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Kersselher Srei^lött
Gratisbeilagen: „Illustrirtes Ssnntagsblatt" u. „Illuftrirte landwirthschaftliche Verlage".
Nr. 8?.
S-mieiiil Len 2?. Juli
1895.
Erstes Blatt.
Bestellungen auf das Herssklder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sotttttags- blatt" und „Jllustrirte landwirthschaftliche Beilage" für die Monate August und September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 20. Juli 1895.
Der Herr Regierungs-Präsident hat auf Grund der ihm seitens der Herren Minister der Finanzen und des Innern unterm 20. Dezember 1894 ertheilten Ermächtigung zu der von dem Kreisausschusse des hiesigen Kreises ausgesprochenen Genehmigung der von den Gemeindebehörden beschlossenen Ordnungen, betreffend die Erhebung einer Hundesteuer, die nach § 77 Absatz 3a des Kommunalabgabengesetzes vom 14. Juli 1893 erforderliche Zustimmung mit der Maßgabe ertheilt, daß: 1. in der Einleitung hinter dem Worte Gemüßheit eingeschaltet wird „des § 3 der Kurhessischen Gemeinde-Ordnung vom 23. Oktober 1834" und
2. „die Steuer nicht in Jahresraten, sondern in Halbjahresraten zu zahlen ist, dergestalt, daß bei dem Abgänge eines Hundes während der ersten 6 Monate für das
2. Halbjahr keine Steuermehr gezahltzuwerden braucht;
3. die Besitzer derjenigen Hunde, welche zur Bewachung oder zum Gewerbe unentbehrlich sind, von der Steuer frei bleiben.
Die Herren Ortsvorstünde des Kreises erhalten je ein Exemplar der eingereichten Steuerordnung in den nächsten Tagen zurück, um die Erhebung der Hundesteuer hiernach vorläufig bewirken zu lassen.
J. A. Nr. 1980. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.
Hersfeld, den 25. Juli 1895.
Das im Kreisblatt Nr. 74 veröffentlichte Ausschreiben des Herrn Landesdirektors vom 22. Juni d. Js. II. Nr. 2907, betreffend den entwichenen Zwangszögling Joh. Heinrich Wilhelm Vaugt aus Spangenberg, hat sich durch Ergreifung des rc. Vaugt erledigt.
I. I. Nr. 4435. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.
Hersfeld, den 25. Juli 1895.
Für die am 27. Mai 1878 zu Hallendach geborene Rosa Seeligmann ist um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden. J. I. Nr. 4444. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.
_ £ Warnung.
Ja laben und Geschäften, welche als Lottcrie-Komtor, Lottcrie- ^terie-Kollekte bezeichnet sind und deren Inhaber sich als Lotterie-(änmehmer resp. Kollekteur bezeichnen, werden Loose der Preußlichen Klasfen-Lotteiie und Anthcilscheine auf solche Loose, oft unter Benennung als Anthciiloose, für Preise angeboten, welche die im Lotterieplan bestimmten Preise sehr weit übersteigen und ferner no* dadurch erhöht werden, daß in den Antheilscheinen selbst die Verkäufer derselben hohe Gewinn-Abzüge für sich ausbedingen.
Die Antheilscheme begründen niemals Ansprüche an die Lotterie- Verwaltung auf Looseerneuerung und auf Gewinnzahlung.
Vielfache gerichtliche Verurtheilungen von Loosantheilschein-Ver- käusern haben herauSgestellt, daß solche Verkäufer häufig betrügerisch verfahren, indem sie die Loose, auf welche sie Antheile verkaufen, nicht besitzen oder auf wirklich besessene Loose viel mehr Antheilscheme auS- geben, als der Umfang ihres LoosebesitzeS erlaubt, ober endlich indem sie ihrerseits erhobene größere Gewinne unterschlagen und mit denselben verschwinden.
Zur Unterscheidung der Loosanthcilscheine von den achten Loosen machen wir darauf aufmerksam, daß die letzteren stets einen Stempel mit der inneren Umschrift „Koen. Pr. Gen. Lotterie.Direkt." und die gedruckte Unterschrift .Königl.Preuß. General-Lotteric-Direktion" tragen.
Zur Unterscheidung zwischen den sich als „Lotterie-Einnehmer" benennenden und ihr Geschäft als „Lotterie-Einnahme" oder „Lotterie- Komtor" bezeichnenden Privat-Verkäufern von Loosen einerseits und den Königlichen Lotterie-Einnehmern andererseits aber machen wir darauf aufmerksam, daß die letzteren allein als „Königliche Lotterie- Einnahmen" ober „Königliche Lotterie-Einnehmer sich namhaft machen.
Berlin, den 8. Juli 1882.
Königliche General-Lotterie-Direktion. DammaS. Lilienthal
UichtamMches.
Wirr Rillfclists Nsr-lmihsfuhrt.
Die erljabene Schönheit der nordischen Natur, die zum ersten Male im Jahre 1889 auf unseren Kaiser einen so mächtigen Eindruck machte, hat ihn auch in diesem Jahre wieder veranlaßt, die kurze Zeit, die er nach den anstrengenden Negierungsgeschäften der Erholung widmen muß, zu einer Nordlandsfahrt zu verwenden. Am 27. Juli ist die „Hohenzoller"" nach mehr als dreiwöchiger Abwesenheit vor Saßnitz auf der Insel Rügen vor Anker gegangen.
Die diesjährige Reise Kaiser Wilhelms ging nicht wie in früheren Jahren nach Norwegen, sondern nach der Ostküste von Schweden. Vor Stockholm statteten ihm gleich nach seiner Ankunft der König und der Kronprinz von Schweden auf der „Hohenzollern" einen Besuch ab. Bald darauf begab sich der Kaiser ans Land und weilte hier mehrere Tage als Gast des Königs Oskar in Stockholm und auf dem nahe dabei gelegenen königlichen Schlosse Drontningholm, sowie als Gast des Kronprinzen auf dem malerisch auf einer in die Ostsee vorspringenden Landzunge liegenden Schlosse Tullgarn.
Mit Genugthuung hat es das deutsche Volk begrüßt, ba6*ie freundschaftlichen Beziehungen, die unsere hochseligen Kaiser,Wilhelm der Große und Friedlich der Edle zu dem schwedische« Königshause unterhielten, unter ihrem Nachfolger erneuert sind, und der begeisterte Empfang, der unserem Kaiser nicht nur auf dem Festlande, sondern vor allem auch in Wisby auf der Insel Gotland von der schwedischen Bevölkerung zu theil geworden ist, muß als ein erfreuliches Zeichen der Sympathie betrachtet werden, die Schweden und Deutschland mit einander verbindet. Das war keine Mache, die das schwedische Volk veranlaßte, überall, wo unser Kaiser in Erscheinung trat, in große Scharen selbst aus den fernsten i Gegenden herbeizueilen, um dem Träger der deutschen Kaiserkrone seine Huldigungen darzubringen; der Ruf: „Es lebe der Kaiser!" wurde überzeugungstreu mit derselben hinreißenden Begeisterung ausgestoßen, wie es immer bei uns der Fall ist, wenn sich der geliebte Monarch dem Volke zeigt.
Das schwedische Volk hat damit offen bekundet, daß ; ihm die Regierungsthätigkeit unseres Kaisers Bewunde- j rung abgenöthigt hat. Nicht zum wenigsten mag hierzu l der Umstund beigetragen haben, daß es Kaiser Wilhelm stets als seine Hauptaufgabe betrachtet hat, ein Hort des ’ Friedens zu sein und Europa vor der schrecklichen Geißel : der Kriegssurie zu bewahren. Auch dieser Aufenthalt in i Schweden wird das unablässige Streben des Kaisers, der Friedeusarbeit seines Volkes immer neue Bürgschaften der Dauer und der Sicherheit zu verschaffen, einen weiteren Schritt dem Ziele näher führen.
Aber noch ein anderer, nicht minder wichtiger Zweck, als die Befestigung freundschaftlicher Beziehungen mit fremden Mächten ist es, den der Kaiser mit seinen Reisen ins Ausland verfolgt. „Bei meinen Reisen" — so sagte er am 5. März 1890 auf dem brandenburgischen Pro- vinziallandtage — „habe ich nicht allein den Zweck verfolgt, fremde Länder und Staatreinrichtungen kennen zu lernen und mit den Herrschern benachbarter Reiche freundschaftliche Beziehungen zu pflegen, sondern diese Reisen haben für mich den hohen Werth, daß ich, entrückt dem Parteigetriebe des Tages, die heimischen Verhält
nisse aus der Ferne betrachten und in Ruhe einer Prüfung unterziehen kann. Wer jemals einsam auf hoher See auf der Schiffsbrücke stehend, nur Gottes Sternenhimmel über sich, Einkehr in sich selbst gehalten hat, der wird den Werth einer solchen Fahrt nicht verkennen. Manchem von meinen Landsleuten möchte ich wünschen, solche Stunden zu erleben, in denen der Mensch sich Rechenschaft ablegen kann über das, was er erstrebt und was er geleistet hat."
So weiß das deutsche Volk, daß Kaiser Wilhelm auch jetzt wieder, die Sorge für das Vaterland im Herzen, sich über sein Streben und Wirken Rechenschaft abgelegt hat. Ein Fürst aber, der es mit seiner hohen Aufgabe so ernst nimmt, wie unser Kaiser, kann von seinen Reisen und Selbstbetrachtungen nur Gutes für sein Land mitbringen. Möge er gestärkt an Körper und Geist zurückgekommen sein, damit er die auf der Nordlandsfahrt gewonnenen Eindrücke auch diesmal wieder verwerthen kann zum Segen und zum Heile unseres Vaterlandes.
Die Pariser Presse im Jahre 1870.
In diesen Tagen, wo wir uns die Ruhmestage deS deutsch-französischen Krieges m die Erinnerung zurück- rufen und in pairivüicher Weise uns der Errungenschaften jener denkwürdigen Zeit freuen, kann die Pariser Presse sich nicht genug entrüsten über den „Siegesrausch" der Deutschen. Mit scharfen, hochtrabenden Worten werden die „Barbarei", der „Hochmuth" und die „Anmaßung", die in dem Festjubel angeblich zum Ausdruck kommen, von den Pariser Zeitungen verurtheilt. Da wird es vielleicht nicht unangebracht sein, einmal den Geist zu kennzeichnen, der in der Pariser Presse, namentlich während der ersten Monate des Krieges, gewaltet hat. Die „Leipziger Neuesten Nachrichten" veröffentlichen eine Blüthenlese aus Pariser Zeitungen, der wir folgendes entnehmen.
Der „Rappell", das Organ Viktor Hugos, schrieb am 9. Juli:
„Die Hohenzollern sind zu solchen Graden von Verwegenheit gelangt, daß sie den ungeheuerlichen Plan einer Universalherrschaft zu hegen wagen. Es genügt ihnen nicht, Deutschland erobert zu haben, sie wollen Deutschland beherrschen. Es wird für unsere Zeit eine ewige Schmach sein, daß dieser Plan, wir sagen nicht, verwirklicht, aber doch gedacht werden konnte."
In den wenigen Tagen bis zur Kriegserklärung und bis einige Tage darauf steigerte sich dieser Chauvinismus bis zum Wahnsinn. Denn anderes ist es doch nicht, wenn man im „Journal de Paris" vom 23. Juli ließt:
„Auf, auf! Die Stunde ist da für großartige Opfer. Der lang zurückgehaltene Haß ruft Kämpfer im Nu herbei, Männer, Greise, Kinder, Weiber. Der Feind kommt und stimmt seine Gesänge an, er wird bald aufhören zu singen. Wer über unsere Grenzen kommt, wird hier im Staube schlafen. Wenn der Feind in der Scheune liegt, legt Feuer daran. Um einen solchen K o t h wegzukehren , wie sollte man sich da noch besinnen? Wer an Frankreich rührt, soll auf unseren Misthaufen röcheln. An j e d e m A st soll einer von ihnen hängen. Ohne Rast haltet ein Treibjagen auf sie, versteckt euch in jedem Dickicht; beginnen wir alle die große Jagd, und glücklich mögen sie sich schätzen, wenn wir, nachdem wir ihnen d i e Mistgabel in den Bauch gejagt und sie in ihrer Höhle aufgespießt haben, nicht bei ihnen bleiben."
Der „Gaulois" aber schrieb am 31. Juli:
„Die TurcoS lecken sich schon die Schnauze, weil sie jetzt auf das deutsche Wild loS- gelaffen werden. Sie werden die Männer abwürgen und Wagen voll Frauen nach Frankreich schleppe n."
Dann kamen die ersten Berichte vom Kriegsschauplatze und je toller der Trubel war angesichts der erlogenen Siege, um so höher war der Sturz von der Höhe dieser Begeisterung zurück in die ohnmächtige Wuth über die Niederlagen. Sie richtete sich zunächst gegen