweinen. Nach etwa einstündigem Aufenthalt nahm sie dann Abschied und machte sich nach ihrem Häuschen auf.
„Es nutzt nix!" sagte sie ganz verzagt zu der alten, gebrochenen Frau; „alles nutzt nix — unser Beten und Hoffen — alles ist umsunst. Der bös' Feind is mächtiger, alls d' Himmelsleut — alles nutzt nix. Der Girgl bleibt eiukerkert, und mir zwoa sterben vor Wehtoa' und Elend. Pfüat Gott, Muatterl!"
In diesem Augenblicke ward die Thür hastig aufgerissen, und der eintretende Schullehrer rief:
„A gute Botschaft! Der Girgl is unschuldig, der Benno war's, der ’n Förster erschossen hat!"
„Wer hat's g'sagt?" fragte Katherl mit stockendem Athem.
„Benno selbst. G'sagt und g'schrieben hat er's!"
Und nun theilte er den Ueberraschten die soeben von Fuchsberg eingelaufene Nachricht von dem Selbstmorde